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Einen Schritt voraus

Spam direkt auf POP3-Servern löschen

Der Herausforderer: PopWash

Gegen diese Konkurrenz anzutreten traut sich mit PopWash ein recht neues Projekt. Es befindet sich noch in der Testphase, was seine Versionsnummer 0.3 widerspiegelt. Recht ungewöhnlich: Das kleine Programm basiert auf einer Mischung aus Tcl und GTK. Damit diese beiden Welten zusammenarbeiten, verlangt PopWash nach der Bibliothek Gnocl, die den gängigen Distributionen nicht beiliegt. Diese gibt es auf der Website von PopWash zum Download (Tabelle 1).

Um das Programm selbst zu kompilieren, benötigen Sie eine fast vollständige Gnome-Umgebung einschließlich der zugehörigen Entwicklungspakete sowie GTK und Tcl inklusive der tcllib-Bibliothek. Dann genügt der Befehl make im PopWash-Verzeichnis, um die Quellen zu übersetzen. make install, anschließend als Benutzer root ausgeführt, installiert das Programm. Ab jetzt starten Sie PopWash mit dem Skript popwash.

Haben Sie diese Hürde genommen, bietet PopWash auf einen recht ansehnlichen Funktionsumfang; so lassen sich E-Mails sogar komfortabel filtern (siehe Kasten 1). Ärgerlich ist jedoch das englisch-deutsche Kauderwelsch in den Menübeschriftungen.

Abbildung 8: Im PopWash-Hauptfenster lassen sich unerwünschte Nachrichten einfach entsorgen, indem man sie mit der Maus selektiert und dann auf "Löschen" klickt.

Wählen Sie nun Edit | Einstellungen. Im erscheinenden Dialogfenster wechseln Sie auf Basic Settings (Abbildung 9) und tragen unter Pop3-Server den Servernamen sowie unter Username den Anmeldenamen ein.

Abbildung 9: PopWash, konfiguriert mit den Daten des KShowmail-Kontos aus Abbildung 3.

Über den Punkt Default action for mails legen Sie fest, was mit der Nachrichtenliste direkt nach der Abfrage passieren soll. Wer mehr Spam als normale Post bekommt, stellt hier Mark for deletion ein. Dies bewirkt, dass das Programm alle Mails zum Löschen markiert. Ein Klick auf Ok bringt Sie zum Hauptfenster (Abbildung 8) zurück.

Per Aktualisieren ruft PopWash die E-Mails beim Server ab. Markieren Sie anschließend alle Spam-Kandidaten in der Spalte Delete und klicken Sie auf Löschen. Den so gestarteten Vorgang können Sie nur noch durch möglichst schnelles Drücken von [Esc] oder Klicken auf den Stop-Button vollständig rückgängig machen.

Welches wäscht reiner?

Ob PopWash oder KShowmail – von kleinen Anwendungen, die einfach nur ein wenig Spam aus der Mailbox waschen, kann keine Rede sein. Beide setzen umfangreiche Bibliotheken und somit eine entsprechend gewichtige Umgebung voraus. Nur Eremove ist etwas genügsamer. Für wen sich welches Programm eignet, hängt hauptsächlich vom eigenen Geschmack, vom verwendeten Desktop-System und dem benötigten Funktionsumfang ab. KShowmail ist von allen drei Kandidaten der umfangreichste. Das Programm läuft still und stabil im Hintergrund und integriert sich optimal in KDE. Des weiteren kann es als einziges Tool mehrere E-Mail-Konten gleichzeitig abfragen. PopWash besitzt alle Voraussetzungen, um nach Ende der Testphase in der gleichen Liga wie KShowmail zu spielen. Durch den Einsatz von gnocl ist es jedoch umständlich zu installieren. Eremove hingegen eignet sich nur für mutige Minimalisten; es lässt sich wegen seiner Programmfehler nicht empfehlen.

