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Yast auf der Kommandozeile

01.06.2004 Das Installations- und Konfigurationstool der Suse-Distribution, Yast, hat sich über die Jahre zu einem äußerst mächtigen Werkzeug gemausert. Dumm nur, dass so manches nützliche Feature zu unbekannt ist, um oft zur Anwendung zu kommen.

Man liebt sie oder man hasst sie: An der Suse-Distribution scheiden sich die Geister, und ein Grund dafür ist das distributionseigene Installations- und Systemwartungswerkzeug Yast, dessen Name lakonisch für "Yet Another Setup Tool" steht. Eingefleischte Fans schwören darauf, Open-Source-Puristen störten sich bislang an seiner Lizenz (ein Kritikpunkt, den die neue Suse-Mutterfirma Novell noch in diesem Jahr beheben möchte, indem sie Yast der GPL unterstellt [1]), und eine Menge User lehnt das Tool ab, sei es, weil es zu mächtig erscheint, sei es, weil Suse-Nutzer mit seiner Hilfe unter Umständen nur lernen, wie man ein Suse-Linux-System administriert, nicht aber ein Linux-System.

Konfigurationsdatei-scheuen User bietet Yast in jedem Fall den Vorteil, die Hürde, ein Linux-System administrieren zu müssen, gering zu halten. Dabei ist Yast nicht unbedingt für blutige Einsteiger gedacht, denn ohne entsprechendes IT- und Linux-Fachwissen erschließen sich die wenigsten Dialoge: Zu den Aufgaben von Yast gehört mittlerweile die Konfiguration sehr vieler System-Bestandteile vom User-Management über das Netzwerk-Setup, die Konfiguration des grafischen X-Window-Systems oder das Hinzufügen zusätzlicher Peripheriegeräte.

Erfahrene Suse-Nutzer schätzen vor allem Yasts Flexibilität und schwören auf den Text-Modus, der alternativ zur grafischen Oberfläche existiert. Die Benutzerführung durch Tastaturkürzel ist in beiden Varianten gleich, im grafischen Modus kann man natürlich die Maus zu Hilfe nehmen.

Was den Textmodus interessant macht, ist die Schnelligkeit, mit der sich Aufgaben lösen lassen, hat man sich einmal an ihn gewöhnt (Abbildung 1). Gerade, wer nur geschwind eine neue Software einspielen will, wird von der grafischen Yast-Variante speziell auf älteren Systemen allzu lange hingehalten.

Abbildung 1: Gar nicht bunt, aber um einiges schneller – so sieht Yast im Textmodus aus.

Debian-User schwärmen dann zurecht von apt-get [2] und geben den Tipp: "Mach doch einfach apt-get install paketname!" Tatsächlich kommen auch Suse-Nutzer über das exzellente Apt4RPM [3] in den Genuss des "Advanced Package Tool" APT. Doch vor diesem Schritt lohnt es sich, erst einmal zu schauen, wie sich Yast besser nutzen lässt. Dafür startet man das Programm als root einfach mit dem Befehl yast aus einer Kommandozeile heraus.

Woher kommt die Software?

Für die Nachinstallation von Software geht Yast standardmäßig davon aus, dass sie von dem Medium eingespielt wird, von dem das System installiert wurde. Wer nicht immer die CDs oder DVDs griffbereit am Rechner liegen haben möchte und ohnehin über eine gute Internetverbindung verfügt, geht mit der Pfeiltaste auf das Stichwort Software, drückt [Enter] und wählt mit einem weiteren [Enter] den Punkt Installationsquelle wechseln aus (Abbildung 2).

Das Tastenkürzel [Alt-H] öffnet nun ein Menü, in dem sich durch Anwahl mit den Pfeiltasten und anschließendem [Enter] alternative Installationsquellen, darunter die Mirror-Server von ftp.suse.com angeben lassen (Tabelle 1). In der Regel erscheinen die Suse-Distributionen einige Wochen nach der Veröffentlichung auch auf den FTP-Servern, sodass man zum Beispiel den Menüpunkt FTP... wählt, als Servername ftp.gwdg.de eintippt, mit [Tab] zum Punkt Verzeichnis auf dem Server weitergeht, dort pub/linux/suse/ftp.suse.com/suse/ (ohne führenden /!), ergänzt um das Verzeichnis für die richtige Rechnerarchitektur (für PCs i386/) und die Distributionsversion (etwa 9.0), angibt, ein weiteres Mal die [Tab]-Taste betätigt und mit [Enter] den Punkt Anonymous (also den Zugriff ohne Benutzerkonto) aktiviert. [Alt-O] fügt die neue Installationsquelle zur Liste hinzu.

