Schlank, schnell und praktisch

deskTOPia: Windowmanager Fluxbox

01.05.2004
Schnelligkeit liegt in der Familie: Fluxbox hat die besten Eigenschaften seines Vorfahren Blackbox geerbt und bringt zusätzlich viele weitere Features für den Desktop mit.

deskTOPia

Wie Ihr Linux-Desktop aussieht, bestimmen allein Sie. Mit deskTOPia nehmen wir Sie regelmäßig mit auf die Reise ins Land der Windowmanager und Desktop-Umgebungen, stellen Nützliches und Farbenfrohes, Hingucker und hübsches Spielzeug vor.

Programmieren müsste man können: Ob die Lieblingsanwendung zu blass, zu bunt oder mit zu wenigen Optionen daherkommt, ist egal; mit ein paar Zeilen Code rüstet man die gewünschte Funktionalität einfach nach. In dieser Situation war auch Henrik Kinnunen, der in Blackbox [1] eigentlich den Fenstermanager seiner Wahl gefunden hatte. Einige Optionen fehlten ihm allerdings. Statt nun das Rad neu zu erfinden, nutzte er den Quellcode von Blackbox 0.61.1, fügte einiges an Komfort hinzu und nannte seine Kreation Fluxbox [2] (flux=Wandel).

Woher nehmen?

Am schnellsten gelingt deren Installation mit einem der verfügbaren RPM-Pakete. Dass es für Suse Linux kein passendes Päckchen gibt, ist nicht weiter tragisch. Suse-9.0-Anwender bedienen sich einfach bei den Mandrake-Paketen, die sich problemlos einspielen lassen.

Bei den Selbstkompilierern zeigen diesmal jene, die eine ältere Distribution nutzen, allen anderen eine lange Nase. Fluxbox lässt sich mit dem gcc in Version 3.3 und höher nicht ohne weiteres übersetzen. Wer Suse Linux in Version 8.2 bzw. 9.0 oder Mandrake Linux 9.2 verwendet, liest in Kasten 1 nach, wie er mit ein wenig Handarbeit trotzdem zu einem neuen Fensterverwalter kommt.

Haben Sie gcc 3.2 oder älter installiert (eine Frage, die der Befehl gcc --version beantwortet), ist Fluxbox mit dem Dreisatz

./configure ; make ; su -c make install-strip

schnell installiert. Der Windowmanager selbst zeigt sich von der genügsamen Seite und setzt zum Kompilieren nur die Entwicklerpakete zu XFree86, zur libpng und zu freetype voraus. Wer viel mit KDE-Anwendungen arbeitet, ersetzt ./configure durch ./configure --enable-kde. Diese Option bewirkt, dass Fluxbox im Slit, einer Leiste für WindowMaker-Dockapps, auch KDE-Programme anzeigt, die sich normalerweise im Systembereich des Kicker einnisten. Dazu gehören z. B. die Zwischenablageverwaltung klipper oder kgpg, das GnuPG-Schlüssel verwaltet.

Kasten 1: Fluxbox mit gcc 3.3 oder höher übersetzen

Wer versucht, Fluxbox mit dem gcc 3.3 zu kompilieren, bei dem bricht der make-Aufruf mit einer Fehlermeldung beim Übersetzen der Datei src/fluxbox.cc ab. Ein weiterer Fehlerteufel lauert in utils/fbrun/FbRun.cc im Quellcode-Verzeichnis.

Um zu einem lauffähigen Fluxbox zu kommen, rufen Sie wie gewohnt ./configure auf. Die erste Änderung steht in der Datei config.h im Source-Verzeichnis an. Sie enthält Regeln, wie Fluxbox übersetzt werden soll. Öffnen Sie diese Datei mit einem Editor, und suchen Sie nach dem Wort STRFTIME. Dabei treffen Sie auf einen von /* und */ umschlossenen Kommentarblock. Fügen Sie dahinter eine Zeile mit der Anweisung

#define HAVE_STRFTIME 1

ein.

Die zweite Änderung nehmen Sie an der Datei utils/fbrun/FbRun.cc vor. Damit die Hilfsanwendung fbrun kompiliert, fügen Sie eine zusätzliche #include-Zeile hinzu. Diese sagt dem Compiler, in welcher Datei die Funktionen stehen, die er beim Übersetzen bislang nicht findet. Welche konkrete Dateiangabe Sie im Anschluss an die bereits vorhandenen #include-Zeilen am Dateianfang einfügen müssen, hängt von Ihrer Distribution ab. Wer Suse Linux verwendet, trägt

#include <g++/cassert>

nach (Abbildung 1). Unter Mandrake liegt die Datei cassert in einem davon abweichenden Verzeichnis, so dass dort

#include <g++-3/cassert>

die richtige Wahl ist.

Verwenden Sie eine andere Distribution, suchen Sie einfach mit locate oder find nach der Datei cassert. Für die #include-Zeile brauchen Sie nicht den absoluten, sondern den relativen Pfad vom Verzeichnis /usr/include aus. Liegt die Datei in /usr/include/woauchimmer, lautet die richtige Zeile

#include <woauchimmer/cassert>
Abbildung 1: Mit einer zusätzlichen #include-Zeile in FbRun.cc kompiliert fluxbox auch mit gcc 3.3.

Fluxbox am Start

Ist der Fensterherrscher installiert, gilt es, ihn in den Startprozess der grafischen Oberfläche einzubinden. Wer ein Paket seines Distributors eingespielt hat, findet den Neuzugang wahrscheinlich schon im Auswahlmenü seines Login-Managers.

Alle anderen greifen zum passenden Konfigurationsmenü: Für KDM, das Anmeldeprogramm von KDE, sind Sie im Kontrollzentrum unter Systemverwaltung | Anmeldungsmanager | Sitzungen richtig. Der Eintrag /usr/local/bin/fluxbox hinter Neuer Typ integriert den Fensterverwalter in die Auswahlliste. Damit Sie die Einstellungen des KDM anpassen dürfen, wechseln Sie vorher über den Button Systemverwaltungsmodus zum root-Account.

Alle, die sich im Textmodus anmelden, tragen die Zeile

exec /usr/local/bin/fluxbox

in die Datei ~/.xinitrc ein, damit der Befehl startx Fluxbox startet.

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