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© Matt Williams

Folien ohne Grenzen

Plattformunabhängig präsentieren mit IndeView

01.04.2004 OpenOffice- oder KOffice-Präsentationen auf fremden Rechnern darzustellen, ist eine riskante Angelegenheit: Da stimmt die Version nicht oder es fehlen Fonts. Mit IndeView zeigen Sie brillante Photos, saubere Farbverläufe und passgenaue Schriften auch auf unbekannten Systemen.

Wie einfach waren Präsentationen im analogen Zeitalter: Folien auf den Tageslichtprojektor und fertig. Seit Präsentationsprogramme als das Nonplusultra gelten, steigt die Spannung für Vortragende: Spielt der eigene Laptop mit dem Beamer zusammen? Kommt ein fremder PC zum Einsatz, steht garantiert die Software nicht zur Verfügung, mit der man die Präsentation erstellt hat. Und wenn doch, dann passen die Fonts nicht genau, skalieren die Fotos falsch, stimmt die Auflösung nicht.

Vor ähnlichen Problemen stehen auch alle, die eine Präsentation als CD per Post oder via E-Mail versenden wollen. Sie ließen sich vermeiden, wenn nicht das Darstellungsgerät die Verantwortung für das Rendern der Folien trüge, sondern bereits der Präsentationserstellungsrechner.

Möglich wird dies mit dem Programm IndeView. Mit Hilfe von OpenOffice-Impress bzw. dem KOffice-Bestandteil KPresenter wandelt es Präsentationen nach ihrer Erstellung in ein unabhängiges Format. Das für Windows, Linux und Mac OS/X vorkompilierte IndeView-Anzeigeprogramm brennt man mit auf die Präsentations-CD; mit 15 MByte belegt es dort weniger als drei Prozent des Speicherplatzes.

Auf dem Präsentationsrechner startet es ohne Installation direkt von CD (bei Windows standardmäßig per Autostart) und zeigt die Folien auch auch langsameren Rechnern zügig an, ohne sie erneut zu berechnen. Alle Schriften und Fotos werden vor Ort exakt so gezeigt, wie Sie sie auf Ihrem PC gerendert haben.

Wie Ihre Präsentation bei verschiedenen Auflösungen aussehen wird, testen Sie bereits zu Hause. Standardmäßig unterstützt IndeView die Auflösungen 640x480, 704x576 (für Video-Out), 800x600, 1024x768, 1152x864, 1280x1024 und 1600x1200. Bei exotischen Auflösungen nimmt das Anzeigeprogramm das nächstgrößere Maß her und skaliert rasch auf die benötigte Größe herunter.

Aufbau: modular

IndeView besteht derzeit aus drei Komponenten: aus zwei sogenannten Creator-Modulen, die aus einer Impress- bzw. KPresenter-Präsentation einen unabhängigen IndeView-Datensatz erzeugen, und dem Viewer, der die IndeView-Daten liest und die Präsentation darstellt. Während es sich bei den Erstellungsmodulen um ein StarBasic- bzw. ein Shell-Skript handelt, ist das Anzeigemodul ein Qt-Programm, dessen Kern sich auch in andere Programme einbauen lässt [2]. Da IndeView unter der "GNU Lesser General Public License" LGPL steht, die großzügigere Lizenzbedingungen als die GPL bietet, dürfen das auch Closed-Source-Programme sein.

In Vorbereitung ist ein spezieller Editor, der es erlauben wird, eine IndeView-Präsentation zu überarbeiten (Sprungziele zu ändern, Pfade oder aktive Bereiche zu benennen usw.), ohne dass ein Präsentationsprogramm verfügbar sein muss.

Unter [1] steht die jeweils aktuelle Version der IndeView-Distribution (zu Redaktionsschluss 0.6.3) zum Download bereit. Sie enthält neben dem Quellcode und der Dokumentation den für Windows, Mac OS/X und Linux vorkompilierten Viewer im Verzeichnis ROOT_DATA/BIN. Zum Entpacken kommt zum Beispiel der Kommandozeilenbefehl

tar -xzf indeview-0.6.3.tgz

zum Einsatz, der beim Ausführen ein neues Verzeichnis namens indeview-0.6.3 anlegt.

