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Sun Java Desktop, die neue Linux-Distribution der Firma Sun

Kaffee, beinahe frisch

Mit ihrem "Sun Java Desktop" bietet die Firma Sun ein Betriebssystem an, das kleinen und mittleren Unternehmen den Umstieg von Windows auf Linux erleichtern soll.

In puncto Aussehen und Bedienung sollte er Windows soweit wie möglich ähneln: Der Sun Java Desktop ist allerdings kein Eigengewächs, sondern basiert auf dem Suse Enterprise Server.

Schneller Start

Die Installation verlief bei uns problemlos, auch auf einem älteren Laptop lief das System auf Anhieb. Sun hat dem Installationprogramm Yast der Suse-Distribution ein neues Aussehen verpasst, ansonsten aber nichts daran geändert.

Nach der Installation des Basissystems und anschließendem Neustart richtet Yast die Anwendungen ein, nimmt das Root- und ein Benutzerpasswort entgegen und konfiguriert die grafische Oberfläche. Abschließend erfolgt die Einbindung in die Netzwerkumgebung.

Nach dem grafischen Login landet die Benutzerin auf einem nicht mehr ganz taufrischen Gnome-Desktop der Version 2.2 (Abbildung 1). Sun hat das Menü und die Programmbezeichnungen so angepasst, dass sich auch unerfahrene Anwenderinnen zurecht finden.

Als Standard-Browser dient das im Menü als Web Browser bezeichnete Mozilla 1.4, das zunächst mit einer englischen Oberfläche kommt. Dessen deutsches Sprachpaket ist zwar installiert aber nicht voreingestellt.

E-Mails, Kontakte und Termine verwaltet Evolution in der Version 1.4.5, die hier E-Mail und Kalender heißt. Büroarbeiten erledigt man mit StarOffice 7; beide Programme sind vollständig auf deutsch installiert. Zum Betrachten und Ausdrucken von PDF-Dateien ist der englische Acrobat Reader 5.0 mit von der Partie. Projektverwaltung erledigt MrProjekt, um Bildbearbeitung kümmert sich Gimp, das in der Entwicklerversion 1.3.18 vorliegt.

Abbildung 1: Mit dem Sun Java Desktop versucht Sun Microsystems der Oberfläche einen neuen Anstrich zu geben.

Als Erfinder von Java deutet Sun schon im Namen des Desktop-Systems einen Bezug zu dieser Programmiersprache an. Doch neben dem vorinstallierten Java selbst, findet die Benutzerin gerade fünf Java-Anwendungen: Das simple Präsentationsprogramm JGraphpad, daneben mit jDictionary ein Programm zum Zugriff auf Online-Wörterbücher sowie eine Anwendung zur Netzwerkanalyse und einen Multimedia-Player. Dazu gibt es den Texteditor jEdit, der als einzige der Java-Applikationen nicht durch bescheidenen Funktionsumfang enttäuscht.

Eine Lizenz für eine Benutzerin kostet 92 Euro und enthält ein Jahr Support sowie 60 Tage Installationsunterstützung durch Sun; bis zum 2. Juni 2004 gibt es das Paket dank einer Rabattaktion für die Hälfte, also 46 Euro. Eine Verlängerung des Support-Vertrages schlägt mit ebenfalls 46 Euro jährlich zu Buche. Erst die Tatsache, dass schon StarOffice 7.0 alleine 65 Euro kostet, mag diesen für einen Linux-Desktop recht hohen Preis rechtfertigen.

Gegenüber anderen Distributionen ragt der Sun Java Desktop mit seiner stabilen, aber leicht veralteten Gnome-Oberfläche nicht heraus. Doch für einen Büroarbeitsplatz eignet er sich trotzdem: Die Installation gestaltet sich auch für Linux-Laien einfach. Alles, was zur Arbeit notwendig ist, befindet sich an Ort und Stelle. Sun hat sich viel Mühe bei der Gestaltung der Oberfläche und Menüs gegeben, so dass sich die meisten Anwenderinnen nach kurzem Einarbeiten zurecht finden.

Warum Sun das "Java" im Namen des Produkts so betont – während nur wenige und mit einer Ausnahme nicht besonders leistungsfähige Java-Anwendungen an Bord sind – bleibt uns ein Rätsel.

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