Drucker ins Netzwerk einbinden

Aus LinuxUser 04/2004

Drucker ins Netzwerk einbinden

Ins Netz gegangen

Wozu einen Drucker pro Rechner besorgen, wenn sich mehrere Computer problemlos einen Drucker teilen können? Netzwerk-Druckeradapter für Ethernet und WLAN lösen dieses Problem auf stromsparende Weise.

Bei mehr als einem Computer wird das Drucken zum Problem: Die Anschaffung mehrerer Drucker ist nur sehr selten sinnvoll, selbst wenn heutige Drucker billiger als die zugehörige Tinte sind. Geräte unterschiedlicher Hersteller oder unterschiedlichen Typs verlangen in der Regel nach separatem Verbrauchsmaterial: Statt einem Satz Reservepatronen und Fotopapier muss man mehrere verschiedene vorhalten – das geht bei Preisen von 70 Euro und mehr für einen Patronensatz schnell ins Geld.

Heutigen USB-Druckern fehlt zudem die Möglichkeit, den Drucker zwischen verschiedenen Rechnern einfach umzuschalten; noch dazu beschränkt sich die Kabellänge bei USB auf 4,5 Meter – wenn es mehr sein soll, müssen Spezialkabel, Repeater oder USB-Hubs her. Da wird die Kabelstrecke bis zur Besenkammer, in die der Drucker möglicherweise verbannt werden soll, schnell teurer also 100 Euro.

Strom sparen

Gibt es bereits ein Netzwerk, etwa um den Internet-Anschluss gemeinsam zu nutzen, lässt sich hier auch der Drucker sinnvoll anschließen – so steht er allen Rechnern zur Verfügung. Allerdings haben Tintenstrahldrucker in der Regal keinen Netzwerkanschluss.

Wie Sie etwa einen alten Rechner zum Printserver umrüsten, erfahren Sie auf Seite 40 – dabei sollten Sie unbedingt bedenken, dass dieser Computer praktisch ununterbrochen läuft und dabei zwischen 100 und 150 Euro Strom im Jahr verbraucht. So etwas lohnt sich nur dann, wenn er nebenbei noch andere Aufgaben erfüllt, also etwa als Router zum Internet oder als Fileserver dient.

Deutlich energiesparender sind Netzwerk-Druckeradapter wie zum Beispiel der IC-105 von SEH (http://www.seh.de). Der Dauerbetrieb kostet nur rund 13 Euro im Jahr, dafür schlagen die Anschaffungskosten mit 150 bis 200 Euro je nach Modell ziemlich ins Kontor. Nach dem zweiten Jahr hat sich das Gerät allein von den Stromkosten betrachtet jedoch amortisiert – von der Entlastung der Umwelt einmal ganz abgesehen.

Im Gegensatz zu echten Printservern haben Netzwerk-Druckeradapter keinen nennenswerten Zwischenspeicher und auch keine eigene Render-Einheit, die dem Client etwa das aufwändige Umwandeln der Postscript-Dateien in für den Drucker verständliche Druckseiten erspart. Auch muss auf allen (Windows-)Clients der Druckertreiber installiert sein, da der Adapter die Befehle des Druckers nicht kennt.

Probleme bei der gemeinsamen Nutzung gibt es hingegen nicht: Der Drucker kann mehreren Rechnern gleichzeitig antworten, nimmt aber im Gegensatz zu echten Printservern mit eigenen Festplatten für die Zwischenspeicherung immer nur einen Druckauftrag an. Die anderen Aufträge hängt er in eine Warteschlange und arbeitet sie nacheinander ab.

Externe Druckeradapter

Externe Druckeradapter wie der IC-105 oder IC-103 von SEH werden nachträglich an einen beliebigen Drucker mit Centronics- oder USB-Schnittstelle angeschlossen. Die erste Inbetriebnahme ist jedoch etwas umständlich.

Die Netzwerkadapter haben einen eingebauten Web-Server, über den sich der Status des angeschlossenen Druckers abrufen und Einstellungen verändern lassen. Doch dazu braucht der Adapter zunächst eine IP-Adresse. Deshalb sucht er beim Einschalten automatisch einen DHCP-, BOOTP- oder Novell-Server, der sie ihm (hoffentlich) zuweist. In Windows-Netzwerken sucht der Adapter zudem nach einer entsprechenden Arbeitsgruppe, bei der er sich anmeldet.

Hardware-Adresse und Netzwerk-Protokoll

Allerdings müssen Sie nicht extra einen DHCP-Server aufsetzen, um die Adapter in Betrieb zu nehmen – sie übernehmen die Empfänger-IP-Adresse eines Ping-Pakets, das für sie bestimmt ist. Auf den ersten Blick ergibt sich hier ein interessantes Henne-Ei-Problem: Der Netzwerkadapter bezieht über den Ping seine IP-Adresse, kann aber ohne IP nicht gepingt werden. Mit Hilfe eines Tricks geht es dennoch.

