Internet-Radios mitschneiden

Aus LinuxUser 05/2004

Internet-Radios mitschneiden

SoundSauger

Viele stolze Besitzer einer Breitband-Internet-Anbindung lauschen im Hintergrund gerne der Musik eines der zahlreichen Internet-Radios. Über die Angebote den Überblick zu behalten, ist aber nicht leicht. Und wie nehme ich das Programm auf, wenn es mir besonders gut gefällt?

Allein die Internet-Seiten Shoutcast [1], Live365 [2] und Icecast [3] verzeichnen Hunderte so genannter Netzradios: Diese senden über’s Internet einen beständigen Datenstrom (englisch: “stream”) und liefern damit Musik im MP3-Format. Ein beliebiger MP3-Player wie XMMS [4] gibt die Töne aus, zum Mitschneiden gibt es das Kommandozeilenprogramm Streamripper [5]; Streamtuner [6] schließlich koordiniert das Ganze mit seiner grafischen Oberfläche.

Zwar bietet beispielsweise auch XMMS von Haus aus mit seinem Disk Writer-Plugin an, den musikalischen Datenstrom lokal zu speichern, doch dekodiert es dazu den eingehenden Stream und kopiert ihn dabei als große Wave-Datei auf die Festplatte; daraus einzelne Lieder zu extrahieren bedeutet viel Arbeit.

Installation

Die gängigen Distributionen liefern unsere verwendete Ausrüstung leider nicht mit, deshalb haben wir die Pakete von [7], [8] und [9] auf die Heft-CD aufgenommen. Bei den RPM-basierten Linux-Systemen Suse, Red Hat und Mandrake wechseln Sie ins jeweilige Verzeichnis der CD und geben als root mit rpm -Uvh *.rpm den Auftrag zur Installation von Streamripper und Streamtuner.

Zum Erfolg dieser Operation setzen die Programme jedoch weitere Pakete voraus, die die Distributionen mitbringen: Neben den GTK-Bibliotheken, die gewöhnlich bereits installiert sind, benötigt Streamtuner das Programm Curl.

In der stabilen Debian-Version Woody haben Streamripper und Streamtuner ebenfalls noch keinen Platz gefunden, es gibt jedoch Backports aus zukünftigen, noch nicht freigegebenen Versionen. Beide Pakete liegen auf der Heft-CD bereit zur üblichen Installation per dpkg -i *.deb im Verzeichnis Debian. Auch hier benötigt Streamtuner zuvor das Paket libcurl2.

Wer stets über die aktuellsten Versionen verfügen möchte, trägt die Zeilen

deb http://www.backports.org/debian stable streamtuner
deb http://www.backports.org/debian stable streamripper

in die Datei /etc/apt/sources.list ein und lädt nach der Aktualisierung des Paketbestands als root durch apt-get update mit apt-get install streamripper streamtuner die beiden Pakete herunter.

Um Musik wiederzugeben, verwendet Streamtuner den MP3-Player XMMS, der in jeder der genannten Distributionen zum Standardrepertoire gehört.

Lass hören!

Wer noch keinen Kontakt mit den Internet-Radios hatte, findet auf der Shoutcast-Homepage [1] eine breite Auswahl (Abbildung 1). Anhänger fast jedes Genres dürften etwas nach ihrem Geschmack finden. Ein Klick auf den Button Tune in! neben einer Station öffnet ein Dialogfenster, dass nach dem zu verwendenden Programm spielt. Es handelt sich hierbei nämlich nicht um gewöhnlich schon zugeteilte MP3-Dateien, sondern um Abspiellisten mit der Endung pls oder m3u.

Abbildung 1: Shoutcast bietet etwas für jeden Geschmack.

Abbildung 1: Shoutcast bietet etwas für jeden Geschmack.

Im KDE-Browser Konqueror klicken Sie im ersten Dialog auf Öffnen. Ist dieser Dateityp noch keiner Applikation versprochen, erscheint ein weiteres Fenster, in dem Sie auf Öffnen mit:… klicken. In der nächsten Abfrage geben Sie ins Textfeld oben xmms ein oder wählen das Programm über das darunter erscheinende KDE-Menü. Ein Klick auf OK startet daraufhin die Wiedergabe des Internet-Radios.

Das Programm Streamripper ist für die Aufnahme zuständig. Der Befehl streamripper gefolgt von der Adresse des gewünschten Streams nimmt umstandslos Kontakt mit dem Zielrechner auf und speichert die gespielten Lieder in einzelnen MP3-Dateien auf der Festplatte. Die genaue Adresse eines Radios finden Sie in XMMS im Feld Dateiname im Fenster Datei-Infos, das die Tastenkombination [Strg-3] zum Vorschein bringt (Abbildungen 2 und 3).

Abbildung 2: XMMS verrät die Adresse eines Streams.

Abbildung 2: XMMS verrät die Adresse eines Streams.

Abbildung 3: Streamripper speichert die Lieder eines Radio-Streams einzeln.

Abbildung 3: Streamripper speichert die Lieder eines Radio-Streams einzeln.

Mehr Komfort

In der Basisausstattung bietet Version 0.11 von Streamtuner (Abbildung 4) eine Übersicht nur über das Shoutcast-Verzeichnis. Die Streamtuner-Homepage stellt zusätzliche Plugins bereit für den Zugriff auf Live365 und Icecasts Xiph bereit, beide gibt es jedoch weder in bereits kompilierter Form, noch glänzen sie derzeit durch Stabilität, so dass nur experimentierfreudige Anwender daran Spaß haben.

