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Büro-Ausstattung

Gnome-Programme fürs Office

01.03.2004 Gnome-User müssen nicht auf die Desktop-fremden Bürokomplettpakete OpenOffice oder KOffice zurückgreifen, wenn sie Briefe schreiben oder Abrechnungen erstellen wollen: Mit Gnome Office existiert eine Sammlung von Office-Programmen, die besonders an den Gnome-Desktop angepasst sein wollen.

Die gute Nachricht für alle Gnome-nutzenden Büroarbeiter: Auch für sie gibt es speziell auf diese Desktop-Umgebung zugeschnittene Office-Programme. Doch wer nach einer integrierten Office-Suite sucht, muss zunächst einmal eine Enttäuschung verkraften: Im Gegensatz zu KOffice und OpenOffice stammt die Software, aus der die Programmsammlung Gnome Office besteht, nicht aus der Hand eines Projektteams oder zumindest mehrerer, eng zusammenarbeitender Gruppen, sondern von verschiedenen, ohne weiter gehende Absprachen agierenden Entwicklungsteams. Das führt nicht nur zu dem verzeihlichen Manko, dass die Einzelprogramme sehr unterschiedlich weit gediehen sind, sondern hat auch zur Folge, dass ihre Bedienung nicht einheitlich ausfällt.

Alle für einen

Als gemeinsame Basis dient die GTK-Bibliothek, die für ein einheitliches Aussehen der Oberfläche sorgt. Aber bereits bei der Integration der Einzelprogramme in Gnome machen sich große Unterschiede bemerkbar. Am weitesten fortgeschritten ist sicherlich Gnumeric, die Tabellenkalkulation. Die Textverarbeitung Abiword [14] schlägt sich tapfer, lässt sich vom Funktionsumfang aber bei weitem noch nicht mit OpenOffice Writer vergleichen; die anderen Programme halten sich wacker, einzig das Zeichenprogramm Sodipodi fällt durch seine hohe Absturzneigung etwas ab.

Zu "den anderen Programmen" zählt die Übersichtsseite zu Gnome Office [1] sage und schreibe 15 Programme, darunter so unspektakuläre Tools wie das Fax-Programm Gfax und den Bildbetrachter Eye of Gnome [15]. Für einige Einsatzzwecke, etwa den Bereich Vektorgrafik, nennt die Gnome-Office-Homepage gleich zwei Programme – auch dies ein Beleg dafür, dass sich das "Meta-Projekt" gar nicht so sehr als Konkurrenz zu integrierten Office-Paketen sieht, sondern eher nach dem Motto "Die Nutzer sollen entscheiden, welches Tool sie für welche Aufgabe verwenden wollen" arbeitet.

Berührungsängste gibt es dabei keine: So reklamiert Gnome Office nicht nur das GTK-basierte Vektorgrafikprogramm Sodipodi für sich, sondern auch Sketch, das mit seiner XForms-Oberfläche nicht recht in ein Büropaket für Gnome passen mag, und selbst das Präsentationsprogramm Impress aus dem OpenOffice-Fundus wird munter vereinnahmt, obwohl es nicht besonders gut in den Gnome-Desktop integriert ist.

Auch für den Bereich Personal Information Management (PIM) [16] fühlt sich Gnome Office – durchaus berechtigt – zuständig. So steht für die Verwaltung von Kontakten und E-Mails Evolution bereit. Wer nur ein einfaches E-Mail Programm braucht, findet in Balsa [17] eine Alternative. Zur Verwaltung kleiner Projekte ist MrProject [18] dabei, mit Galeon steht ein kompakter Web-Browser bereit. Alle Programme werden aktiv weiterentwickelt, neue Versionen erscheinen teilweise in kurzen Abständen.

Wir konzentrieren uns in diesem Artikel auf das, was man gemeinhin als Standardausrüstung eines Office-Pakets betrachtet, wobei wir den Brot-und-Butter-Anwendungen Textverarbeitung und Tabellenkalkulation größeren Raum einräumen.

Leider gibt es keine zentrale Stelle, an der Binärpakete oder Quelltexte im Netz zu finden sind, so dass sich die Anwenderin erst alle Programme von verschiedenen Servern zusammenklauben muss. Ein erster Anlaufpunkt ist [1], dort finden Sie Links zu den einzelnen Projektseiten.

Zum Texten

Wie wenig konzertiert die Arbeit an den Einzelkomponenten verläuft, zeigt sich am Beispiel der Textverarbeitung Abiword: Die gibt es nicht nur in einer Version für Linux, sondern auch für die Betriebssysteme QNX, Windows und MacOS X, was den Austausch von Dokumenten über Systemgrenzen hinweg ermöglicht. Auf ein (auch nur annähernd) komplettes Gnome Office müssen Nicht-Linux-User allerdings verzichten.

