Privatadresse

Homepages spamsicher gestalten

01.05.2004
Die meisten E-Mail-Adressen finden Versender unerwünschter Werbung auf Homepages im WWW. Wie man seine Adresse so veröffentlicht, dass sie für automatische Sammelprogramme unsichtbar bleibt, erklärt dieser Artikel.

Spam ist eine Plage, der man nicht einfach Herr wird: Spamfilter trennen zwar anhand mehr oder minder geeigneter Heuristiken die Spreu vom Weizen, aber vergleichbar mit der Situation bei Computer-Viren sind die Spammer oft einen Schritt voraus und entwickeln immer neue Methoden, um die Filter zu überlisten.

Ursachenforschung

Nicht zuletzt übereifrige Administratoren helfen selbst, ihre eigenen Abwehrmaßnahmen auszuhebeln, indem sie dem Spammer aussortierte Mails inklusive Begründung, weshalb der Filter sie für Spam hält, zurücksenden. So oder so – Spammer finden immer wieder Wege durch die gängigen Spamfilter. Sie bieten also allenfalls eine Teillösung.

Andere Bemühungen zielen darauf, Spam schon im Ansatz zu stoppen; zum Beispiel die Forderung nach authentifiziertem SMTP als Standard. Damit müsste sich jeder Mail-Versender beispielsweise durch seine IP-Adresse oder ein Passwort beim Server identifizieren – einige Anbieter verwenden dieses Verfahren bereits.

Die Hauptquelle, aus denen Spammer ihr Zieladressen beziehen, bilden laut einer Studie des "Center for Democracy and Technology" (CDT) öffentliche Web-Seiten [1]. Im Rahmen ihrer Forschungsarbeit verbreitete das CDT eigens dafür angelegte E-Mail-Adressen gezielt auf Homepages, in Newsgroups und in verschiedenen Web-Diensten. 97,3% der 8842 daraufhin erhaltenen, als unerwünschte E-Mail-Werbung eingestuften Nachrichten richteten sich an die auf Web-Seiten veröffentlichten Mail-Adressen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der Großteil der Spammer findet Zieladressen im WWW.

Demnach lohnt es sich, beim Gestalten von Web-Seiten darauf zu achten, dass die darauf enthaltenen Mail-Adressen für Spammer nicht verwertbar sind. Laut der genannten Studie ist eine Verschleierung auch im Nachhinein sinnvoll, da die Zahl der Spam-Mails nach dem Entfernen der Adresse abnahm (Abbildung 2).

Abbildung 2: Auch Nachträgliches Entfernen der E-Mail-Adresse von einer Homepage hilft.

Automatische Adressensammler

Das Vorgehen der meisten Spammer ist denkbar primitiv: Auf einer beliebigen Web-Seite angefangen, speichern sie alle Links der Form mailto:, also die Verweise auf Mailadressen. Andere Links verfolgen sie weiter und verfahren mit den dort gefundenen Seiten ebenso.

Auf diese Art finden Spammer irgendwann jede Seite, auf die nur ein Link zeigt; mit demselben Verfahren wie erwünschte Suchmaschinen durchforsten sie das gesamte Web. Ein Programm zu schreiben, das dies automatisch erledigt – so genannte "Spider" (Spinne) oder "Harvester" (Erntemaschine) – ist nicht schwierig. Die gespeicherten Mailadressen befreit der Spammer anschließend von Mehrfacheinträgen und fertig ist eine Sammlung potentieller Spamopfer.

Diese Funktionalität lässt sich in einfacher Ausführung schon mit den Linux-Werkzeugen wget, sed, tr, sort und uniq nachbilden und erreicht auch in dieser Form erstaunliche Ergebnisse.

Dabei ist wget für das Durchwandern der Webseiten zuständig, sed durchsucht die gelesenen Seiten nach E-Mail-Adressen. tr verpasst den Ergebnissen eine einheitliche Groß- und Kleinschreibung, sort sortiert die gefundenen Mailadressen alphabetisch und uniq eliminiert alle doppelten Vorkommen.

