Aptitude: Software-Installation unter Debian

Paketdienst

Debian besteht in der aktuellen Version aus rund 9000 Paketen, in der nächsten werden es schon über 14000 sein. Aptitude verschafft Übersicht und hilft bei der Suche nach bestimmter Software.

Das ausgeklügelte Paketmanagement mit Abhängigkeiten und Konflikten ist einer der größten Vorteile von Debian GNU/Linux. Bei der Fülle an Paketen, die Debian mitliefert – praktisch jede freie Software liegt bereits als an die Distribution angepasstes Paket vor – wünscht man sich aber oft Hilfe, um in dieser Masse zu finden, was man braucht.

Aptitude bietet eine komfortable Oberfläche, um Pakete zu finden, zu installieren und wieder zu entfernen. Im Vergleich zur Installation über die Kommandozeile bietet Aptitude einen besseren Überblick über die Paketliste.

Debian

Ein Debian-Paket ist eine Datei mit der Endung .deb, die zusammengehörige Programme und Daten enthält. Zusätzlich – und hier liegt der Unterschied zu gewöhnlichen Archivdateien – informiert es über Metadaten wie Version und Abhängigkeiten von anderen Paketen.

Um jedes Debian-Paket kümmert sich ein so genannter Maintainer. Er ist dafür zuständig, die Software so zu bündeln, dass sie sich sauber in laufende Debian-Systeme einbindet und den Debian-Richtlinien [2] entspricht.

Mit Debian-Paketen interagiert man gewöhnlich aber nicht von Hand: Das Programm dpkg arbeitet mit ihnen, beispielsweise installiert es Pakete oder zeigt ihre Metadaten an.

Dpkg weiß aber nur über bereits auf dem System vorhandene Software Bescheid; setzt ein neues Paket noch nicht installierte Programme voraus, bricht es den Vorgang mit einer Fehlermeldung ab und überlässt es dem Benutzer, das Problem zu lösen. Die Programmbibliothek APT ("Advanced Package Tool") kennt darüber hinaus die Metadaten aller in den eingestellten Quellen verfügbaren Pakete; es erkennt Abhängigkeiten und löst Konflikte auf (Kasten 1).

Kasten 1: Debian-Quellen

Aus der Konfigurationsdatei /etc/apt/sources.list erfährt APT, wo es nach zu installierenden Paketen suchen soll. Dabei bedient es sich einer Datenbank, die zu allen verfügbaren Paketen verzeichnet, wo sie zu finden sind. Fügt man ein Datenquelle hinzu, liest APT die neue Paketliste ein und ergänzt die zusätzlichen Programme und Versionen in der eigenen Datenbank. Dadurch weiß APT bei einer angeforderten Installation, welche CD der Benutzer einlegen muss oder von welchem Server es das Paket herunterladen kann. Wer die Datei sources.list nicht manuell verändern möchte, dem hilft das Programm apt-setup oder beim Hinzufügen von CDs der Befehl apt-cdrom add.

Kasten 2: Debian-Distributionen

Es gibt drei verschiendene Debian-Distributionen. Stable ist die offiziell freigegebene Version, die nur selten ein komplettes Update erfährt. Dafür ist die Software in dieser Distribution ausgiebig getestet und Sicherheitsprobleme werden schnell behoben. Die derzeit stabile Version trägt den Codenamen Woody.

In der unstable-Version, deren Name immer Sid bleibt, findet die eigentliche Entwicklung statt, daher sind hier immer die aktuellsten Versionen aller Pakete zu finden, allerdings in einer ständigen Bearbeitungs- und Testphase.

Testing bildet den Mittelweg zwischen stabiler und unstabiler Variante: Pakete wandern hier erst hinein, nachdem sie eine Weile ohne schwerwiegende Fehler in unstable waren. Der Nachteil ist dabei, dass es auch für wichtige Sicherheits-Updates keine Ausnahme von dieser Regel gibt; es dauert also oft eine Weile, bis es hier ein repariertes Paket gibt. Testing stellt den Nachfolger der aktuellen stable-Ausgabe dar und trägt derzeit den Namen Sarge.

Die Standard-Software für APT bildet eine Werkzeugsammlung aus den Kommandozeilen-Tools apt-get, apt-cache, apt-config, apt-cdrom und apt-setup. Der Befehl apt-get install aptitude installiert Aptitude inklusive aller dazu nötigen Bibliotheken. Eine genaue Erklärung zur Konfiguration von APT und der Benutzung mit dem Kommandozeilenwerkzeugen bietet [6].

Abbildung 1 fasst die Beteiligten zusammen: APT besorgt angeforderte Debian-Pakete inklusive der Abhängigkeiten aus den angegebenen Quellen und lässt sie dann durch dpkg installieren. Neben den Kommandozeilenwerkzeugen und Aptitude gibt es dafür verschiedene grafische Oberflächen wie Synaptic [3], KPackage [4] und Gnome-APT.

Oberflächlichkeiten

Weg von der Kommandozeile führt Aptitude: Es bietet keine grafische Oberfläche im klassischen Sinne, sondern bedient sich der curses-Bibliothek, die mit Hilfe von Textzeichen grafische Elemente wie Fenster und Menüs darstellt. Das hat den Vorteil, dass es sich auch auf Systemen, auf denen keine grafische Oberfläche läuft oder beim Kommandozeilen-Login per ssh nutzen lässt.

