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Die Wikinger kommen

MoinMoin-Wiki

01.02.2004 Bei der gemeinsamen Arbeit an einem Projekt ist es sinnvoll, die Ideen und lose Fäden an einer zentralen Stelle zu sammeln. Wikis sind für so einen Zweck wie geschaffen.

Schon lange bevor Content-Management-Systeme zur Pflege von Web-Auftritten entstanden, lieferten Wikis eine Art "offenen Zugang" zu HTML-Seiten, die per Mausklick und eingebautem Editor von jedem verändert werden konnten.

Wiki ist die Kurzform von WikiWikiWeb – "wiki wiki" ist aus dem Hawaiianischen abgeleitet und bedeutet "schnell". Das offene Autorensystem arbeitet schnell. Die Wiki-Engine MoinMoin ist eine der bekanntesten Implementationen dieser Technik.

Per Mausklick erhält der Benutzer über einen eingebauten Editor Zugriff auf den Inhalt und die Form der zu verändernden Seite. Meistens befindet sich unten ein Link Editieren/Edit/Bearbeiten.

Im Gegensatz zu "echtem" HTML, in dem mit Tags formatiert wird, gibt es für Wikis eine spezielle Syntax, die mit nur wenigen und sehr einfachen Formatierungsbefehlen auskommt.

Durch ein Versionskontrollsystem für die Wiki-Web-Seiten ist sichergestellt, dass jederzeit alte Versionen zurückgespielt werden können, falls aus Versehen eine Seite gelöscht oder fehlerhaft hinterlassen wurde. Zusätzlich bieten einige Wikis die Möglichkeit, einzelne oder alle Seiten mit speziellen Zugriffsrechten zu versehen, damit sie nur noch registrierte User bearbeiten dürfen.

Die erste Wiki-Website wurde 1995 von Ward Cunningham veröffentlicht und ist immer noch online [1]. Cunningham schrieb damals in einer E-Mail, dass er eine neue Datenbank programmiert habe, "ein Netz aus Menschen, Projekten und Mustern, auf das man über ein CGI-Skript zugreifen kann" [2].

Damit öffnete er seine HTML-Seiten für jedermann – am Fuß jeder Seite ist eine Verknüpfung, die die Benutzer in den Editor bringt, wo sie die Seite erweitern oder verändern können. Dort wird allerdings nicht in HTML programmiert: Cunningham wollte es den Autoren leichter machen. Daher wählte er eine einfache Syntax.

Die Wiki-Engine speichert die eingegebenen Informationen gewöhnlich als ASCII-Text oder extern in relationalen Datenbanken, wie zum Beispiel MySQL, Oracle oder PostgreSQL. Aus diesen Daten erstellt die Software die nach außen hin sichtbaren HTML-Seiten.

Außer einem Besuch beim Original-Wiki lohnt sich ein Blick auf das momentan größte Wiki im Netz: Die Wikipedia [3] bietet neben unzähligen Artikeln und Seiten gleich Ausgaben in mehreren Sprachen, darunter auch eine deutsche Version. Sie ist ein Beispiel dafür, wie gut sich Informationen mit einem Wiki organisieren lassen.

Wer selbst ein Wiki betreiben möchte, hat die Qual der Wahl – über 100 verschiedene Wiki-Engines stehen zur Verfügung [4], von denen die meisten Open Source sind. Wir stellen MoinMoin vor und geben eine Einführung in die dort verwendete Syntax.

Alle Mann an Bord?

Bevor es an die Wiki-Installation geht, stellen Sie erst einmal sicher, dass einige andere Dienste auf Ihrem Rechner laufen. Dazu gehört beispielsweise Apache [5]. LinuxUser 06/2002 [6] bietet eine gute Einführung in die Installation und Konfiguration von Apache 2 – bei den meisten aktuellen Distributionen ist der Web-Server in der Version 1 und 2 als Paket dabei, und Sie müssen das Programm nicht mehr von Hand aus den Quellen übersetzen.