Ein Testlauf mit der Homepage des Autors als Ausgangspunkt lieferte innerhalb von nur acht Minuten bereits über neunzig unterschiedliche E-Mail-Adressen. Wählt man eine Startseite mit mehr Links und ignoriert entgegen der Konvention die Datei robots.txt [3], erreicht man weitaus mehr Ergebnisse in derselben Zeit. Zudem ließe sich die Suche nach Mail-Adressen auf dort genannte, aber nicht verlinkte Bereiche ausdehnen.

Als Abwehr gegen Adressensammler überhaupt keine E-Mail-Adressen mehr anzugeben, ist für viele Homepage-Betreiber keine akzeptable Lösung; schließlich soll eine Web-Seite durchaus die Möglichkeit zur Kommunikation bieten. In Deutschland verpflichtet außerdem §6 des Teledienstegesetzes (TDG) [4] gewerbliche Anbieter zur Angabe einer "Adresse der elektronischen Post"; auch wenn Juristen darüber streiten, ob dies eine E-Mail-Adresse sein muss, oder ob beispielsweise Fax-Nummern oder Instant-Messenger-Kontakte ebenso gelten.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

  • Für Räuber unsichtbar
    Spammer durchforsten das Netz laufend nach E-Mail-Adressen. Sind sie fündig geworden, wird das Lesen der elektronischen Post zur Qual. Tarnverfahren verbergen die Adressen vor den Suchrobotern – nicht jedoch vor den Seitenbesuchern.
  • Plasma-Entwickler suchen bestes JavaScript-Miniprogramm
    Wer immer schon einmal mit dem Gedanken gespielt hat, ein KDE-Miniprogramm zu programmieren, kann jetzt ein Nokia N900 gewinnen. Die Javascript Jam Session läuft noch bis Ende Monat.
  • Linux-Magazin testet Spamfilter
  • Lästiges Insekt
    Online-Werbedienste, Marktforscher und Spammer haben das Internet längst als lohnende Einnahmequelle für sich entdeckt. Freie Software schiebt dem Datenklau einen wirkungsvollen Riegel vor.
  • Sicherheitsfallen im Internet
    "Linux ist sicher": Mit diesem Satz halten sich viele Anwender des freien Betriebssystems Sorgen um die Sicherheit vom Hals. Doch wer im Internet die Vorsicht vergisst, tappt leicht in gefährliche Fallen – auch unter Linux.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 07/2015: Daten sichern

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Grammatikprüfung in LibreOffice nachrüsten
Grammatikprüfung in LibreOffice nachrüsten
Tim Schürmann, 24.04.2015 19:36, 0 Kommentare

LibreOffice kommt zwar mit einer deutschen Rechtschreibprüfung und einem guten Thesaurus, eine Grammatikprüfung fehlt jedoch. In ältere 32-Bit-Versionen ...

Aktuelle Fragen

Fernwartung oder wartung im haus
heide marie voigt, 29.06.2015 10:37, 0 Antworten
gerne hätte ich jemanden in Bremen nord, der mir weiter hilft - angebote bitte mit preis HMVoigt
Druckeranschluss DCP-195C
heide marie voigt, 29.06.2015 10:35, 1 Antworten
installiert ist linux ubuntu 15.04 offenbar auch der treiber für den Drucker DCP-195C. Die Konta...
keine arbeitsleiste beim einloggen
heide marie voigt, 27.06.2015 13:31, 0 Antworten
seit der neu-installierung von linux ubuntu 15.04 erscheint die arbeitsleiste rechts oben erst na...
raid platte an linux mint 17.1
andreas schug, 23.06.2015 19:44, 0 Antworten
folgende thematik NAS Iomega Storage Center wird auf einmal nicht mehr im netzwerk erkannt .....
SUSE 13.2 - Probleme mit kmail
kris kelvin, 03.06.2015 13:26, 2 Antworten
Hallo, nach dem Umstieg auf 13.1 hatte ich das Problem, daß kmail extrem langsam reagierte. Nun...