Licht und Schatten
Usability-Check KDE 3.2
Übersetzungen: so deutsch, dass sie keiner mehr versteht
Auch wenn die deutsche Übersetzung von KDE sich insgesamt in hoher Qualität präsentiert, gibt es immer wieder Stolpersteine – nämlich dann, wenn die (eigentlich deutschen) Begriffe dem Benutzer nichts sagen oder missverständlich sind. So verschickt das Mailprogramm KMail eine E-Mail nicht "an" einen Empfänger, sondern nach.
Kritischer wird es bei der Übersetzung des Begriffs Monitoring durch Überwachung im KDE-System-Menü. Dass dieser Begriff eindeutig negativ belegt ist, haben die Übersetzer nicht berücksichtigt.
Eher für Erheiterung sorgt das gedankenlose "Übersetzen um jeden Preis" (man denke nur an die Übersetzung Kein Weltraum links auf Gerät für No space left on device in einer älteren KDE-Version). So heißt die allgemein bekannte und als Begriff inzwischen in die deutsche Umgangssprache aufgenommene Trackliste im CD-Spieler KsCD seit Version 3.2 Stückliste – ein Begriff, der die Nutzerin zwar nicht behindern wird, sie aber zumindest stutzen lässt.
Die Angemessenheit anderer Begriffe, wie beispielsweise Gewerbe für Business, Dienstprogramme für Utilities, Extras für Tools oder Auswählen für Browse, sollte zumindest in kleineren Nutzertests überprüft werden.
Alles besser?
Unterm Strich überzeugt das neue KDE durch eine Reihe von Verbesserungen, die zeigen, dass die Entwickler und Entwicklerinnen das Thema Usability ernst nehmen. Kritik, wie im letztjährigen Linux-Usability-Report formuliert, wurde schnell und innovativ aufgegriffen.
Dass die Versuche, die Benutzerfreundlichkeit zu verbessern, ihr Ziel manchmal nicht ganz treffen, liegt also nicht am fehlenden Willen, sondern am mangelnden Wissen über Usability in der Anwendung. Um für bereits bekannte Benutzungsprobleme brauchbare Lösungen zu finden, benötigt es Erfahrung und einen gewissen Abstand zum Programm, den Entwickler selbst meist nicht haben. Demnach ist auch der oben verwendete Begriff "Hall of Shame" nicht ganz fair, schließlich liegen den Veränderungen durchaus gutgemeinte Lösungsvorschläge zugrunde.
Die Autorinnen
Jutta Horstmann ist Informatikerin und selbständige IT-Beraterin im Bereich Entwicklung und Projektmanagement. Ellen Reitmayr arbeitet als Usability Engineer für die relevantive AG.
Glossar
Hall of Shame
Englisches Wortspiel: passend zur "Ruhmeshalle" (Hall of Fame) die "Halle der Schande".
Tooltipp
Ein spezielles, meist gelb eingefärbtes kleines Fenster, das erscheint, wenn man mit dem Mauszeiger über einem Element der Benutzeroberfläche eines Programms verharrt, und das Informationen über dessen Funktion gibt.
Infos
[1] KDE-3.2-Ankündigung: http://www.kde.de/announcements/announce-3.2.php
[2] Linux-Usability-Studie 2003: http://www.relevantive.de/Linux-Usabilitystudie.html
[3] KDE-3.2-Studie: http://www.relevantive.de/Linux-Studien.html
[4] KDE-Usability-Mailingliste: http://usability.kde.org/contact/mailinglist.php
[5] Diskussion zum Thema "Ordner vs. Verzeichnis": http://lists.kde.org/?l=kde-usability&m=106138638515393&w=2, http://lists.kde.org/?l=kde-usability&m=106629908215880&w=2