MoinMoin [7] ist ein Wiki, das auf der Skriptsprache Python [8] basiert. Prüfen Sie daher mit dem Kommando python -V, ob Python auf Ihrem Rechner installiert ist, und spielen Sie gegebenenfalls nachträglich die Python-Pakete von den Installations-CDs Ihrer Distribution ein.

MoinMoin, Matrosen!

Die MoinMoin-Sourcen finden Sie auf der Heft-CD (LinuxUser/wiki/) und auf der Projekt-Homepage zum Download. Entpacken Sie das Archiv mit dem Kommando tar xzvf moin-1.0.tar.gz, wechseln Sie ins neu entstandene Verzeichnis (cd moin-1.0) und werden Sie root. Python hilft dabei, die Software zu installieren. Der Aufruf lautet:

huhnix:/tmp/moin-1.0 # python setup.py install --record=install.log
running install
running build
running build_py
creating build
creating build/lib
creating build/lib/MoinMoin
[…]

Der Parameter --record=install.log sorgt dafür, dass eine Übersicht aller Schritte in der Datei install.log geschrieben wird. Finden Sie anschließend heraus, unter welcher User- und Gruppen-ID Ihr Apache läuft. Dazu lassen Sie sich aus der Apache-Konfigurationsdatei die entsprechenden Werte ausgeben. Unter SuSE Linux 8.2 tippen Sie dazu beispielsweise:

huhnix:/tmp/moin-1.0 # egrep "^User|^Group" /etc/httpd/httpd.conf
User wwwrun
Group nogroup

Auf Red-Hat-Linux-Systemen durchsuchen Sie stattdessen die Datei /etc/httpd/conf/httpd.conf, und bei Debian Linux ist es /etc/apache/httpd.conf.

Gehen Sie ins moin-Verzeichnis (cd /usr/share/moin/ oder cd /usr/local/share/moin/), um eine neue Wiki-Instanz anzulegen:

mkdir meinwiki
cp -r data meinwiki
cp cgi-bin/* meinwiki
chown -R wwwrun.nogroup meinwiki
chmod a+rx meinwiki/*.cgi

Auf Debian-Systemen ersetzen Sie im chown-Aufruf entsprechend die IDs durch www-data.www-data, unter Red Hat Linux durch apache.apache. In der Apache-Konfigurationsdatei (unter SuSE Linux ist das /etc/httpd/httpd.conf für Apache 1 und /etc/apache2/httpd.conf für Apache 2, bei Debian /etc/apache/httpd.conf, bei Red Hat Linux /etc/httpd/conf/httpd.conf) müssen noch zwei Einträge vorgenommen werden:

Alias /wiki/ "/usr/share/moin/htdocs/"
ScriptAlias /meinwiki "/usr/local/share/moin/meinwiki/moin.cgi"

Die erste Zeile brauchen Sie nur einmal in der Konfigurationsdatei; der zweite Eintrag ist für jede neue Wiki-Instanz auf dem Server notwendig – natürlich mit angepassten Namen und Pfad. Vermeiden Sie nach Möglichkeit, Ihr Wiki einfach nur wiki zu nennen – dies kann zu Namenskonflikten mit internen Bezeichnern der Software führen.

Zum Schluss starten Sie den Web-Server neu (/etc/init.d/apache2 restart für Apache 2, /etc/init.d/apache restart für Apache 1 und /etc/init.d/httpd restart unter Red Hat Linux). Öffnen Sie im Browser die URL http://localhost/meinwiki/, zeigt das Wiki die Startseite an (Abbildung 1). Lassen Sie sich von ein paar englischen Einträgen auf der Startseite nicht abschrecken; die meisten Dinge sind sehr gut in Deutsch dokumentiert.

Abbildung 1: Guten Morgen – MoinMoin nach dem ersten Start

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LinuxUser 06/2012

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