Den Programmquelltext der aktuellen Abiword-Version 2.0.3 und Binaries für einige Distributionen finden Sie unter [2] und auf der Heft-CD. Zum eigenhändigen Übersetzen des Quelltexts benötigen Sie zusätzlich die Bibliothek fribidi [3].

Dass sich Abiword speziell an Umsteiger von MS Word richtet, wird an der Menüstruktur und den Dialogen der Textverarbeitung deutlich: Sie sehen dem Vorbild aus der Windows-Welt nur allzu ähnlich. So findet sich zum Beispiel der Dialog für die Formatierung einer Seite wie bei MS Word im Datei-Menü.

Anders als das Microsoft-Programm (und auch anders als Open- oder KOffice) startet Abiword selbst auf älterer Hardware noch ausreichend schnell. Anschließend präsentiert es sich als übersichtliche Textverarbeitung (Abbildung 1), deren wichtigste Funktionen sich dort finden, wo sie der Anwender erwartet.

Abbildung 1: Grundsolide und kompakt, aber auf Basisfunktionalität beschränkt – die Textverarbeitung Abiword.

Geschwindigkeit hat ihren Preis: Abiword bietet lediglich die Grundfunktionalität moderner Textverarbeitungen. Mittlerweile zählen dazu immerhin Tabellen, die sich nahezu beliebig formatieren lassen. Leider verhindert ein Fehler in der aktuellen Version 2.0 die Navigation per [Tab]-Taste von Tabellenzelle zu Tabellenzelle, so dass man jedesmal die Maus zur Hand nehmen muss, um von einer Zelle in die andere zu gelangen.

Dank Fuß- und Endnotenverwaltung taugt das Programm inzwischen für kleinere Werke wie Schulreferate. Für ernsthafte wissenschaftliche Arbeiten fehlen allerdings noch so wichtige Funktionen wie automatische Inhaltsverzeichnisse und Indices. Die Entwickler arbeiten zur Zeit mit Hochdruck an der Beseitigung dieses Mankos.

Neu in Version 2.0 ist die Serienbrieffunktionalität, deren Anwendung sich allerdings ein wenig umständlich gestaltet. Zunächst benötigt man eine einfache Textdatei mit den Adressdaten. Deren erste Zeile enthält, durch Tabulatoren oder Kommata getrennt, die Feldnamen. In den folgenden Zeilen finden sich dann, ebenfalls durch Tabulatoren oder Kommata abgegrenzt, die Datensätze. Damit Abiword diese Datei als Quelle für die Serienbriefe nutzt, muss es mit dem Parameter -m und dem Dateinamen auf der Kommandozeile gestartet werden:

Abiword-2.0 -m adressen.txt

Jetzt erstellt man das Dokument wie gewohnt und fügt an den gewünschten Stellen über den Menübefehl EinfügenSerienbrieffeld die Datenfelder aus der Datenbank ein (Abbildung 2). Sobald das Dokument fertig ist, schließt man die Textverarbeitung und ruft das Programm erneut aus einem Terminalfenster auf, diesmal mit dem Parameter -p und dem Namen der Datei, in die Abiword die Serienbriefe drucken soll:

Abiword-2.0 -m adressen.txt
 -p ausgabe.ps
 brief.abw

Abiword erzeugt jetzt für jeden Datensatz in der Adressdatei eine durchnummerierte Postscript-Datei im aktuellen Verzeichnis, die man anschließend an den Drucker weiter leitet. Derart umständlich soll die Serienbrieffunktionalität jedoch nicht bleiben: Die Integration in die Programmoberfläche befindet sich in Arbeit.

Abbildung 2: Serienbriefe erzeugt Abiword etwas umständlich.

Über die ersten zarten Ansätze einer Gruppenarbeit mit Abiword berichteten wir bereits im letzten Heft [19]. Damit der Datenaustausch mit anderen Programmen gelingt, liest und schreibt das Programm Dokumente in einer Reihe von Formaten, über die Tabelle 1 informiert. Die Filterergebnisse können sich sehen lassen; so liest das Programm auch aufwändig formatierte RTF- und MS-Word-Dateien fehlerfrei und bekommt das Layout gut auf den Bildschirm. Von den in Version 1.x noch zahlreich vorhandenen Importfiltern sind allerdings nur einige wenige übrig geblieben, denn zwischenzeitlich hat sich das Abiword-Dateiformat geändert.

Tabelle 1: Von Abiword unterstützte Dateiformate

Format Import Export
MS Word x x
RTF x x
XHTML x x
Multipart-HTML-E-Mails - x
Text x x
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LinuxUser 06/2012

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