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Durchorganisiert

PIM-Applikationen Aethera, Evolution und Kontact im Vergleich

01.02.2004 Drei Alleskönner zur Organisation von Mails, Terminen und Adressen stehen auf dem Prüfstand: Halten Aethera, Evolution und Kontact das, was sie versprechen?

Keine Frage – Personal Information Manager sind gefragt: Dabei handelt es sich jedoch nicht um ein Berufsbild, sondern um Software, die persönliche Daten der Kategorien E-Mail, Termine und Adressen unter einem Dach verwaltet. Statt der linuxtypischen Maxime "Für jede Aufgabe ein Programm" zu folgen, soll die Kombination aus Mailclient, Kalendarium und Adressbuch (und manchmal auch anderen Kleinigkeiten) effizienteres Arbeiten ermöglichen. Während unter Windows die Auswahl an solcher PIM-Software nicht sehr groß ist, kämpfen auf dem Linux-Desktop Aethera [1], Ximian Evolution [2] und Kontact [3] um die Gunst der User.

Woher nehmen?

Ob eine solche integrierte Software wirklich effizienter ist als die Summe dreier spezialisierter Einzelprogramme, lässt sich natürlich erst im installierten Zustand feststellen: Das unter der GPL stehende Aethera 1.0 von theKompany.com stellte uns dabei vor keine großen Probleme. Vorausgesetzt, Sie haben die Qt-Library in der Version 3.2.x schon installiert (was wahrscheinlich ist, wenn Sie eine aktuelle KDE-Version nutzen), so genügt es, die Dateien thekompany-support*.rpm und aethera-version.rpm von [4] herunterzuladen und mittels rpm als User root zu installieren:

rpm -Fvh thekompany-support-noxft-1.2-030828.rpm
rpm -Fvh aethera-1.0-030811.i386.rpm

Anschließend können Sie das Programm mit dem Befehl aethera & auch schon starten. Für den Test stellten uns die Entwickler allerdings eine separate Entwicklungsversion in einem einzigen RPM-Paket zur Verfügung, die zu Druckunterlagenschluss noch nicht öffentlich zugänglich war.

Ximian Evolution geht einen anderen Weg und ist auch etwas wählerischer, was die Linux-Distributionen betrifft, mit denen es zusammenarbeitet. Gehen Sie daher vor den weiteren Schritten sicher, dass Ihre Distribution unterstützt wird. Ob dies der Fall ist, erfahren Sie unter [5].

Wenn sie nicht dabei ist, brauchen Sie nicht sofort verzagen, denn vielleicht hat Ihre Distribution die Software schon an Bord. So bringt z. B. SuSE 9.0 eine (wenn auch unwesentlich ältere) Evolution-Ausgabe mit. Bei einer unterstützten Distribution gehen Sie wie folgt vor: Als User root geben Sie bei stehender Internet-Verbindung auf einer Kommandozeile

wget -q -O - http://go.ximian.com | sh

ein. Der wget-Befehl lädt allerdings nicht Evolution selbst herunter, sondern ein Installationsprogramm im Windows-Stil, das die hinten angehängte Shell sh startet. Wählen Sie bei Installation Method (Abbildung 1) den Punkt Ximian Mirror Site; danach können Sie noch einen Proxy-Server festlegen, falls Sie einen solchen verwenden müssen. Schließlich entscheiden Sie noch, ob Sie sich bei Ximian registrieren wollen. Bevor Sie dann auf Forward klicken, sorgen Sie besser dafür, dass eine Internet- Verbindung aktiv ist, denn dann können Sie eine Mirror-Site auswählen, und Evolution wird, wenn Sie den weiteren Anweisungen folgen, heruntergeladen und installiert.

Abbildung 1: Der Ximian-Installer in Aktion

Starten lässt sich das Programm mit dem Befehl evolution & oder – im Falle entsprechender Vorleistungen des Distributors – über die Menüs des Windowmanagers oder der Desktop-Umgebung.

