Unix und das Internet können auf eine langjährige gemeinsame Entwicklung zurückblicken, und so verwundert es auch nicht, dass das IRC-Protokoll schon 1993 definiert wurde: Über zehn Jahre tauschen sich also Unixler bereits in IRC-Channels oder privaten Queries aus. Älter ist nur das rudimentäre talk-Kommando, das erstmals 1984 in BSD 4.2 auftauchte, aber in ähnlicher Form bereits 1973 existierte [2]. (Es erlaubt eine Art direkter Unterhaltung zwischen genau zwei Anwendern.)
Erst vergleichsweise spät hat die Windows-Welt das Internet und 1996 auch das Konzept des Chattens entdeckt, der erste Instant-Messaging-Dienst war ICQ ("I seek you") [3]. Mittlerweile sind die diversen IM-Produkte populärer als IRC, und für alte IRC-Fans stellt sich die Frage, wie sie mit ICQ-, AIM-, MSN- und anderen IM-Anwendern in Kontakt treten können.
Die Frage ist nicht neu und wurde auch bereits beantwortet, Tools wie Gaim [4] und CenterICQ [5] integrieren den Zugang zu verschiedenen Messaging-Systemen in einem Client. Doch wer schon fünf Jahre oder länger im IRC unterwegs ist, hat meist seinen persönlichen Lieblings-Client gefunden, Tipps und Shortcuts entdeckt und sich so sehr daran gewöhnt, dass ein Umstieg nicht in Frage kommt.
Alles bleibt gleich
Hier kommt BitlBee ins Spiel: Das Programm erlaubt es seinen Benutzern, mit einem klassischen IRC-Client auf Instant-Messaging-Netze zuzugreifen. Damit muss es ein Vermittler zwischen den Welten sein: Aus Sicht des IRC-Clients benimmt es sich wie ein IRC-Server (denn nur mit solchen nehmen IRC-Clients eine Verbindung auf), und an den IM-Servern meldet es sich als regulärer Client an.
Kontakte ("Buddies") aus den verschiedenen IM-Systemen müssen BitlBee einmalig bekannt gemacht werden, danach tauchen sie automatisch im Channel #bitlbee auf, sobald sie sich anmelden. Für die Kontaktaufnahme wird dann wie üblich ein Query geöffnet.
Die BitlBee-Installation besteht aus zwei Teilen: Nach dem Übersetzen der Quelltexte müssen Sie noch den "Super-Server" Xinetd konfigurieren; verwenden Sie stattdessen die RPM-Archive, fällt dieser Schritt weg (Kasten 1).
Kasten 1: Installation
Wenn Sie BitlBee [6] aus dem Sourcecode erstellen möchten, finden Sie in dem Programm ein schönes Beispiel für eine Abhängigkeitskette: Für BitlBee benötigen Sie die GnuTLS-Bibliothek [7], und die wiederum braucht libgcrypt [8], das sich nur mit libgpg-error [9] installieren lässt.
Sind die Abhängigkeiten erfüllt, können Sie alle Pakete (in der Reihenfolge libgpg-error, libgcrypt, gnutls und bitlbee) als root jeweils mit dem üblichen Dreischritt
./configure make make install
übersetzen und installieren. GnuTLS geben Sie beim configure-Aufruf noch den Parameter --disable-openpgp-authentication mit – anderenfalls müssten Sie noch das Paket libopencdk installieren. Außerdem ließ sich im Test mit Red Hat Linux 9 die aktuelle GnuTLS-Version 1.0.6 nicht übersetzen, während es mit der Vorgängerversion 1.0.5 keine Probleme gab.
Bei BitlBee selbst läuft der configure-Aufruf sehr schnell durch und meldet nach wenigen Sekunden, mit welchen Optionen das Programm gebaut wird:
BitlBee configure
Architecture: Linux Linux is our primary development platform, BitlBee should work well.
Configuration done: Debugging disabled. Binary stripping enabled. Tcpd support disabled. iconv support enabled. Building with these protocols: msn jabber oscar yahoo
Wichtig ist die Liste der unterstützten Protokolle. "Oscar" ist dabei das AOL/AIM-Protokoll, die übrigen Namen sind selbsterklärend.
Wenn das Verzeichnis /usr/local/lib noch nicht in der Konfigurationsdatei /etc/ld.so.conf enthalten ist, fügen Sie es einfach hinzu und rufen ldconfig auf:
echo /usr/local/lib >> /etc/ld.so.conf ldconfig
Danach müssen Sie noch die Xinetd-Konfiguration anpassen, damit BitlBee als neuer Service bekannt ist. Dazu kopieren Sie die vorbereitete Datei doc/bitlbee.xinetd in das Xinetd-Verzeichnis und fordern den Xinetd-Server auf, die Konfiguration neu zu lesen.
cp doc/bitlbee.xinetd /etc/xinetd.d/bitlbee killall -HUP xinetd
Damit ist die Installation abgeschlossen.
Die RPM-Variante
Deutlich einfacher ist es, die RPM-Pakete (bitlbee und libsoup) zu installieren. Dabei wird auch automatisch die Xinetd-Datei /etc/xinetd.d/bitlbee entpackt, die Sie (je nach Distribution) noch anpassen müssen: Die Zeile
disable = yes
kommentieren Sie aus, indem Sie eine Raute ("#") voranstellen.
Dann können Sie nach einem
killall -HUP xinetd
bereits den ersten Anmeldeversuch unternehmen. Sollte der Xinetd-Server gar nicht laufen, starten Sie ihn mit
/etc/init.d/xinetd start
BitlBee belegt den Standard-IRC-Port 6667, so dass Sie die lokale Maschine als regulären IRC-Server (ohne Angabe eines Ports) ansprechen können. Legen Sie einfach direkt los: Im IRC-Client Ihrer Wahl (z. B. irssi [10] oder X-Chat [11]) bauen Sie eine Verbindung zum IRC-Server localhost auf:
/server localhost
Die Verbindung wird sehr schnell aufgebaut, und danach betreten Sie automatisch den Kanal #bitlbee. Erste Informationen zur Bedienung bekommen Sie, wenn Sie "help" eingeben, aber wir beschreiben im Folgenden, wie Sie BitlBee konfigurieren, so dass Sie diesen Schritt auslassen können.
Zunächst müssen Sie sich gegenüber dem Server registrieren. Da BitlBee mehrere Benutzern gleichzeitig verwenden können, ist das sinnvoll. Der Server erkennt Sie dann künftig an Ihrem Nickname und dem Passwort. Wählen Sie ein Passwort und geben Sie
register passwort
ein. Sie erhalten darauf die Antwort "Configuration saved".
Im nächsten Schritt definieren Sie Accounts, die Sie bei Instant-Messaging-Anbietern haben.
ICQ und AIM (AOL)
Für einen ICQ-Account müssen Sie neben der ICQ-Kennung und dem Passwort auch den Login-Server angeben, das sieht dann so aus:
account add oscar ID Passwort login.icq.com
Jeder solche Befehl wird mit der Erfolgsmeldung "Account successfully added" quittiert – was noch nicht heißt, dass es eine erfolgreiche Anmeldung gab, das kommt später.
Ähnlich ist die Zeile für einen AIM-Account (AOL Instant Messenger):
account add oscar ID Passwort login.oscar.aol.com