Kasten 1: Filter nutzen

Gerade bei vielen E-Mails ist es mühsam, jede eingegangene Nachricht zu untersuchen. Hier helfen so genannte Filter (auch Black Lists, schwarze Listen, genannt), bei denen es sich um nichts anderes als einfache Wörterlisten handelt. Das Filterprogramm prüft jede E-Mail, ob darin ein Wort aus der Liste vorkommt. Findet es zum Beispiel das Wort "Viagra" in der Betreffzeile der E-Mail, merkt es diese Nachricht zum Löschen vor. Sowohl KShowmail als auch PopWash enthalten solche Black Lists.

PopWash führt zusätzlich noch eine White List, die genau umgekehrt funktioniert. Taucht ein Begriff aus ihr in einer E-Mail auf, wird die E-Mail nie gelöscht. Steht beispielsweise die E-Mail-Adresse Ihres Arbeitskollegen auf dieser Liste, löscht das Filterprogramm seine E-Mails auch dann nicht, wenn sie ein Wort aus der Black List enthalten – wie zum Beispiel "Viagra".

Für PopWash richten Sie einen Filter ein, indem Sie String Matching im Einstellungsfenster wählen. Wechseln Sie auf eines der Register White List oder Black List (Abbildung 10). Wörter in From vergleicht PopWash mit dem Absender einer E-Mail, Subject mit der Betreffzeile und To mit der Empfängeradresse.

Um der Liste ein neues Wort hinzuzufügen, klicken Sie auf Hinzufügen neben der entsprechenden Liste und geben den Begriff ein. Dabei brauchen Sie keine Rücksicht auf die Groß- oder Kleinschreibung nehmen. Die Eingabe schließen Sie mit [Enter] ab. Um einen bestehenden Eintrag zu modifizieren, wählen Sie ihn einfach mit der Maus aus und bearbeiten ihn nach Ihrem Geschmack.

In KShowmail konfigurieren Sie einen Filter unter Einstellungen | Filter. Markieren Sie im folgenden Fenster Aktiviert (Abbildung 11) und klicken Sie dann auf Hinzufügen, um einen neuen Listeneintrag anzulegen.

Unter Bedingung (Abbildung 12) stellen Sie zunächst das Element ein, in dem nach dem Wort gesucht werden soll, zum Beispiel die Betreff-Zeile. Ins Eingabefeld tippen Sie nun den Text, nach dem das Filterprogramm suchen soll. Groß- und Kleinschreibung unterscheidet KShowmail nur, wenn das gleichnamige Feld aktiviert ist.

Noch detaillierter filtern Sie mit regulären Ausdrücken (Kasten 2). Diese erlauben es, auch Spam zu "erschlagen", deren Versender ungewöhnliche Schreibweisen für die Schlagwörter einsetzen.

Abbildung 10: Ein Beispiel für Filtereinträge in PopWash.

Abbildung 11: Über dieses Fenster fügen Sie einen neuen Filter hinzu. Im Bereich "Filter Status" bestimmen Sie, ob die Liste mit den Filtern aktiviert oder deaktiviert ist. Per "Automatisches Löschen" entfernt KShowmail positiv getestete E-Mails sofort.

Abbildung 12: KShowmail erlaubt die Verknüpfung von zwei Bedingungen innerhalb eines Filtereintrags. Dazu verbinden Sie die "Bedingung" im oberen Teilbereich mit derjenigen im unteren Teilbereich ("zweite Bedingung") durch die logische Operation im langen Auswahlfeld.

Kasten 2: Reguläre Ausdrücke anwenden

Die Absender von Spam haben sich mittlerweile auf Filterlisten eingestellt. Sie benutzen anstelle des Wortes "Viagra" einfach eine Abwandlung wie "VIA_gra". Damit der von Spam geplagte Empfänger nicht jede Schreibweise in die schwarze Liste aufnehmen muss, erlauben KShowmail und PopWash so genannte reguläre Ausdrücke (englisch: "regular expressions", kurz "regexps") in Filtern.

