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Keine Sackgasse

KDE-Adressbücher, -Terminkalender und -Bookmarks nach Evolution, Galeon und Mozilla migrieren

01.03.2004 Ob man komplett von KDE auf Gnome umsteigt oder hin und wieder die Desktop-Umgebungen wechselt – auf liebgewonnene Browser-Bookmarks möchte man ebensowenig verzichten wie auf die mühsam gepflegten Kalender- und Adressdaten. Mit etwas Aufwand geht dieser Wunsch in Erfüllung.

Wer die Desktop-Umgebung oder einfach nur den Mail-Client wechselt – sei es aus eigenem Antrieb, sei es, weil man zu Hause KDE, in der Firma jedoch Gnome und/oder Mozilla benutzt, muss Zeit und Geduld investieren: Zum einen gilt es, sich an eine etwas andere Bedienphilosophie zu gewöhnen. Zum anderen will so manches Programm neu konfiguriert werden. Nach soviel Aufwand möchte man am Ende ganz bestimmt nicht auch noch ganze Datensammlungen neu eintippen.

Zwar kann man bei Bedarf auch unter Gnome – sofern auf dem System installiert – weiterhin die meisten KDE-Programme aufrufen; leider dauert deren Start oft recht lange und endet manchmal sogar mit Abstürzen. Speziell auf Rechnern, bei denen man keinen Einfluss auf die installierte Software hat, geht das jedoch nicht. Und schließlich können und dürfen sich Vorlieben ändern: Wer herausfindet, dass ein anderes PIM-Programm besser auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten ist als die bisher benutzte Software, möchte die alten Informationen nach dem Umstieg natürlich weiterhin umstandslos an der Hand haben.

Kontakte für den Drachen

Zu diesen persönlichen Daten zählen in erster Linie Adressbücher inklusive der von KMail gespeicherten E-Mail-Adressen. Wer die in Mozillas Mail-Komponente [1] benutzen möchte (dazu braucht man nicht einmal die Desktop-Umgebung austauschen), ruft zunächst das Adressbuch in KMail via ExtrasAdressbuch auf. Über diesen Menüpunkt landet man nicht etwa in einer speziellen Client-spezifischen Adressenliste, sondern im allgemeinen KDE-Adressbuch, das sich auch separat mit dem Befehl kaddressbook von der Kommandozeile aus starten lässt.

Der Aufruf DateiexportierenListe exportieren legt die Daten des Adressbuchs in Form einer CSV-Datei ab. Der Standardvorschlag, sie unter dem Namen addressbook.csv im Home-Verzeichnis zu deponieren (Abbildung 1), kann einfach übernommen werden.

Abbildung 1: Wo soll KAddressbook die Adressliste ablegen?

Abbildung 2: Im englischen Mozilla Mail heißt der Menüpunkt für den Datenimport anders als in der im Text beschriebenen deutschen Version.

Wer auf ein neues Programm umsteigt, hat dieses in der Regel bereits näher getestet, so dass das individuelle Mozilla-Benutzerkonto, das der Konfigurationsassistent beim ersten Start anlegt, bereits vorhanden sein dürfte. Damit ist der Weg frei für den Importassistenten.

Diesen rufen Sie über den Menüpunkt ExtrasImportieren ... (bei manchen Versionen auch ToolsImportieren) auf (Abbildung 2). Da Adressdaten übernommen werden sollen, wählen Sie den Punkt Adressbücher aus. Das nächste Fenster fragt die Art der zu importierenden Daten ab; ältere Mozillas kennen hier ohnehin nur einen Typ, Textdatei (LDIF, .tab, .csv, .txt). Der reicht für unsere Zwecke aus, da die KAddressbook-Daten im CSV-Format vorliegen.

Anschließend wählt man die exportierte Datei, im Beispiel addressbook.csv, im Dateiauswahldialog an. Ist sie nicht zu sehen, schalten Sie den Dateityp auf Mit Komma getrennt (*.csv) um. Nun klickt man auf den Öffnen-Button – und hier geht die Arbeit erst los.

