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Telefonitis

Voice-over-IP und Videokonferenzen mit GnomeMeeting

01.02.2004 Telefonieren über's Internet und Videokonferenzen waren in komfortabler Form lange Windows- oder Mac-Nutzern vorbehalten. Mit GnomeMeeting steht mittlerweile auch Linux-Nutzern ein mächtiges Programm mit einer intuitiven Oberfläche zur Verfügung.

Telefon- und Videokonferenzen sind für viele mittlerweile ein alltägliches Werkzeug, um mit Freunden, Verwandten oder Kollegen zu kommunizieren. GnomeMeeting läuft unter den Desktop-Umgebungen GNOME und KDE genauso problemlos wie unter exotischen Window-Managern. Die Zusammenarbeit mit anderen Clients ermöglicht auch plattformübergreifende Kommunikation.

Keine Zauberei

Abbildung 1: GnomeMeeting in Aktion

Für GnomeMeeting benötigen Sie eine Soundkarte, die Full-Duplex, also die gleichzeitige Aufnahme und Wiedergabe, beherrscht. Moderne Soundkarten, auch die auf Motherboards bereits vorhandenen, unterstützen dies auf Hardware-Ebene problemlos. Die Treiber der Advanced Linux Sound Architecture (ALSA) [3] – mittlerweile der Standard in vielen Distributionen und ab Kernel-Version 2.6 auch die offizielle Wahl der Linux-Kernel-Entwickler – unterstützen diese Funktion problemlos. Die OSS-Treiber, die in Kernel 2.4 noch Verwendung finden, bieten diese Möglichkeit jedoch nur für die SoundBlaster-Live!-Karte.

Für die Übertragung von Video brauchen Sie zudem eine Webcam oder ein beliebiges anderes Gerät, das Video4Linux (v4l) [7] unterstützt – beispielsweise eine TV-Karte mit angeschlossener Videokamera. Weiterhin empfehlen wir für die Tonausgabe einen Kopfhörer, um Echos mit dem verwendeten Mikrophon zu vermeiden. Besonders geeignet sind USB-Headsets, da es damit keinen Qualitätsverlust wie bei analogen Steckverbindungen gibt.

Bei sorgfältiger Wahl der richtigen Audio- und Video-Codecs kommt es bei Ihrer Internet-Verbindung nicht unbedingt auf die Geschwindigkeit Ihres Internet-Anschlusses an, sondern vielmehr auf eine möglichst verzögerungsfreie Verbindung, um einen konstanten Datenfluss zu gewährleisten. Bereits mit einem 56k-Modem oder ISDN-Anschluss erzielen Sie passable Ergebnisse, wenn auch mit Einschränkungen im Videobereich. Es bleibt dann allerdings nicht mehr viel Bandbreite, um parallel zu surfen oder größere Downloads zu erledigen. Wenn Sie sich auf Audioübertragung beschränken, kommen Sie mit einem sparsamen Codec sogar mit 8 Kilobit/Sekunde (kbps) – also einem Achtel der ISDN-Bandbreite – je Audio-Stream aus; bei üblicherweise einem ein- und einem ausgehenden Stream.

GnomeMeeting baut zwar auf einige GNOME-Bibliotheken [1] auf, benötigt aber keine vollständige GNOME-Installation. Falls Ihre Distribution das noch nicht erledigt hat, installieren Sie die GNOME-Basisbibliotheken (gnome-libs), die OpenH323-Bibliothek [5] (Suse, Red Hat: openh323, Mandrake, Debian: libopenh323) für das H.323-Protokoll und die Portable Windows Library (Suse, Red Hat: pwlib, Mandrake: libpwlib, Debian: libpt). Diese Pakete finden Sie neben der aktuellen GnomeMeeting-Version auf der Heft-CD oder unter [2].

Einrichtung

Voraussetzung, um sofort lostelefonieren zu können, ist zudem eine direkt übers Internet erreichbare IP-Adresse. In einem internen Netz, das sich über einen NAT-Router eine öffentliche Adresse teilt, ist dies leider nicht der Fall. Der Router müsste dazu intern H.323 unterstützen, was handelsübliche Hardware-Router und selbst das h323-Modul des Linux-Kernels nicht vollständig leisten. Sie umgehen dieses Problem, indem Sie gemäß der Anleitung Ihres Routers Port-Forwarding für H.323 konfigurieren: Umzuleiten sind für GnomeMeeting die UDP-Ports 5000 bis 5003 und bei Verwendung eines Gatekeepers (siehe unten) 5010 bis 5013 sowie die TCP-Ports 1720 und 30000 bis 30010. Zudem schalten Sie NAT für H.323 ab, damit sich die Port-Forwarding- und die NAT-Regeln nicht gegenseitig in die Quere kommen.

Nachdem Sie diese Umleitungen eingerichtet haben, aktivieren Sie in den GnomeMeeting-Einstellungen die NAT IP-Adressübersetzung.

Wenn der Angerufene Bild und Ton empfängt, aber der Anrufende nur einen oder gar keinen der beiden Streams bekommt, liegt meistens ein Problem mit Firewall- oder Router-Einstellungen vor. Beachten Sie, dass die beschriebene Umleitung im Allgemeinen nicht für andere H.323-Clients funktioniert, da diese andere Ports verwenden.

Der erste Programmstart öffnet den Konfigurationsdruiden. Das ist ein grafisches Hilfsprogramm, das Ihnen eine einfache und schnelle Grundkonfiguration erlaubt (Abbildung 2).

Abbildung 2: Begrüßung durch den Konfigurations-Druiden

In den einzelnen Fenstern tragen Sie nach Bedarf persönliche Informationen für einen Verzeichnis-Server, den wir später vorstellen, sowie Angaben über Ihren Internet-Anschluss, Ihre Audio-, Video- und Telefonie-Hardware ein (Abbildung 3). In der Regel verwenden Sie die vom Druiden vorgeschlagenen Werte und prüfen mit den Tests, ob Ihre Hardware funktioniert. Um die Einstellungen später zu ändern, rufen Sie das Konfigurationsprogramm mit dem Menüpunkt Bearbeiten / Konfigurations-Druide auf.

Abbildung 3: Der Druide sorgt für die richtigen Einstellungenc

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LinuxUser 06/2012

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