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© Jay Goodman

Austauschen und verwahren

Synchronisations- und Datensicherungsprogramme für den Sharp Zaurus

01.03.2004
Selbst wenn der Sharp Zaurus ein nicht gerade billiges Gerät ist: Viel wertvoller sind die darauf abgelegten Daten und Dokumente. Wir stellen Programme vor, mit denen Sie die auf dem PDA gespeicherten Daten sicher aufbewahren.

Kalender und Adressbuch verlegt? Wo Nutzer der papiernen Varianten sofort in Schweiß ausbrechen, können sich PDA-Besitzer beruhigt zurücklehnen – sofern sie vorab für Backups gesorgt haben. Doch das erweist sich ausgerechnet dann als schwierig, wenn die Linux-PDAs der Firma Sharp mit Linux auf dem Desktop-PC konfrontiert werden.

Aus diesem Grund stellt dieser Artikel sieben Programme vor, mit denen Sie auf dem Sharp Zaurus lagernde persönliche Daten sichern bzw. mit dem PC synchronisieren können. Sie lassen sich in zwei Gruppen einteilen: KitchenSync, MultiSync Qtopia Desktop und Unison tauschen die Daten zwischen dem PDA und dem Tischrechner oder Notebook über eine Netzwerkverbindung aus und bringen Adressbuch, Termine und Aufgaben auf beiden Geräten auf den gleichen Stand. Sharp Backup, Backup and Restore und TkcBackup sichern die Daten der Benutzerin auf einem Speichermedium im Zaurus und spielen die Sicherungskopie bei Bedarf wieder zurück.

Besonders interessierte uns die Frage, ob das auch dann funktioniert, wenn auf dem Zaurus zwischenzeitlich ein anderes ROM installiert wurde [11].

Wir testeten die Programme mit Mandrake 9.1 bzw. Aurox Linux auf dem Desktop-Rechner. Auf PDA-Seite kamen OpenZaurus [1] (samt aktuellem Opie), das schon etwas betagte deutschsprachige Sharp-ROM 2.38 sowie das TheKompany.rom [2,11], das auf dem aktuellen Sharp-ROM 3.2 basiert, zum Einsatz. Als Testgerät diente ein Zaurus SL 5500 mit einer 64 MByte fassenden CompactFlash-Karte und einer 64 MByte großen Multimedia-Card als Speichermedien.

Daten abgleichen!

Beim Synchronisieren geht es darum, die Daten auf PC und PDA auf einem gemeinsamen Stand zu halten. Idealerweise funktioniert das so, dass der PDA nach dem Anstecken an den PC Kontakt zu diesem aufnimmt und dann feststellt, welche Daten sich seit dem letzten Abgleich der beiden Geräte geändert haben. In der Praxis ist dieser Austausch manchmal mit einiger Handarbeit verbunden. Weigert sich der Zaurus, mit dem PC in Verbindung zu treten, müssen Sie das Ethernet über USB-Netzwerk wie in Kasten 1 beschrieben einrichten.

Kasten 1: Ethernet über USB

Wenn die Kontaktaufnahme zwischen Zaurus und PC nicht klappt, überprüfen Sie zunächst, ob das USB-Kabel richtig in der Schnittstelle am PC und der Zaurus fest in seinem Cradle steckt. Damit der PDA über das USB-Kabel Kontakt zum PC aufnehmen kann, muss auf beiden Geräten ein Netzwerk über USB eingerichtet sein; beim Zaurus war dies bei allen getesteten Geräten der Fall.

Auf dem PC laden Sie zu diesem Zweck zunächst das Kernel-Modul usbdnet mit dem Befehl insmod usbdnet als Benutzer root. Anschließend richten Sie mit dem Befehl ifconfig die Netzwerkschnittstelle usb0 ein; der PC bekommt dabei die IP-Adresse 192.168.129.200 verpasst:

ifconfig usb0 192.168.129.200 netmask 255.255.255.255

Zu guter Letzt richten legen Sie eine route zum Zaurus fest, der normalerweise die IP-Adresse 192.168.129.201 trägt:

route add -host 192.168.129.201 usb0

Jetzt sollte die Netzwerkverbindung funktionieren und der Zaurus Kontakt mit dem PC aufnehmen.