Damit der Viewer von den Creator-Modulen gefunden und mit auf die CD gebrannt werden kann, legen Sie am besten ein spezielles IndeView-Verzeichnis im Dateisystem an, in dem alle, die IndeView einsetzen werden, Leserechte haben. Sorgen Sie anschließend durch entsprechende Rechtevergabe dafür, dass niemand außer der Eigentümerin dieser Dateien sie verändern kann. Listing 1 führt die entsprechenden Befehle für den Fall auf, dass das allgemein zugängliche Verzeichnis /net/share/pub/ heißt.

Listing 1

Installation des Viewers

mkdir -p /net/share/pub/IndeView
cd indeview-0.6.3
mv ROOT_DATA /net/share/pub/IndeView/
cd /net/share/pub/IndeView/
chmod a+r-w+x ROOT_DATA/BIN/WINDOWS/*
chmod a+r-w+x ROOT_DATA/BIN/LINUX/*
chmod a+r-w+x ROOT_DATA/BIN/MAC_OSX/indeview.app/Contents/MacOS/*
chmod a+r-w+x ROOT_DATA/BIN/MAC_OSX/indeview.app/Contents/*
chmod a+r-w+x ROOT_DATA/BIN/MAC_OSX/indeview.app/*
chmod a+r-w+x ROOT_DATA/BIN/MAC_OSX/*
chmod a+r-w+x ROOT_DATA/BIN/*
chmod a+r-w+x ROOT_DATA/*

Falls Sie Superuser auf dem Rechner sind, empfiehlt es sich, root als Eigentümerin dieser Dateien einzutragen, damit sie nur mit Superuser-Rechten verändert werden können:

su -c "chown -R root ROOT_DATA"

Zurück im IndeView-Verzeichnis laden Sie das KOffice-Creator-Modul in Ihren bevorzugten Editor, z. B. in KWrite:

cd -
kwrite Creator/KPresenter/kpr2iv.sh

In der dritten Zeile dieser Datei, ROOT_DATA=unknown, ersetzen Sie das Wort unknown durch den vollständigen Pfad zum vorhin verschobenen ROOT_DATA-Verzeichnis; das Ergebnis sieht dann beispielsweise so aus:

ROOT_DATA=/net/share/pub/IndeView/ROOT_DATA

Nach dem Speichern und dem Schließen des Editors legen Sie das KOffice-Creator-Modul an einem allgemein zugänglichen Ort (z. B. /usr/local/bin) ab und machen root zur Eigentümerin, um unbefugte Manipulationen zu verhindern:

su [root-Passwort eingeben]

mv Creator/KPresenter/kpr2iv.sh /usr/local/bin/
chmod a+r-w+x /usr/local/bin/kpr2iv.sh
chown root /usr/local/bin/kpr2iv.sh
exit

Die Installation des OpenOffice-Creator-Moduls gestaltet sich ähnlich einfach, umfasst aber mehrere Einzelschritte, die Kasten 1 beschreibt.

Kasten 1: IndeView in OpenOffice einbinden

Nach jedem der im Folgenden beschriebenen drei Abschnitte ist es möglich, OpenOffice zu beenden und später fortzufahren, ohne die bis dahin vorgenommenen Änderungen zu verlieren.

