Spam ist eine Plage, der man nicht einfach Herr wird: Spamfilter trennen zwar anhand mehr oder minder geeigneter Heuristiken die Spreu vom Weizen, aber vergleichbar mit der Situation bei Computer-Viren sind die Spammer oft einen Schritt voraus und entwickeln immer neue Methoden, um die Filter zu überlisten.
Ursachenforschung
Nicht zuletzt übereifrige Administratoren helfen selbst, ihre eigenen Abwehrmaßnahmen auszuhebeln, indem sie dem Spammer aussortierte Mails inklusive Begründung, weshalb der Filter sie für Spam hält, zurücksenden. So oder so – Spammer finden immer wieder Wege durch die gängigen Spamfilter. Sie bieten also allenfalls eine Teillösung.
Andere Bemühungen zielen darauf, Spam schon im Ansatz zu stoppen; zum Beispiel die Forderung nach authentifiziertem SMTP als Standard. Damit müsste sich jeder Mail-Versender beispielsweise durch seine IP-Adresse oder ein Passwort beim Server identifizieren – einige Anbieter verwenden dieses Verfahren bereits.
Die Hauptquelle, aus denen Spammer ihr Zieladressen beziehen, bilden laut einer Studie des "Center for Democracy and Technology" (CDT) öffentliche Web-Seiten [1]. Im Rahmen ihrer Forschungsarbeit verbreitete das CDT eigens dafür angelegte E-Mail-Adressen gezielt auf Homepages, in Newsgroups und in verschiedenen Web-Diensten. 97,3% der 8842 daraufhin erhaltenen, als unerwünschte E-Mail-Werbung eingestuften Nachrichten richteten sich an die auf Web-Seiten veröffentlichten Mail-Adressen (Abbildung 1).
Demnach lohnt es sich, beim Gestalten von Web-Seiten darauf zu achten, dass die darauf enthaltenen Mail-Adressen für Spammer nicht verwertbar sind. Laut der genannten Studie ist eine Verschleierung auch im Nachhinein sinnvoll, da die Zahl der Spam-Mails nach dem Entfernen der Adresse abnahm (Abbildung 2).
Automatische Adressensammler
Das Vorgehen der meisten Spammer ist denkbar primitiv: Auf einer beliebigen Web-Seite angefangen, speichern sie alle Links der Form mailto:, also die Verweise auf Mailadressen. Andere Links verfolgen sie weiter und verfahren mit den dort gefundenen Seiten ebenso.
Auf diese Art finden Spammer irgendwann jede Seite, auf die nur ein Link zeigt; mit demselben Verfahren wie erwünschte Suchmaschinen durchforsten sie das gesamte Web. Ein Programm zu schreiben, das dies automatisch erledigt – so genannte "Spider" (Spinne) oder "Harvester" (Erntemaschine) – ist nicht schwierig. Die gespeicherten Mailadressen befreit der Spammer anschließend von Mehrfacheinträgen und fertig ist eine Sammlung potentieller Spamopfer.
Diese Funktionalität lässt sich in einfacher Ausführung schon mit den Linux-Werkzeugen wget, sed, tr, sort und uniq nachbilden und erreicht auch in dieser Form erstaunliche Ergebnisse.
Dabei ist wget für das Durchwandern der Webseiten zuständig, sed durchsucht die gelesenen Seiten nach E-Mail-Adressen. tr verpasst den Ergebnissen eine einheitliche Groß- und Kleinschreibung, sort sortiert die gefundenen Mailadressen alphabetisch und uniq eliminiert alle doppelten Vorkommen.
Ein Testlauf mit der Homepage des Autors als Ausgangspunkt lieferte innerhalb von nur acht Minuten bereits über neunzig unterschiedliche E-Mail-Adressen. Wählt man eine Startseite mit mehr Links und ignoriert entgegen der Konvention die Datei robots.txt [3], erreicht man weitaus mehr Ergebnisse in derselben Zeit. Zudem ließe sich die Suche nach Mail-Adressen auf dort genannte, aber nicht verlinkte Bereiche ausdehnen.
Als Abwehr gegen Adressensammler überhaupt keine E-Mail-Adressen mehr anzugeben, ist für viele Homepage-Betreiber keine akzeptable Lösung; schließlich soll eine Web-Seite durchaus die Möglichkeit zur Kommunikation bieten. In Deutschland verpflichtet außerdem §6 des Teledienstegesetzes (TDG) [4] gewerbliche Anbieter zur Angabe einer "Adresse der elektronischen Post"; auch wenn Juristen darüber streiten, ob dies eine E-Mail-Adresse sein muss, oder ob beispielsweise Fax-Nummern oder Instant-Messenger-Kontakte ebenso gelten.



