Der Systemstart von der CD gelingt problemlos, die via Morphix von Knoppix übernommene Hardware-Erkennung arbeitet zuverlässig. Nach dem Booten erscheint der Desktop von GNUStep (Abbildung 1).
Dieser hält sich genau an die Normen von OpenStep, einem Framework, das von Next entwickelt wurde und auf verschiedenen Computer-Plattformen läuft. GNUStep ist weder Oberfläche noch Fenstermanager, sondern stellt Programmierern Schnittstellen zur Entwicklung grafischer Oberflächen bereit.
Die auf der Live-CD mitgelieferten Programme sind daher mehr als Machbarkeitsstudien und nicht als fertige Anwendungen zu verstehen.
Man findet darunter einen Dateimanager, ein FTP-Programm, ein Packprogramm, das den Umgang mit Zip-Archiven beherrscht, eine Oberfläche für den MPlayer und ein E-Mail-Programm. Außerdem integrierte der Entwickler des Live-Systems, Gürkan Sengün, den bekannten 3D-Modeller Blender.
Neues Produktionsmodell
Mit Mandrake 10 ändert der französische Hersteller sein Release-Verfahren: Nach den Beta-Versionen und Release Candidates gibt es künftig immer eine Community-Version, die kostenlos sein wird. Auf Basis dieser Distribution entsteht innerhalb von zwei bis drei Monaten Mandrake Linux Official, die alle Fehlerbereinigungen enthält, die in der Zwischenzeit vorgenommen wurden.
Diese Official-Version steht zunächst nur Mitgliedern des Mandrake-Clubs und Mitarbeitern an der Entwicklerversion Cooker zur Verfügung. Mit der Freigabe der DVD- und CD-Version kann sie sich jeder kostenlos übers Internet besorgen.
Bisher war es so, dass es während der Entwicklung eine sich ständig ändernde öffentliche Distribution mit dem Namen Cooker gab. Zu einem bestimmten Zeitpunkt froren die Developer deren Stand ein, und die Distribution durchlief einige Beta-Versionen und Release Candidates, bis sie zum Download freigegeben und auf CDs oder DVDs verkauft wurde.
Der Nachteil des bisher praktizierten System besteht darin, dass die Zahl der Beta-Tester sehr begrenzt war und viele Fehler erst nach Freigabe der offiziellen Version gefunden wurden.
Sogar so schwerwiegende Probleme wie die Unverträglichkeit von Mandrake 9.2 mit vielen Laufwerken der Firma LG blieb unentdeckt. Damals löschte ein Bug die Firmware von CD-Laufwerken aus einer bestimmten Modellreihe.
XFree86 4.4 fliegt raus
Die kürzlich erfolgte Lizenzänderung von XFree86 zeigt erste Auswirkungen bei den Distributionen: Mit dem ersten Release Candidate von Mandrake 10, der bald auf den Download-Servern verfügbar sein sollte, entschlossen sich die Entwickler, XFree86 4.4 nicht aufzunehmen, sondern bei der alten Version 4.3 zu bleiben.
Die neue Fassung der Lizenz, die sich aus einer BSD-Lizenz ableitet, fordert, dass auf der Verpackung und in allen Programmen, die die XFree86-Bibliotheken benutzen, ein Copyright-Vermerk der XFree86-Gruppe anzubringen ist.
Der französische Distributor sah sich dazu nicht in der Lage und verzichtete daher in letzter Minute auf die neueste Version des X-Servers.
Immer auf dem neuesten Stand
Von der finnischen Firma Lineox stammt Always Current Lineox. Diese Distribution zeichnet sich dadurch aus, dass alle Pakete im Abstand von etwa zwei Wochen auf den neuesten Stand gebracht und das ISO-Image frisch gepackt wird. So ist der Benutzer nach der Installation nicht gezwungen, Unmengen von Sicherheits-Updates einzuspielen.
Die Distribution Lineox Enterprise Linux basiert auf den frei verfügbaren Quelltextpaketen von Red Hat Enterprise Linux und ist mit Red-Hat-Paketen erweiterbar. Neben Lineox Enterprise Linux gibt es auf dem Server noch eine umfangreiche Dokumentation zur Installation und zum Betrieb des Systems.
Der Download der Software kostet 15 Euro; die Bezahlung erfolgt über den Bezahlservice PayPal. Nach Zahlungseingang erhält der Anwender ein Passwort und einen Benutzernamen für den Download-Server und hat dann eine Woche Zeit, die CD-Images oder ein DVD-Image herunter zu laden.
Westentaschen-Linux
Bei der Distribution mit dem Namen Austrumi Austrum Latvijas Linukss handelt es sich um ein Westentaschen-Linux aus Lettland. Die Live-CD basiert auf Slackware und ist sorgfältig zusammengestellt.
Während des Systemstarts versucht die Distribution, die Hardware des Systems zu erkennen und einzurichten. Auf einigen Test-Rechnern gelang es der Erkennungsroutine jedoch nicht, eine gültige Konfigurationsdatei für XFree86 zu erstellen. Falls es klappt, lädt sich das System komplett in den Arbeitsspeicher, so dass das CD-Laufwerk wieder frei ist. Als Window-Manager setzt die Distribution auf Fvwm95 (Abbildung 1) .
Das rund 50 MByte große CD-Image enthält als Textverarbeitung Abiword, die Tabellenkalkulation Gnumeric sowie für die Bildbearbeitung das Grafikprogramm Gimp. Als Browser ist seltsamerweise nur das Konsolen-Programm links in einer verbesserten Version an Bord; als E-Mail-Client steht das Programm Sylpheed zur Verfügung.
Mit dem MingW Developer Studio findet der Anwender zwar eine Programmierumgebung vor; ein Compiler fehlt aber. (Frank Widuwilt/agr)