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Fax und Anrufbeantworter einrichten mit Capisuite

01.06.2004 Mit einer einfachen ISDN-Karte und der Capisuite können Sie Ihr Faxgerät und den Anrufbeantworter ablösen: Anrufe und Telefaxe werden jetzt per E-Mail zugestellt oder direkt als Fax verschickt. Hier erfahren Sie, wie Sie die Capisuite und verschiedene Anwendungsprogramme konfigurieren.

Durch die Zunahme von Fax-Spamming werden papierlose Telefaxe immer interessanter. Anstatt Rolle um Rolle teures Thermopapier in den Mülleimer zu entsorgen, genügt beim PC als Telefax ein einfacher Mausklick, um die unerwünschte Faxwerbung zu entsorgen. Auch der Faxversandt vom PC ist oft komfortabler als mit einem herkömmlichen Papierfax, anstatt ein Schreiben erst auszudrucken und dann ins Fax einzulegen, gibt man einfach Faxnummer des Empfängers ein und lässt quasi auf seinem Fax drucken.

ISDN-Karten mit CAPI-fähigen Treibern erlauben, auch ohne separates Fax-Modem den PC zur Faxzentrale umzurüsten. Zuständig für die Steuerung ist die Capisuite, die darüber hinaus auch gleich einen Anrufbeantworter enthält und verschiedene Steuerfunktionen anbietet. Die Einrichtung des Treibers und Installation der Capisuite ist auf Seite 64 beschrieben.

Capisuite als Daemon

Bei der Capisuite handelt es sich um einen Daemon, der im Hintergrund läuft und die Kommunikation mit der ISDN-Karte überwacht. Der Daemon wartet darauf, dass ein Anruf eingeht und startet dann das so genannte "Incoming Script" – dabei handelt es sich um ein Python-Skript, in dem festgelegt wird, was mit dem eingehenden Anruf passiert. Für ausgehende Anrufe, etwa zum Faxversandt, ist das "Idle Script", wiederum ein Python-Skript, zuständig. Dieses Skript wird regelmäßig aufgerufen, wenn die ISDN-Karte nicht belegt ist, und prüft, ob etwa ein Fax im Faxausgang liegt.

Die zentrale Konfigurationsdatei ist, je nach Distribution, /etc/capisuite/capisuite.conf oder /usr/local/etc/capisuite/capisuite.conf. Sie enthält eine Vielzahl von Konfigurationsmöglichkeiten, eine detaillierte Beschreibung finden Sie im Kasten "Optionen der Konfigurationsdatei".

Optionen der Konfigurationsdatei

incoming_script="/usr/lib/capisuite/incoming.py: Pfad des Incoming-Skripts. Der Daemon ruft dieses Skript immer dann auf, wenn ein Anruf eingeht.

idle_script="/usr/lib/capisuite/idle.py: Pfad des Idle-Skripts. Der Daemon ruft dieses Skript in regelmäßigen Abständen auf, wenn die ISDN-Karte nicht anderweitig belegt ist. Das Standard-Idle-Skript prüft, ob im Ausgangsverzeichnis ein Fax liegt und verschickt es.

idle_script_interval="30": Das Zeitintervall in Sekunden, in dem das Idle-Skript aufgerufen wird – hier alle 30 Sekunden.

log_file="/var/log/capisuite.log": Die Log-Datei der Capisuite. Hier finden Sie Statusmeldungen des Daemons, Fehler werden in einer separaten Datei gespeichert.

log_level="1": Gibt an, wie umfangreich die Aktivitäten des Daemons mitprotokolliert werden sollen. Für den Normalbetrieb ist der Wert 1 ausreichend, erst bei Problemen sollten Sie diesen Wert erhöhen.

log_error="/var/log/capisuite.error: Hier stehen alle Fehlermeldungen der Capisuite. Funktioniert etwa der Faxversandt nicht, finden Sie hier Hinweise, wo das Problem liegt.

Damit der Daemon unter Debian Linux automatisch beim nächsten Systemstart aufgerufen wird, muss in der Datei /etc/default/capisuite der Parameter run_capisuite_daemon auf "y" gestellt werden. Die für alle Distributionen nötigen Start- und Stop-Skripte sind in den RPM- und Debian-Paketen enthalten und wurden bei der Installation bereits eingerichtet.

Konfiguration mit YaST

Für die Nutzung als Fax oder Anrufbeantworter müssen nun noch Benutzer und Telefonnummern konfiguriert werden. Bei SuSE Linux geschieht das sehr komfortabel über die YaST-Module Fax und Anrufbeantworter.

Hier lassen sich Faxkonten für verschiedene Benutzer einrichten, die sich anhand der Telefonnummer unterscheiden. Abbildung 1 zeigt die notwendigen Eingabe für einen Benutzer-Account. Im Feld Faxnummern wird mindestens eine Nummer eingetragen, auf der Capisuite für diesen Account Faxe empfangen soll. Mehrere Nummern werden einfach durch Komma voneinander getrennt. Die ausgehende MSN ist die Nummer, die zum Fax-Versandt benutzt wird – bleibt das Feld leer, wird automatisch die erste Empfangsnummer verwendet. Die StationID enthält die Empfangsnummer in der üblichen internationalen Schreibweise. Diese Nummer wird beim Empfänger in der Kopfzeile jeder Seite angegeben, zusammen mit dem Text, der im Feld Kopfzeile angegeben ist.

Abbildung 1: Bei SuSE Linux lässt sich der Fax-Empfang komfortabel mit YaST einrichten. Mit MailAndSave als Aktion bekommt der Benutzer die Faxe per E-Mail zugeschickt.

Aktion legt fest, was Capisuite mit empfangenen Faxen tun soll – zur Auswahl stehen Save only und MailAndSave. Bei Save only werden empfangene Faxe lediglich auf der Festplatte abgelegt, bei MailAndSave werden die Faxe zusätzlich per E-Mail an den Benutzer geschickt.

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Infos zum Autor

Mirko Dölle

Redakteur für Linux bei c't, Heise Zeitschriften Verlag; ehemals Competence Center Hardware/Linux-Magazin, Linux New Media AG


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LinuxUser 06/2012

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