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Der LaTeX-Bezwinger

Korner: Der Textsatzeditor Kile

01.04.2004
Viele haben schon von dieser Methode zum Schreiben wissenschaftlicher Texte gehört, aber sich noch nicht herangewagt: LaTeX. Wer nicht gleich nur mit einem Texteditor bewaffnet dem Syntax der Dokumentensprache gegenüberstehen möchte, bekommt Unterstützung von einer grafischen Oberfläche: Kile hilft beim Verfassen von Texten, die mit herkömmlicher Textverarbeitung nicht mehr zu bewältigen sind.

Korner

In dieser Rubrik stellen wir Monat für Monat Tools vor, die sich bei der Arbeit unter KDE als besonders nützlich erweisen, eine Aufgabe erfüllen, die sonst geflissentlich unbeachtet bleibt, oder einfach nur zu den netten Dingen im Leben gehören, die man – einmal entdeckt – nicht mehr missen möchte.

Wer schon einmal versucht hat, mit einer gewöhnlichen Textverarbeitungssoftware, wie sie gebräuchliche Office-Pakete bereitstellen, komplizierte mathematische oder technische Formeln in seine Dokumente einzuarbeiten, hat wahrscheinlich spätestens nach den ersten Seiten händeringend nach einer Alternative gesucht. Eine freie und professionelle Lösung für dieses Dilemma bieten seit Jahren TeX und das darauf basierende LaTeX [1].

Dabei handelt es sich um ein Textsatzsystem, mit dem sich qualitativ hochwertige, geräteunabhängige Satzdateien erstellen lassen. Mit Kile [2] stellen wir Ihnen einen grafischen TeX-/LaTeX-Editor vor, mit dem sich TeX-Befehle unkompliziert anwenden lassen. Zu seinen Pluspunkten zählen unter anderem das Konvertieren von Dokumenten per Mausklick, zahlreiche Vorlagen samt Assistenten zum schnellen Erstellen von Dokumenten an und erleichtert das Einfügen von voreingestellten oder benutzerdefinierten Tags und Symbolen.

Viel Hilfe, wenig Einschränkung

Kile vereinfach durch seine grafische Oberfläche zwar den Umgang mit TeX/LaTeX, setzt aber Grundkenntnisse voraus, deren Erläuterung an dieser Stelle den Rahmen sprengen würde. Einen guten Einstieg bieten die Seiten der "Deutschsprachigen Anwendervereinigung TeX e.V." Dante [3], auf denen Sie nicht nur die deutsche TeX-FAQ finden, sondern auch Tipps für Einsteiger, ausführliche Dokumentationen und vieles mehr rund um die Themen TeX, LaTeX und Typografie im Allgemeinen.

Die aktuelle Version von Kile finden Sie auf der Heft-CD oder der Projekt-Homepage [2]. Kompilieren Sie entweder die Quellen mit dem bekannten configure; make; make install oder installieren Sie das RPM-Paket für Ihre Distribution mit rpm -Uvh.

Suse liefert in der Professional-Ausgabe Kile mit, so dass Sie es hier mit Yast ins System integrieren. Voraussetzung für die Installation sind die LaTeX-Pakete auf Ihrem Rechner; jede gängige Distribution enthält diese, so dass Sie sie lediglich mit dem Paketmanager nachinstallieren. Zum Selbstkompilieren brauchen Sie auch die dazugehörigen Entwicklerpakete.

Rufen Sie nach erfolgreicher Installation den LaTeX-Editor über das KDE-Menü oder durch Eingabe von kile & in einer Terminalemulation auf, sehen Sie sich einer dreigeteilten Hauptansicht gegenüber.

Die linke Spalte zeigt die lokale Verzeichnisstruktur – dort finden Sie gespeicherte Dokumente auf der Festplatte. Im Hauptfenster rechts stellt Kile das geöffnete Dokument dar, im unteren Rahmen zeigt Ihnen das Programm beispielsweise beim Konvertieren von Dokumenten Systemmeldungen und gibt Ihnen die Möglichkeit, auf eine Kommandozeile zu wechseln.

Zwar benötigen Sie für die professionelle Nutzung von Kile mehr als nur rudimentäre LaTeX-Kenntnisse doch lässt sich mit den integrierten Assistenten das eine oder andere Dokument auch ohne großes Vorwissen erstellen. Wählen Sie dazu unter dem Menüpunkt Assistent den entsprechenden Punkt wie Brief oder Tabelle. Allgemeine Einstellungen wie die Dokumentenklasse – z. B. Book oder Article – verstecken sich hinter dem Punkt AssistentSchnelleinstieg (Abbildung 1). Hier legen Sie auch Papiergröße oder Kodierung fest.

Abbildung 1: Die Assistenten greifen beim Erstellen von Dokumenten unter die Arme.

Haben Sie Ihren Text fertig gestellt, müssen Sie ihn wie alle LaTeX-Dokumente übersetzen; das erledigt der Menüpunkt ErstellenSchnellerstellung. Nach kurzer Zeit präsentiert Ihnen Kile dann das Ergebnis Ihrer Bemühungen (Abbildung 2). In welchem Format dies geschehen soll, bestimmen Sie: Kile lässt Ihnen unter dem Menüpunkt EinstellungenKile einrichtenSchnell die Wahl zwischen Postscript, DVI und dem PDF-Format.

Abbildung 2: Ein konvertiertes Dokument im Postscript-Betrachter.

Der untere Rahmen zeigt nach dieser Aktion im Fenster Logdatei/Nachrichten ein Protokoll, das eventuelle Fehler und Warnungen aufführt, die beim Verwandeln der Datei ins neue Format aufgetreten sind. Im Menü Erstellen dienen die Punkte Vorheriger LaTeX-Fehler und Nächster LaTeX-Fehler sowie Vorherige LaTeX-Warnung und Nächste LaTeX-Warnung dazu, sich direkt zu den bemängelten Stellen führen zu lassen.

Auch das Einfügen von Sonderzeichen und griechischen oder mathematischen Symbolen erleichtert Kile: Wählen Sie dazu aus der Leiste zwischen dem Verzeichnisbaum und dem Hauptfenster die gewünschte Gruppe und das Zeichen durch einen Klick auf eines der Symbole aus (Abbildung 3) – die entsprechende LaTeX-Anweisung wird dann an der Stelle, an der der Cursor im Dokument steht, eingefügt.

Abbildung 3: Welches griechische Symbol darf es sein?

Glossar

Postscript

Dieses Format enthält sämtliche Informationen, die ein Drucker benötigt, um ein Dokument auf Papier zu bringen, darunter die kompletten Grafiken und Schriftarten.

DVI

Das "Device Independent Format" enthält alle Informationen, die DVI-Betrachter benötigen, um ein solches Dokument auf dem Bildschirm anzuzeigen. Für Schriftarten und Grafiken sind lediglich Verweise vorhanden, sie müssen an anderer Stelle auf dem System zu finden sein.

PDF

Das "Portable Document Format" ist eine Weiterentwicklung des Postscript-Formats von der Firma Adobe mit verschiedenen Erweiterungen, wie z. B. Formulare, die der Betrachter selbst ausfüllt.

Infos

[1] LaTeX: http://www.latex-project.org/

[2] Kile: http://kile.sourceforge.net/

[3] Deutschsprachige Anwendervereinigung TeX e.V.: http://www.dante.de/

[4] LaTeX-Einführung: Heike Jurzik, "Gutenberg am Rechner", LinuxUser 09/2002, S. 43 f., http://www.linux-user.de/ausgabe/2002/09/043-latex/

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