Auch auf Laptops findet Linux zunehmend Verbreitung; und gerade für tragbare Geräte ändert sich die Arbeitsumgebung häufig: Mal verbindet man sich per Kabel mit dem Rest der Welt, mal über WLAN oder man ist unterwegs und hat gar kein Netzwerk zur Verfügung; möglicherweise benutzt man im Büro eine Docking-Station mit einem externen Monitor, braucht zu Hause aber wieder die Darstellung auf dem Notebook-Bildschirm. Unter Suse Linux richtet das Werkzeug SCPM ("System Configuration Profile Management") den Rechner auf sein Umfeld ein.
Profilschärfe
SCPM speichert komplette Systemeinstellungen in sogenannten Profilen für verschiedene Umgebungen, um sie bei Bedarf wiederherzustellen. Es sichert nicht nur die Konfigurationsdateien, sondern auch darüberhinausgehende Informationen – beispielsweise ob einzelne Dienste laufen oder nicht. Das ermöglicht es, beim Wechsel in eine andere Betriebsumgebung mit nur einem Befehl alle notwendigen Änderungen durchzuführen. Alternativ wählt man gleich beim Booten ein bestimmtes Profil.
Seit Version 8 gehört SCPM zum Suse-Standardumfang. Wer es nicht von Hand gelöscht hat, findet den Profilmanager also nach einer Suse-Installation auf seinem Rechner.
Mit seiner grafischen Oberfläche hilft das Yast-Modul Profil-Manager aus der Gruppe System beim Steuern von SCPM (Abbildung 1); der Direktstart erfolgt über yast2 profile-manager.
Das Hauptfenster des Profilmanagers zeigt die bereits angelegten Profile. Hier fügt man neue hinzu oder schaltet um auf eine andere Konfiguration. Über die Schaltfläche Optionen bearbeitet man die Ressourcen-Gruppen oder legt eigene an (Abbildung 2).
Beim Erstellen eines Profils dient die aktuelle Konfiguration als Grundlage. Dazu legt SCPM zunächst unterhalb von /var/lib/scpm/profiles/ ein Verzeichnis mit dem Namen des neuen Profils an und kopiert alle Konfigurationsdateien der angegebenen Ressourcengrouppen dort hinein.
Gruppierung
Über die Ressourcengruppen legt der Administrator fest, auf welche Dienste und Einstellungen die Profile achten. Beispielsweise speichert SCPM nur bei aktivierter Gruppe printer die Druckereinstellungen; ist diese Ressource nicht angekreuzt, berücksichtigt ein Profilwechsel den Drucker nicht, sondern hält an der aktuellen Einstellung fest.
Nach der Installationen stehen SCPM einige vordefinierte Ressourcengruppen zur Verfügung, die die wichtigsten Konfigurationen abdecken. Dazu gehören beispielsweise grundlegende Netzwerkeinstellungen (network), der NTP-Dienst zum Uhrenabgleich übers Internet (ntpd), die Firewall (SuSEfirewall2), der Automounter zum automatischen Einbinden von Datenträgern (autofs) usw. Reicht diese Auswahl nicht, fügt man bei Bedarf weitere Gruppen selbst hinzu.
Die Statusanzeige im Hauptfenster des Yast-Moduls ist leider unzuverlässig: Unabhängig vom echten Zustand behauptet es stets, der Profilmanager sei deaktiviert. Ein doppeltes Einschalten schadet jedoch nicht, da SCPM eine schon vorhandene Datenbank oder Profile nicht überschreibt; das tut es nur auf explizite Anforderung über die Kommandozeile.
Nahezu unbegrenzt erweitern lassen sich die Möglichkeiten des Profilmanagers, indem man SCPM beim Starten und Verlassen eines Profils über die Felder Prästart-Skript und Poststart-Skript bzw. Prästop-Skript und Poststop-Skript auf Wunsch beliebige Skripte ausführen lässt (Abbildung 3).
Bei der Auswahl eines anderen Profils führt SCPM zunächst die beiden Stop-Skripte aus und weist auf nicht gesicherte Änderungen hin. Als nächstes startet es das Prästart-Skript und fügt dann die Konfigurationsdateien des neuen Profils aus der Datenbank ins System ein. In Bezug auf Dienste stellt SCPM fest, ob sie laufen sollen oder nicht und stellt den gewünschten Zustand her. Falls vorhanden, ruft SCPM dann als letzten Schritt des Wechselvorgangs das Poststop-Skript auf.
Will man das Profil schon beim Systemstart festlegen, gibt man beim Hochfahren im Boot-Menü den Parameter PROFILE=Profilname an, und Suse startet direkt mit den angegebenen Einstellungen; dafür sorgt das Skript /etc/init.d/boot.scpm.
Wer regelmäßig schon beim Booten sein Profil wechselt, vereinfacht dies durch eigene Einträge in der Bootloader-Konfiguration (Yast2: SystemKonfiguration des Bootloaders) mit entsprechend vorgefertigten Kernelparametern. Dazu fügt man einen neuen Abschnitt mit den Einstellungen des Standardkernels hinzu und variiert lediglich den PROFILE-Parameter, um beim nächsten Start direkt ins passende Profil zu gelangen.