Damit das Synchronisieren schneller geht, schreiben Sie diese Befehle am besten in ein Skript, dem Sie einen aussagekräftigen Namen (zum Beispiel z_koppeln) geben:

!# /bin/bash
insmod usbdnet
ifconfig usb0 192.168.129.200 netmask 255.255.255.255
route add -host 192.168.129.201 usb0

Damit root es später auch aufrufen darf, machen Sie es mit dem Befehl chmod +x z_koppeln ausführbar.

Nun stellt sich die Frage nach der Synchronisationssoftware. Da gibt es zum Beispiel KitchenSync, was nicht nur ein einzelnes Programm, sondern ein ganzes Framework, also einen Rahmen, für die Synchronisation zwischen verschiedenen Rechnern bietet. Mit Hilfe von Programmerweiterungen soll sich zukünftig alles mit jedem synchronisieren lassen; momentan unterstützt die Software PDA-seitig den Zaurus und V3 Agenda.

KitchenSync liegt zur Zeit nur als Quelltext [3] vor. Entpacken Sie die Datei latest.tgz mit dem Befehl tar -xzvf latest.tgz, wechseln Sie ins neu entstandene Verzeichnis kitchensync-0.0.6 und bereiten Sie mit ./configure die Übersetzung vor, die Sie dann mit make starten. Ein abschließendes make install, eingegeben als Superuser root, befördert das Programm und alle anderen Teile an die richtige Stelle im Dateibaum.

Der Befehl kitchensync, abgesetzt in einer Terminalemulation, bringt das Hauptfenster auf den PC-Bildschirm. Nach dem ersten Start zeigt ein knallrotes Feld an, dass Sie noch mindestens eine Konfiguration einrichten müssen.

Sorgen Sie zunächst mit dem Menüpunkt SettingsConfigure Connections für die Verbindung zum Zaurus. Im daraufhin erscheinenden Dialog Configure Devices wählen Sie Add. Jetzt öffnet sich ein Assistent, der in vier Schritten zu einer Verbindung führt. Im ersten Schritt wählen Sie einen sogenannten Konnector, die richtige Wahl lautet Qtopia Connector. Der zweite Dialog fragt dessen Konfigurationsdaten ab (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die Konfiguration von KitchenSync erfolgt dialoggesteuert.

Dort tragen Sie im Feld user ein, dass root die Verbindung steuert; das Passwort heißt stets rootme. Das Feld Destination Address nimmt die IP-Adresse des Zaurus auf, die in der Voreinstellung 192.168.129.201 lautet. Im Zweifelsfalle schauen Sie in den Netzwerkeinstellungen des PDAs nach.

Unter Distribution wählen Sie zwischen Opie and Qtopia 1.6 für Opie und ältere Sharp-ROMs sowie Sharp ROM für das aktuelle ROM von Sharp. Das Feld Name bleibt leer.

Ein Klick auf Next führt Sie zur letzten Abfrage, in der Sie einen Namen für die gerade erstellte Konfiguration festlegen. Anschließend taucht wieder der Dialog Configure Devices auf, in dem Sie Ihr Profil mit einem Häkchen in der Liste aktivieren.

Doch auch dann kann der Datenabgleich noch nicht beginnen: KitchenSync erwartet, dass Sie ein Profil anlegen, in dem gespeichert wird, welche Daten Sie austauschen. Dazu wählen Sie SettingsConfigure Profile aus dem Menü und klicken im Dialog Configure Profiles auf Add. Als nächstes taufen Sie das Profil und drücken auf den Next-Button. Jetzt öffnet sich ein Dialog, in dem Sie die zu tauschenden Daten wählen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Sie bestimmen, welche Daten gesichert werden sollen.

