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Neue Natürlichkeit

Gnome-Dateimanager im neuen Gewand

Kontakt zur Außenwelt

Der Dateiverwalter beschränkt sich nicht auf das lokale Dateisystem, sondern erlaubt auch Ausflüge ins LAN oder Internet. Über das Icon Computer und den dortigen Eintrag Netzwerk erhält man beispielsweise Zugriff auf alle Samba-Freigaben im heimischen Netzwerk. Alternativ öffnet man per [Strg-L] den Dialog zur Ortsauswahl und steuert mit der Eingabe von smb://workgroup die Samba-Freigaben aller Rechner an, die zur Arbeitsgruppe workgroup gehören.

Um ein anderes System mit laufendem SSH-Server zu kontaktieren, verwendet man sftp. Die Adresse sftp://amueller@yar verbindet mit dem Computer yar und öffnet eine Dialogbox, die amuellers Passwort aufnimmt. Nach der erfolgreichen Anmeldung erscheint das entfernte Verzeichnis ebenso wie ein beliebiger lokaler Ordner. Mit der Protokollkennung ftp:// spricht Nautilus das File Transfer Protocol und kontaktiert nach Eingabe von ftp://ftp.gnome.org den FTP-Server des Gnome-Projekts, wo man nachschaut, ob es eventuell schon eine neuere Version der Desktop-Umgebung gibt.

Etwas eigenwillig mutet die Umsetzung des HTTP-Protokolls an. Auf zwei Testrechnern, von denen einer Mozilla und der andere Epiphany als Standard-Browser nutzte, öffnete die Eingabe von http://www.google.de nicht etwa die Hauptseite der Suchmaschine im Web-Browser, sondern im Editor gedit (Abbildung 10). Hier sollten die Entwickler dringend nachbessern – gerade unerfahrene Benutzer werden sich über das Editor-Fenster mit HTML-Quelltext wundern. Umso seltsamer ist das Verhalten, da Nautilus lokal gespeicherte HTML-Seiten bei einem Doppelklick brav mit Mozilla öffnet, wie man es erwartet.

Abbildung 10: So haben Sie "Google" noch nie gesehen – Nautilus öffnet HTTP-Adressen in "gedit".

Über das Computer-Icon auf dem Desktop gelangt man außerdem an Wechseldatenträger, wie USB-Sticks, Disketten und CD-ROMs. Ist ein Laufwerk erst einmal gemountet, legt Nautilus zusätzlich ein Icon auf dem Desktop an, so dass man es über Datenträger aushängen seines Kontextmenüs wieder aus dem Dateisystem entfernen kann, ohne erneut den Computer-Ordner öffnen zu müssen.

My Home is my Desktop

Neben der Dateiverwaltung ist Nautilus für das Zeichnen des Desktops verantwortlich: ein Feature, das Anwendern das Leben schwer macht, die den Gnome-Dateimanager gerne unter einem anderen Fensterverwalter oder unter KDE nutzen würden. Wie in früheren Versionen kennt Nautilus noch immer den Aufruf-Parameter --no-desktop, mit dem man ihm unter anderen Umgebungen verbietet, eine weitere Arbeitsfläche über den Standard-Desktop zu stülpen.

Innerhalb der Gnome-Umgebung liegen alle Elemente des Ordners ~/Desktop auf der Arbeitsfläche, doch Nautilus kann noch mehr: Auf Wunsch verwendet er das Home-Verzeichnis des Anwenders als Desktop, so dass man die eigenen Dateien und Ordner immer im Blick hat. Die Option, das Home-Verzeichnis auf dem Desktop darzustellen, sucht man in den Menüs vergebens, sie ist jedoch im gconf-editor schnell aktiviert. Die Option apps | nautilus | preferences | desktop_is_home_dir aktiviert das Feature. Anders als bei den übrigen gconf-editor-Einstellungen bemerkt man die Änderung nicht sofort. Damit Nautilus den Desktop komplett neu zeichnet, meldet man sich entweder neu an oder beendet den Dateimanager mit dem Befehl nautilus -q (-q für quit). Die Sitzungsverwaltung startet Nautilus automatisch neu. Auf der Arbeitsfläche liegt nun alles, was im Home-Verzeichnis des Anwenders gespeichert ist – je nach Struktur dieses Ordners ist das nicht immer wünschenswert. Kaum ein Anwender braucht bei seiner Arbeit Zugriff auf den Ordner Mail, in dem Kmail und Sylpheed die elekronische Post des Nutzers verwahren. Ebenso nutzlos sind die Verzeichnisse tmp<CI> mit temporären Dateien und GNUstep in dem die Konfiguration des Fenstermanagers Windowmaker liegt.

Diese Elemente verschwenden nur kostbaren Platz, und deshalb bringt Nautilus ein Feature mit, um sie aus dem Blickfeld zu verbannen: Man legt dazu eine Textdatei namens .hidden im Home-Verzeichnis an und schreibt alle Ordner- und Dateinamen hinein, die Nautilus nicht auf dem Desktop darstellen soll. Um die oben genannten Störfaktoren zu eliminieren, sähe der Inhalt von .hidden so aus:

GNUstep
Mail
tmp

So blendet man auch Elemente aus, die nicht omnipräsent und für alle zufälligen Besucher gut sichtbar auf dem Desktop liegen sollen (Abbildung 11). Wer jetzt denkt, er könne durch die Zeile *.txt alle Textdateien ausblenden, erlebt eine Enttäuschung: Platzhalter in der .hidden-Datei haben keinen Effekt; Nautilis ignoriert sie einfach. Anwender mit einem halbwegs ordentlichen eigenen Reich schaffen sich mit diesem Feature jedoch einen Desktop nach Maß, auf dem alles Wichtige nur einen Mausklick entfernt ist.

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LinuxUser 06/2012

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