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Kochen, ganz leicht

Rezepte verwalten mit Krecipes

01.06.2004
Ständig Kochbücher wälzen, nur weil Freunde sich zum Essen einladen, war gestern: Mit dem Programm Krecipes verwalten Hobby- wie Gelegenheitsköche ihre Rezepte und lassen sich sogar die Einkaufsliste erstellen.

Erst ein Jahr alt und doch steckt es bereits voller nützlicher Zutaten: Das Rezeptverwaltungsprogramm Krecipes [1] macht den Linux-PC auch in der Küche unentbehrlich. Dessen letzte, als Paket veröffentlichte Vorversion 0.4.1 stammt noch aus der Vorweihnachtszeit 2003. Seitdem haben die drei beteiligten Entwickler allerdings schon kräftig "weitergekocht", sodass mit Version 0.5 bald die erste Beta-Version erscheinen wird.

In den Entwicklerkochtopf kann man aber schon jetzt gucken: Der Snapshot steht im CVS-Modul kdenonbeta auf den KDE-Servern zum Download bereit. Ungewöhnlich für ein Kdenonbeta-Programm: Seit Version 0.4.1 "spricht" Krecipes bereits sechs Sprachen, darunter Deutsch. Die deutsche Übersetzung im aus dem CVS gezogenen Quellcode auf der Heft-CD ist allerdings noch nicht ganz vollständig. Auch die Online-Hilfe fehlt teils noch; hier freuen sich die Entwickler über jeden freiwilligen Beitrag.

Welchen Rezeptspeicher hätten Sie gern?

Die Rezepte legt Krecipes in einer Datenbank ab; zur Auswahl stehen derzeit MySQL [2] und SQLite [3]. Eine dritte, PostgreSQL, soll zu einem späteren Zeitpunkt, vermutlich um Version 1.0 herum, hinzukommen. Die Unterstützung von MySQL und SQLite hingegen funktioniert bereits tadellos. Dennoch stellt sich die Frage, welche der beiden Datenbanken es denn sein darf.

MySQL ist sehr komplex und bringt einen eigenen Datenbankserver mit, der bei jedem Krecipes-Start bereits laufen muss. Wer schon einen MySQL-Server auf seinem Computer eingerichtet hat, kann diesem sehr gut die Rezeptverwaltung übertragen. Ist das nicht der Fall, reicht SQLite für den Hobbybedarf vollkommen aus.

Für die MySQL-Benutzung müssen die gleichnamigen Pakete, das Dev(el)-Paket von Qt und qt3-mysql von den Distributionsdatenträgern nachinstalliert werden. Fehlt das Paket qt3-mysql, führt kein Weg an einer Neuübersetzung von Qt vorbei, bei der ein MySQL-Plugin für die Bibliothek erstellt wird (Kasten 1). Ohne dieses lässt sich Krecipes nicht mit MySQL nutzen.

Kasten 1: Qt-Neuübersetzung rüstet MySQL-Unterstützung nach

Für das Kompilieren von Qt braucht man dessen Quelltext. Dieser lässt sich entweder von der Distributions-CD installieren oder bei der Qt-Herstellerfirma Trolltech [4] herunterladen.

Nach dem Entpacken des Archivs wechseln Sie in das Verzeichnis, in dem sich der Qt-Quelltext befindet. Anschließend konfigurieren Sie den Funktionsumfang der Bibliothek mit der Option -plugin-sql-mysql so, dass MySQL von Qt benutzt werden kann:

cd qt-verzeichnis
./configure -system-zlib -qt-gif -system-libpng -system-libjpeg -plugin-imgfmt-mng -thread -no-exceptions -plugin-sql-mysql

Dabei sorgt die Konfigurationsoption -system-zlib dafür, dass die auf dem System installierte Kompressionsbibliothek zlib verwendet wird; gleiches gilt für die Bibliotheken für die Bildformate PNG und Jpeg. Statt einer eventuell installierten Bibliothek für das GIF-Bildformat hingegen soll die entsprechende Funktionalität aus Qt verwendet werden (-qt-gif), und das Bildformat MNG ("Multiple-Image Network Graphics") wird nur als Plugin in Qt eingespielt.

