Werbebilder auf Websites erschweren die Orientierung und belasten die Internetleitung. Mit den vorgestellten Tools blockieren Sie Werbebanner auf dem eigenen Rechner oder im lokalen Netz.
Kaum eine Website kommt heute noch ohne Werbebanner aus. Neben den breitformatigen Banners finden sich zunehmend große Bilder, die an Stelle des ersten Textabsatzes stehen und die Orientierung erschweren (Abbildung 1). So verständlich das von Seiten des Informationsanbieters sein mag, die wenigsten Benutzer finden Werbebanner toll, zumal sie das Surfen verlangsamen. Oft nehmen die bunten Anzeigen im Bild- oder Flash-Format mehr Speicherplatz ein, als der eigentliche Inhalt.

Abbildung 1: Jede Menge Werbung auf einer Webseite. Die eigentliche Information ist kaum noch zu sehen.
Deshalb gibt es eine Reihe von Programmen, die verhindern, dass die ungeliebten Banner auf Webseiten erscheinen und gar nicht erst geladen wird. Sie “filtern” den Strom der Daten, lassen also das Interessante durch und halten lästige Werbung zurück. Das funktioniert, weil der Browser als Erstes die angeforderte Webseite vom Server holt. Kluge Software überprüft, ob die Seite Werbebildchen enthält und entfernt die betreffenden Stellen aus der HTML-Datei. Erst dann holt der Browser die weiteren für den Seitenaufbau benöigten Elemente.
Das kann prinzipiell auf mehrere Arten geschehen: Manche Browser haben solche Funktionalität eingebaut oder Plugins machen sie Ihnen verfügbar. Alternativ laufen Filterprogramme unabhängig vom Browser auf demselben Rechner und arbeiten dort als Proxy-Server. Dieselbe Software lässt sich auch auf einem extra Computer installieren und steht dann allen Rechnern beispielsweise im Heim- oder Firmennetz zur Verfügung.
Im Browser eingebaut
Mozilla-Benutzer haben es einfach, denn für ihren Browser gibt es bereits ein Plugin, das gegen Werbebilder hilft: AdBlock (englisch ad oder advert, auf deutsch Werbung) benutzt die URL als Grundlage für die Filterung. Das Plugin bauen Sie einfach in den Browser ein, indem Sie den entsprechenden Link auf der Homepage des Projekts anklicken [1]. Sie brauchen dazu keine Administratorrechte, denn das AdBlock-Plugin installiert sich auch im benutzereigenen Verzeichnis ~/.mozilla.
Fortan steht es Ihnen zur Verfügung, sobald Sie den Browser neu gestartet haben. Das zugehörige Menü findet sich unter Tools im Abschnitt adBlock. Wenn sie dort dieselben Muster eintragen wie in Abbildung 2, blockiert das Plugin schon mal recht viele Anzeigenbilder. Über dasselbe Menü lassen Sie sich einzelne Elemente anzeigen, die eine geladene Seite enthält. Finden Sie dort eine unerwünschte Anzeige, verwenden sie deren URL als Basis für eine neue Filterregel.
Dasselbe Feature steht Ihnen zur Verfügung, wenn Sie mit der rechten Maustaste auf eine Anzeige klicken und Adblock Image auswählen. Dann öffnet sich ein kleiner Dialog, der die Adresse dieses Bilds zeigt. Mit dem Wildcard-Zeichen * verändern sie diese so, dass sie auch auf ähnliche Adressen zutrifft. Steht dort beispielsweise
http://img-cdn.mediaplex.com/ads/2399/9556/DE_DE_mofg_dim4600_dhs_q1w0304_300x200_15k_FL_gif.gif
entfernen Sie den Teil nach dem Servernamen und dem ads-Verzeichnis und schreiben stattdessen das Wildcard-Sternchen hin:
http://img-cdn.mediaplex.com/ads/*
Mit dieser Zeile schließt das Plugin alle Dateien aus, die sich im ads-Verzeichnis auf dem Mediaplex-Server befinden. Klicken Sie nun auf den Button Neu Laden, erscheint das Werbebanner nicht mehr. Kandidaten für solche Adressen finden Sie mit dem beschriebenen Menü oder durch einen Blick in den Quellcode der HTML-Datei (Abbildung 3). Benutzer des Mozilla-Ablegers Firefox (ehemals Firebird) dürfen sich freuen, denn bei ihrem Browser funktioniert das Plugin ebenfalls (getestet mit Firefox 0.8).