Die in der Datei gefundenen Daten müssen nämlich zunächst in die von Mozilla gewünschte Form gebracht werden. Der in Abbildung 3 gezeigte Dialog (je nach Version unterscheidet sich seine Beschriftung etwas) weist den in der Datei enthaltenen Informationen (rechts) je ein Feld im Ordnungssystem von Mozilla Mail (links) zu. Mit den Knöpfen Nach oben bzw. Nach unten verschiebt man das Ordnungskriterium an die Stelle, an der der passende Eintrag steht, bis das Ergebnis etwa wie in Abbildung 3 aussieht.

Abbildung 3: Mozilla überlässt die Zuordnung der Datensätze dem User.

Bietet Mozilla kein passendes Äquivalent, lässt man den Eintrag neben einer unbenutzten Mozilla-Kategorie stehen und sorgt dafür, dass die passende Tickbox am linken Rand nicht angekreuzt ist. So kennt Mozillas Ordnungsschema keinen Titel für Personen, weshalb zum Beispiel Titel-Abk. (vorn) unter den Tisch fällt. Ist der beste Kompromiss gefunden, startet OK den eigentlichen Import, der hoffentlich mit der guten Nachricht Address successfully imported from textfile... endet. Traten Fehler auf, versucht man es am besten noch ein weiteres Mal. Ein Klick auf Finish bzw. Fertig stellen beendet den Importvorgang.

Abbildung 4: Ein Blick auf die importierten KDE-Adressdaten zeigt, ob die Zuordnung der Felder gestimmt hat.

Unter FensterAdressbuch lässt sich das Ergebnis begutachten (Abbildung 4). Da das KDE-Adressbuch beim Export eine erste Zeile mit Spaltennamen für die Kontaktdaten schreibt, war zwar die Zuordnung (Abbildung 3) recht einfach, dummerweise aber interpretiert Mozilla diese Zeile als eigenen Datensatz. Die dabei entstandene "Karte" entfernt man einfach mit dem Löschen-Knopf.

Evolution einer Adresse

Auch wer sich für Evolution [3,7] als PIM entscheidet, kann seine Kontakte aus KDE mitnehmen, allerdings nur aus aktuellen Versionen der Desktop-Umgebung. Evolution weiß mit CSV-Listen nämlich nichts anzufangen, und älteren KAddressbook-Ausgaben fehlt die Möglichkeit, virtuelle Visitenkarten, kurz vCards, zu exportieren.

Auch bei aktuellen KDE-Ausgaben heißt es jedoch: Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Über DateiExportierenvCard 3.0 exportieren... legt das Adressbuch nämlich immer nur eine .vcf-Datei ab – die für den markierten Adressbucheintrag. In Evolution führt nun ein Assistent unter DateiImportieren... durch den ebenso mühsamen Reimport-Vorgang: Wählen Sie in Schritt 1 Importeurtyp den Punkt Eine einzelne Datei importieren.

Mit dem Vor-Knopf gelangt man zum zweiten Schritt, Eine Datei wählen, und das ist wörtlich gemeint: Hinter Dateiname darf tatsächlich nur ein einzelnes vCard-File stehen. Immerhin erkannte Evolution 1.4.4 aus KAddressbuch 3.1 importierte Visitenkarten auch bei der Dateityp-Einstellung Automatisch beinahe von selbst.

Abbildung 5: Das Importieren von KDE-Adressdaten in Evolution ist ein mühsames Unterfangen – dem Importassistenten folgt noch die Frage nach dem Wohin.

Der Klick auf Importieren beendet zwar den Assistenten, am Ziel sind Sie trotzdem noch nicht: Evolution möchte mit einem Dialog wie in Abbildung 5 wissen, wo es die vCard-Daten ablegen soll. Der vorausgewählte Ordner Kontakte passt in der Regel, aber mit Neu lassen sich auch weitere Kontaktordner und -unterordner erstellen, die als Ziel dienen können – alles eine Frage der persönlichen Organisation.

Damit nicht genug – wer zuvor faul war und im Assistenten als Dateityp Automatisch statt VCard angab, muss zur Strafe nachsitzen und die Frage beantworten, ob es sich um Termine im iCalendar-Format oder eine VCard handelt. Alles in allem eine Prozedur, die eher einer Strafarbeit für Wechselwillige gleicht.

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LinuxUser 06/2012

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