Zum Verständnis bedarf es eines kurzen Ausflugs in die Netzwerk-Datenübertragung: Alle Netzwerkgeräte haben eine auf der ganzen Welt einmalige Hardware-Adresse, wie einen Fingerabdruck. Der Befehl ifconfig zeigt Ihnen zum Beispiel die Hardware-Adresse der eingebauten Netzwerkkarte an. Sie besteht aus sechs Bytes, dargestellt in Hexadezimal-Schreibweise und durch Doppelpunkte voneinander getrennt. In ihr sind unter anderem eine Hersteller-Kennung und eine Art Seriennummer kodiert.

Auf der Netzwerk-Ebene werden Datenpakete ausschließlich anhand der Hardware-Adresse weitergeleitet – wenn Sie zum Beispiel ein Ping an 192.168.1.250 schicken, so wird in der ARP-Tabelle zunächst nach der zugehörigen Hardware-Adresse gesucht. In unserem Beispiel sei dies die Adresse 00:C0:EB:05:01:C6. Das Datenpaket geht nun an die Hardware-Adresse; alles weitere bleibt dem Empfänger überlassen.

Die Hardware-Adresse der Adapter steht meist auf dem Typenschild oder auf der Status-Seite, die der angeschlossene Drucker ausdruckt, wenn Sie die entsprechende Taste am Druckeradapter drücken.

Bei der Erstbenutzung enthält die ARP-Tabelle Ihres Rechners die Hardware-Adresse des Netzwerkadapters noch nicht. Da der seine IP auch nicht kennt, kann er auf eine entsprechende ARP-Anfrage nicht reagieren. Deshalb müssen Sie die Hardware-Adresse von Hand in die ARP-Tabelle eintragen:

arp -s 192.168.1.250 00:C0:EB:05:01:C6

Jetzt ist der Adapter von Ihrem Rechner aus (und nur von dort) über die IP-Adresse 192.168.1.250 erreichbar. Mittels Ping (Abbildung 1) können Sie dem Netzwerkadapter jetzt ein Datenpaket schicken – worauf er die Empfänger-IP-Adresse als seine eigene einträgt und ein erneutes ping -c 1 192.168.1.250 regulär beantwortet.

Abbildung 1: Ohne DHCP-Server besorgt sich der Druckeradapter die IP-Adresse aus einem für ihn bestimmten Ping-Paket. Zuvor muss die IP-Adresse von Hand der Hardware-Adresse des Druckeradapters zugewiesen werden.

Abbildung 1: Ohne DHCP-Server besorgt sich der Druckeradapter die IP-Adresse aus einem für ihn bestimmten Ping-Paket. Zuvor muss die IP-Adresse von Hand der Hardware-Adresse des Druckeradapters zugewiesen werden.

Risiko WLAN

Gerade bei abseits stehenden Druckern oder Notebooks mit WLAN sind WLAN-Druckeradapter wie der IC-154 von SEH besonders interessant – keine Mauerdurchbrüche, keine Kabel. Ihr Einsatz ist sicherheitstechnisch jedoch nicht unbedenklich und die Inbetriebnahme ziemlich kompliziert.

Der WLAN-Druckeradapter erwartet, wie schon von den Netzwerkadaptern bekannt, einen DHCP-Server, um eine Adresse zu beziehen. Hinzu kommt bei WLAN, dass der Druckeradapter nichts über die lokale Infrastruktur weiß – er kennt weder die ESSID noch den WEP-Schlüssel. Deshalb muss für den Erstbetrieb einmal die ESSID any am Access Point erlaubt sowie die WEP-Verschlüsselung abgeschaltet werden – womit der gesamte Netzwerkverkehr für jeden sehr leicht abhörbar wird.

Ohne DHCP-Server müssen Sie dem WLAN-Druckeradapter die IP auf die gleiche Weise wie oben bei den Netzwerk-Druckeradaptern gezeigt zuweisen. Sobald der WLAN-Adapter die IP vom DHCP-Server bezogen hat, zeigt ein Ausdruck der Status-Seite über den Knopf am WLAN-Druckeradapter die Einstellungen.

Schlüssel im Klartext

Die weitere WLAN-Konfiguration erfolgt per Browser, wobei die ESSID des WLANs sowie der WEP-Schlüssel eingegeben wird. Die gesamte Kommunikation läuft jedoch völlig unverschlüsselt ab; ein Angreifer liest den WEP-Schlüssel beim Abhören der Verbindung im Klartext mit. Diesen braucht er lediglich bei sich eintragen und kann nun voll auf das WLAN-Netz zugreifen. Deshalb verwendet der SEH IC-154 eine SSL-verschlüsselte Verbindung zum Browser, dies bieten allerdings längst nicht alle WLAN-Druckeradapter am Markt.

Nach der Konfiguration darf man auf keinen Fall vergessen, die Verschlüsselung beim Access Point wieder einzuschalten und die ESSID any zu verbieten, um wenigstens einen minimalen Schutz vor Mitlesern oder Angreifern zu gewährleisten.

Drucker einrichten

Gehen wir davon aus, dass der Drucker von allen Rechnern im Netzwerk unter der Adresse 192.168.1.250 erreichbar ist. Wer mag, kann der IP-Adresse in der Datei /etc/hosts einen Namen zuordnen.

