ISDN ganz leicht
ISDN-Konfiguration unter Debian mit grafischer Oberfläche
Installation
Wenn Sie sich das passende Paket von isdn-config (isdn-config_0.21-1_i386.deb) auf die ein oder andere Weise besorgt haben, booten Sie ihr Debian-System, um isdn-config zu installieren.
Das Paket isdn-config benötigt neben dem Treibersystem isdn4linux einige weitere Debian-Pakete mit ISDN-bezogener Software. Da das Debian-Paket für isdn-config keine entsprechenden Abhängigkeiten enthält, empfiehlt es sich, die benötigten Pakete vorab zu manuell zu installieren.
Öffnen Sie dazu eine Shell und geben Sie den Befehl su ein, um zum Root-Benutzer zu wechseln. Wenn Sie die LinuxUser-DVD 01/2004 (Seite B "Sarge") verwenden möchten und diese zur Zeit nicht als Installationsquelle eingestellt ist, können Sie dies mit dem Befehl apt-cdrom add nachholen. Legen Sie die DVD ein, drücken Sie die Eingabetaste und warten Sie, bis das Debian-Paketmanagement das Verzeichnis auf der DVD enthaltenen Pakete eingelesen hat.
Sie können natürlich auch einen Internet-Server als Quelle verwenden. Dabei kann es jedoch durch neuere Versionen zu Abweichungen vom hier beschriebenen Installationsvorgang kommen. Zur Installation der benötigten Pakete können Sie wie hier beschrieben den Befehl apt-get verwenden. Mit einem Paketmanager mit grafischer Oberfläche wie KPackage oder Synapticapt-get zurückgreift, klappt es ebenfalls.
Vor der Installation von isdn-config empfiehlt es sich, sicherzustellen, dass die Debian-Variante für die ISDN-Unterstützung nicht verwendet wird. Das Paket isdnutils enthält nämlich ein Init-Skript zum Initialisieren des ISDN-Subsystems, das bei Bedarf, üblicherweise bereits beim Hochfahren des Systems, gestartet wird.
Das Paket für isdn-config enthält ebenfalls ein solches Skript. Das Init-Skript von isdnutils kann für isdn-config nicht verwendet werden. Mit update-rc.d isdnutils remove stellen Sie sicher, dass das Init-Skript von isdnutils nicht mehr automatisch beim Hochfahren des Systems gestartet wird. Es ist nicht nötig, das Paket isdnutils zu entfernen.
Vom Init-Skript von isdnutils abhängige Software kann jedoch nicht gleichzeitig mit isdn-config verwendet werden. Dann sollten Sie jedoch das Init-Skript von isdn-config mit update-rc.d isdn remove deaktivieren.
Das Programm isdn-config erwartet ein geladenes ISDN-Subsystem. Es empfiehlt sich, den ISDN-Treiber mit dem Init-Skript von isdn-config zu laden. Stellen Sie zudem sicher, dass die ISDN-Treiber nicht schon vorher geladen werden.
Entfernen Sie aus der Datei /etc/modules mit einem Texteditor die Zeile mit dem entsprechenden Modulnamen wie beispielsweise hisax_fcpcipnp. Beim nächsten Neustart wird das betreffende Modul dann nicht mehr automatisch geladen.
Zum Betrieb von isdn-config muss grundlegende ISDN-Software installiert sein. Die Pakete isdnutils-base, ipppd, isdnlog und isdnlog-data reichen aus. Der Aufruf von apt-get install isdnutils-base ipppd isdnlog isdnlog-data installiert die Software auf Ihrem System, wenn diese noch nicht vorhanden sind.
Während der Installation wird die Frage gestellt, ob Sie eine Firmware auf die ISDN-Karte laden möchten. Dies können Sie bei den meisten ISDN-Karten getrost verneinen. Die weit verbreitete im Test verwendete AVM Fritz-Card PCI v2.0 benötigte keine Firmware. Wenn Sie wissen, dass ihre ISDN-Karte eine Firmware benötigt, wählen Sie ISAR.BIN.
