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Die neue Suse-Linux-Version 9.1

01.07.2004 Ab Anfang Juni soll sie auch zum Download erhältlich sein – das neue Suse Linux 9.1. Wir haben uns mit der Box-Ausgabe der Professional-Version das Produkt für Endanwender angeschaut, das die Novell-Company für alle bereit hält, die sich schon für Linux entschieden haben.

Fünf CDs, zwei doppelseitige DVDs, zwei (zusammen über 1000 Seiten dicke) Handbücher und 90 Tage Installationssupport – während der kürzlich von Novell übernommene Nürnberger Linux-Distributor bei der Suse 9.1 Professional für 89,95 Euro einen guten Gegenwert bietet, lohnt sich der Griff zur Personal Edition nur noch bedingt: Eine Installations- und eine Live-CD (siehe auch S. 23) samt nicht einmal 100 Seiten Installationshandbuch und 30 Tagen Installationssupport für 29,95 Euro geht gerade als Schnupper-Linux für bislang Unentschlossene durch. Käufer der Vorversion, Arbeitslose, "Lehrende und Lernende", Senioren, Behinderte sowie Wehr- und Zivildienstleistende erhalten die Professional-Ausgabe auf Nachweis für 59,95 Euro [1].

Tatsächlich trügt die Masse der Datenträger in dieser Box ein wenig, denn abgesehen von der zweiten DVD mit den Quelltexten gibt es den Rest in doppelter Hinsicht doppelt: Wer die Installations-DVD mit der falschen Seite einlegt, bekommt die launige, englischsprachige Meldung "Coole Software, aber dies ist ein 32-Bit-Rechner. Du kannst darauf keine 64-Bit-Software laufen lassen." zu sehen. Da die CDs noch einmal die 32-bittige Version für gängige PCs enthalten, lassen sich ein Rechner mit AMDs Athlon 64-Prozessor und ein "normaler" Computer zeitgleich installieren.

Ein nicht zu unterschätzender Vorteil, denn das Aufspielen des Systems dauert – im Vergleich zu anderen Distributionen – ewig: Für ein Default-System (das bei CD-Gebrauch die ersten beiden CDs anfordert) muss man mit einer Stunde rechnen, sollen individuelle Wünsche berücksichtigt werden, kann schon einmal ein Nachmittag draufgehen. Dass Suse anders als die Konkurrenz keine vorgefertigten Installationsprofile, etwa für Multimedia-Profis, Gamer oder Bürorechner anbietet, ist einer der wenigen weiteren Punkte, die es an der Installationsroutine zu mäkeln gibt.

Gegen das PC-Dilemma der unendlichen Zusammenstellbarkeit von Hardware ist aber auch Suse nicht gefeit. Während das Setup auf vielen Rechnern tadellos lief, gab es im Test auch Ausrutscher, wie die Fehlerkennung eines Samsung-SyncMaster-172S-Monitors (hier half es, manuell auf die generische 1280x1024-Auflösung für LCD-Bildschirme zurückzugreifen), eine Festplatte, von der Suse nur mit Lilo, nicht aber mit Grub booten wollte, oder einen auf dem Motherboard integrierten Marvell-88E8001-Gigabit-Ethernet-Controller, den Yast fälschlicherweise als zwei Netzwerkkarten erkannte, wovon er "die falsche" konfigurierte. Letzteres Problem behob sich nach dem Reboot von selbst. Für den Absturz, der dem Formatieren von Partitionen mit dem XFS-Dateisystem auf den Fuß folgt, stellt Suse mittlerweile ein Treiber-Update zur Verfügung [2].

Bei einem älteren Notebook hatten wir das Problem, dass der Installer für eine Standardinstallation mehr als vier Stunden veranschlagte, da er die Festplatte nicht in den DMA-Modus schaltete. Ein Wechsel per [Strg-Alt-F2] auf die Konsole mit dem root-Kommandozeilenprompt (zurück zum Installationsschirm geht es später mit [Alt-F7]) und Eingabe von

hdparm -d1 /dev/hda

versetzte die Festplatte in diesen Modus, sodass die Installation nun flotter vonstatten ging.

Ärgerlich ist, dass die mitgelieferten Handbücher nicht auf dem aktuellen Stand sind: Weder verraten sie, dass in Version 9.1 mit install=slp ein neuer Boot-Parameter hinzukam, noch wie sich ein damit angesprochener SLP-Installationsserver aufsetzen lässt. Entsprechende Kurzhinweise finden sich nur in den Release Notes.

Neuer Kernel, neuer Desktop

Mit Version 9.1 fällt – laut Entwicklungsleiter Andreas Jäger infolge der umgestellten Hotplugging-Funktionalität – die Möglichkeit weg, einen 2.4er Kernel alternativ zu Kernel 2.6.3 (nach Online-Sicherheitsupdate 2.6.4) zu betreiben. Nicht erschrecken sollten Nutzer eines mit SpeedStep- oder PowerNow-Fähigkeit versehenen Prozessors, wenn ihre CPU plötzlich zu niedrig getaktet erscheint: Wenn nichts zu tun ist, drosselt Suse die Taktfrequenz und spart somit Strom und Lüfterlärm. Mit dem Kommandozeilenbefehl powersave -A lässt sich ein entsprechend ausgestatteter Rechner auch per Hand dazu überreden, die Taktfrequenz dynamisch anzupassen. Der Kommandozeilenbefehl powersave -f bringt die CPU bei Bedarf wieder auf Touren; powersave -l setzt sie auf die niedrigstmögliche Frequenz.

