Klare Fenster
Textfenster einstellen mit Xtermcontrol
Schriften finden
Der Umgang mit Schriften in der X-Window-Umgebung ist trotz Xtermcontrol nicht ganz einfach. Denn wer dem Xterm eine neue Schrift (engl. Font) verpassen will, muss erst mal wissen, wie sie heißt. Diese Namen sind allerdings recht sperrig und enthalten bis zu 14 Elemente, die durch Bindestriche getrennt sind und Eigenschaften wie Schriftfamilie, Pixelgröße und Auflösung enthalten (vgl. Tabelle 1). Zum Glück gibt es für einige Schriften Kurznamen, die fehlerträchtiges Abtippen ersparen. Einen Überblick über die verfügbaren Schriften erhalten sie mit den Befehlen xlsfonts und xfontsel
Mit diesen Fontnamen und dem Parameter --font können Sie auf der Kommandozeile experimentieren bis sie die passende Schrift gefunden haben. Für permanente Einstellungen liest Xtermcontrol die Konfigurationsdatei ~/.xtermcontrol mit Schlüsselwörtern, die die Anwenderin leicht selbst erstellen und editieren kann.
Kasten 2: Regelmäßige Ausführung in der Bash
Die Standard-Shell unter Linux ist die bash. Sie besitzt gegenüber einfacheren Shells einige praktische Features: Sie ermöglicht es, durch die früher eingegebenen Befehle zu scrollen (command history) oder vervollständigt die Eingabe bei der textbasierten Navigation durchs Dateisystem, wenn der Benutzer [Tab] drückt (path completion).
Einige Einstellungen der Bash lassen sich über Umgebungsvariablen einstellen. Den aktuellen Prompt (deutsch Eingabeaufforderung) setzen Sie beispielsweise über die Variable PS1. Die Umgebungsvariable PROMPT_COMMAND ist für Befehle gedacht, die die Shell vor jeder Ausgabe eines Prompts ausführt. Stehen hier Kommandos, die Eigenschaften des Xterms ändern, werden Ihre Versuche mit Xtermcontrol vergeblich sein, denn jede Änderung wird durch das PROMPT_COMMAND überschrieben. Sie können die Variable für das aktuelle Terminal löschen:
unset PROMPT_COMMAND
Dauerhaft ändern Sie die betreffende Einstellung indem Sie mit einem Editor die Ressource-Dateien der bash bearbeiten – entweder Ihre persönlichen ($HOME/.bashrc, $HOME/.bash_profile) oder die systemweiten (/etc/profile, /etc/bash_profile oder ähnliche je nach Distribution).
Xterms programmieren
Fortgeschrittene Benutzer können Xtermcontrol in Shell- oder Loginskripts einbauen. Listing 1 zeigt wie Xtermcontrol für das Login auf dem Mailserver eine neue Schriftfarbe einstellt und diese nach dem Logout wieder zurücksetzt. Die Befehle der Funktion mailserver arbeitet die Shell ab, wenn Sie ihren Namen auf der Kommandozeile eintippen. Damit das funktioniert, müssen Sie die Zeilen des Listings in eine der Ressource-Dateien der Bash eingetragen haben (siehe Kasten 1).
Zuerst setzt die Funktion wieder Titelzeile und Schriftfarbe, und loggt sich dann auf dem Server ein. Erst nach dem Ausloggen arbeitet die Shell das letzte xtermcontrol ab, das die Standardeinstellungen der ~/.xtermcontrol wieder herstellt.
Listing 1
Xtermcontrol in der
~/.bashrcmailserver() {
xtermcontrol --title "electronic mail"
xtermcontrol --fg red
ssh mailserver
xtermcontrol
}
So lassen sich mit einfachen Mitteln auch kompliziertere Einstellungen an den eigenen Terminalfenstern programmieren – Xtermcontrol macht es möglich. Wichtig ist nur, ein echtes Xterm zu verwenden, denn das zeigt sich trotz seines Alters flexibler als seine modernen Nachfolger.
Glossar
Terminal
Ein begriffliches Erbe aus der Unix-Steinzeit, in der noch zwischen dem eigentlichen Rechner und daran angeschlossenen, dummen Bedienungsstationen unterschieden wurde, eben den Terminals. Überreste davon finden sich noch heute in den Bezeichnungen für die virtuellen Terminals, die Linux im Textmodus besitzt, und die entsprechenden X-Terminalfenster der grafischen Oberfläche.
Escape-Sequenzen
Steuern bei echten oder virtuellen Terminals die Ausgabe. Um diese Steuerzeichen im Fluss der normalen Zeichen kenntlich zu machen, wird ihnen ein Escape-Zeichen (ESC) vorangestellt.
Infos
[1] Xterm-Kontrollsequenzen: http://www.xfree86.org/snapshot/ctlseqs.html
[2] Xtermcontrol: http://www.thrysoee.dk/xtermcontrol/