Der integrierte KDE-PIM Kontact ist ab KDE 3.2 standardmäßig dabei. Die Version, die Sie auf der Kontact-Homepage [6] finden, benötigt zwar nur KDE 3.1, allerdings müssen Sie diese nicht nur selber kompilieren, ihr fehlen auch einige Features der ersten offiziellen Ausgabe, auf die sich dieser Artikel bezieht. Zum Starten der Software nutzen Sie am besten den KDE-Menü-Eintrag unterhalb von Büroprogramme / Weitere Programme.

Nach dem Aufruf lachen alle drei Testobjekte dem Anwender mit einer Übersicht entgegen, die die Anzahl der eingegangenen Mails und der aktuellen Termine anzeigen. Daneben finden sich oft noch so nützliche Informationen wie das Wetter oder ähnliches. Ganz nett, aber unterziehen wir doch die drei Hauptteile der PIMs einer eingehenden Inspektion.

Mail mich an!

Da wäre als erstes der Mailclient: Kontact bedient sich einer getunten Version des bekannten KMail (Abbildung 3), die beiden anderen haben Eigenentwicklungen am Start.

Abbildung 2: Das Evolution-Mail-Modul

Alle drei können vorhandene Mails aus anderen Mail-Programmen importieren. Kontact bringt dafür KMailCVT mit, das Mails aus Outlook Express (Versionen 4 bis 6), reinem Text, Pegasus Mail und aus den gängigen Unix-Formaten konvertieren kann. Evolution beschränkt sich auf Unix-Formate und Outlook Express.

Aethera zeigt hier schon leichte Schwächen, indem es verschweigt, was es importieren kann, wenn man File / Import anwählt. Die angebotene Auswahlmöglichkeit all files ("alle Dateien") scheint etwas vermessen, und weder auf der Homepage noch in der Dokumentation, die diesen Namen derzeit noch nicht verdient, finden sich entsprechende Hinweise.

Abbildung 3: Eine wichtige Mail in Kontact

Auch unterstützen alle Kandidaten das Filtern der ein- und ausgehenden Mails nach bestimmten Kriterien. So kopieren sie – entsprechende Konfigurationsvorleistungen vorausgesetzt – zum Beispiel die Nachrichten, die an Sie als Empfänger gehen, in einen bestimmten Folder und übergeben ihn einem Skript, das ihn bearbeiten oder einfach einen Sound abspielen soll. Bei Aethera erreichen Sie die Filter über Tools / Filter bzw. [Strg-T], Evolution kann's auf Deutsch sagen und verbirgt diese Funktion unter Werkzeuge / Filter bzw. Werkzeuge / Filter aus Nachricht erzeugen, wenn Sie sich etwas Tipperei ersparen wollen: Die letztgenannte Funktion übernimmt die Kopfdaten der aktuell angewählten Mail.

Ein besonderes Schmankerl bietet Evolution mit den virtuellen Foldern (vFolders genannt) an. Über das Menü Werkzeuge / Editor für virtuelle Folder geben Sie Suchregeln ein, die Mails aus den normalen Ordnern in einen vFolder einsortieren. Physikalisch befinden sie sich dabei immer noch im normalen Folder – ein sehr hilfreiches Feature für alle, die eine Nachricht in mehreren Zusammenhängen brauchen.

Beim Erstellen neuer Mails deklassieren Evolution und Kontact Aethera endeutig. Beide bieten umfangreiche Möglichkeiten zur Textformatierung wie z. B. verschiedene Schriftarten, automatische Einrückungen oder Emoticons. Diese gelten natürlich ausschließlich für HTML-Mails, die Sie nur verschicken sollten, wenn der Empfänger dies gern möchte. Außerdem unterstützen Evolution und Kontact die Verschlüsselung der Mails mit (Open)PGP.

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LinuxUser 03/2012

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