aufmacher.jpg

Unter einem neuen Stern

Die neue Mandrake 10.0 Community im Test

01.05.2004
Knapp fünf Monate nach Erscheinen von Mandrake Linux 9.2 gibt es jetzt schon Ausgabe 10. Sie ist die erste große Distribution mit Linux-Kernel 2.6. Welche Neuerungen diese Version noch mit sich bringt und ob sich ein Update lohnt, zeigt dieser Artikel.

Seit Anfang März gibt es die neue Version 10.0 der Mandrake-Distribution (http://www.mandrake.com/) bereits, zunächst jedoch nur für Club-Mitglieder zum Download. Diese sogenannte Community-Edition ist die erste Version, die nach dem neuen Entwicklungsmodell entstand. Sie stellt eine Art Beta-Version dar, der nach ein bis zwei Monaten die "Official" folgen soll.

Als Testumgebung diente ein Rechner mit AMD Duron 600 MHz, 128 MB RAM und einer ATI Rage 128 Pro. Mandrake konnte es sich auf einer 40-GB-Festplatte bequem machen.

Benutzerfreundliche Installation?

Nach dem Einlegen der DVD und Start des Installationprogramms erkannte Mandrake automatisch die bereits installierte Version 9.2 (FiveStar) und bot an, diese zu aktualisieren. Das Update der alten Version ging flott vonstatten und bereitete keine Probleme. Dessen Verlauf unterscheidet sich nicht wesentlich von einer Neuinstallation. Lediglich bei der Konfiguration des Systems sind weniger Schritte notwendig.

Eine komplette Neuinstallation erwies sich an einigen Stellen hingegen als nicht ganz so einfach. Die ersten Schritte gehen noch leicht von der Hand: Der Benutzer wählt als Erstes die gewünschte Sprache und dann sein Tastaturlayout aus. Anfänger dürften die Tastatur-Optionen "Deutschland" und "Deutschland (ohne Akzenttasten)". Hier sollten nicht nur sie die zweite Option verwenden, damit sie auch das Euro-Zeichen oder ~ eingeben können.

Wer an dieser Stelle das falsche Layout auswählt, hat keine Chance, es während des Aufspielens der Distribution zu ändern, denn einen Zurück-Knopf gibt es nicht, eines der größten Mankos bei der Installation. Einmal etwas falsch eingegeben und man darf komplett von vorne beginnen.

Im nächsten Schritt muss der Anwender eine Sicherheitsstufe auswählen. Hier hat er die Wahl zwischen vier verschiedenen Stufen. Bei der Partitionierung gibt sich Mandrake flexibel. Das Installationsprogramm bietet an, die komplette Platte zu besetzen, den noch freien Platz oder existierende Partitionen zu verwenden. Außerdem haben Anwender die Möglichkeit, die Festplatte den eigenen Wünschen entsprechend aufzuteilen.

Bei der automatischen Partitionierung legte Mandrake im Test drei Partitionen an: Eine für /, eine für /home und einen Swap-Bereich. Vorhandene Swap-Partitionen erkennt das Installationsprogramm nicht.

Nachdem diese Hürden genommen sind, geht es an die Auswahl der einzuspielenden Pakete. Die Hauptkategorien Arbeitsplatzrechner, Server und Grafische Arbeitsoberfläche sind übersichtlich und bieten die wichtigsten Pakete zur Auswahl an. Einzelne Pakete lassen sich zusützlich manuell hinzufügen. Hier müssen Anwender aber genau wissen, welche Pakete sie wollen, deine eine Suche nach Paketnamen oder -beschreibungen gibt es nicht. Eine Übersetzung der Paketbeschreibungen gibt es ebenfalls nicht, andere Menüpunkte sind hingegen nur schlampig übersetzt. Die Software ist außerdem oft merkwürdig paketiert, so ist beispielsweise das Paket des koreanischen Eingabesystems (ami) als unbedingt notwendig gekennzeichnet.

Nachdem alle Pakete installiert sind, setzt der Anwender ein Root-Passwort fest und legt beliebig viele normale Benutzer an. Anschließend zeigt Mandrake eine Zusammenfassung der wichtigsten Schritte an. An dieser Stelle bietet sich die Möglichkeit, versehentlich falsch gesetzte Optionen wie Sprache oder Tastatur zu ändern. Außerdem zeigt Mandrake hier die automatisch erkannten Geräte an. Die Konfiguration eines Druckers mit Cups erwies sich im Test als nicht sehr benutzerfreundlich. Bei einer Aktualisierung der Druckerliste verschwanden plötzlich einige Drucker aus der anfangs vollständigen Liste.

Auch das Netzwerk startete Mandrake anfangs nicht automatisch. Erst eine manuelle Konfiguration schaffte hier Abhilfe. Die Grafikkarte wurde allerdings korrekt erkannt und eingerichtet. Zum Schluss lädt Mandrake noch die neuesten Updates aus dem Internet herunter. Auch dieser Menüpunkt ist nicht sehr benutzerfreundlich: Das Programm zeigt eine Liste aller Pakete an, für die esneue Versionen gibt, es lässt sich jedoch nicht herausfinden, warum ein bestimmtes Paket aktualisiert wurde und welche Version bereits installiert ist. Andere Distributionen zeigen hier vor allem den Grund der Aktualisierung eines Paketes an, zum Beispiel ein Sicherheitsupdate.