Die Option -thread sorgt dafür, dass mehrere Programmabläufe in den Qt nutzenden Programmen parallel ablaufen können. Die letzte Konfigurationsoption, die standardmäßig benutzt werden sollte, heißt -no-exceptions und bedeutet, dass von Programmierern vorgesehene Ausnahmebehandlungen nicht akzeptiert werden. Weitere Optionen dürfen, wie das Beispiel zeigt, zusätzlich an den Kommandoaufruf angehängt werden.

Nach erfolgreichem Abschluss der Konfiguration bauen Sie die Qt-Bibliothek und ein paar Werkzeuge, die Sie für Qt und KDE benötigen:

make sub-src sub-tools

Dies nimmt einige Zeit in Anspruch. Qt muss anschließend nicht installiert werden!

Bei SQLite ist die Sache wesentlich wenig einfacher, da Krecipes die nötige Brückenfunktionalität selbst implementiert. Aus dem Internet [3] heruntergeladen oder von der Heft-CD kopiert, entpackt man das SQLite-Paket erst einmal, wechselt ins Quellenverzeichnis und ruft die Konfigurationsroutine auf:

tar xvzf sqlite-2.8.12.tar.gz
cd sqlite
./configure

Geht hier alles glatt, folgen die Schritte Kompilation und Installation. SQLite kann mit make install systemweit installiert werden, jedoch brauchen Sie hierzu Systemadministratorrechte, die – bei Kenntnis des root-Passworts – der Befehl su (für "substitute user") verschafft:

make
su -c "make install"

Anstellen eines Rezeptverwalters

Ist die gewünschte Datenbank am Platz, laden konservative User den Krecipes-Quelltext der Version 0.4.1 von der Projekt-Homepage herunter; Mutige besorgen sich den aktuellen Quelltext aus dem Entwicklungszweig von KDE via CVS oder von der Heft-CD.

Unabhängig von der Krecipes-Version vergewissern Sie sich bitte, dass Sie die kdelibs-Dev(el)-Pakete auf Ihrem System vorfinden; wenn nein, installieren Sie das passende Paket (kdelibs3-devel-version.rpm o. ä.) Ihrer Distribution nach. Nur damit lassen sich KDE-Programme aus dem Quelltext übersetzen.

Benutzen Sie den Krecipes-Quelltext von der Heft-CD, so muss dieser erst entpackt werden:

tar xvjf krecipes.tar.bz2

Im dabei entstehenden krecipes-Verzeichnis rufen Sie das Konfigurationstool auf, und zwar unter Angabe des Pfads zum Qt-Oberverzeichnis:

cd krecipes
./configure -with-qt-dir=/Verzeichnis

So findet Krecipes auch ein wie in Kasten 1 selbst kompiliertes Qt. Die anschließende Installation besorgen die Befehle make und make install.

Wer MySQL nutzt, muss nun zunächst den Datenbankserver starten. Das geht bei vielen Systemen über das distributionseigene Konfigurationsprogramm. Meistens findet sich dort ein Eintrag namens Dienste oder Runlevel-Verwaltung. Dort lässt sich der MySQL-Server starten oder einstellen, dass er automatisch beim Hochfahren des Betriebssystems losläuft.

Ruft man nun zum ersten Mal das Rezeptverwaltungsprogramm mit dem Befehl krecipes& in der Konsole oder über das K-Menü auf, so erscheint ein Assistent, der die anfängliche Einrichtung erleichtert. Dieser enthält beim Einsatz von MySQL zwei Dialoge mehr als bei der Arbeit mit SQLite, denn bei MySQL geht es nicht ohne einen Datenbankbenutzer.

Abbildung 1: Bei MySQL geht nichts ohne vorab angelegte Datenbankbenutzer.

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