Nun konfigurieren Sie den ISDN-PPP-Server ipppd. Das Installationsskript fragt nach der Telefonnummer. Lassen Sie hier manual für manuelle Konfiguration stehen und drücken Sie die Eingabetaste. isdn-config wird Ihnen diese Aufgabe mit Hilfe seiner grafischen Oberfläche später gehörig erleichtern.
Nun geht es mit isdnlog weiter. Bestätigen Sie die erste Meldung mit der Eingabetaste und geben Sie dann an, in welchen Land ihr Computer steht. Wählen Sie DE für Deutschland, AT für Österreich und CH für die Schweiz. Geben Sie dann Ihre Ortsvorwahl ein.
Nun haben Sie es fast geschafft. Ist bereits KDE 3 auf Ihrem System installiert, ist die Qt-3-Bibliothek vorhanden. Andernfalls installieren Sie diese mit apt-get install libqt3c102-mt.
Jetzt geht es endlich daran, isdn-config zu installieren. Wechseln Sie mit cd in das Verzeichnis, in das Sie das Debian-Paket für isdn-config gespeichert haben und geben Sie dpkg -i isdn-config_0.21-1_i386.deb ein (Abbildung 4) . Wenn doch noch eine Abhängigkeit nicht erfüllt sein sollte, weisst Sie dpkg darauf hin. Installieren Sie mit apt-get install die fehlende Software nach.
Hat alles geklappt, rufen Sie isdn-config nun als Benutzer root auf (Abbildung 5) . Die Software benötigt Root-Rechte, um das ISDN-Subsystem zu konfigurieren.
Mit Hilfe der Oberfläche stellen Sie jetzt ein, welche ISDN-Karte Sie verwenden: Wählen Sie dazu die Seite Hardware. Im Test war die im Rechner installierte AVM Fritz!PCI v2.0-Karte bereits voreingestellt. Überprüfen Sie ob Ihre ISDN-Karte erkannt wurde und ändern Sie gegegebenfalls die Auswahl (Abbildung 6) .
In der Liste finden Sie weitere Karten von AVM sowie Karten und Teles, ELSA, Sedlbauer und einiger weitere mehr. Das geeignete Protokoll für den D-Kanal ist in der Regel Euro ISDN (EDSS1). Ältere ISDN-Anschlüsse verwenden vielleicht auch noch 1TR6.
Nun können Sie einen oder mehrere Provider konfigurieren. Wählen Sie dazu die Seite Provider. Legen Sie mit Neu anlegen manuell einen Provider an oder wählen Sie mit Hilfe von Auswählen einen aus der Provider-Liste. Im letzteren Fall werden Sie nach der Wahl des Providers nur noch nach der eigenen MSN sowie den Login-Informationen gefragt.
Am schnellsten kommen Sie mit Auswählen zu einer funktionierenden Provider-Konfiguration. Wählen Sie Germany aus der nicht nach dem Alphabet sortieren Länder-Liste. Nun können Sie je nach Stadt regionale Provider wählen. Allzu aktuell dürfte diese Liste jedoch nicht mehr sein (Abbildung 7) .
Unter National am unteren Ende der Liste finden Sie jedoch T-Online und Freenet und einiger weitere nationale Provider. Wenn Sie einen anderen Provider verwenden, wählen Sie einen der vorgegebenen Provider aus und ändern später unter Editieren die Telefonnummer. Geben Sie MSN-Nummer sowie Login-Informationen ein und klicken Sie auf OK.
Mit Editieren passen Sie nun die Einstellungen an. Falls die ISDN-Karte Ihres Providers an einer Telefonanalage angeschlossen ist, sorgen Sie mit einer zusätzlichen Null am Anfang der Telefonnummer dafür, dass vor dem Anwählen des Providers das Amt geholt wird (Abbildung 8) .
Mit der Option Channel bundling schalten Sie die Kanalbündelung ein. Wenn Ihr Provider das unterstützt, surfen Sie damit doppelt so schnell. Allerdings benutzt Ihr Rechner dann beide ISDN-Leitungen Ihres Anschlusses verwendet und das kostet in der Regel doppelt so viel.
