Ob es um den abendlichen Kneipenbesuch oder die nächste Urlaubsreise geht – all das plant mancher Zeitgenosse online per Instant Messaging (IM). Genauso besprechen sich Arbeitskollegen über diese Chat-Systeme, auch wenn die Büros viele Kilometer voneinander entfernt sind. Da außer Online-Kosten keine weiteren Nutzungsgebühren anfallen, ist das Ganze auch noch preisgünstig.
Anders als beim offenen Internet-Standard IRC (Internet Relay Chat) handelt es sich bei Instant Messaging ursprünglich um die Erfindung von Großkonzernen der Internet-Wirtschaft. Deshalb gibt es IM-Protokolle wie Sand am Meer und die entsprechenden kommerziellen Clients mit eingebauter Werbung. Im Extremfall muss man für jeden Chat-Partner eine eigene Software installieren.
Doch zum Glück gibt es mittlerweile eine Reihe von Open-Source-Programmen, die dieses Dilemma beheben [1], darunter das textbasierte Centericq. Anders als der Name vermuten lässt, kennt es nicht nur das ICQ-Protokoll, sondern unterstützt auch Yahoo, AIM (AOL IM), Jabber, IRC und LiveJournal.
Die Unterstützung für den MSN-IM-Dienst mussten die Autoren um den Initiator Konstantin Klyagin entfernen, denn Microsoft lässt in seinem Netz keine fremden Chat-Clients mehr zu. So etwas kann grundsätzlich mit allen IM-Diensten passieren, deren Protokoll nicht einer freien Lizenz unterliegt. Die einzige völlig freie Plattform ist Jabber http://www.jabber.org/, das zusätzlich den Vorteil SSL-verschlüsselter Verbindungen bietet.
out of the box
Es gibt tausende Tools und Utilities für Linux. "out of the box" pickt sich die Rosinen raus und stellt pro Monat ein Progrämmchen vor, das wir für schlichtweg unentbehrlich oder aber zu Unrecht wenig beachtet halten.
Installation
Benutzer eines aktuellen Red Hat Linux beziehungsweise des Nachfolgers Fedora Core finden auf der Heft-CD ein fertiges Binärpaket, das sie mit
rpm -ivh centericq-4.9.9-1.i386.rpm
als root auf der Kommandozeile installieren. Auch Debian-Stable-Benutzer müssen sich sich keine Mühe machen. Ein einfaches
echo "deb http://debian.speedblue.org/stable ./" >> /etc/apt/sources.list apt-get update apt-get install centericq
holt das neueste Paket aus dem Internet und installiert es anschließend. Liefert Ihr Distributor keine passenden Pakete mit, gibt es natürlich immer noch die Möglichkeit, das Programm nach Hausmacherart zu übersetzen und zu installieren. Aktuelle Pakete finden Sie unter [2] und [3]. Einige wenige Befehle genügen zur Übersetzung des Quellcodes:
tar xjf centericq-4.9.9.tar.bz2 cd centericq-4.9.9 ./configure make su make install
Rede mit mir
Nach gelungener Installation starten Sie das Programm, indem Sie auf der Kommandozeile centericq eingeben. Sollte es dabei zu Zeilensprüngen und fehlerhafter Grafikausgabe kommen, bietet sich der Parameter -a an, der die ASCII-Ausgabe des Programmes aktiviert. Beim Starten in einem X-Term (xterm unter X11) kann es vorkommen, dass der Text sehr schlecht lesbar ist. Das lässt sich mit der Option Enable Reverse Video beheben, die Sie durch einen Klick in das Terminal mit der mittleren Maustaste bei gedrückter [Strg]-Taste erreichen.
Beim ersten Start verlangt Centericq die Eingabe einiger Optionen, bei denen Sie aber die Vorgaben übernehmen können (Abbildung 1). Ein Druck auf [Pfeil Rechts] und die Bestätigung mit der Eingabetaste führen zur Verwaltung der IM-Accounts. Jeder Dienst benötigt einen Benutzernamen und ein Passwort. Haben Sie bereits Zugangsdaten, geben Sie diese einfach hier ein.
Fehlt Ihnen noch ein IM-Account, ist das kein Beinbruch. Für alle Chat-Protokolle außer AIM und Yahoo registriert Centericq Sie als neuen User. Dafür gehen Sie einfach im jeweiligen Unterpunkt auf den Eintrag Register. Das Programm fragt nun Daten wie E-Mail-Adresse oder Namen ab und bietet nach erfolgreicher Registrierung den neuen Account an. Für AOL und Yahoo registrieren Sie sich mit einem offiziellen Client und übernehmen die Daten dann in Centericq.
Nach Auswahl von Done mit der [Pfeil Rechts]-Taste und Bestätigung startet nun das eigentliche Interface. Kommt gar keine Verbindung zustande, hilft es oft, die installierte Firewall zu überprüfen und das entsprechende Protokoll freizugeben. Informationen hierzu finden Sie unter [4]. Gegen Fehleingaben ist Centericq nicht besonders gut geschützt. In den meisten Fällen gibt es keine Fehlermeldung aus, sondern akzeptiert auch eine leere Eingabe, ohne zu klagen. Die betroffene Funktion versagt dann natürlich ihren Dienst.