Reguläre Ausdrücke funktionieren wie die Platzhalter * oder ? auf der Kommandozeile. Dort steht bild*.jpg für alle Dateien, die mit bild beginnen und auf .jpg enden.

Ein regulärer Ausdruck sieht so aus:

[^\b]\@spam\.org

Dieses Beispiel entspricht allen E-Mail-Adressen, die mit @spam.org enden. Der Ausdruck [^\b] trifft auf ein Zeichen vor @spam.org zu, auf das das Muster in eckigen Klammern passt. Das Caret-Zeichen innerhalb der Klammern, das wie ein kleines Dach aussieht, sagt: "Das sind alle Zeichen mit Ausnahme der folgenden." Da \b kein echtes Zeichen, sondern einen Wortanfang oder ein Wortende meint, trifft die Regel auf jedes beliebige Zeichen vor dem @ zu. Damit passt der Filter auf jegliche Mail-Adresse bei @spam.org.

Um in PopWash einen regulären Ausdruck zu verwenden, wählen Sie in den Einstellungen unter Basic settings den Punkt Advanced regexp. Dort tragen Sie die regulären Ausdrücke wie die in Kasten 1 beschriebenen Stichwörter ein.

Bei KShowmail markieren Sie das Feld Regulärer Ausdruck im Fenster mit den Einstellungen für den jeweiligen Filter-Eintrag (Einstellungen | Filter und dort Hinzufügen). Ab sofort interpretiert KShowmail den Eintrag als regulären Ausdruck.

Um reguläre Ausdrücke treffend einzusetzen, bedarf es ein wenig Experimentiergeist und Übung. Mit ein paar Grundkenntnissen lässt sich bereits viel Spam eliminieren. Wer sich über die Syntax regulärer Ausdrücke informieren möchte, findet auf http://www.selflinux.org/selflinux/html/regex.html eine deutschsprachige Einführung mit Beispielen; Tabelle 1 auf Seite 77 gibt ebenfalls Interpretationshinweise.

Tabelle 1: Antispam-Helfer für POP3-Konten im Vergleich

Name Eremove KShowmail PopWash
Bibliotheken GTK Qt, KDE Gnocl (Tcl, GTK, Gnome)
Verwaltung mehrerer Konten nein ja nein
Automatische Aktualisierung nein ja nein
Einbinden externer Programme nein ja nein
Einsicht in E-Mail-Kopf/-Text nein/nein ja/ja nein/nein
Filter: Black List/White List nein/nein ja/nein ja/ja
Filter: Reguläre Ausdrücke nein ja ja
Speichern von Passwörtern ja, unverschlüsselt ja, verschlüsselt nein
Projekt-Seite http://eremove.sourceforge.net/ http://kshowmail.sourceforge.net/ http://www.dr-baum.net/popwash/

Glossar

DNS

Das "Domain Name System" wandelt IP-Adressen in Namen um, die sich besser merken lassen. So wird aus der IP-Adresse 62.245.157.217 der DNS-Name www.linux-user.de.

IP-Adresse

Die Hausnummer eines Computers im Internet. Sie hat die Form vierer, durch Punkte getrennter Zahlen zwischen 0 und 255 und ist eindeutig. Computer, die stets mit dem Internet verbunden sind (beispielsweise Mailserver), besitzen eine feste (statische) IP-Adresse, die sich nie ändert. Private Rechner, die sich per Modem oder DSL ins Internet einwählen, bekommen vom Provider in der Regel immer eine andere IP-Adresse zugewiesen (dynamische IP-Adresse).

POP3

Das "Post Office Protocol" in der Version 3 regelt das Format und den Ablauf der Datenübertragung zwischen Mailserver und Mail-Programm beim Herunterladen eintreffender Mails.

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Infos zum Autor

Tim Schürmann

Tim Schürmann

Tim Schürmann ist Diplom-Informatiker und derzeit als freier Autor unterwegs. Mehr Informationen finden Sie auf seiner Homepage unter http://www.tim-schuermann.de.


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LinuxUser 06/2012

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