Abbildung 3: Um die Werbeadressen zu identifizieren, ist ein Blick in den HTML-Quellcode nützlich. Oft führen die betreffenden Sites das “ad” im Namen.
Manche Anzeigen lassen sich sogar ohne das Plugin entfernen. Am einfachsten geht das, wenn Sie in den Einstellungen unter Datenschutz & SicherheitGrafiken die Option Nur Grafiken akzeptieren, die vom Ursprungsserver kommen ankreuzen. Das funktioniert, weil viele Werbebanner eben nicht vom eigentlichen Webserver kommen, sondern von dem einer anderen Firma, die für den Anbieter die Werbezugriffe abrechnet. Direkt beim Surfen benutzen Sie diese Funktion, indem Sie mit der rechten Maustaste auf die Anzeige klicken und Grafiken von diesem Server blockieren auswählen.
Mit dieser Methode schießen Sie vielleicht übers Ziel hinaus, denn sie filtert eben auch alle anderen Bilder, die nicht direkt auf dem ursprünglichen Server liegen. Natürlich können Sie damit auch keine Werbung blockieren, die vom selben Server kommt wie die Webseiten an sich. Das adBlock-Plugin lässt sich auf jeden Fall feiner einstellen. Lässt es trotzdem noch Wünsche offen, bietet sich die angesprochene Proxy-Lösung an, die flexibler und mächtiger ist. Sie funktioniert auch mit anderen Browsern wie Konqueror oder Opera.
Java-Leckerei
Muffin ist ein solcher Proxy, der zwischen Webserver und Browser sitzt und den Webverkehr nach Werbung durchsucht. Als Jar-Paket ist Muffin mit Java direkt ausführbar, muss also weder installiert, noch kompiliert werden. Sie brauchen jedoch mindestens das Java Runtime Environment (JRE) dafür, das viele Distributionen schon mitbringen. Achten Sie beim Download von [2] darauf, den Link auf die Jar-Datei mit der rechten Maustaste anzuklicken und dann Link-Ziel speichern unter zu wählen. Sonst versucht Ihr Browser möglicherweise, das Jar-File direkt zu starten – und das geht sicher schief.
Sollte das java-Programm nicht im Pfad der ausführbaren Dateien (PATH) enthalten sein, fügen Sie das Verzeichnis hinzu, indem es sich befindet, z. B.
export PATH=$PATH:/usr/java/j2sdk1.4.2_02/bin
Sie starten Muffin dann einfach mit java -jar muffin-0.9.3a.jar (siehe Abbildung 4). Von Haus aus benutzt Muffin den NoThanks-Filter, der mit einfachen Regeln Werbebanner filtert. Weitere mitgelieferte, aber zunächst nicht aktivierte Filter sind beispielsweise Animationkiller, das Gif-Animationen entfernt, und Cookiemonster, dass sich um die wenig beliebten Browser-Cookies kümmert. Der NoThanks-Filter funktioniert leider nicht von Haus aus, sondern erst nachdem er eine kleine Konfigurationsdatei geladen hat, das so genannte Killfile. Ein solches finden Sie auf der Muffin-Website im Bereich Samples.

Abbildung 4: Das Java-Programm Muffin bringt eine eigene grafische Oberfläche mit und zeigt laufend an, welche Dateien es lädt.
Dazu markieren Sie unter Enabled Filters den NoThanks-Eintrag, klicken auf Preferences und wählen im folgenden Dialogfenster unter Kill File mit Browse die Datei Killfile im Muffin-Verzeichnis aus. Drücken Sie Apply und Load, dann benutzt Muffin das geladene Killfile. Der Save-Knopf speichert diese Einstellung dauerhaft, damit Sie nicht bei jedem Start von Muffin dieselbe Prozedur durchlaufen müssen. Das Filterprogramm legt selbst ein Verzeichnis mit dem Namen Muffin im Home-Directory an, in dem es seine Konfigurationsdateien und ein Logfile speichert.
