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Teamspiel

Multiplayer-Shooter mit Strategie

01.05.2004 Der Online-Shooter Legends setzt auf Teamstrategien in zeitgemäßer 3D-Grafik. Fans bauen im integrierten Editor eigene Spiellandschaften.

Neue Waffen suchen und auf Gegner schießen ist das Spielprinzip zahlloser Ego-Shooter. Wem das trotz der grandiosen Grafik moderner Ballerspiele auf Dauer zu langweilig ist, sollte sich das kostenlos erhältliche Legends [1] anschauen. Es bringt frischen Wind in die ermüdende Eintönigkeit des Genres, denn es bietet mehr Möglichkeiten zum strategischen Spiel. Eine spezielle Fortbewegungsart, das Skiing, bezieht die Spiellandschaft mit ein, zum Beispiel beschleunigt ein Hügel den Spieler auf seiner Fahrt, und der kann mit einem Jetpack sogar abheben. Wer so seinen Weg plant, spart wertvolle Sekunden.

Kasten 1: Installation

Legends setzt einige andere Pakete voraus: Kernel 2.4, XFree86 4, SDL und OpenGL dürften auf den meisten modernen Linuxen installiert sein. Von der Audiobibliothek OpenAL existieren fertige Pakete, die sich mit dem Paketmanager installieren lassen. Die OpenGL-Grafik braucht eine hardwarebeschleunigte Grafikkarte mit mindestens 32 MByte Speicher.

Nach dem Herunterladen des 89 MByte großen tar.gz-Archivs gestaltet sich die Installation erfreulich einfach: Haben Sie das Programm entpackt, wechseln Sie in das erzeugte Verzeichnis und starten das Spiel durch Eingabe von ./LinLegends. Es empfiehlt sich jedoch, zuerst ein Online-Update auf die beim Verfassen dieses Artikels aktuelle Version 0.4.1b durchzuführen:

rsync -arvz --progress --stats rsync://legends.tribes2.za.net/linlegends .

Der Punkt am Ende des Befehls ist wichtig, denn er gibt an, wo rsync die Dateien speichern soll.

Gitter helfen bei der Navigation

Nach dem Start erscheint ein englischsprachiges Optionsmenü, andere Sprachen sind zur Zeit nicht verfügbar. Unter Options lassen sich Auflösung, Tastaturbelegung und Art der Netzwerkverbindung anpassen. Zwei Optionen sind besonders interessant: Die über die Schaltfläche Game erreichbare Option Render OOB Grid ist standardmäßig deaktiviert. Damit lässt sich ein netzähnliches Gitter entlang der ansonsten unsichtbaren Grenzen einblenden, innerhalb derer die zuvor erbeutete gegnerische Flagge zur eigenen Basis transportiert werden darf.

Überschreitet der Spieler diese Grenze, fällt die Flagge aus seinem Rucksack heraus und er muss sie erneut suchen. Ein Klick auf Accept speichert die Änderungen. Freunde so genannter Skins hingegen werden einige Funktionen des Server-Browsers vermissen, wenn sie unter Skins die Standardoberfläche Golden Age gegen eine andere ausgetauscht haben.

Erst gleiten, dann fliegen

Wer mit Tribes vertraut ist, kann mit einem Klick auf Query Master im Menü Join eine Server-Liste herunterladen und sofort loslegen. Wer jedoch bei "Skiing" lange Bretter vor Augen hat, sollte erst mal die neuen Fortbewegungsarten trainieren. Dafür bieten sich die lokalen Spiele an, in die man über Start einsteigt.

Computergegner oder Übungsszenarien gibt es zwar nicht, aber leere Missionen eignen sich gut dazu, die ganz spezielle Kombination aus Jetpack und Skiing zu trainieren. Spieler, die sich ihrer in anderen Shootern erlernten Hüpftechniken bedienen, entlocken dem erfahrenen Legends-Spieler allenfalls ein nachsichtiges Lächeln.

Nach dem Laden einer Mission ruft die Taste [I] die Inventarliste auf, um den eigenen Kämpfer wunschgemäß auszurüsten. Für den Anfang empfiehlt sich der wendige "Warrior" samt Energiemodul. Dann stellt sich der Spieler in eine der Aufladestationen, um die gewählte Ausrüstung zu laden. Zum Üben eignet sich einer der zahllosen Berge und Hügel, die in jeder Mission vorkommen. Stürzt sich der Spieler mit gedrückter Leer-Taste den Hang hinab, nimmt er rasant an Fahrt auf. In der Talsohle angekommen, aktiviert die zusätzlich gedrückte rechte Maustaste den Jetpack und katapultiert den Spieler so bergauf und hoch in die Luft.

Erfahrene Spieler wenden diese "Skiing" genannte Technik auch auf kleine Unebenheiten im Gelände an. Mit etwas Übung werden so auch lange Strecken spielend zurückgelegt. Außerdem kann man hier mit den zwei verfügbaren Perspektiven experimentieren. Neben der gewohnten Ich-Perspektive bietet Legends an, den eigenen Spieler mittels [TAB] von hinten zu betrachten. Lara Croft lässt grüßen.

Abbildung 1

Abbildung 1: Rot versus Blau: Luftkampf nahe der feindlichen Basis.