Wem das nicht reicht, der kann die Inhalte der Distribution auf einen eigenen Server kopieren und dann per NFS, FTP, HTTP oder Samba darauf zugreifen. Den Dialog verlässt man zum Beispiel, indem man mit der [Tab]-Taste auf den Punkt [Schließen] geht und [Enter] drückt.

Abbildung 2: Ein FTP-Server wird als Installationsquelle hinzugefügt.

Tabelle 1: Mirror-Server für ftp.suse.com

Protokoll

Servername

Verzeichnis auf dem Server (für Suse Linux 9.0)

FTP ftp.gwdg.de pub/linux/suse/ftp.suse.com/suse/i386/9.0/
FTP ftp.tu-chemnitz.de pub/linux/suse/ftp.suse.com/suse/i386/9.0/
FTP linux.mathematik.tu-darmstadt.de pub/linux/distributions/suse/ftp.suse.com/suse/i386/9.0/
FTP ftp.htwk-leipzig.de pub/suse.com/ftp.suse.com/suse/i386/9.0/
FTP ftp.mpi-sb.mpg.de pub/linux/mirror/ftp.suse.com/ftp.suse.com/suse/i386/9.0/

Online-Update

Um einen Internetzugang nicht herum kommt, wer sein System sicherheitstechnisch (und auch sonst) stets auf dem aktuellen Stand halten will. Diese Aufgabe übernimmt das "Yast Online Update" (YOU), das sich unter SoftwareOnline-Update konfigurieren lässt. Auch hier gilt es, einen Mirror auszuwählen, den Yast unter Installationsquelle allerdings schon vorgibt (Abbildung 3).

Nutzer einer Standleitung gehen mit [Tab] am besten auf den Punkt [Vollautomatisches Update konfigurieren...], um YOU dort so einzurichten, dass Yast zu einer anzugebenden Uhrzeit automatisch nach Updates schaut.

Abbildung 3: Über die Punkte "[Neuer Server...]" und "[Server bearbeiten...]" lassen sich alternative Spiegelserver für das Online-Update konfigurieren.

Alternativ wählt man im Dialog aus Abbildung 3 den Punkt [Weiter] aus, um das Online-Update händisch anzustoßen (Abbildung 4). Schneller zum Update-Dialog führt der Kommandozeilenbefehl you; bei Suse 9.0 allerdings nur zur grafischen Fassung.

Abbildung 4: YOU zeigt die Pakete für das Update an.

Kasten 1: Das etwas andere Update-Tool – fou4s

Wem YOU nicht zusagt, findet im "Fast OnlineUpdate for Suse" eine Alternative. Dabei handelt es sich zwar "nur" um ein einfaches Shell-Skript, aber da Installation und Anwendung denkbar unkompliziert sind, lohnt sich ein Versuch.

Zu diesem Zweck installiert man das aktuellen RPM von http://fou4s.gaugusch.at/ mit

yast -i fou4s-0.x.y-z.noarch.rpm

Anschließend zeigt fou4s --server eine Liste der Mirrorserver, von der man (so nicht zufrieden mit dem Standard ftp.gwdg.de) einen anderen wählen kann.

fou4s -u --checkfou4s lädt die Liste der Patches für die Distribution herunter und schaut gleichzeitig nach Updates für fou4s selbst. fou4s -e sorgt für einen Trockenlauf des Updates, ohne dabei etwas herunterzuladen oder zu installieren. Erst fou4s -i (als root aufgerufen) macht ernst mit der Aktualisierung des Systems.

Anschließend kann man die Datei /usr/share/doc/packages/fou4s/fou4s-crontab nach /etc/cron.d kopieren und hat damit einen Cronjob konfiguriert, der regelmäßig nach Updates sucht und diese gleich installiert.

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