Damit das neue Werkzeug seinen Dienst tut, tragen Sie es in den Browser-Einstellungen als Proxy ein – das gilt auch für alle anderen, vorgestellten Proxy-Lösungen. In Mozilla öffnen Sie die Einstellungen (Bearbeiten | Einstellungen) und klappen mit einem Klick auf das kleine Dreieck den Punkt Erweitert aus. Dort finden Sie den Punkt Proxies, wo sie erst die manuelle Konfiguration aktivieren und dann dessen Felder HTTP-Proxy und Port mit den richtigen Werten ausfüllen (Abbildung 5). Ins erste Feld kommt üblicherweise localhost, ins zweite die Port-Nummer, je nach Proxy (vgl. Tabelle 1). In Opera finden sich entsprechende Einstellungen unter Network | Proxy Servers, bei Firefox gelangen Sie über Tools | Einstellungen und schließlich Verbindungs-Einstellungen ans Ziel.

Abbildung 5: Die Proxy-Konfiguration in Mozilla, hier eingestellt für den Webfilter Muffin, der auf demselben Rechner (localhost) auf Port 51966 läuft .
Filter mit Vergangenheit
Die Software baut auf dem Klassiker Junkbuster [5] auf: Privoxy wird – im Gegensatz zu anderen, hier vorgestellten Programmen – weiter aktiv entwickelt. So finden sich der Privoxy-Website auch für viele Distributionen fertige Pakete. Der Standard ist dabei die systemweite Installation als Administrator, auch wenn sich Privoxy prinzipiell unter einem normalen User-Account installieren lässt – doch das erfordert etwas mehr Handarbeit.
Nach der Installation unter Red Hat startet das Betriebssystem den Filter wie andere Serverprogramme beim Booten. Von Hand machen Sie das mit /etc/rc.d/init.d/privoxy start. Sämtliche Konfigurationsdateien finden sich im Verzeichnis /etc/privoxy, darunter die Hauptkonfigurationsdatei /etc/privoxy/config. Hier stellen Sie alle Feinheiten ein, aber Privoxy verrichtet schon in der mitgelieferten Grundkonfiguration seinen Dienst.
Sobald Sie den voreingestellten Port 8118, wie oben beschrieben, im Webbrowser eingestellt haben, filtert Privoxy die Werbung aus angeforderten Webseiten. Praktischerweise markiert die Software Stellen, an denen sie Werbebanner entfernt, und zeigt auf Wunsch das gefilterte Bild und die zutreffende Filterregel. Damit sehen Sie, ob die eingestellten Regeln auch wirklich nur Werbung entfernen oder auch andere Bilder, die Sie eigentlich gerne sehen würden. Unter der speziellen Adresse http://p.p lässt sich Privoxy direkt im Webbrowser einstellen (Abbildung 6).

Abbildung 6: Die Privoxy-Konfigurationsseite im Browser. Die Filterfunktion lässt sich mit einem Mausklick ein- und ausschalten.
Reingewaschen
Für private Nutzer gibt es den Webwasher [4] von der gleichnamigen Firma – einem Siemens-Ableger – umsonst. Diese Version ist auf zwei Nutzer oder maximal 20 gleichzeitige Verbindungen beschränkt, spezielle Filter für Javascript bleiben der kommerziellen Version vorbehalten. Webwasher benötigt zur Installation Administratorrechte, und es gibt auch keine einfache Möglichkeit, das zu umgehen. Die Firma bietet zwei Paketformate an, ein RPM und ein gezipptes Tar-File, das ein Installationsskript enthält. Damit reduziert sich das Einspielen der Software darauf, als Administrator einen einzigen Befehl einzugeben.
