Zum Planen

Was die Anleihen bei Microsoft Office betrifft, ist bei Textverarbeitung und Tabellenkalkulation trotz des Fehlens einer MS-Access-ähnlichen Software noch nicht vollkommen Schluss: Das Pedant zur Microsoftschen Kommunikationszentrale Outlook gibt Evolution [7] (Abbildung 4), das E-Mail-Programm, Kalender, Kontakt- und Aufgabenverwaltung in sich vereint. Über das offene vCard-Format lassen sich Adressdaten mit anderen Nutzerinnen austauschen; mit Funktionalität zum Einberufen von Verabredungen und zur Verteilung von Aufgaben in Gruppen erleichtert die Software die Teamarbeit [16].

Abbildung 4: Termine, Kontakte und E-Mails verwaltet Evolution.

Das Gegenstück zu MS Project heißt bei Gnome Office MrProject [8,18]. Bei der Verwaltung von kleinen und mittleren Projekten, bei denen die Zahl der Beteiligten und Aufgaben nicht allzu hoch ist, leistet es bereits gute Dienste.

Dazu gibt man die Aufgaben, die zur Fertigstellung eines Projekts erforderlich sind, in eine Liste ein, weist ihnen Arbeitsgruppen oder Einzelpersonen, Startzeit und voraussichtliche Dauer zu und verknüpft die einzelnen Teilprojekte untereinander. Mit Gantt-Diagrammen behält man stets den Überblick über den Stand der Dinge (Abbildung 5) und kann so präventiv eingreifen, wenn Terminüberschreitungen drohen.

Wem diese Funktionalität nicht ausreicht, hat Grund zur Hoffnung: MrProject wird unter dem neuen, aus Trademark-Sicht weniger heiklen Namen Planner [9] aktiv weiter entwickelt, so dass der Funktionsumfang in naher Zukunft stetig steigen dürfte. Dass sich diese von Anfang November 2003 stammende Namensänderung zu Druckunterlagenschluss noch nicht auf den Gnome-Office-Seiten [1] dokumentiert fand, spricht zumindest nicht besonders für die Integrationskraft des Meta-Projekts.

Abbildung 5: MrProject hilft dabei, den Überblick über Projekte zu behalten.

Für Bilder

Die Vereinnahmung von OpenOffice Impress als Präsentationsprogramm mag Fragen aufwerfen; doch was die Möglichkeiten zur grafischen Gestaltung betrifft, zieht Gnome Office alle Register: Da wäre das bekannte Programm Gimp [10] (Abbildung 6), das Grafiken im Rasterformat bearbeitet. Es beherrscht eine Vielzahl von Grafikformaten und erlaubt es, Bilder in allen nur erdenklichen Arten zu manipulieren. Damit eignet sich Gimp zum Bearbeiten von Webgrafiken ebenso gut wie zur Fotoretusche.

Abbildung 6: Gimp kümmert sich um Pixelgrafiken.

Was aus patentrechtlichen Gründen bis vor kurzem noch fehlte, war die Farbseparation nach dem CMYK-Standard. Aber auch hier gibt es Hoffnung: Die aktuelle Entwicklerversion [21] enthält eine erste Version dieser Funktionalität, so dass der Verbreitung von Gimp im professionellen Bereich bald nichts Ernsthaftes mehr im Wege steht. Die neue Version 2.0 räumt zudem ein weiteres Verbreitungshindernis aus: Die Entwickler haben kräftig an der Oberfläche und der Benutzbarkeit des Programms gefeilt.

Zum Bearbeiten von Vektorgrafiken ist Sodipodi [11] mit von der Partie, dessen Oberfläche an Gimp erinnert: Es gibt eine große Werkzeugpalette und zahlreiche Fenster zum Einstellen von Werkzeugen und Objekteigenschaften (Abbildung 7). Als Datenformat verwendet der Spezialist für Zeichnungen eine SVG-Untermenge.

Abbildung 7: Sodipodi bearbeitet Zeichnungen im SVG-Format.

Das Programm hat mittlerweile die Version 0.33 erreicht und lässt sich für Illustrationen und Arbeiten wie Einladungs- oder Speisekarten schon sehr gut benutzen. Alle wichtigen Werkzeuge zum Erzeugen von Primitiven sind vorhanden, und da Sodipodi Transparenz für Objektfüllungen unterstützt, lassen sich interessante Effekte erzielen.

Für genaues Arbeiten eignet sich Sodipodi allerdings noch nicht. Zwar gibt es Raster und Rasterfang, nur funktioniert letzterer noch nicht richtig, und die Positionsangaben für den Cursor in der Statuszeile stimmen nicht.

Auch mit der Stabilität steht es nicht zum Besten: Immer wieder stürzt Sodipodi bei der Arbeit ab. Immerhin gelingt dem Programm dabei meistens noch eine Notspeicherung.

Zudem erschwert die deutsche Übersetzung manchmal die Arbeit: Den Bezeichnungen von Dialogen und Schaltflächen fehlt bislang eine vereinheitlichende Hand, und die deutschen Bezeichnungen beschwören häufig Missverständnisse herauf. So findet sich der Dialog zum Einstellen von Raster und Hilfslinien im Kontextmenü unter DialogeBearbeitungsfenster; als Überschrift trägt er den Text Desktop-Einstellungen.

Abbildung 8: Zu viele Fenster versperren bei Sodipodi schnell den Blick auf die Grafik.

Dass Grafik-Profis derzeit noch einen Bogen um Sodipodi machen dürften, liegt aber auch daran, dass das Programm außer dem eigenen keine weiteren Formate unterstützt – vom weit verbreiteten Adobe-Illustrator-Format ganz zu schweigen.

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