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Versteckte Gnome-Einstellungen nutzen

Kindersicherung entsperrt

"Sag mir, wo die Optionen sind, wo sind sie geblieben?", fragt sich mancher Gnome-Nutzer frei nach Marlene Dietrich. Die meisten finden sich, gut versteckt, im Gconf-Editor.

Ein wenig chaotisch und unordentlich, dafür aber bis ins kleinste Detail konfigurierbar – in dieser Konstellation galt Gnome in der Vergangenheit als die Desktop-Umgebung für Hacker und Geeks. Die Kehrtwende kam mit Version 2.0: Hier räumte das Gnome-Projekt mit dem Optionen-Wildwuchs auf und ging daran, die Vorgaben der Human Interface Guidelines (HIG; vgl. Kasten 1) umzusetzen. Der Lohn der Mühe: Anwendern fällt der Zugang zu Programmen leichter.

Kasten 1: Richtlinien für menschenfreundliche Benutzerschnittstellen

Die unter http://developer.gnome.org/projects/gup/hig/ beschriebenen Human Interface Guidelines formulieren Software-ergonomische Forderungen, die alle Gnome-Anwendungen erfüllen sollen. Dazu gehört neben konsistent angeordneten Bedienelementen, klar strukturierten Menüs und der Übersetzung in möglichst viele Sprachen auch, auf alle Optionen zu verzichten, die ein Großteil der Anwender nicht nutzt oder, schlimmer noch, gar nicht versteht.

Den Usability-Regeln (siehe Seite 78) entsprechend, verlangen die HIG zudem, dass sich die Software sprachlich an den Erfahrungshorizont des Anwenders anpasst, bei längeren Aktionen jederzeit Feedback darüber gibt, was sie gerade tut usw. Sie machen detaillierte Vorgaben über die Gestaltung von Dialogen und Menüs, weshalb es bei fast keiner Gnome-Anwendung mehr Dialoge mit OkAnwendenÜbernehmenSchließen-Knöpfen gibt: Wenn man wie in Abbildung 1 eine Änderung veranlasst, möchte man schließlich, dass diese sofort zur Ausführung kommt – ein separater Anwenden- oder Übernehmen-Button ist also überflüssig. Auch die Ok-Funktion gibt es schon: Was dieser Knopf tut, erwartet der Nutzer bereits vom Schließen-Button.

Abbildung 1: Zwei der drei abgebildeten Knöpfe sind überflüssig.

Kollateralschäden

So lobenswert der Ansatz ist: Für den Geschmack erfahrener Anwender schießen die Entwickler dabei manchmal über das Ziel hinaus. Wer den Dateimanager Nautilus nicht unter Gnome nutzt, kennt das Problem, dass sich dieser das Zeichnen des Desktops scheinbar nicht mehr abgewöhnen mag. Half früher das Deaktivieren des Punktes Nautilus für das Zeichnen des Desktops verwenden, findet man sich heute nach einem unachtsamen Start von Nautilus auf einen Gnome-Desktop zwangsteleportiert.

Selbst diejenigen, die den Dateimanager konsequent auf der Kommandozeile mit der Option --no-desktop starten, sind vor dieser bösen Überraschung nicht gefeit: Nautilus wird oft als Help Viewer für Gnome-Programme registriert: Ruft man HilfeInhalt in einem unter KDE gestarteten solchen auf, ist das Malheur schon passiert.

Tatsächlich haben die Entwickler das Gegenmittel nicht abgeschafft, sondern die entsprechende Option nur aus den Menüs verbannt. Über den GConf-Editor stellen Sie sie nach Ihren Wünschen ein.

Nur Red Hat Linux installiert das praktische Tool standardmäßig. Bei Mandrake 9.0 und 9.1 finden Sie es zumindest nach dem Einspielen des gnome2-Metapakets. Suse-Linux-Benutzer müssen es auch dann nachträglich installieren, wenn Gnome schon auf der Festplatte liegt.

Fast wie Regedit

Starten Sie das Konfigurationstool mit dem Befehl gconf-editor &, und lassen Sie sich nicht von der Warnmeldung (Abbildung 2) bange machen: Das Programm arbeitet stabil, und falls Sie doch einmal ungewollt eine Option ändern, gibt es immer einen Weg zurück zur Default-Einstellung.

Abbildung 2: Der GConf-Editor warnt: Benutzung auf eigene Gefahr!

Das Layout der Anwendung erinnert an den Registry-Editor unter Windows. In der Baumstruktur auf der linken Seite finden Sie so genannte Schlüssel und Unterschlüssel, deren Werte Sie in der rechten Fensterhälfte anpassen. Alle Änderungen werden sofort wirksam und in die Konfigurationsdatenbank des Benutzers eingetragen. Diese Datenbank kommt im XML-Format daher und liegt im Verzeichnis ~/.gconf.

Jeder Schlüssel, der eigene Werte enthält, bekommt seine eigene Datei. So speichert ~/.gconf/apps/nautilus/preferences/%gconf.xml die aktuellen Einstellungen des Gnome-Dateimanagers. Neben den Benutzer-Datenbanken gibt es systemweite Voreinstellungen, die jeder Anwender zu Gesicht bekommt, wenn er zum ersten Mal mit Gnome arbeitet. Sie liegen unterhalb von /etc/gconf/gconf.xml.defaults. Suse geht einen Sonderweg und packt sie bei Version 9 nach /etc/opt/gnome/gconf/gconf.xml.defaults, bei 8.2 heißt das Verzeichnis noch /etc/opt/gnome2/gconf. Haben Sie Gnome selbst übersetzt, finden Sie sie in /usr/local/etc/gconf.

Obwohl reiner Text, sind die XML-Dateien recht unübersichtlich. Jede Einstellung besteht aus einem Tag in spitzen Klammern, der unter anderem Name, Typ und Wert der Einstellung enthält (Abbildung 3). Der Pfad der jeweiligen XML-Datei entspricht immer dem im GConf-Editor. Die passende grafische Schnittstelle zu den Nautilus-Einstellungen finden Sie also im Schlüssel /apps/nautilus/preferences.

Abbildung 3: In solchen XML-Dateien speichert Gnome seine Konfiguration.

Verantwortlich für das Zeichnen des Desktops ist der Punkt show_desktop. Entfernen Sie den Haken, ist der Dateimanager seinen Nebenjob als Hintergrundverwalter los: Schließen Sie den GConf-Editor, schlägt sich die Änderung auch in der zugehörigen XML-Datei nieder.

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