Topaktuell, aber schlampig

Nach der Aktualisierung der Software und einem Neustart des Systems kam im Test die nächste Überraschung: Anscheinend wurde das Kernel-Modul für die Realtek-Netzwerkkarte nicht geladen, so dass der Start der Netzwerkverbindungen fehlschlug. Erst nach manuellem Nachladen des Moduls per modprobe 8139too funktionierte der Start des Netzwerkinterfaces mit /etc/init.d/network start.

Dann endlich kommt der Benutzer in den Genuss der topaktuellen Software. Mandrake 10.0 hat als erste große Distribution den Linux-Kernel 2.6 dabei. Bei den Desktop-Umgebungen bietet Mandrake sowohl für Gnome- als auch für KDE-Fans die jeweils aktuellsten Versionen an, Gnome 2.4 und KDE 3.2. Auch die Standardsoftware ist mit OpenOffice 1.1, Mozilla 1.6, Evolution 1.4 und XMMS 1.2.9 auf der Höhe der Zeit.

Abbildung 1: Der Mandrake-Desktop präsentiert sich nach dem ersten Start mit dem sehr ansprechenden neuen Theme "Mandrake Galaxy 2". Leider fehlt bei KDE das Icon für das Home-Verzeichnis.

Leider hat Mandrake Soft auch bei der Übersetzung der Menüs geschlampt. Viele Menüeinträge sind schlicht nicht übersetzt, so dass sich dem Benutzer stets ein Gemisch aus deutscher und englischer Sprache bietet. Daran hat sich seit vielen Mandrake-Generationen nichts geändert. Es bleibt unverst&ändlich, warum der Hersteller auf eine ordentliche Lokalisierung keinen Wert legt.

Für die Konfiguration des Systems benutzt Mandrake 10 das bekannte Werkzeug Drakconf, das sich als Mandrakelinux Kontrollzentrum 10 in der Fensterleiste meldet. Es wirkt sehr übersichtlich (siehe Abbildung 1) und bietet alle Funktionen, um auch tiefer ins System einzugreifen. So lassen sich beispielsweise die Partitionierung der Festplatte mit Diskdrake sehr komfortabel ändern, Samba-Shares festlegen und der Rechner als Gateway ins Internet für andere Computer einrichten.

Abbildung 2: Das Herz einer jeden Mandrake-Installation ist das Kontrollzentrum. Hier nimmt der Benutzer umfangreiche Einstellungen vor.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

  • Mandrake 10.2 beta3
  • Mandrake Linux 9.0
    Mandrakesoft verfolgt eine interessante Verkaufspolitik: Lange bevor es fertige Boxen im Handel gibt, stehen auf FTP-Servern ISO-Images einer neuen Distribution zum Download bereit. So ist es auch mit der aktuellen Neuerscheinung Mandrake Linux 9.0, deren Download-Version wir getestet haben.
  • Kurztest: Red Hat 7.1 und Mandrake 8.0
    I>Vor kurzem hat die Firma Red Hat eine neue Version ihrer gleichnamigen Linux-Distribution fertiggestellt. LinuxUser hat Red Hat 7.1 ein bisschen auf den Zahn gefühlt.
  • Mandrake Linux 8.2
  • Kurztest: Mandrake Linux 8.1
    Auf der Höhe der Zeit ist MandrakeSofts aktuelle Distribution. Mit Kernel 2.4.8, XFree 4.1.0, KDE 2.2.1, KOffice 1.1 und etlichen aktualisierten Paketen tritt Mandrake Linux in den Ring.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 11/2014: VIDEOS BEARBEITEN

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Tim Schürmann, 24.06.2014 12:40, 0 Kommentare

Wer mehrere nützliche Live-Systeme auf eine DVD brennen möchte, kommt mit den Startmedienerstellern der Distributionen nicht besonders weit: Diese ...

Aktuelle Fragen

WLAN-Signalqualität vom Treiber abhängig
GoaSkin , 29.10.2014 14:16, 0 Antworten
Hallo, für einen WLAN-Stick mit Ralink 2870 Chipsatz gibt es einen Treiber von Ralink sowie (m...
Artikelsuche
Erwin Ruitenberg, 09.10.2014 07:51, 1 Antworten
Ich habe seit einige Jahre ein Dugisub LinuxUser. Dann weiß ich das irgendwann ein bestimmtes Art...
Windows 8 startet nur mit externer Festplatte
Anne La, 10.09.2014 17:25, 6 Antworten
Hallo Leute, also, ich bin auf folgendes Problem gestoßen: Ich habe Ubuntu 14.04 auf meiner...
Videoüberwachung mit Zoneminder
Heinz Becker, 10.08.2014 17:57, 0 Antworten
Hallo, ich habe den ZONEMINDER erfolgreich installiert. Das Bild erscheint jedoch nicht,...
internes Wlan und USB-Wlan-Srick
Gerhard Blobner, 04.08.2014 15:20, 2 Antworten
Hallo Linux-Forum: ich bin ein neuer Linux-User (ca. 25 Jahre Windows) und bin von WIN 8 auf Mint...