Desktop im Eigenbau

Gnome selbst kompilieren mit Garnome

01.07.2004
Fertige Pakete für die neue Gnome-Version gibt es bisher für die wenigsten Distributionen. Als Ersatz hilft das Skript Garnome beim Selbstkompilieren; damit machen Sie sich unabhängig vom Distributor.

Red Hats Desktop-Projekt Fedora [3] liefert derzeit als einzige Distribution die Desktop-Umgebung Gnome in der aktuellsten Version 2.6 mit; die Gnome-Entwickler selbst stellen lediglich den Quell-Code zur Verfügung. Diesen zu kompilieren kostet Zeit und Mühe, doch Garnome [1] automatisiert den Vorgang.

Entwicklungsumgebung

Eine aufwändige Software wie Gnome aus dem Programm-Code in maschinenlesbare Form übersetzen zu lassen, setzt eine komplette Entwicklungsumgebung und etwas Erfahrung mit configure [4] und make [5] voraus. Dazu zählen in erster Linie ein C- und C++-Compiler, darüberhinaus die Werkzeuge Binutils, Flex, Bison oder Yacc, Gettext und Patch. Weiterhin sind Wget, GZip und BZip2 vonnöten.

Diese Pakete stehen bei allen gebräuchlichen Distributionen zur Auswahl. Sind sie wie bei der Suse-Personal-Ausgabe nicht auf der mitgelieferten CD enthalten, lassen sie sich vom FTP-Server des Distributors herunterladen. Die genauen Paketnamen weichen dabei voneinander ab; das distributionsspezifische Paketwerkzeug fördert die genaue Bezeichnung zutage.

Achten Sie darauf, dass Ihre Compiler gcc und g++ nicht veraltet sind, aktuell ist Version 3.3. Neuere Distributionen liefern die benötigte Ausgabe ohnehin mit.

Für Benutzer der stabilen Debian-Version Woody sieht es allerdings schlecht aus: Zwar wäre die Nachinstallation eines aktuellen C-Compilers kein Problem, jedoch setzt Gnome 2.6 viele weitere Bibliotheken in aktuelleren Versionen voraus – darunter das Paket libc6, das für das gesamte System von entscheidender Bedeutung ist – dass sich ein Umstieg auf Debian Sarge ("testing") nicht vermeiden lässt.

Nachdem diese Software auf dem System vorhanden ist, haben Sie die Voraussetzungen erfüllt, um C-Programme zu kompilieren; Gnome benötigt aber noch eine ganze Reihe weiterer Entwicklungspakete. Wie sie im Detail heißen, variiert von Distribution von Distribution, Tabelle 1 listet die Namen der Entwicklungspakete unter Suse und Debian Sarge auf, bei anderen Linux-Systemen weichen sie möglicherweise ab.

Tabelle 1: Benötigte Entwicklerpakete

Basispaketname Suse-Paketname Debian-Sarge-Paketname
pkg-config pkgconfig pkg-config
fontconfig fontconfig-devel libfontconfig1-dev
FreeType (mindestens Version 2.0.9) freetype2-devel libfreetype6-dev
docbook-xml docbook_4 docbook-xml
docbook-xsl docbook-xsl-stylesheets docbook-xsl-stylesheets
libpng libpng-devel libpng-dev
libjpeg libjpeg libjpeg62-dev
libtiff libtiff libtiff3g-dev
XFree86 XFree86-devel libx11-dev
libpopt popt-devel libpopt-dev
libbz2 bzip2 libbz2-dev
zlib zlib-devel zlib1g-dev
libfam fam-devel libfam-dev
mozilla mozilla-devel mozilla-dev
ncurses ncurses-devel libncurses5-dev
libstartup-notification libstartup-notification-devel libstartup-notification0-dev

Konfiguration

Nach den Vorbereitungen folgt die Installation des Garnome-Skripts selbst. Entpacken Sie das Archiv aus dem Verzeichnis garnome auf der CD in Ihrem Home-Verzeichnis mit tar xjf garnome-2.6.1.tar.bz2 und wechseln Sie ins neue Verzeichnis garnome-2.6.1.

Die Datei gar.conf.mk steuert die Garnome-Konfiguration. Die wichtigste Option lautet GARCHIVEDIR, mit dem Sie ein lokales Verzeichnis festlegen, dass die Gnome-Quellpakete enthält; tragen Sie hier um von der Heft-CD zu installieren beispielsweise GARCHIVEDIR = /media/cdrom/LinuxUser/gnome-2.6.1 ein – abhängig vom Pfad zu Ihrem CD-ROM-Laufwerk. Findet Garnome an der angegebenen Stelle die Quellpakete nicht, lädt es sie aus dem Internet herunter, sofern eine Verbindung besteht.

Ist Ihr Festplattenplatz begrenzt, entfernen Sie das Kommentarzeichen (#) vor der Zeile export BUILD_CLEAN = true, damit Garnome die entpackten und kompilierten Dateien der einzelnen Pakete nach erfolgter Installation wieder löscht. Weiterhin legen Sie unter main_prefix das Zielverzeichnis des fertigen Gnome fest, nach der Voreinstellung landet es in Ihrem Home-Verzeichnis unter garnome. Der Eintrag WORKROOTDIR definiert bei Bedarf ein Verzeichnis, in dem der Kompiliervorgang stattfinden soll, beispielsweise auf einer zweiten Festplatte mit ausreichend freiem Platz; während der Installation benötigt Garnome nämlich etwa 1 GByte Plattenspeicher.

Wollen Sie das fertige Gnome auch anderen Benutzern auf dem Rechner zur Verfügung stellen, legen Sie unter main_prefix einen öffentlichen Pfad wie /usr/local/garnome fest, bei den meistens Systemen brauchen Sie dazu root-Rechte. Ein allgemein zugängliches Zielverzeichnis ist auch für den Fall vorteilhaft, dass Sie die neue Desktop-Umgebung später in Ihren Display-Manager wie KDM (KDE Display Manager) oder GDM (Gnome Display Manager) integrieren möchten.

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