Addressbook Part gleicht die Daten zwischen KAddressbook und dem Adressbuch des Zaurus ab, KOrganizer-Komponente synchronisiert KOrganizer auf dem PC mit KOrganizer/e auf dem Zaurus, und OverView-Komponente sorgt dafür, dass die in KOrganizer gespeicherten Aufgaben mit denen im Programm Übersicht auf dem Zaurus übereinstimmen.

Mit Finish gelangen Sie wieder ins Hauptfenster und wählen Ihre Verbindung aus der linken Liste in der Werkzeugleiste; aus der rechten Liste holen Sie sich das Profil. Wenn die Verbindung zwischen Zaurus und PC steht (zu erkennen am Steckersymbol unten rechts in der Statuszeile), genügt ein Klick auf die Schaltfläche Synchronize ganz links in der Werkzeugleiste, und schon tauschen PC und Zaurus eifrig Daten aus (Abbildung 3). Das klappt sehr gut; alle Daten werden sicher übernommen, und auch nach dem Neueinspielen eines ROMs ist der Zaurus schnell wieder auf dem neuesten Stand. Leider liest und schreibt KitchenSync nur die Formate des alten Sharp-ROMs und von Opie; Benutzerinnen eines neuen Sharp-ROMs bleiben außen vor.

Abbildung 3: KitchenSync gleicht Daten zwischen PC und Zaurus ab.

Synchron im GTK-Stil

Wer auf PC-Seite Gnome statt KDE verwendet, findet in MultiSync ein GTK-basiertes Framework für den Datenabgleich zwischen verschiedenen Geräten. Neben dem Zaurus unterstützt es verschiedene Mobiltelefone und PDAs mit Windows CE.

Auf der Projekt-Homepage [4] finden Sie Downloadlinks zum Programm und zu den verschiedenen Plugins. Für die Synchronisation der Kalender- und Kontaktdaten muss als Gegenpart auf dem PC Evolution installiert sein.

Um MultiSync in Betrieb zu nehmen, brauchen Sie die Dateien multisync-0.81-1.i386.rpm sowie die Plugins multisync-evolution-0.81-1.i386.rpm für den Zugriff auf die Daten aus Evolution und multisync-opie-0.81-1.i386.rpm für die Verbindung mit dem Zaurus. Selbstkompilierer finden auf [4] natürlich auch die Quelltexte.

Nach der Installation dieser drei Dateien starten Sie Multisync durch Eingabe des Befehls multisync in einer Terminalemulation. Im zunächst leeren Programmfenster legen Sie durch Klick auf die Schaltfläche New in der Werkzeugleiste ein neues Synchronization Pair an (Abbildung 4). Dabei handelt es sich um eine Kombination zweier Datenquellen, die das Programm abgleicht.

In der Liste First Plugin wählen Sie Opie and Zaurus aus. Ein Klick auf Options bringt Sie in einen Dialog, in dem Sie die Verbindungsdaten eingeben (Abbildung 5).

Abbildung 4: MultiSync synchronisiert den Zaurus mit Evolution.
Abbildung 5: Wie soll die Verbindung aufgenommen werden?

Unter Device Information tragen Sie ein, ob Sie Opie oder das Original-Sharp-ROM verwenden, wobei auch MultiSync nur das alte PIM-Format von Sharp unterstützt. Das Feld Protocol legt die Verbindungsart fest. Hier haben Sie die Wahl zwischen FTP und SSH; bei Opie ist letzteres als Standard eingestellt. Neben IP Address vermerken Sie die IP-Adresse des Zaurus, ins Feld Username gehört root, das Passwort lautet rootme.

Ein Klick auf OK befördert Sie wieder in den Konfigurationsdialog für das Synchronisation Pair. Sobald Sie als Second Plugin den Punkt Ximian Evolution ausgewählt haben, können Sie auch diesen Dialog mit OK schließen und befinden sich wieder im Hauptprogrammfenster. Hier genügt jetzt ein Klick auf den Button Sync in der Werkzeugleiste, um die Daten zwischen PC und Zaurus auszutauschen. In die eine wie die andere Richtung klappte das im Test problemlos.

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