  • Creator-Makros in OpenOffice aufnehmen
  • OpenOffice starten und über DateiNeuTextdokument ein Text-Dokument anlegen.
  • Den Makro-Dialog öffnen: ExtrasMakrosMakro....
  • In der Liste Makros aus das Modul StandardModule1 wählen und auf Bearbeiten klicken. Dabei öffnet sich der Makro-Editor.
  • Mit der Schreibmarke ans Ende der Datei gehen, also unter das letzte End Sub.
  • Die Schaltfläche mit dem weißen Ordner-Symbol Quelltext einfügen in der unteren Werkzeugleiste anklicken.
  • Im Verzeichnis indeview-0.6.3/Creator/OpenOffice die Datei IndeViewExport.bas wählen: Der Quelltext wird dann am Ende angehängt.
  • Das Modul mit [Strg-S] speichern und den Editor mit [Strg-W] schließen.
  • Konfigurieren des Makros
  • Den Makro-Dialog über ExtrasMakrosMakro... erneut öffnen.
  • Nun StandardModule1 in der Liste Makros aus sowie IndeViewExport aus der Spalte Vorhandene Makros in:Module1 wählen und auf Bearbeiten klicken. Daraufhin öffnet sich der Makro-Editor mit der Schreibmarke am Anfang des IndeViewExport-Makros, dessen erste Zeilen so aussehen:
Sub IndeViewExport
  DIM sCDMasterDir As String
  sCDMasterDir = "unknown"
  • Das Wort unknown durch den vollständigen Pfadnamen des ROOT_DATA-Verzeichnisses ersetzen, ohne dabei die Anführungszeichen zu löschen oder einen abschließenden Schrägstrich anzufügen:
sCDMasterDir = "/net/share/pub/IndeView/ROOT_DATA"
  • Das Modul mit [Strg-S] speichern und den Editor mit [Strg-W] schließen.
  • Makro über die Werkzeugleiste zugänglich machen
  • Den Menüpunkt ExtrasAnpassen... wählen.
  • Im daraufhin erscheinenden Dialog Anpassen die Tabpage Symbolleisten wählen.
  • In der Liste Sichtbare Symbolleisten die Symbolleiste Funktionsleiste selektieren und auf Bearbeiten... klicken.
  • Im Dialog Symbolleisten bearbeiten in der Liste Verfügbare Schaltflächen das Skript wählen. Dazu jeweils auf die Pluszeichen vor OpenOffice.org BASIC-MakrosStandardModule1 klicken und am Ende IndeViewExport markieren.
  • In der Combo-Box Symbolleisten den Eintrag Funktionsleiste wählen.
  • In der Liste Verwendete Schaltflächen bis fast zum Ende scrollen und wie in Abbildung 1 den untersten ------------------------Eintrag wählen.
  • Auf Hinzufügen --> klicken, um IndeViewExport zur Liste Verwendete Schaltflächen hinzuzufügen.
  • Diesen neuen Eintrag IndeViewExport in der Liste Verwendete Schaltflächen selektieren.
  • Auf Symbole... klicken und ein Icon für die Schaltfläche wählen; die Auswahl mit OK beenden.
  • Den Dialog Symbolleisten bearbeiten mit OK schließen.

Ab jetzt genügt ein Klick auf die neu hinzugefügte Schaltfläche IndeViewExport in der Hauptsymbolleiste von OpenOffice (Abbildung 2), um das Export-Makro zu starten.

Abbildung 1: Das schönste Makro nützt nichts, wenn es nicht über die OpenOffice-Funktionsleiste zugänglich ist.

OpenOffice exportiert plattformunabhängig

Beim Erstellen einer Präsentation lohnt es sich, darauf zu achten, dass jede Seite statt der Standardnamen Page1, Page2 (bzw. Seite1, Seite2) usw. eine aussagekräftige Bezeichnung trägt. Darüber lassen sich einzelne Folien in IndeView wie in Abbildung 4 gezielt anspringen.

Steht die Impress-Präsentation, klicken Sie nun einfach auf das bei der Installation (Kasten 1) ausgewählte Symbol (Abbildung 2).

Abbildung 2: Über das selbst gewählte Icon starten Sie den Creator in OpenOffice.

Das Creator-Modul meldet sich nun mit einem Verzeichnis-Auswahl-Dialog. Legen Sie hier ein leeres Verzeichnis fest, in dem die IndeView-Präsentation angelegt werden soll. Ein Klick auf OK schließt den Dialog, und das Skript exportiert die Präsentation Seite für Seite ins IndeView-Format. Gleichzeitig erzeugt es Seiten-Informationsdateien und eine Hauptsteuerdatei, die später der Viewer auswertet.

Das Erstellen der Seitendateien in verschiedenen Auflösungen kann bei umfangreichen Präsentationen durchaus mehrere Minuten dauern: Den Abschluss des Skript-Laufs erkennen Sie daran, dass das Symbol in der Funktionsleiste wieder seine normale Färbung annimmt, also nicht mehr wie eine heruntergedrückte Taste aussieht. Eventuelle Fehler (z. B. fehlende Zugriffsrechte) teilt IndeViewExport per Hinweis-Dialog mit; im Erfolgsfall erhalten Sie keine gesonderte Bestätigung.

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LinuxUser 03/2012

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