Strategien bringen Abwechslung

Zur Zeit besitzt Legends vier Spielmodi: In "Capture-The-Flag" muss das Team die gegnerische Flagge zur eigenen Basis bringen, ohne die eigene zu verlieren. Im Modus "Capture-And-Hold" werden neutrale Flaggen durch Berührung zum eigenen Besitz erklärt. Gewinner ist, wer die Flaggen am längsten im eigenen Besitz halten konnte. "Arena" ist eine Variante des bekannten Team-Deathmatch. Spieler haben hier jedoch nur ein Leben. Im neu hinzugekommenen Modus "War" sammeln Teams Punkte, indem sie die im Gelände verteilten Stationen durch Berührung zum eigenen Besitz erklären. Ganz so einfach, wie es klingt, ist es jedoch nicht, denn nur miteinander verbundene Stationen können erobert werden.

Ein Legends-Team umfasst viele unterschiedliche Rollen, denen entsprechend sich die Spieler ausrüsten. Hat man sich für die Verteidigung der eigenen Basis entschieden, kann man als schwergewichtiger "Kraken" über die lebenswichtigen Generatoren und Aufladestationen wachen beziehungsweise selbige reparieren. Nur der behäbige Kraken ist in der Lage, die eigene Basis mit kleinen Geschützen auszurüsten, die automatisch auf jeden Gegner feuern. Auch als allseits unbeliebter Sniper im leichten Warrior-Kostüm kann der Spieler seine Basis wirkungsvoll verteidigen, indem er aus der Distanz unvorsichtig navigierende Angreifer bequem heranzoomt, bevor er abdrückt. Wer lieber im Sturm spielt und beabsichtigt, die feindliche Flagge nach Hause zu tragen, wird ebenfalls den leichten Warrior mit Energiemodul bevorzugen, damit ihm auf der Flucht nicht die Luft ausgeht.

Orientierung ist alles

Angehende Flaggenräuber sollten sich allerdings mit dem Terrain der jeweiligen Mission gut auskennen, denn obwohl man die Route nach Hause innerhalb des Gitters frei wählen kann, führen einige für Uneingeweihte nicht sichtbare Wege schneller als andere zum Ziel, da man auf ihnen optimal "Ski fahren" kann. Die kürzeste Strecke zwischen zwei Punkten muss also nicht zwangsläufig auch die schnellste sein. Doch aufgepasst: Auch der Feind kann diese Wege kennen, und seine Mittelfeldspieler haben sie möglicherweise vermint.

Idealerweise wird der Flaggenträger von seinen Mitspielern flankiert, da das gegnerische Team alles unternehmen wird, ihm die geraubte Flagge wieder abzunehmen. Einzelkämpfer lernen da schnell ihre Teammitglieder zu schätzen. Beide Teams müssen daher darauf achten, die verschiedenen Positionen möglichst ausgewogen zu besetzen. Ein hauptsächlich aus Angreifern bestehendes Team wird die gegnerische Flagge zweifellos häufig in ihren Besitz bringen, zum Punkten hingegen wird es kaum reichen. Ein auf die Massenverteidigung setzendes Team hingegen wird möglicherweise seine Flagge auf ewig verteidigen können, kann aber nicht punkten. Die Kommunikation untereinander wird durch das Kommunikationsmenü erheblich erleichtert. So erreicht man seine Teammitglieder durch Drücken von [V][T], während über [V][G] geschickte Mitteilungen von allen Spielern empfangen werden.

Abbildung 2

Abbildung 2: Kurz vorm Ziel taucht der Besitzer der geraubten Flagge auf.

Da Legends auf der Torque Gaming Engine von GarageGames [2] basiert, ist der Quellcode nicht frei verfügbar. Die Entwickler haben laut eigener Aussage jedoch kein Interesse an einer kommerziellen Verwertung von Legends. Wem das gute Dutzend mitgelieferter Missionen nicht ausreicht, kann auch unter Linux eigene Missionen erstellen. Dazu startet man über die Schaltfläche Start eine beliebige lokale Mission und aktiviert dann mit [ALT][E] der Editor. Mit FileNew Mission wird eine leere Mission geladen. Eine eingehendere Beschreibung des Editors würde den Rahmen dieses Artikels aber sprengen, daher sei auf die englische Anleitung zum Editieren von Missionen in Torque-Spielen [3] verwiesen.

Fazit

Obwohl noch als Beta-Version gekennzeichnet, läuft Legends trotz kleinerer Probleme (für manche Spieler unsichtbare Minen) insgesamt sehr zufrieden stellend. Die Unterstützung für bemannte Fahrzeuge ist noch unausgereift und wird daher erst in späteren Versionen verfügbar sein. Dennoch bietet Legends schon jetzt eine spielbare und interessante Alternative zu den etablierten Shooter-Größen.

Der Autor

Rüdiger Arp ist freiberuflicher Übersetzer. Einen nicht unbeträchtlichen Teil seiner Freizeit verbringt er als Editor des Linux-Spiele-Portals Linux Game Tome.

Glossar

Deathmatch

Spielmodus, bei dem der letzte "Überlebende" gewinnt. Je nach Spiel kann das ein Einzelspieler sein oder ein Team. Dann spricht man von Team Deathmatch.

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