Abbildung 1: Verschiedene Ebenen sorgen für die reibungslose Paketinstallation.

Obwohl sein Vorteil gegenüber apt-get und Konsorten gerade in der interaktiven Benutzeroberfläche liegt, lässt sich auch Aptitude per Kommandozeile steuern, die wichtigsten Aktionen zeigt Tabelle 1. Dazu starten Sie es in der Form

aptitude Aktion

Tabelle 1: Aptitude-Aktionen per Kommandozeile

install Paketname Installiert das angegebene Paket.
remove Paketname Deinstalliert das angegebene Paket.
purge Paketname Deinstalliert das angegebene Paket und löscht die Konfigurationsdateien.
hold Paketname Verhindert, dass das angegebene Paket aktualisiert wird.
unhold Paketname Lässt beim angegebenen Paket wieder Aktualisierungen zu.
markauto Paketname Markiert das angegebene Paket als automatisch installiert.
unmarkauto Paketname Markiert das angegebene Paket als manuell installiert.
update Aktualisiert die Liste der verfügbaren Pakete. upgrade Aktualisiert Pakete, für die neuere Versionen vorliegen.
dist-upgrade Aktualisiert Pakete auch dann, wenn dafür andere installiert oder gelöscht werden müssen.
search Suchmuster Sucht nach Paketen, die das Suchmuster enthalten.
clean Löscht alle heruntergeladenen Paketdateien von der Festplatte.
autoclean Löscht heruntergeladene Pakete von der Festplatte, wenn aktuellere Versionen vorliegen.
download Paketname Lädt das angegebene Paket herunter, ohne es zu installieren.

Nach dem Aufruf von aptitude ohne Parameter präsentiert das Programm zunächst eine Menüleiste, eine Kurzhilfe zu den wichtigsten Tasten sowie im Hauptfenster oben die Paketliste und darunter ein Beschreibungsfenster mit Details zum gerade markierten Eintrag (Abbildung 2). Ist ein Maus-Cursor vorhanden wie im Terminal-Fenster einer grafischen Oberfläche, lässt sich Aptitude auch damit steuern, ansonsten führt [F10] ins Menü.

Aptitude arbeitet mit verschiedenen so genannten Ansichten, die das gleichnamige Menü verwaltet. Die Taste [q] schließt eine Ansicht, bei der letzten bedeutet dies das Programmende. [F6] und [F7] führen zur nächsten bzw. vorherigen Ansicht.

Abbildung 2: Die Kategorien in der Voreinstellung.

In der Paketliste signalisiertd das Symbol --- neben einem Eintrag eine Kategorie, die Sie mit [Enter] oder einem Doppelklick aufklappen. Haben Sie sich mit den Pfeiltasten durch die Kategorien zu einem einzelnen Paket bewegt, zeigt das Beschreibungsfenster Details dazu an (Abbildung 3). Darin scrollen Sie mit [a] nach oben und mit [z] nach unten. Trotz der fortschreitenden Internationalisierung von Debian gibt es die Paketbeschreibungen bisher leider nur auf Englisch.

Abbildung 3: Die Hierarchie bringt Struktur in die Paketliste.

Links neben jedem Paket stehen ein oder zwei Buchstaben, die Auskunft über seinen aktuellen Status geben. Aus dem ersten, immer vorhandenen, lässt sich ablesen, ob ein Paket installiert ist (i) oder nicht (p), die weniger häufigen Alternativen erklärt Tabelle 2. Der zweite Buchstabe gibt Auskunft über die Aktion, die Aptitude mit diesem Paket ausführen soll. Hier sind meistens d zum Deinstallieren oder i zum Installieren anzutreffen; den Rest zeigt Tabelle 3. Ist keine Aktion vorgesehen, steht hier schlicht nichts.

Tabelle 2: Statusbuchstaben

i Installiert.
p Nicht installiert.
v Virtuell: dieses Paket ist nicht echt; es gibt mehrere echte Pakete, die installiert werden können, um diese Abhängigkeit zu erfüllen.
u Heruntergeladen und entpackt, aber nicht konfiguriert.
C Halb konfiguriert.
H Halb installiert.
c Nicht installiert, aber die Konfigurationsdateien sind noch vorhanden – gewöhnlich von einer früheren Installation.
B Kaputt: der Status des Pakets im System ist unklar.
E Interner Aptitude-Fehler.

Tabelle 3: Aktionsbuchstaben

i Installieren.
d Deinstallieren, die Konfigurationsdateien bleiben auf dem System.
h Halten: dieses Paket nicht aktualisieren.
p Vollständig Löschen, auch Konfigurationsdateien entfernen.
r Ein installiertes Paket erneut installieren.
u Das Paket auf eine neuere Version aktualisieren.

Ein Druck auf [Enter] oder ein Doppelklick auf ein Paket öffnet eine neue Ansicht, die die Metadaten des Pakets zeigt. Wichtig sind hierbei vor allem die Abhängigkeiten unter Depends, die Pakete, die nicht gleichzeitig installiert sein dürfen unter Conflicts und unter Recommends stehen die Pakete, die nicht unbedingt zum Funktionieren nötig aber hilfreich sind. [q] schließt die Ansicht und kehrt in die vorherige zurück.

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