Systemkonfigurationen verwalten mit SCPM

Aus LinuxUser 04/2004

Systemkonfigurationen verwalten mit SCPM

Anpassungsfähig

Wechselt man mit seinem Rechner häufig die Betriebsumgebung, muss man ebenso oft die Konfiguration ändern. Unter Suse erleichtert SCPM diese Arbeit, indem es unterschiedliche Einstellungen in Profilen verwaltet.

Auch auf Laptops findet Linux zunehmend Verbreitung; und gerade für tragbare Geräte ändert sich die Arbeitsumgebung häufig: Mal verbindet man sich per Kabel mit dem Rest der Welt, mal über WLAN oder man ist unterwegs und hat gar kein Netzwerk zur Verfügung; möglicherweise benutzt man im Büro eine Docking-Station mit einem externen Monitor, braucht zu Hause aber wieder die Darstellung auf dem Notebook-Bildschirm. Unter Suse Linux richtet das Werkzeug SCPM (“System Configuration Profile Management”) den Rechner auf sein Umfeld ein.

Profilschärfe

SCPM speichert komplette Systemeinstellungen in sogenannten Profilen für verschiedene Umgebungen, um sie bei Bedarf wiederherzustellen. Es sichert nicht nur die Konfigurationsdateien, sondern auch darüberhinausgehende Informationen – beispielsweise ob einzelne Dienste laufen oder nicht. Das ermöglicht es, beim Wechsel in eine andere Betriebsumgebung mit nur einem Befehl alle notwendigen Änderungen durchzuführen. Alternativ wählt man gleich beim Booten ein bestimmtes Profil.

Seit Version 8 gehört SCPM zum Suse-Standardumfang. Wer es nicht von Hand gelöscht hat, findet den Profilmanager also nach einer Suse-Installation auf seinem Rechner.

Mit seiner grafischen Oberfläche hilft das Yast-Modul Profil-Manager aus der Gruppe System beim Steuern von SCPM (Abbildung 1); der Direktstart erfolgt über yast2 profile-manager.

Abbildung 1: Yast2 hilft beim Konfigurieren von SCPM.

Abbildung 1: Yast2 hilft beim Konfigurieren von SCPM.

Das Hauptfenster des Profilmanagers zeigt die bereits angelegten Profile. Hier fügt man neue hinzu oder schaltet um auf eine andere Konfiguration. Über die Schaltfläche Optionen bearbeitet man die Ressourcen-Gruppen oder legt eigene an (Abbildung 2).

Abbildung 2: SCPM Yast2 Modul, Konfiguration von Resourcen

Abbildung 2: SCPM Yast2 Modul, Konfiguration von Resourcen

Beim Erstellen eines Profils dient die aktuelle Konfiguration als Grundlage. Dazu legt SCPM zunächst unterhalb von /var/lib/scpm/profiles/ ein Verzeichnis mit dem Namen des neuen Profils an und kopiert alle Konfigurationsdateien der angegebenen Ressourcengrouppen dort hinein.

Gruppierung

Über die Ressourcengruppen legt der Administrator fest, auf welche Dienste und Einstellungen die Profile achten. Beispielsweise speichert SCPM nur bei aktivierter Gruppe printer die Druckereinstellungen; ist diese Ressource nicht angekreuzt, berücksichtigt ein Profilwechsel den Drucker nicht, sondern hält an der aktuellen Einstellung fest.

Nach der Installationen stehen SCPM einige vordefinierte Ressourcengruppen zur Verfügung, die die wichtigsten Konfigurationen abdecken. Dazu gehören beispielsweise grundlegende Netzwerkeinstellungen (network), der NTP-Dienst zum Uhrenabgleich übers Internet (ntpd), die Firewall (SuSEfirewall2), der Automounter zum automatischen Einbinden von Datenträgern (autofs) usw. Reicht diese Auswahl nicht, fügt man bei Bedarf weitere Gruppen selbst hinzu.

Die Statusanzeige im Hauptfenster des Yast-Moduls ist leider unzuverlässig: Unabhängig vom echten Zustand behauptet es stets, der Profilmanager sei deaktiviert. Ein doppeltes Einschalten schadet jedoch nicht, da SCPM eine schon vorhandene Datenbank oder Profile nicht überschreibt; das tut es nur auf explizite Anforderung über die Kommandozeile.

Nahezu unbegrenzt erweitern lassen sich die Möglichkeiten des Profilmanagers, indem man SCPM beim Starten und Verlassen eines Profils über die Felder Prästart-Skript und Poststart-Skript bzw. Prästop-Skript und Poststop-Skript auf Wunsch beliebige Skripte ausführen lässt (Abbildung 3).

