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Pinguin im Klassenzimmer

Linux-Distributionen für die Schule

KmLinux

Einen anderen Weg als Skolelinux geht das als Desktop-System und nicht als Server konzipierte KmLinux [6]. Ziel seiner Macher ist es, Pädagogen ein leicht zu installierendes System an die Hand zu geben, das alle für den Einsatz in der Schule notwendigen Programme enthält.

Als Basis der aktuellen Ausgabe dient Suse Linux in Version 8.2. Entsprechend sind die Anforderungen an die Hardware etwas höher als bei Skolelinux: Einen Prozessor mit 500 MHz Taktfrequenz und 128 MByte Arbeitsspeicher sowie 2--3 GByte freien Festplattenplatz sollte der zu verwendende Rechner schon haben. KmLinux unterstützt zur Zeit nur die Installation auf einer IDE-Festplatte, Benutzer eines reinen SCSI-Systems schauen deshalb in die Röhre.

Der Installationsprozess verlangt vom Anwender kaum Eingriffe: Nach dem Einlegen der ersten CD startet ein grafisches Installationsprogramm, das die eingebauten Festplatten analysiert und anschließend fragt, ob das System den gesamten Datenträger in Beschlag nehmen soll oder eine bestehende Windows-Partition schrumpfen muss. Wer sich für Letzteres entscheidet, sollte unbedingt ein Backup der Daten anlegen. Zu guter Letzt kopiert das Installationsprogramm das ganze System auf die Festplatte.

Neben dem Superuser root richtet es auch gleich den nicht privilegierten Benutzer Hugo ein. Beide Accounts sind nicht durch Passwörter geschützt, so dass der Benutzer diese nach dem ersten Start unbedingt als Erstes setzen sollte.

Nach dem grafischen Anmelden präsentiert sich ein sauber konfiguriertes, aber nicht mehr ganz aktuelles KDE 3.1.3. Alle für die Büroarbeit nötigen Programme sind installiert und funktionieren mit deutschen Menüs. Für Schreib- und Rechenarbeiten ist OpenOffice dabei, wer es einfacher mag, schreibt seine Texte mit Abiword. KDict bietet Zugriff auf Online-Wörterbücher, und zum Betrachten von PDF-Dateien ist Acrobat Reader installiert (Abbildung 7). Dank DHCP findet das System schnell Anschluss ans Netzwerk; wer mag, konfiguriert seinen Netzzugang mit dem Konfigurationsprogramm Yast2 manuell.

Abbildung 7: KmLinux bringt alles fürs Büro mit.

Die Distribution enthält zahlreiche Programme für die naturwissenschaftlichen Fächer und dazu das bewährte Grafikprogramm Gimp in der Version 1.2.5. Für jüngere Schüler ist TuxPaint dabei, zum Zeichnen gibt es QCad (Abbildung 8).

Abbildung 8: Die Auswahl an Lernprogrammen ist auch bei KmLinux groß.

Das Fach Informatik bietet Gelegenheit zur Nutzung der mitgelieferten Compiler für C/C++ und Pascal. Als Entwicklungsumgebungen bringt KmLinux KDevelop für C und C++, Lazarus für Pascal sowie HBasic und Eric für Python mit, so dass in jeder dieser Programmiersprachen komfortables Arbeiten möglich ist (Abbildung 9).

Abbildung 9: Anders als Skolelinux enthält KmLinux viele Programme zur Software-Entwicklung.

Das von Suse bekannte Yast2 steht als Konfigurationsprogramm zur Verfügung. Während des Tests ließ es sich allerdings bei zwei Installationen nicht benutzen, da seine Konfigurationsdaten nicht korrekt installiert wurden (siehe auch Kasten 3). Eine Neuinstallation des gesamten Systems half in beiden Fällen weiter. Läuft Yast2, steht ein gut funktionierendes Werkzeug zum Einrichten der Hardware zur Verfügung.