Interessant ist das Auswahlfeld Wählmodus: Manuell ist die geeignete Wahl, falls Sie mit Hilfe von isdn-config manuell online und offline gehen wollen. Damit haben Sie volle Kostenkontrolle. Auto hingegen verbindet Ihren Computer automatisch mit dem Internet, sobald eine Anwendung eine IP-Adresse oder einen Hostnamen außerhalb Ihres lokales Netzwerkes abfragt. Die automatische Einwahl funktioniert nur, wenn das ISDN-Subsystem gestartet wurde.
Nachdem Sie mindestens einen Provider definiert haben, klicken Sie auf Übernehmen, damit die Änderung wirksam wird. Nun ist es Zeit für einen ersten Test der Verbindung: Heben Sie den Reiter Wählen nach vorne und klicken Sie zunächst einmal auf Start, um das ISDN-Subsystem zu starten. Dies macht nichts anderes, als das Init-Skript /etc/init.d/isdn mit der Option start auszuführen. Dieses lädt die benötigten ISDN-Treiber und erstellt für jeden Provider eine Netzwerkschnittstelle.
Wählen Sie nun den gewünschten Provider aus der Liste und klicken Sie auf Verbinden. Nach einigen Sekunden sollte die Statusanzeige von Offline über Dialing zu Online wechseln. Tut Sie dies nicht, hilft ein tail -f /var/log/messages eventuell dabei, die genauere Ursache herauszufinden.
Glossar
ISDN
Integrated Services Digital Network. Standard für ein digitales Telekommunikationsnetz, das dem Privatanwender zwei Leitungen für Telefon, Fax und Datenübertragungen zur Verfügung stellt. Ein PC wählt sich mit Hilfe einer internen ISDN-Karte oder einem externen ISDN-Modem beim Provider ein.
Sarge
Debian Linux gibt es in drei verschiedenen Versionen: Debian Woody, die letzte als stabil (stable) bezeichnete Version, Debian Sarge mit Software-Paketen, die sich zur Zeit im Test befinden (testing), und Debian Sid (unstable). Die Bezeichnungen stammen aus dem Film "Toy Story". Siehe auch http://www.debian.de/releases/.
CAPI
Common ISDN Application Programming Interface. Eine ISDN-konforme standardisierte Software-Schnittstelle für die Nutzung von ISDN unabhängig von der verwendeten ISDN-Hardware.
Qt
Eine Programmierumgebung der Firma Trolltech, die die plattformübergreifende Entwicklung von Anwendungen mit grafischer Benutzeroberfläche ermöglicht. KDE verwendet Qt als Basis für die grafische Benutzeroberfläche.
Init-Skript
Beim Start eines Linux-System wird zunächst ein einzelner Prozess mit dem Namen init gestartet. Dann jedoch verwendet Debian Init-Skripte im System-V-Stil. Jedes Init-Skript startet oder stoppt einen bestimmten Dienst oder Treiber.
PPP
Point to Point Protocol. Verfahren zur Übertragung von Datenpaketen.
MSN
Mutiple Subscriber Number. Jeder ISDN-Anschluss kann bis zu 10 Telefonnummern haben, die beliebigen Endgeräten zugewiesen werden können. Auch ISDN-Telefonanlagen verwenden MSN-Nummern für die an Sie angeschlossenen ISDN-Geräte.
Infos
[1] ISDN-Konfiguration auf der Konsole: Andreas Kneib, "Ans Netz mit isdnconfig", LinuxUser 8/2001, S. 39 ff
[2] ISDN einrichten unter Linux: Michael Mielewczik, "Digital verbunden", LinuxUser 8/2000, S. 8 ff
[3] Informationen zu isdn4linux und mISDN: http://www.isdn4linux.de
[4] Debian installieren: Tobias Lohner, "Debian GNU/Linux installieren", LinuxUser 1/2004 DVD-Edition, S. DVD 2 ff
[5] Debian installieren: Tobias Lohner, "Debian GNU/Linux einrichten", LinuxUser 1/2004 DVD-Edition, S. DVD IX ff
[6] Debian Sarge: Martin Loschwitz, "Debian Sarge", LinuxUser 1/2004 DVD-Edition, S. DVD XIV ff
[7] Weitere Informationen: http://www.trolltech.com
[8] Pro-Linux: Debian wechselt zu gcc 3.2, http://www.pro-linux.de/news/2003/5090.html



