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Version 2.6.1 der Desktop-Umgebung Gnome

Feinschliff statt Neubau

Trotz Widrigkeiten wie einem Einbruch auf dem Gnome-Server dauerte es nur ein halbes Jahr zum nächsten Major-Release: Gnome springt zur Version 2.6, inzwischen gibt sogar schon 2.6.1 und der Nachfolger ist bereits in Planung.

Mehr Sprachen, überarbeitete und neue Werkzeuge sowie eine übersichtlichere Konfiguration bereichern die neue Ausgabe der Desktop-Umgebung Gnome ("GNU Network Object Model Environment"). In die meisten aktuellen Distributionen hat sie bisher allerdings noch keinen Einzug erhalten, die Ausnahme bildet lediglich Fedora [1]; Das Gnome-Projekt [2] selbst stellt lediglich die Quell-Codes zum Selberkompileren bereit (S. 26).

Beim ersten Hinsehen bietet Gnome 2.6 gegenüber seinem Vorgänger allerdings wenig neues; wer Version 2.4 benutzte, bemerkt die Unterschiede zunächst wohl nur bei bewusster Suche.

Ein gänzlich neues Gefühl stellt sich aber beim ersten Stöbern durch das lokale Dateisystem ein: Der Dateimanager Nautilus bildet den Schwerpunkt des neuen Release (S. 29). Er beeinflusst das "Look and Feel" der gesamten Oberfläche, ist aber nicht die einzige Neuerung.

Epiphany

Schon seit Gnome-Version 2.4 dient als Standard-Webbrowser nicht mehr Galeon, sondern Epiphany. Diesen haben seine Entwickler weiter verbessert, vor allem mit der Absicht, die Benutzeroberflächer intuitiver zu gestalten. Von Anfang an war das Ziel des Epiphany-Teams hoch gesteckt: Das am einfachsten zu bedienende Interface eines Webbrowsers überhaupt wollte es auf die Beine stellen. Um Web-Seiten anzuzeigen, bedienen sich die Programmiere der Rendering-Engine von Mozilla [4] und widmen sich voll und ganz der Oberflächengestaltung.

Wer es bevorzugt, die Browser-Einstellungen bis ins Detail individuell zu gestalten, greift wohl nicht zu Epiphany; das Dialog-Fenster unter BearbeitenEinstellungen bietet nur einen Bruchteil der Mozilla-Konfiguration; dass der Browser sich um viele Optionen selbst kümmert, entspricht der Epiphany-Philosophie (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der Web-Browser Epiphany setzt auf Übersichtlichkeit.

Neue Optionen sind trotzdem hinzugekommen, ohne den Fokus auf unkomplizierte Konfiguration aus den Augen zu verlieren. So haben die Entwickler die Werkzeugleisten anders ausgestattet als beim Vorgänger, dabei ragt vor allem die neue Möglichkeit heraus, Symbole per Drag'n'Drop hinzuzufügen oder zu entfernen: Hinter dem Menüpunkt BearbeitenWerkzeugleisten verbirgt sich ein Dialogfenster, das noch nicht verwendete Symbole enthält. Mit der Maus zieht man sie auf die Werkzeugleiste und individualisiert so die Oberfläche ohne einen einzigen Tastendruck.

AUch an anderen Details hat das Epiphany-Team gefeilt: In Web-Formularen gibt es jetzt eine Undo-Funktion, um getroffene Änderungen rückgängig zu machen, die Schriftgröße lässt sich wie in Textverarbeitungen üblich in der Einheit points statt in Pixeln einstellen und einige Dialogfenster verschaffen durch ein neues Outfit besseren Überblick.

Neue Panel-Ausrüstung

Liebhaber einer reichlich gefüllten Kontrollleiste erhalten mit der neuen Gnome-Version Nachschub. Nach einigen Diskussionen entschied sich das Team, das Netzwerküberwachungs-Applet aufzunehmen. Es beobachtet ein Netzwerkgerät und zeigt, ob dieses momentan verbunden ist; daraus lässt sich gerade bei Einwahlverbindungen schnell der Status ablesen. Zwei skizzierte Monitore signalisieren durch ein Aufleuchten zudem, ob das Gerät gerade Daten verschickt und empfängt. Ein dazugehöriges Fenster gibt auf Anfrage IP-Adresse sowie übertragene Datenmenge an und vervollständigt dadurch den Informationsstand.

Wer in seinem Schriftverkehr gelegentlich die Sprache wechselt, benötigt dafür meistens eine andere Tastenbelegung, vor allem für die Eingabe von Sonderzeichen. Ein weiteres neues Applet erspart den Weg über die Tastaturkonfiguration: Der Tastaturindikator klappt bei einem Mausklick eine Liste auf, aus der man die gewünschte Sprache oder eine Variante derselben wählt.

Damit lässt sich beispielsweise bequem die nodeadkeys-Variante des deutschen Tastaturlayouts vorrübergehend ausschalten, um einen Buchstaben mit einem Akzent zu versehen. Zum selben Zweck ließe sich eine französische Belegung genauso schnell einrichten.

Doch nicht jedes Sonderzeichen lässt sich auf diese Art erreichen; schließlich findet man einige davon auf keinem Tastaturlayout oder man kennt die passende Belegung nicht. Deshalb sorgt ein ebenfalls neues Applet für einfachen Zugriff: Die Zeichenpalette bildet eine Liste mehr oder weniger exotischer Sonderzeichen in der Kontrollleiste ab.

Ein Klick auf ein Symbol kopiert es in den Zwischenspeicher, so dass es sich dann mit der mittleren Maustaste in jede Applikation einfügen lässt. Damit die Zeichenliste nicht zu viel Panel-Platz beansprucht zeigt das Applet stets nur eine Auswahl an, die man über eine Aufklappliste bestimmt.

Abbildung 2: Das gut gefüllte Gnome-Panel.

Diese Liste bietet jedoch nicht alle existierenden Sonderzeichen an; Um Platz zu sparen und die komplette Sammlung zu finden, gibt es die Anwendung Zeichentabelle (Abbildung 3).

Abbildung 3: Die Zeichentabelle liefert Sonderzeichen.

In puncto Tastenbelegung bildet das neue Auswahl-Applet nur den Anfang der Neuerungen. Das Gnome-Team erhöhte nicht nur die Anzahl der verfügbaren Sprachen, auch die Zusatztasten so genannter Multimedia-Keyboards lassen sich jetzt direkt über die Tastatureinstellungen nutzen. Das Programm acme, das diese Aufgabe früher erledigte, wird somit überflüssig.

Zusätzlich bieten die Tastaturkonfiguration an, die aus medizinischen Gründen an Bildschirmarbeitsplätzen empfohlene Pause nach einer Stunde Arbeit durch eine Tastensperre zu erzwingen.

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