Die abschließende Einrichtung als Netzwerkdrucker hängt von der verwendeten Distribution und dem Drucksystem ab. Unter Suse Linux 9.0 starten Sie im YaST die Druckereinrichtung, die den Drucker allerdings nicht automatisch erkennt. Klicken Sie auf Konfigurieren, und wählen Sie als Druckertyp Direkt auf Netzwerkdrucker drucken (Abbildung 2) sowie Direktes Drucken über TCP-Port.

Abbildung 2: Die Einrichtung eines Netzwerkdruckers erfolgt bei Suse Linux 9.0 manuell, da YaST ihn nicht automatisch erkennt.

Abbildung 2: Die Einrichtung eines Netzwerkdruckers erfolgt bei Suse Linux 9.0 manuell, da YaST ihn nicht automatisch erkennt.

Als Standard-Port für Druckaufträge dient 9100, was bei der Drucker-Konfiguration im YaST auch voreingestellt ist. Sie brauchen in Abbildung 3 lediglich noch die IP-Adresse des Druckers einzutragen – oder den Druckernamen, falls er bereits in der Datei /etc/hosts steht. Lassen Sie die Einstellungen in jedem Fall prüfen: Wenn sich kein Fehler eingeschlichen hat, meldet YaST, dass der Netzwerkadapter alias Druckerserver erreichbar ist.

Abbildung 3: Standardmäßig nehmen Druckerserver auf Port 9100 Druckaufträge an, was bei YaST auch voreingestellt ist. Lediglich die IP-Adresse des Druckeradapters muss man einfügen.

Abbildung 3: Standardmäßig nehmen Druckerserver auf Port 9100 Druckaufträge an, was bei YaST auch voreingestellt ist. Lediglich die IP-Adresse des Druckeradapters muss man einfügen.

Jedem Drucker sein Treiber

Nun folgen die Einstellungen für den lokalen Druckerspooler. Ganz wichtig ist, dass Sie Lokales Filtern durchführen (Abbildung 4) aktivieren, ansonsten bekommt Ihr Drucker die reinen Postscript-Daten zugesandt, mit denen er nichts anfangen kann. Lediglich bei Postscript-fähigen Druckern, vornehmlich Laserdrucker aus dem professionellen Bereich für 500 bis 1000 Euro, müssen Sie die Option deaktivieren.

Abbildung 4: Bei reinen Druckeradaptern, die keine Druckdaten aufbereiten, müssen die Daten zunächst auf dem Client gefiltert – also aufbereitet – werden.

Abbildung 4: Bei reinen Druckeradaptern, die keine Druckdaten aufbereiten, müssen die Daten zunächst auf dem Client gefiltert – also aufbereitet – werden.

Wenn Sie den Druckertreiber ausgewählt haben, listet YaST noch einmal alle Einstellungen auf und bietet an, eine Testseite zu drucken. Hat der Ausdruck geklappt, schließen Sie die Installation ab. Ansonsten kehren Sie zur Treiberauswahl zurück, falls das Ergebnis Anlass zur Unzufriedenheit gibt.

Web-Frontend

Praktisch alle Netzwerk-Druckeradapter lassen sich bequem per Web-Frontend konfigurieren und überwachen. Abbildung 5 zeigt das Web-Frontend des Druckeradapters IC-55 von SEH, je nach Hersteller und Adapter-Typ erlaubt es sogar, die Druckaufträge zu überwachen und einzelne Jobs abzubrechen.

Abbildung 5: Die meisten Druckeradapter haben einen eingebauten Webserver für Konfiguration und Zustandskontrolle. Sein Frontend fällt je nach Drucker und Hersteller unterschiedlich umfangreich aus.

Abbildung 5: Die meisten Druckeradapter haben einen eingebauten Webserver für Konfiguration und Zustandskontrolle. Sein Frontend fällt je nach Drucker und Hersteller unterschiedlich umfangreich aus.

Durch Einsatz eines Netzwerkadapters wird so mancher Drucker überflüssig – statt in drei kleine Drucker investiert man das Geld in ein besseres und schnelleres Gerät. Auch kann der lärmende und stinkende Zeitgenosse einfach in die Besenkammer verbannt werden, von wo er sich im Fehlerfall automatisch per Mail meldet. Allerdings kommen die Geräte mit 150 bis 300 Euro teurer als so mancher Drucker. Billiger sind oft Drucker mit eingebauter Netzwerkschnittstelle, und wenn alle zusammen legen, kann man sich vielleicht sogar einen Farb-Laserdrucker leisten.

Glossar

ARP-Tabelle

Ordnet jeder IP-Adresse eine entsprechende Hardware-Adresse zu. Per Address Resolution Protocol wird bei erster Verwendung einer IP im Netzwerk gefragt, wer für den Datentransport zur fraglichen IP zuständig zeichnet. Die Hardware-Adresse des ersten Antworters weist die ARP-Tabelle anschließend als passend zur IP-Adresse aus. Der eigentliche Datenversand erfolgt dann auf Netzwerk-Ebene nur anhand der Hardware-Adresse, nicht anhand der IP-Adresse.

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