Pinguin im Klassenzimmer

Linux-Distributionen für die Schule

01.07.2004
Um Schülern den Umgang mit Computern beizubringen, müssen Schulen nicht zu teuren Windows-Lizenzen greifen. Linux ist das System der Wahl, ist es doch preiswert und gibt sich auch mit älterer Hardware zufrieden.

In Zeiten knapper Kassen und wachsender Ansprüche wollen immer mehr Schulen weg von teuer zu lizenzierender Systemsoftware und hochpreisigen Anwendungsprogrammen. Da kommt Linux gerade recht, zumal es auch ein ganz reales Problem vieler Computerkabinette zumindest mildert: Die oft nicht mehr ganz taufrische Hardware, die mit neueren Windows-Versionen hoffnungslos überfordert wäre, lässt sich zumindest weiterbetreiben. Selbst gegen den an vielen Schulen chronischen Hardware-Mangel hilft der Einsatz von Open-Source-Software zumindest indirekt: Statt Lizenzkosten für kommerzielle Programme zu bezahlen, kauft man neue Rechner.

Auch das Argument, unter Linux gäbe es nicht genügend im Unterricht nutzbare Anwendungen, gilt längst nicht mehr [1--3]. Mit OpenOffice existiert eine umfangreiche Sammlung an Büroprogrammen, Mozilla und Konqueror sind standardkonforme Browser und nicht zuletzt dank des KDE-Edutainment-Projekts [4] wächst die Menge der Software für den fachspezifischen Unterricht stetig.

Mag die extreme Konfigurierbarkeit eines Linux-Systems in der Theorie noch so viele Möglichkeiten zur Erstellung eines "pädagogischen Designs" [1] bieten – allzuoft obliegt die Administration der Schulrechner damit zusätzlich betrauten Lehrern, die sicherlich Besseres vorhaben, als aus einer unspezifisch konfigurierten Linux-Distribution ein für den Einsatz in der Schule maßgeschneidertes System zusammenzubauen. Daher steigt die Nachfrage nach speziell fürs Klassenzimmer konzipierten Distributionen, von denen dieser Artikel drei verschiedene vorstellt.

Distributionen für den Schuleinsatz

Das norwegische Projekt Skolelinux [5] präsentiert sich als Lösung für den Aufbau eines kompletten Netzwerks innerhalb einer Schule. KmLinux [6], das vom Schleswig-Holsteinischen Bildungsserver gefördert wird, zeichnet sich als Desktop-Distribution insbesondere durch sehr einfache Installation aus. Mit GI-Knoppix [7] vom Gymnasium Isernhagen schließlich gibt es eine Live-Distribution, die es ermöglicht, Linux auf nahezu jedem Computer ohne Eingriffe auf der Festplatte laufen zu lassen.

Kasten 1: Inhalte des Computerunterrichts

Im Computerunterricht an Schulen geht es vor allem darum, den Schülern die Grundfertigkeiten im Umgang mit dem Gerät und der Software beizubringen. Wie eine informationstechnische Grundbildung aussehen kann, zeigt beispielhaft das Medienkonzept der Kooperativen Gesamtschule Kirchweyhe in Niedersachsen: Danach erfolgt die Ausbildung am Rechner stets fachbezogen, nicht in einem gesonderten Fach Informatik.

In der fünften Klasse üben die Schülerinnen und Schüler im Deutschunterricht den Umgang mit dem Gerät, sie lernen, sich mit ihrem Benutzernamen und dem Passwort im Netzwerk anzumelden und eine Verbindung zum Internet aufzubauen. Des Weiteren stehen die Grundlagen der Textverarbeitung auf dem Lehrplan. Wer mag, erlernt in einer Arbeitsgemeinschaft das 10-Finger-Schreiben auf der Tastatur. Die sechsten Klassen vertiefen das Thema Textverarbeitung; im Fach Welt- und Umweltkunde stehen erste Recherchen im Internet an.

In der siebten und achten Klasse lernen die Jugendlichen, wie man Bilder bearbeitet und Texte und Bilder in Präsentationen und Textdokumenten miteinander verknüpft. Der Lehrplan für den Mathematikunterricht schreibt das Erstellen von Diagrammen und Tabellenkalkulation vor, während der Fremdsprachenunterricht vorsieht, in Vorbereitung von Schüleraustauschen E-Mail-Kontakt mit Schülern in anderen Ländern aufzunehmen. Im Musikunterricht arbeiten die Siebt- und Achtklässler mit einem Sequenzer-Programm.

Die neunte und zehnte Jahrgangsstufe schließlich führen die Nutzung des Computers in allen Fächern ein. Die Schwerpunkte liegen dabei zwar auf Mathematik, Arbeit/Wirtschaft und Musik, doch soll das Internet auch in allen anderen Fächern als Recherchemedium genutzt und E-Mail zur Kommunikation verwendet werden. Auch das Erstellen und Verändern von Texten und Präsentationen wird weiter vertieft.

Am Ende der zehnten Klasse haben die Schüler den Umgang mit dem Computer gelernt und sind in der Lage, Texte und Präsentationen zu erstellen, einfache Berechnungen mit einer Tabellenkalkulation auszuführen und sich des World Wide Web als Informationsmedium zu bedienen. Interessierte Jugendliche haben in den oberen Klassenstufen die Möglichkeit, das Programmieren zu lernen oder schwierigere Aufgaben und mathematische Probleme mit Hilfe des Computers zu lösen.

Skolelinux

In Norwegen und einigen anderen Ländern ist Skolelinux ("skole" heißt auf Norwegisch "Schule") bereits erfolgreich im Einsatz; so verhalf das System kürzlich 300 älteren PCs in Uganda zu einem neuen Leben als Terminal-Clients [8]. Auch in Deutschland laufen Skolelinux-Installationen, unter anderem in der Gesamtschule in Borgholzhausen, wo ein Computerraum mit 14 Terminalclients und einer Workstation in Betrieb ist.

Die Distribution, an deren Entwicklung sich mittlerweile auch viele deutsche Enthusiasten beteiligen, versteht sich als Komplettlösung für den Aufbau einer EDV-Infrastruktur in Schulen. Als Basis verwenden die Entwickler Debian "woody". Gedacht ist das Client-Server-System für den Lehrbetrieb mit Schülern zwischen sechs und sechzehn Jahren.

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