Die Software startet auch gleich selbst und wartet auf Port 9090 auf Anfragen. Die Konfigurationsdateien finden Sie in /etc/wwwasher, die Logdateien in /var/log/wwasher. Letztere sind zunächst abgeschaltet, lassen sich aber über das Web-Frontend aktivieren, das sich unter der speziellen Adresse http://-web.washer-/ findet. Ab Werk lautet der Benutzername admin, das Passwort webwasher.
Qual der Wahl
Welches Filterprogramm Sie nun verwenden ist letztlich auch eine Geschmacksfrage. Wer Java hasst, wird nicht zu Muffin greifen, wer nur richtig freie Software mag, muss auf Webwasher verzichten. Mozilla- und Firefox-User können auf das Plugin adBlock zurückgreifen, das aber nicht so mächtig ist wie die anderen Filter. Privoxy ist recht ausgereift, wird noch weiter entwickelt und existiert als fertiges Paket für viele Distributionen. Die Installation der vorgestellten Programme ist nicht sehr schwer, eine kurze Anleitung für jedes Paket finden Sie auf der Heft-CD.
Tabelle 1: Webfilter im Überblick
| Adblock | Muffin | Privoxy | Webwasher | |
| Installation als Nicht-Adminleicht möglich | Ja | Ja | Ja | Nein |
| Proxy | Nein | Ja | Ja | Ja |
| Standard-Port | – | 51966 | 8118 | 9090 |
| Laufende Entwicklung | Ja | Nein | Ja | Ja |
| Vorkonfiguriert | Nein | Nein | Ja | Ja |
| Lizenz | Frei | Frei | Frei | Eingeschränkt frei für private Nutzung |
Glossar
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Proxy-Server
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(kurz Proxy, auf deutsch Stellvertreter) werden zwischen einen Client (z. B. den Webbrowser) und einen Server geschaltet. Dem Client gegenüber treten sie als Server auf und umgekehrt. Caching Proxies speichern Webseiten zwischen und beschleunigen so den Zugriff. Proxies können auch überhaupt erst einen Zugang schaffen, wenn Clients beispielsweise nicht direkt das Internet benutzen sollen.
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URL
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Ein Uniform Resource Locator besteht aus einem Kürzel für den Dienst (http, ftp, ..), der Adresse eines Internet-Servers und optionalen Datei- und Verzeichnisnamen. Damit sind Dokumente im Internet eindeutig referenzierbar, z. B. http://www.linux-user.de/ausgabe/2004.
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Wildcard
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Viele Linux-Programme (z. B. die Shell) behandeln bestimmte Zeichen als Stellvertreter für einen oder mehrere Buchstaben. So steht der Stern * meist für eine beliebige Folge von Zeichen, manchmal allerdings auch für die beliebig häufige Wiederholung eines Zeichens (bei so genannten regulären Ausdrücken). Mit dem Befehl ls *.jpg zeigt die Shell alle Dateinamen an, die mit .jpg enden, egal was davor steht.
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Kleine Stückchen an Textinformation, die der Browser einer Website zuordnet. Informationsanbieter benutzen sie, um Daten zwischen zwei Besuchen auf ihrer Website abzuspeichern, um beispielsweise das Surf-Verhalten zu protokollieren (“Wann war der User zum letzten Mal hier?”).
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Port
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Weil auf einem Rechner mehr als ein Serverprogramm laufen kann, gibt es neben der IP-Adresse ein weiteres Differenzierungsmerkmal, eben die Ports. Die Internet-Standards ordnen bestimmten Diensten feste Port-Nummern zu, beispielsweise dem World Wide Web Port 80 und dem Verschicken von E-Mail (SMTP) Port 25.
Infos
[1] AdBlock: http://adblock.mozdev.org
[2] Muffin: http://muffin.doit.org
[3] Privoxy: http://www.privoxy.org
[4] Webwasher: http://www.webwasher.com/client/download/private_use/linux
[5] Sicher im Netz, Surfen via Junkbuster, Andreas Kneib, Linux-User 06/2002, http://www.linux-user.de/ausgabe/2002/06/033-junkbuster/junkbuster.html