Abbildung 4: Streamtuner - alles auf einen Blick

Abbildung 4: Streamtuner – alles auf einen Blick

Nach dem Start mit dem Befehl streamtuner landen Sie in der Übersicht, die sich am typischen Dateimanagerdesign orientiert: Auf der linken Seite listet eine Baumstruktur die verschiedenen Genres auf. Zudem gibt es dort unter Spitzenstreams eine Übersicht über die beliebtesten Stationen aller Musikarten. Mit der darunterliegenden Suchfunktion durchforsten Sie sämtliche Einträge nach einem Schlagwort; damit finden Sie beispielsweise heraus, ob irgendwer gerade Ihre Lieblinsband spielt. Um nach einem neuen Schlagwort zu suchen, nutzen Sie den Button Aktualisieren, der ansonsten die neuesten Angaben über die angezeigten Radios einholt.

Klicken Sie eine der angezeigten Sparten an, um alle darin verzeichneten Streams zu sehen. Mit dem Pfeil links neben dem Namen der Rubrik klappen Sie einen Ast auf, um seine Untergenres zu öffnen.

In der Liste der verfügbaren Musikanbieter rechts sehen Sie die Beschreibung, die sich der Betreiber selbst gegeben hat, daneben steht bei vielen Stationen das aktuell laufende Lied. Die nächste Spalte gibt die aktuelle Anzahl der Zuhörer wieder, Maximum zeigt, wieviele der Server höchstens bedient. Sind alle Plätze belegt, müssen Sie leider auf einen freien Platz warten, um diesen Stream zu hören.

Wer Wert auf Qualität legt, wirft einen Blick auf die rechte äußere Spalte: Je höher die Bitrate, desto besser die Tonqualität.

Haben Sie sich für einen Sender entschieden, selektieren Sie ihn mit der Maus. Dann bieten die Buttons in der Werkzeugleiste drei Möglichkeiten: Verbinden startet XMMS und spielt den Stream ab. Mit Aufnehmen weisen Sie Streamripper an, die gespielten Lieder im MP3-Format zu sichern, Besuchen schließlich öffnet den Browser und darin die Homepage zur betreffenden Station. Der Stopp-Knopf hat keinerlei Auswirkung auf den laufenden Streamripper oder XMMS; Stremtuner ruft diese externen Programme lediglich auf und hat ferner keine Verbindung zu ihnen.

Fundstücke sicher verwahren

Ein Rechtsklick auf einen Stream öffnet ein Kontextmenü, das neben den oben beschriebenen Aktionen anbietet, diese Station mit Add Bookmark unter Bookmarks zu speichern; so finden Sie die Adressen Ihrer Lieblings-Streams später wieder. Zudem öffnet der Eintrag Eigenschaften ein Dialogfenster, das nochmals Genre, Namen und technische Daten zusammenfasst.

Passen Ihnen die Voreinstellungen beispielsweise in Bezug auf den Browser nicht, tragen Sie unter BearbeitenEinstellungenProgramme die zu verwendenden Software und dazugehörige Parameter ein. Ihren Browser schreiben Sie ins Feld Internetseite besuchen, den MP3-Player definiert der Eintrag Listen to a .m3u-file. Die Voreinstellung unter Stream aufnehmen startet Streamripper in einem Terminal-Fenster ohne weitere Angaben. Dies ergänzen Sie beispielsweise mit -d und einem beliebigen, beschreibbaren Verzeichnis auf Ihrer Festplatte; dort speichert Streamripper dann die Mitschnitte. Fehlt diese Angabe, landen die Dateien in einem Unterverzeichnis Ihres Home-Verzeichnisses mit dem Namen der jeweiligen Radio-Station.

Hier geben Sie auf Wunsch Streamripper auch andere Optionen mit. Der Parameter -l begrenzt die Aufnahmezeit auf eine fest Sekundenzahl, -s verhindert, dass jeder Stream sein eigenes Unterverzeichnis erhält. Weitere Optionen entnehmen Sie der Manual-Seite von Streamripper mit man streamripper.

Glossar

Backports
Damit Debian-Nutzer nicht nur wegen der mangelnden Aktualität der stabilen Version Woody auf offiziell noch unfertige Nachfolger umsteigen, enthält u. a. die Seite http://www.backports.org/ eigens neu kompilierte Debian-Pakete, die Woody nicht oder nur in alten Versionen enthält.

Infos

[1] Shoutcast: http://www.shoutcast.com/

[2] Live365: http://www.live365.com/

[3] Icecast: http://www.icecast.org/streamlist.php

[4] XMMS: http://www.xmms.org/

[5] Streamripper: http://streamripper.sourceforge.net/

[6] Streamtuner: http://www.nongnu.org/streamtuner

[7] Suse-Pakete für Streamripper und Streamtuner: http://apt.bygden.nu/SuSE/9.0-i386/RPMS.suser-scorot/

[8] Red-Hat-Pakete für Streamripper und Streamtuner: ftp://newrpms.sunsite.dk/projects/newrpms/www/htdocs/apt/redhat/en/i386/9.0/RPMS.newrpms/

[9] Mandrake-Paket für Streamtuner und Streamripper: http://mandrake.binarycompass.org/Mandrake-devel/contrib/i586/

[10] XMMS: Stefanie Teufel, “Soundmaschine”, LinuxUser 09/2001, S. 31 ff., http://www.linux-user.de/ausgabe/2001/09/031-xmms/xmms-6.html

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