deskTOPia
Wie Ihr Linux-Desktop aussieht, bestimmen allein Sie. Mit deskTOPia nehmen wir Sie regelmäßig mit auf die Reise ins Land der Windowmanager und Desktop-Umgebungen, stellen Nützliches und Farbenfrohes, Hingucker und hübsches Spielzeug vor.
Panel, Desktop-Icon oder Menü: Das sind die klassischen Wege, Programme über die grafische Oberfläche zu starten. Doch keine der Lösungen befriedigte den Programmierer von xap, der sich Rasca nennt, richtig: Weder hatte er Lust, sich durch Menüebenen zu hangeln, noch wollte er seinen Desktop mit Icons zukleistern. Sein Utility Xap [1] verfolgt einen anderen Ansatz: Platzsparend ordnet es die Startknöpfe für Ihre Lieblingsprogramme in einem Fenster auf dem Desktop an – auf Wunsch auch in mehreren Reitern sortiert. Die am häufigsten benötigte Anwendung, einen Dateimanager, bringt es als Goodie gleich mit.
Zusammengemischt
Da es fertige Pakete des Tools nicht gibt, ist der Griff zum Compiler Pflicht. Mit dem üblichen Dreischritt ./configure ; make ; su -c make install ist es diesmal nicht getan: Das configure-Skript das ermitteln soll, wo die benötigten Entwichklerdateien liegen, liefert keine korrekten Werte und trägt ins Makefile falsche Pfade zu den gtk- und glib-Header-Dateien ein. Der make-Aufruf bricht daher mit Fehlermeldungen ab. Das verhindern Sie, indem Sie dem configure-Skript explizit sagen, wo die Include-Dateien liegen. Unter Suse Linux 9.0 geben Sie dafür
CFLAGS="-I/opt/gnome/include/gtk-1.2 -I/opt/gnome/include/glib-1.2" ./configure
ein. Bei Redhat 9.0, SuSE 8.2 und Mandrake Linux 9.0,9.1, 9.2 und 10.0 liegen die Entwicklerdateien von gtk und glib unterhalb von /usr. Nutzer diese Distributionen rufen daher
CFLAGS="-I/usr/include/gtk-1.2 -I/usr/include/glib-1.2" ./configure
auf. Das -I bedeutet, dass das folgende Verzeichnis, zum Beispiel /opt/gnome/include/gtk-1.2, für die Übersetzung nötige Include-Dateien enthält. Diese Pfade landen durch den obigen Aufruf im Makefile. Der make-Befehl, den Sie anschließend aufrufen, sollte nun fehlerfrei laufen. Als Administrator kopieren Sie mit make install das fertige Binary xap nach /usr/local. Die am Ende des Befehls ausgegebene Fehlermeldung können Sie ignorieren. Xap bringt Menüverknüpfungen für das alte KDE 2 mit, die es nicht kopieren kann, da das Zielverzeichnis nicht existiert. Der Programmstarter ist zu diesem Zeitpunkt jedoch schon installiert – der Fehler hat also keine Folgen.
Ordentlich angerichtet
Der Befehl
xap &
startet die Neuerwerbung. Beim ersten Start legt das Programm sein Konfigurationsverzeichnis ~/.xap an und füllt es mit Verknüpfungen zu den mitgebrachten Tools. Es öffnet sich in einem Fenster, das Sie frei auf dem Desktop platzieren können. Darin befinden sich zwei Registerreiter apps und tools. apps ist bereits gefüllt mit den Schnellstart-Icons der Programme, die Xap mitliefert: den Dateimanager xwf, die Suche xfi, ein Frontend für GnuPG und ein Tool zur Rechteverwaltung (Abbildung 1).
Im Reiter tools herrscht noch gähnende Leere, was Sie aber schnell ändern. Welche Programme Xap anbieten soll, erfährt es aus seinem Einstellungsverzeichnis ~/.xap. Jeder Ordner dort steht für einen Registerreiter; das Verzeichnis ~/.xap/tools nimmt zum Beispiel die Programme auf, die später auf dem gleichnamigen Reiter erscheinen. Ein Programm fügen Sie hinzu, indem Sie mit dem ln-Befehl eine Verknüfung zur Programmdatei anlegen, zum Beispiel für xterm:
ln -s /usr/bin/xterm ~/.xap/tools/xterm
Damit Xap den Neuzugang anzeigt, starten Sie es neu.
Eigene Reiter legen Sie über New Page im xap-Kontextmenü an (Abbildung 2), Xap erzeugt dann einen neuen Ordner in ~/.xap, in dem Sie wieder Programmverknüpfungen anlegen können. So unterteilen Sie Programme ordentlich in Kategorien und verschwenden trotzdem keinen Platz auf der Arbeitsfläche.