Abbildung 3: Ein Profil lässt sich vielseitig konfigurieren.

Abbildung 3: Ein Profil lässt sich vielseitig konfigurieren.

Bei der Auswahl eines anderen Profils führt SCPM zunächst die beiden Stop-Skripte aus und weist auf nicht gesicherte Änderungen hin. Als nächstes startet es das Prästart-Skript und fügt dann die Konfigurationsdateien des neuen Profils aus der Datenbank ins System ein. In Bezug auf Dienste stellt SCPM fest, ob sie laufen sollen oder nicht und stellt den gewünschten Zustand her. Falls vorhanden, ruft SCPM dann als letzten Schritt des Wechselvorgangs das Poststop-Skript auf.

Will man das Profil schon beim Systemstart festlegen, gibt man beim Hochfahren im Boot-Menü den Parameter PROFILE=Profilname an, und Suse startet direkt mit den angegebenen Einstellungen; dafür sorgt das Skript /etc/init.d/boot.scpm.

Wer regelmäßig schon beim Booten sein Profil wechselt, vereinfacht dies durch eigene Einträge in der Bootloader-Konfiguration (Yast2: SystemKonfiguration des Bootloaders) mit entsprechend vorgefertigten Kernelparametern. Dazu fügt man einen neuen Abschnitt mit den Einstellungen des Standardkernels hinzu und variiert lediglich den PROFILE-Parameter, um beim nächsten Start direkt ins passende Profil zu gelangen.

Steuerung über die Kommandozeile

Die Konfiguration von SCPM gestaltet sich über Yast2 bequem; bei häufigem Umschalten zwischen Profilen, kann das ständige Starten des Yast-Moduls aber Zeit und Nerven kosten. Für Abhilfe sorgt die Kommandozeile: Mit root-Rechten ausgestattet – es geht hierbei immerhin um die Systemkonfiguration – erledigt ein Benutzer mit einfachen Befehlen die Aufgabe schneller; Tabelle 1 gibt die wichtigsten Befehle wieder. scpm switch ISDN beispielsweise wechselt direkt ins Profil namens ISDN.

Tabelle 1: scpm-Kommandos

SCPM Einschalten scpm enable
Anlegen eines neuen Profils scpm add Profilname
Umschalten in ein anderes Profil scpm switch Profilname
Änderungen im aktiven Profil speichern scpm save
Ein Profil kopieren scpm copy Quellprofil Zielprofil
aktives Profil anzeigen scpm active
Verfügbare Profile anzeigen scpm list Einstellungen des aktuellen Profils erneut laden scpm reload

Änderungen sind immer nur am aktiven Profil möglich – ob über Yast2 oder per Kommandozeile. Dazu ändert man zunächst die gewünschten Einstellungen wie gewohnt. Läuft alles zur vollen Zufriedenheit, reicht der Aufruf von scpm save, um die Änderungen zu speichern. SCPM zeigt dann die einzelnen Änderungen und fragt nach, ob sie gewollt waren und ins Profil sollen oder nicht.

Kümmert sich SCPM aufgrund der Ressourceneinstellungen um eine einzelne Konfigurationsdatei nicht, ändert man dies per Hand über den interaktiven Datenbankmodus bei Bedarf schnell (Listing 1). Der load-Befehl ist hierbei wichtig, da er zunächst die aktuelle Datenbank lädt. Ohne diesen Aufruf überschreibt man beim Speichern nach erledigter Arbeit die aktuelle Datenbank mit einer Datei, die ausschließlich die eben gemachten Änderungen enthält.

Listing 1

Aufruf des interaktiven Datenbank-Modus von SCPM und anlegen einer neuen Ressource

#scpm db
SCDB Utility (SCPM version 0.9.4)
>load
>create resource /opt/tomcat/conf/server.xml file
>save
>quit

Selbst versehentliches Überschreiben der Datenbank ist jedoch kein Beinbruch: SCPM speichert die letzten drei Versionen davon immer im Verzeichnis /var/lib/scpm/scdb/. Die aktuelle Datenbank heißt dort scdb.db, die Sicherheitskopien haben als Anhängsel zufällige Zeichenketten.

Auch eigene Sicherheitskopien der angelegten Profile sind kein Problem: Die Datenbankdatei scdb.db alleine reicht jedoch nicht aus; um auch die Konfigurationsdateien mitzuspeichern, kopieren Sie das Verzeichnis /var/lib/scpm/profiles/ ebenfalls an einen sicheren Ort.

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