Kasten 3: Probleme bei der KmLinux-Installation

Falls nach der Installation von KmLinux ein oder mehrere Programme nicht starten wollen, obwohl die Setup-Routine vollständig durchlief, hilft meist ein zweiter Versuch: Besonders bei älteren CD-Laufwerken, die Probleme mit selbstgebrannten CDs haben, kommt es vor, dass ein Teil des Installationsarchivs nicht richtig gelesen wird. Das Installer-Programm gibt dann nicht etwa einen Fehler aus, sondern springt zum Ende der Installation und meldet fälschlicherweise Vollzug.

Von den teilweise auftretenden Installationsproblemen abgesehen, finden (nicht nur) Lehrer in KmLinux eine gut konfigurierte Distribution für den Desktop, die sich leicht um Pakete aus dem großen Angebot von Suse erweitern lässt. Nachdem die Weiterentwicklung des Projekts aufgrund fehlender Helfer schon gefährdet war, ist jetzt eine neue Version auf Basis von Suse 9.1 in Arbeit. Helfer und Tester sind immer noch sehr willkommen.

GI-Knoppix

Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich in die Masse der Knoppix-Derivate auch eines für den Gebrauch im Unterricht einreihte: Das Gymnasium Isernhagen bei Hannover gibt mit GI-Knoppix eine modifizierte Version von Knoppix 3.4 heraus, die besonders auf die Bedürfnisse dieser Schule ausgerichtet ist. Interessenten finden unter [7] das ISO-Image zum Herunterladen aus dem Netz.

Ziel von GI-Knoppix ist es, Schülern und Lehrern eine Linux-Distribution an die Hand zu geben, die ohne Installation auf jedem halbwegs modernen Desktop-Rechner und Laptop läuft und alle Programme mitbringt, die auch in der Schule verwendet werden. Aus diesem Grund enthält GI-Knoppix weniger Anwendungen als das Original, dafür einige Lehr- und Lernprogramme zusätzlich.

Wer mag, installiert sich GI-Knoppix mit Hilfe eines grafischen Programms auf den Rechner. Allerdings war dieses bei unserem Rezensionsexemplar, das als Release Candidate 9 firmierte, noch nicht ganz fehlerfrei. Hier soll eine der nächsten Versionen Abhilfe schaffen, damit auch das Einrichten des Systems auf der Festplatte gelingt.

Beim Systemstart kommt die von Knoppix gewohnte Hardware-Erkennung zum Einsatz; am Ende landet der Benutzer in einem sauber konfigurierten, wenn auch nicht mehr ganz aktuellen KDE 3.1.5 (Abbildung 10). Die wichtigsten Programme erreicht er über Icons auf dem Desktop, im K-Menü verstecken sich die Lehrprogramme in der doch sehr allgemeinen Rubrik Programme. Insgesamt könnte das Programmstartmenü besser sortiert sein: So befinden sich die Tools zur Software-Erstellung einmal unter Entwicklung und einmal unter ProgrammeInformatik.

Abbildung 10: GI-Knoppix enthält nur einige Lernprogramme.

Zum Schreiben, Kalkulieren und Präsentieren steht OpenOffice 1.0.3 zu Diensten; als Editor für wissenschaftliche Texte ist LyX (Abbildung 11 oben links) mit an Bord, das im Zusammenspiel mit LaTeX druckreife Schriftsätze produzieren hilft. Unverständlicherweise fehlen bis auf KStars alle Programme aus dem KDE-Edu-Paket; für Mathematik, Physik und Chemie sind aber eine Reihe anderer Programme dabei, darunter solche, die weder Skolelinux noch KmLinux mitbringen. Dazu zählen Walter Fendts "Java-Applets zur Mathematik" [15], das Computer-Algebra-System MuPAD [17], das Astronomieprogramm XEphem [19], Xmgrace [20] zur Auswertung von Messreihen, das Chemie-Zeichenprogramm XDrawchem und die Molekülvisualisierungssoftware VMD [21].

Abbildung 11: Für die Büroarbeit ist GI-Knoppix bestens gerüstet.

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