Auf dem Desktop arbeitet jetzt KDE 3.2.1. Für das kdelibs3-Paket behebt das Online-Update, so entsprechend konfiguriert [3], automatisch das auf S. 14 beschriebene kritische Sicherheitsloch. Ein Update auf KDE 3.2.2 ist ebenfalls möglich [4]. Noch kein Suse-9.1-Paket gibt es für den vor kurzem unter der GPL veröffentlichten Evolution Connector [5] der ebenfalls zu Novell gehörenden Firma Ximian, der das Mailprogramm Evolution zum Microsoft-Exchange-2000/2003-Client macht, doch das soll sich in Kürze ändern.

Den Usability-Verbesserungen des KDE-Teams angeschlossen hat sich auch das Suse-eigene Start-Menü: Es gibt jetzt statt eines kryptischen Programmnamens einen allgemein verständlichen Anwendungsszweck als Menüpunkt an. Ist nur eine passende Applikation installiert (wie in Abbildung 1 beim Punkt Adressen), erfährt die Anwenderin allerdings nicht mehr, welche gemeint ist – nicht nur für erfahrene User ein Manko, denn was mag sich wohl hinter SpieleAction verbergen? Kommen weitere Applikationen hinzu, erweitert sich das Menü um ein Untermenü (in Abbildung 1 am Punkt Finanzen zu sehen). Dort wiederum mangelt es dem Distributor an Konsequenz: Bei manchen steht benutzerfreundlich dabei, um welche Art Applikation es sich handelt, bei manchen muss man sich auf den Anwendungsnamen einen Reim machen.

Abbildung 1

Abbildung 1: Ganz konsequent war Suse nicht beim Umsetzen der Usability-Regel "Nicht nur den Programmnamen angeben, sondern auch die Art der Applikation".

Anwendungen en masse

Anders als in der Vorversion lässt sich nunmehr auch Gnomemeeting unter KDE (und nicht nur unter Gnome, das in Version 2.4.2 beiliegt) starten, ohne nach dem Beenden als Zombieprozess weiter dahinzuvegetieren. Dafür beschwert sich KDE lustigerweise mit der Fehlermeldung Unbekannter Rechner, wenn man über [Alt-F2] ein nicht installiertes oder nicht im Suchpfad enthaltenes Programm aufruft.

Natürlich sind sämtliche KDE- und Gnome-Büroprogramme neben OpenOffice 1.1.1 dabei – überraschenderweise aber auch die kommerzielle Textverarbeitung Textmaker [6] als Vollversion, die Betaversion der zugehörigen Tabellenkalkulation Planmaker (Abbildung 2) und das Präsentationswerkzeug IndeView [7]. Vom HBCI-Onlinebanking-Programm Moneyplex liegt hingegen nur eine abgespeckte Ausgabe bei, die zudem online registriert werden will.

Abbildung 2

Abbildung 2: Obwohl der Standard-Desktop-Hintergrund der gleiche ist, verwendet Gnome nicht das Suse-Startmenü, sondern macht es zum Unterpunkt des Gnome-Menüs.

Video-DVDs spielt Suse (mit Kaffeine oder Totem) grundsätzlich keine ab, obwohl die lizenzrechtlichen Einschränkungen nur verschlüsselte DVDs betreffen. Dafür hat der Nürnberger Distributor mit MP3s (anders als Red Hat und Fedora) offensichtlich keine Probleme.

Indem Suse auswechselbare CD- und DVD-Datenträger per subfs automatisch ins Dateisystem einbindet, entfällt eine der größten Hürden für Linux-Neulinge. Bei USB-Sticks, die jetzt mit ewiglangen Verzeichnisnamen unterhalb von /media gemountet werden, brauchte es im Test manchmal allerdings mehrere Anläufe, bis sich Konqueror nicht mehr weigerte, Dateien auf das neu erkannte Gerät zu kopieren.

Wie für die meisten Distributionen gilt eben auch hier: Eine gelungene Installation ist nicht alles. Wer das System länger betreibt, stößt unweigerlich auf Fehler und Unannehmlichkeiten, denn soviel Software, wie Suse mitliefert, kann gar nicht mit vernünftigem Aufwand in allen Kombinationen durchgetestet werden. Spätestens dann darf sich die Anwenderin entscheiden, ob sie damit leben kann oder nicht doch Lernzeit und -aufwand investiert, um den Dingen selbst auf den Grund zu gehen.

Glossar

SLP

Das "Service Location Protocol" ist ein Internet-Protokoll, mit dem Rechner im lokalen Netzwerk einfach und ohne manuellen Konfigurationsaufwand von Servern angebotene Dienste erkennen und in Anspruch nehmen können. Tippt man im Konqueror "slp:/" ein, werden diese Dienste (so vorhanden) sichtbar.

Hotplugging

Die Möglichkeit, Hardware während des Betriebs auszutauschen, zu entfernen oder neu anzustecken (und anschließend auf das neue Gerät auch ohne Reboot zugreifen zu können).

Infos

[1] Suse-Linux-9.1-Bezug: http://www.suse.de/de/private/products/suse_linux/prof/prices.html

[2] Bekannte Probleme mit Suse 9.1: http://portal.suse.com/sdb/de/2004/02/bugs91.html

[3] Yast: Nico Lumma, "Die andere Seite", LinuxUser 06/2004, S. 35 ff.

[4] KDE-Updates: http://www.suse.de/de/private/download/linuks/i386/update_for_9_1

[5] Novell Connector: http://www.novell.com/products/connector/

[6] Textmaker: Frank Wieduwilt, "Schlanker Texter", LinuxUser 05/2003, S. 28 f., http://www.linux-user.de/ausgabe/2003/05/028-textmaker/

[7] Indeview: Karl-Heinz und Michael Zimmer, "Folien ohne Grenzen", LinuxUser 04/2004, S. 58 ff., http://www.linux-user.de/ausgabe/2004/04/058-indeview/

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