Knapp fünf Monate nach Erscheinen von Mandrake Linux 9.2 gibt es jetzt schon Ausgabe 10. Sie ist die erste große Distribution mit Linux-Kernel 2.6. Welche Neuerungen diese Version noch mit sich bringt und ob sich ein Update lohnt, zeigt dieser Artikel.
Seit Anfang März gibt es die neue Version 10.0 der Mandrake-Distribution (http://www.mandrake.com/) bereits, zunächst jedoch nur für Club-Mitglieder zum Download. Diese sogenannte Community-Edition ist die erste Version, die nach dem neuen Entwicklungsmodell entstand. Sie stellt eine Art Beta-Version dar, der nach ein bis zwei Monaten die “Official” folgen soll.
Als Testumgebung diente ein Rechner mit AMD Duron 600 MHz, 128 MB RAM und einer ATI Rage 128 Pro. Mandrake konnte es sich auf einer 40-GB-Festplatte bequem machen.
Benutzerfreundliche Installation?
Nach dem Einlegen der DVD und Start des Installationprogramms erkannte Mandrake automatisch die bereits installierte Version 9.2 (FiveStar) und bot an, diese zu aktualisieren. Das Update der alten Version ging flott vonstatten und bereitete keine Probleme. Dessen Verlauf unterscheidet sich nicht wesentlich von einer Neuinstallation. Lediglich bei der Konfiguration des Systems sind weniger Schritte notwendig.
Eine komplette Neuinstallation erwies sich an einigen Stellen hingegen als nicht ganz so einfach. Die ersten Schritte gehen noch leicht von der Hand: Der Benutzer wählt als Erstes die gewünschte Sprache und dann sein Tastaturlayout aus. Anfänger dürften die Tastatur-Optionen “Deutschland” und “Deutschland (ohne Akzenttasten)”. Hier sollten nicht nur sie die zweite Option verwenden, damit sie auch das Euro-Zeichen oder ~ eingeben können.
Wer an dieser Stelle das falsche Layout auswählt, hat keine Chance, es während des Aufspielens der Distribution zu ändern, denn einen Zurück-Knopf gibt es nicht, eines der größten Mankos bei der Installation. Einmal etwas falsch eingegeben und man darf komplett von vorne beginnen.
Im nächsten Schritt muss der Anwender eine Sicherheitsstufe auswählen. Hier hat er die Wahl zwischen vier verschiedenen Stufen. Bei der Partitionierung gibt sich Mandrake flexibel. Das Installationsprogramm bietet an, die komplette Platte zu besetzen, den noch freien Platz oder existierende Partitionen zu verwenden. Außerdem haben Anwender die Möglichkeit, die Festplatte den eigenen Wünschen entsprechend aufzuteilen.
Bei der automatischen Partitionierung legte Mandrake im Test drei Partitionen an: Eine für /, eine für /home und einen Swap-Bereich. Vorhandene Swap-Partitionen erkennt das Installationsprogramm nicht.
Nachdem diese Hürden genommen sind, geht es an die Auswahl der einzuspielenden Pakete. Die Hauptkategorien Arbeitsplatzrechner, Server und Grafische Arbeitsoberfläche sind übersichtlich und bieten die wichtigsten Pakete zur Auswahl an. Einzelne Pakete lassen sich zusützlich manuell hinzufügen. Hier müssen Anwender aber genau wissen, welche Pakete sie wollen, deine eine Suche nach Paketnamen oder -beschreibungen gibt es nicht. Eine Übersetzung der Paketbeschreibungen gibt es ebenfalls nicht, andere Menüpunkte sind hingegen nur schlampig übersetzt. Die Software ist außerdem oft merkwürdig paketiert, so ist beispielsweise das Paket des koreanischen Eingabesystems (ami) als unbedingt notwendig gekennzeichnet.
Nachdem alle Pakete installiert sind, setzt der Anwender ein Root-Passwort fest und legt beliebig viele normale Benutzer an. Anschließend zeigt Mandrake eine Zusammenfassung der wichtigsten Schritte an. An dieser Stelle bietet sich die Möglichkeit, versehentlich falsch gesetzte Optionen wie Sprache oder Tastatur zu ändern. Außerdem zeigt Mandrake hier die automatisch erkannten Geräte an. Die Konfiguration eines Druckers mit Cups erwies sich im Test als nicht sehr benutzerfreundlich. Bei einer Aktualisierung der Druckerliste verschwanden plötzlich einige Drucker aus der anfangs vollständigen Liste.
Auch das Netzwerk startete Mandrake anfangs nicht automatisch. Erst eine manuelle Konfiguration schaffte hier Abhilfe. Die Grafikkarte wurde allerdings korrekt erkannt und eingerichtet. Zum Schluss lädt Mandrake noch die neuesten Updates aus dem Internet herunter. Auch dieser Menüpunkt ist nicht sehr benutzerfreundlich: Das Programm zeigt eine Liste aller Pakete an, für die esneue Versionen gibt, es lässt sich jedoch nicht herausfinden, warum ein bestimmtes Paket aktualisiert wurde und welche Version bereits installiert ist. Andere Distributionen zeigen hier vor allem den Grund der Aktualisierung eines Paketes an, zum Beispiel ein Sicherheitsupdate.
Topaktuell, aber schlampig
Nach der Aktualisierung der Software und einem Neustart des Systems kam im Test die nächste Überraschung: Anscheinend wurde das Kernel-Modul für die Realtek-Netzwerkkarte nicht geladen, so dass der Start der Netzwerkverbindungen fehlschlug. Erst nach manuellem Nachladen des Moduls per modprobe 8139too funktionierte der Start des Netzwerkinterfaces mit /etc/init.d/network start.
Dann endlich kommt der Benutzer in den Genuss der topaktuellen Software. Mandrake 10.0 hat als erste große Distribution den Linux-Kernel 2.6 dabei. Bei den Desktop-Umgebungen bietet Mandrake sowohl für Gnome- als auch für KDE-Fans die jeweils aktuellsten Versionen an, Gnome 2.4 und KDE 3.2. Auch die Standardsoftware ist mit OpenOffice 1.1, Mozilla 1.6, Evolution 1.4 und XMMS 1.2.9 auf der Höhe der Zeit.

