Wer hat sich nicht schon über die lästigen Zwangspausen zwischen einzelnen Titeln nach der Konvertierung von Live-Alben oder Studio-CDs mit ineinander übergehenden Nummern ins MP3-Format geärgert? Ein unhörbar eingefügter Code auf Audio-CDs teilt dem CD-Player die Dauer des Stücks mit und dient als Information für die Navigation durch eine CD. Die meisten CD-Ripper erkennen diese Markierungen zwischen den Titeln und setzen sie als Pause um. Was zur Folge hat, dass Klassiker wie Pink Floyds "Dark Side Of The Moon" plötzlich störende Unterbrechungen beim Abspielen der MP3-Version aufweisen und das Publikum bei Live-Aufnahmen zwischen zwei Stücken ebenfalls absolut geräuschlos und kollektiv Atem holt.
Das lässt sich jedoch einfach umgehen, wenn man sich von der grafischen Oberfläche verabschiedet und in den Tiefen der Konsole direkt am Sound arbeitet. Der Lohn der Mühe: Einige andere nützliche Soundbearbeitungsmöglichkeiten fallen dabei auch noch mit ab.
Die Helfer von der Kommandozeile
Für das Lesen einer Audio-CD unter Linux bringen die meisten Distributionen die Programme cdda2wav und cdparanoia mit. Wegen seiner Zuverlässigkeit und Datensicherheit setzen die meisten User auf das aus cdda2wav entstandene cdparanoia, repariert das Programm doch auch Fehler durch beschädigte CD-Oberflächen sehr sauber. Die Dateien können beliebig in den Formaten WAV, AIFF, AIFF-C oder Raw ausgegeben werden, wobei WAV mit 16 Bit bei einer Abtastfrequenz von 44,1 kHz als Standard dient.
Auch grafische Programme greifen auf cdparanoias Dienste zurück: So werkelt das Tool beim Erstellen einer 1:1-Audio-Kopie einer CD mit Xcdroast unscheinbar im Hintergrund, liest alle Titel fein säuberlich ein und speichert sie. Beim anschließenden Schreiben der Audio-Kopie bleibt alles wie im Original. Wo es sich gehört, gehen die Nummern fließend und unhörbar ineinander über.
Nach der Konvertierung in MP3 entsteht jedoch meist eine kleine Pause, weil jeweils einzelne Dateien erstellt und abgespielt werden. Selbst MP3-Encoder, die Optionen bieten, welche die Pausen zwischen zwei Titeln unterdrücken sollen, lassen bei der Wiedergabe in nahezu allen Playern meist eine Restlücke, die für das Ohr trotz ihrer Kürze immer noch deutlich hörbar bleibt.
Die Lösung dieses Problems liegt auf der Hand: Man muss lediglich die Titel, die nahtlos ineinander übergehen sollen, vor der MP3-Konvertierung zu einer einzigen Datei zusammenfassen. Zwar fällt dabei die von den Urhebern vorgenommene Trennung der Titel unter den Tisch, aber man erfreut sich ungestörten Hörgenusses, auch wenn die Stücke schließlich "Wish-you-were-here-A-Seite" und "Wish-you-were-here-B-Seite" heißen.
Paranoia
Für diese Aufgabe braucht man Root-Rechte. Es geht auch als weniger privilegierter User, jedoch nur, wenn root diesem zuvor umfangreiche Zusatzrechte verleiht. Mit
$ which cdparanoia /usr/bin/cdparanoia
erhält man nicht nur die Bestätigung, dass das Ripp-Programm installiert ist, sondern zugleich auch die Information, wo.
Kommt als Antwort nicht die Pfadangabe, muss cdparanoia nachträglich von den Distributions-CDs oder aus dem von [1] erhältlichen Quellcode installiert werden. Mit cdparanoia-III-alpha9.8.i386-linux-elf.gz bieten die Entwickler auf [1] auch ein vorkompiliertes Binary an, das man lediglich mit gunzip entpacken und mit
chmod a+x cdparanoia-III-alpha9.8.i386-linux-elf
ausführbar machen muss. Beim Kopieren in ein Verzeichnis im Suchpfad (etwa /usr/local/bin) benennt man es am besten in cdparanoia um:
mv cdparanoia-III-alpha9.8.i386-linux-elf /usr/local/bin/cdparanoia
Sobald eine Audio-CD im Laufwerk liegt, erhält man nach Eingabe von
cdparanoia -s -Q
eine Antwort wie in Abbildung 1. Offensichtlich listet dieser Befehl alle Titel der Audio-CD auf. Die Option -s (für "search"), die das Suchen auf allen vorhandenen CD-Laufwerken erzwingt, ist oft gar nicht erforderlich.



