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Bannerfrei surfen

Werbung entfernen mit Browser oder Proxy

01.05.2004
Werbebilder auf Websites erschweren die Orientierung und belasten die Internetleitung. Mit den vorgestellten Tools blockieren Sie Werbebanner auf dem eigenen Rechner oder im lokalen Netz.

Kaum eine Website kommt heute noch ohne Werbebanner aus. Neben den breitformatigen Banners finden sich zunehmend große Bilder, die an Stelle des ersten Textabsatzes stehen und die Orientierung erschweren (Abbildung 1). So verständlich das von Seiten des Informationsanbieters sein mag, die wenigsten Benutzer finden Werbebanner toll, zumal sie das Surfen verlangsamen. Oft nehmen die bunten Anzeigen im Bild- oder Flash-Format mehr Speicherplatz ein, als der eigentliche Inhalt.

Abbildung 1: Jede Menge Werbung auf einer Webseite. Die eigentliche Information ist kaum noch zu sehen.

Deshalb gibt es eine Reihe von Programmen, die verhindern, dass die ungeliebten Banner auf Webseiten erscheinen und gar nicht erst geladen wird. Sie "filtern" den Strom der Daten, lassen also das Interessante durch und halten lästige Werbung zurück. Das funktioniert, weil der Browser als Erstes die angeforderte Webseite vom Server holt. Kluge Software überprüft, ob die Seite Werbebildchen enthält und entfernt die betreffenden Stellen aus der HTML-Datei. Erst dann holt der Browser die weiteren für den Seitenaufbau benöigten Elemente.

Das kann prinzipiell auf mehrere Arten geschehen: Manche Browser haben solche Funktionalität eingebaut oder Plugins machen sie Ihnen verfügbar. Alternativ laufen Filterprogramme unabhängig vom Browser auf demselben Rechner und arbeiten dort als Proxy-Server. Dieselbe Software lässt sich auch auf einem extra Computer installieren und steht dann allen Rechnern beispielsweise im Heim- oder Firmennetz zur Verfügung.

Im Browser eingebaut

Mozilla-Benutzer haben es einfach, denn für ihren Browser gibt es bereits ein Plugin, das gegen Werbebilder hilft: AdBlock (englisch ad oder advert, auf deutsch Werbung) benutzt die URL als Grundlage für die Filterung. Das Plugin bauen Sie einfach in den Browser ein, indem Sie den entsprechenden Link auf der Homepage des Projekts anklicken [1]. Sie brauchen dazu keine Administratorrechte, denn das AdBlock-Plugin installiert sich auch im benutzereigenen Verzeichnis ~/.mozilla.

Fortan steht es Ihnen zur Verfügung, sobald Sie den Browser neu gestartet haben. Das zugehörige Menü findet sich unter Tools im Abschnitt adBlock. Wenn sie dort dieselben Muster eintragen wie in Abbildung 2, blockiert das Plugin schon mal recht viele Anzeigenbilder. Über dasselbe Menü lassen Sie sich einzelne Elemente anzeigen, die eine geladene Seite enthält. Finden Sie dort eine unerwünschte Anzeige, verwenden sie deren URL als Basis für eine neue Filterregel.

Abbildung 2: AdBlock lässt sich über ein Mozilla-Menü einstellen.

Dasselbe Feature steht Ihnen zur Verfügung, wenn Sie mit der rechten Maustaste auf eine Anzeige klicken und Adblock Image auswählen. Dann öffnet sich ein kleiner Dialog, der die Adresse dieses Bilds zeigt. Mit dem Wildcard-Zeichen * verändern sie diese so, dass sie auch auf ähnliche Adressen zutrifft. Steht dort beispielsweise

http://img-cdn.mediaplex.com/ads/2399/9556/DE_DE_mofg_dim4600_dhs_q1w0304_300x200_15k_FL_gif.gif

entfernen Sie den Teil nach dem Servernamen und dem ads-Verzeichnis und schreiben stattdessen das Wildcard-Sternchen hin:

http://img-cdn.mediaplex.com/ads/*

Mit dieser Zeile schließt das Plugin alle Dateien aus, die sich im ads-Verzeichnis auf dem Mediaplex-Server befinden. Klicken Sie nun auf den Button Neu Laden, erscheint das Werbebanner nicht mehr. Kandidaten für solche Adressen finden Sie mit dem beschriebenen Menü oder durch einen Blick in den Quellcode der HTML-Datei (Abbildung 3). Benutzer des Mozilla-Ablegers Firefox (ehemals Firebird) dürfen sich freuen, denn bei ihrem Browser funktioniert das Plugin ebenfalls (getestet mit Firefox 0.8).

Abbildung 3: Um die Werbeadressen zu identifizieren, ist ein Blick in den HTML-Quellcode nützlich. Oft führen die betreffenden Sites das "ad" im Namen.