Abbildung 1: Der Mandrake-Desktop präsentiert sich nach dem ersten Start mit dem sehr ansprechenden neuen Theme “Mandrake Galaxy 2”. Leider fehlt bei KDE das Icon für das Home-Verzeichnis.
Leider hat Mandrake Soft auch bei der Übersetzung der Menüs geschlampt. Viele Menüeinträge sind schlicht nicht übersetzt, so dass sich dem Benutzer stets ein Gemisch aus deutscher und englischer Sprache bietet. Daran hat sich seit vielen Mandrake-Generationen nichts geändert. Es bleibt unverst&ändlich, warum der Hersteller auf eine ordentliche Lokalisierung keinen Wert legt.
Für die Konfiguration des Systems benutzt Mandrake 10 das bekannte Werkzeug Drakconf, das sich als Mandrakelinux Kontrollzentrum 10 in der Fensterleiste meldet. Es wirkt sehr übersichtlich (siehe Abbildung 1) und bietet alle Funktionen, um auch tiefer ins System einzugreifen. So lassen sich beispielsweise die Partitionierung der Festplatte mit Diskdrake sehr komfortabel ändern, Samba-Shares festlegen und der Rechner als Gateway ins Internet für andere Computer einrichten.

Abbildung 2: Das Herz einer jeden Mandrake-Installation ist das Kontrollzentrum. Hier nimmt der Benutzer umfangreiche Einstellungen vor.
Umständliche Paketverwaltung
Bei der Standardinstallation spielt die Distribution nur eine relativ kleine Auswahl an Paketen ein. Weitere Software installiert der Anwender über SystemEinstellungenPaketierungSoftware installieren oder über das Mandrake Kontrollzentrum. Auch hier hat sich seit Version 9 nichts verbessert. Die Menüpunkte Software installieren und Software entfernen rufen völlig voneinander getrennte Programme auf. Man hat also nie eine Übersicht über alle verfügbaren (installierten und nicht installierten) Pakete. Wer also mal nicht weiß, ob ein Paket installiert ist und den Namen der ausführbaren Datei nicht kennt, muss erst beide Programme starten, um den Status einer einzigen Software abzufragen.
Updates von Paketen stellt MandrakeSoft stets zum Download bereit. Sie lassen sich bequem über die Paketverwaltung einspielen. Dazu genügt ein Klick auf SystemEinstellungenPaketierungMandrake-Aktualisierung. Das Programm holt sich dann alle nötigen Infos von einem Internetserver und aktualisiert die installierte Software.

Abbildung 3: Die Softwareverwaltung ist ziemlich umständlich. Für jede Funktion startet Mandrake ein eigenes Programm.
Fazit
Mandrake ist zwar als eine sehr benutzerfreundliche Linux-Zusammenstellung bekannt, wird diesem Anspruch in Versino 10.0 allerdings nicht gerecht. Zwar hat jede Distribution ihre Macken, Mandrake jedoch strotzt vor allem bei der Installation vor schweren Fehlern, die es Anfängern schwer machen, ein laufendes System zu installieren. Auch die Paketverwaltung muss der Hersteller stark überarbeiten. Es bleibt zu hoffen, dass sich mit der Official-Version noch Verbesserungen ergeben. Wenn die Distribution allerdings installiert und nach Wunsch konfiguriert ist, bietet sich dem Anwender ein stabiles System mit einer großen und sehr aktuellen Softwareauswahl.