Manche Anzeigen lassen sich sogar ohne das Plugin entfernen. Am einfachsten geht das, wenn Sie in den Einstellungen unter Datenschutz & SicherheitGrafiken die Option Nur Grafiken akzeptieren, die vom Ursprungsserver kommen ankreuzen. Das funktioniert, weil viele Werbebanner eben nicht vom eigentlichen Webserver kommen, sondern von dem einer anderen Firma, die für den Anbieter die Werbezugriffe abrechnet. Direkt beim Surfen benutzen Sie diese Funktion, indem Sie mit der rechten Maustaste auf die Anzeige klicken und Grafiken von diesem Server blockieren auswählen.

Mit dieser Methode schießen Sie vielleicht übers Ziel hinaus, denn sie filtert eben auch alle anderen Bilder, die nicht direkt auf dem ursprünglichen Server liegen. Natürlich können Sie damit auch keine Werbung blockieren, die vom selben Server kommt wie die Webseiten an sich. Das adBlock-Plugin lässt sich auf jeden Fall feiner einstellen. Lässt es trotzdem noch Wünsche offen, bietet sich die angesprochene Proxy-Lösung an, die flexibler und mächtiger ist. Sie funktioniert auch mit anderen Browsern wie Konqueror oder Opera.

Java-Leckerei

Muffin ist ein solcher Proxy, der zwischen Webserver und Browser sitzt und den Webverkehr nach Werbung durchsucht. Als Jar-Paket ist Muffin mit Java direkt ausführbar, muss also weder installiert, noch kompiliert werden. Sie brauchen jedoch mindestens das Java Runtime Environment (JRE) dafür, das viele Distributionen schon mitbringen. Achten Sie beim Download von [2] darauf, den Link auf die Jar-Datei mit der rechten Maustaste anzuklicken und dann Link-Ziel speichern unter zu wählen. Sonst versucht Ihr Browser möglicherweise, das Jar-File direkt zu starten – und das geht sicher schief.

Sollte das java-Programm nicht im Pfad der ausführbaren Dateien (PATH) enthalten sein, fügen Sie das Verzeichnis hinzu, indem es sich befindet, z. B.

export PATH=$PATH:/usr/java/j2sdk1.4.2_02/bin

Sie starten Muffin dann einfach mit java -jar muffin-0.9.3a.jar (siehe Abbildung 4). Von Haus aus benutzt Muffin den NoThanks-Filter, der mit einfachen Regeln Werbebanner filtert. Weitere mitgelieferte, aber zunächst nicht aktivierte Filter sind beispielsweise Animationkiller, das Gif-Animationen entfernt, und Cookiemonster, dass sich um die wenig beliebten Browser-Cookies kümmert. Der NoThanks-Filter funktioniert leider nicht von Haus aus, sondern erst nachdem er eine kleine Konfigurationsdatei geladen hat, das so genannte Killfile. Ein solches finden Sie auf der Muffin-Website im Bereich Samples.

Abbildung 4: Das Java-Programm Muffin bringt eine eigene grafische Oberfläche mit und zeigt laufend an, welche Dateien es lädt.

Dazu markieren Sie unter Enabled Filters den NoThanks-Eintrag, klicken auf Preferences und wählen im folgenden Dialogfenster unter Kill File mit Browse die Datei Killfile im Muffin-Verzeichnis aus. Drücken Sie Apply und Load, dann benutzt Muffin das geladene Killfile. Der Save-Knopf speichert diese Einstellung dauerhaft, damit Sie nicht bei jedem Start von Muffin dieselbe Prozedur durchlaufen müssen. Das Filterprogramm legt selbst ein Verzeichnis mit dem Namen Muffin im Home-Directory an, in dem es seine Konfigurationsdateien und ein Logfile speichert.

Damit das neue Werkzeug seinen Dienst tut, tragen Sie es in den Browser-Einstellungen als Proxy ein – das gilt auch für alle anderen, vorgestellten Proxy-Lösungen. In Mozilla öffnen Sie die Einstellungen (Bearbeiten | Einstellungen) und klappen mit einem Klick auf das kleine Dreieck den Punkt Erweitert aus. Dort finden Sie den Punkt Proxies, wo sie erst die manuelle Konfiguration aktivieren und dann dessen Felder HTTP-Proxy und Port mit den richtigen Werten ausfüllen (Abbildung 5). Ins erste Feld kommt üblicherweise localhost, ins zweite die Port-Nummer, je nach Proxy (vgl. Tabelle 1). In Opera finden sich entsprechende Einstellungen unter Network | Proxy Servers, bei Firefox gelangen Sie über Tools | Einstellungen und schließlich Verbindungs-Einstellungen ans Ziel.

Abbildung 5: Die Proxy-Konfiguration in Mozilla, hier eingestellt für den Webfilter Muffin, der auf demselben Rechner (localhost) auf Port 51966 läuft .

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