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Tagebuch oder Newsticker?

Linux-Tools für Weblogs und RSS

01.02.2004 Weblogs sprießen wie Pilze aus dem Boden, und immer mehr Websites bieten RSS-Feeds an. Grund genug, einige Linux-basierte Tools vorzustellen, die den Umgang damit vereinfachen.

Das WWW an sich mag nur ein Internet-Dienst unter vielen sein, doch ist es sicher derjenige mit dem größten Innovationspotential. Einerseits erschließt es mit Web-Chats und Streaming-Angeboten Anwendungsmöglichkeiten über die klassischen Text-mit Bild-Informationsquellen hinaus. Andererseits zeigen die Entwicklungen der letzten Zeit aber auch, dass in letzteren mehr Potential steckt als man auf den ersten Blick vermuten könnte.

Da bieten Wikis (siehe Seite 48 ff.) die Möglichkeit, in informeller Zusammenarbeit schnell und unbürokratisch Wissenssammlungen anzulegen. Mit dem Aufkommen der Weblogs (auch Blogs genannt) stieg die Zahl der Web-basierten Tagebücher (seien sie privater Natur oder als Arbeitsmittel gedacht, um Mitarbeiter eines Projekts auf dem Laufenden zu halten) ins Unermessliche. Nicht zuletzt erlauben es RSS-Newsfeeds, sich dynamisch ändernde Inhalte anderer Seiten unbürokratisch auf die eigene Web-Präsenz oder ins Intranet zu holen.

Ein schier unerschöpfliches Reservoir an Hilfsmitteln also, das die Arbeit virtueller oder ganz realer Teams erleichtert: Informationen lassen sich schnell und unbürokratisch vermitteln, Diskussionen anstoßen und veraltete Inhalte aktualisieren, ohne sich im Gestrüpp statischer HTML-Dateien zu verirren. So bieten Blogs eine einfache Möglicheit, Inhalte auf einer Website zu platzieren.

Es leben die Buzzwords!

Auf den ersten Blick wirken diese Online-Journale banal, aber die darunterliegenden Technologien sind einfach und dadurch universell einsetzbar. Die wichtigsten Schlagworte hierbei heißen RSS (Rich Site Syndication) und XML-RPC (XML-basierte Remote Procedure Calls). RSS ermöglicht den Datenaustausch zwischen verschiedenen Web-Seiten; XML-RPC stellt Schnittstellen zur Verfügung, über die man auf viele Weblogs zugreifen kann.

Das klingt zunächst sehr abstrakt, doch ein Beispiel sorgt rasch für Klarheit: Bindet man zum Beispiel einen sogenannten RSS-Feed von einer fremden Website in die eigene ein, zeigt die eigene Präsenz immer die aktuelle Artikel-Übersicht der anderen an. Viele Blogs machen das Zur-Verfügung-Stellen solcher RSS-Dateien wie auch das Einbinden besonders einfach. So unterstützen alle gängigen Weblog-Systeme entweder das Blogger-API oder das MetaWeblog-API, so dass man das eigene Blog mit geeigneten Tools auch ohne Webbrowser aktualisieren kann.

Doch dazu braucht man erst einmal ein eigenes Weblog. Kostenlose Dienste wie Blogg.de oder Twoday.net erlauben es, sich – teils werbefinanziert – mit der Materie bekannt zu machen. Profis wählen die eigene Installation auf einem Webserver. Dafür muss man allerdings ein wenig Erfahrung im Umgang mit Linux-Servern mitbringen und sich die Konfiguration des Weblog-Systems zutrauen. Neben MovableType [1] und Nucleus [2] ist in Deutschland insbesondere Sunlog [3] weit verbreitet. Alle diese Tools bieten entweder das MetaWeblog- oder das Blogger-API an.

Beim Blogger-API handelt es sich quasi um die Mutter aller Blog-Schnittstellen, entwickelt vom amerikanischen Bloghoster Blogger.com, der das Bloggen in den USA populär gemacht hat. Allerdings bietet es nicht allzuviele Funktionen, ein Missstand, den Dave Winer mit dem MetaWeblog-API beseitigen wollte. Diese Schnittstelle kann einiges mehr, wird aber nicht von allen Systemen komplett unterstützt. Beide APIs erlauben das Hinzufügen neuer Einträge in ein Blog sowie das Bearbeiten und Löschen von Artikeln. Über das MetaWeblog-API lädt man zudem beispielsweise Dateien hoch, so dass sich Artikel leicht mit Bildern versehen lassen.

Einige Systeme bieten Gruppen-Blogs an und erlauben es somit mehr als nur einer Person, am Weblog zu werkeln. Ein solcher kollaborativer Blog bezieht sich meist auf ein spezielles Thema (etwa ein gemeinsames Projekt) und bietet den Vorteil, dass – anders als bei gängigen Online-Journalen – mehrere Personen ihre Meinungen unter einem Dach veröffentlichen können.

Egal ob Gruppen- oder klassisches Blog: RSS hilft dabei, Artikel verschiedener Blogs auf einer Seite zusammenführen. Diese Content-Aggregation lässt sich bei den gängigen Blog-Systemen sehr einfach bewerkstelligen und füllt beispielsweise die Seitenleiste der Webpräsenz mit zum Thema passenden, externen Informationen.

Newsticker leicht gemacht

RSS – ein auf XML basierender Standard – kommt in einigen Varianten daher; die gängigsten Versionen sind 0.92 und 2.0. Die meisten Tools unterstützen zum Glück beide.

Listing 1

Beispiel für eine RSS-Datei

<?xml version="1.0" encoding="ISO-8859-1"?>
<rss version="0.92">
<channel>
<title>stacktrace</title>
<link>http://blog.borho.net/</link>
<description>nur ein weblog</description>
<language>de</language>
<lastBuildDate>Tue, 30 Dec 2003 23:55:11 GMT</lastBuildDate>
<webMaster>martin@borho.net</webMaster>
<item>
<link>http://blog.borho.net/index.php?item=27</link>
<title>Apache-Log in Echtzeit</title>
<description>Ein schönes Tool, um das access_log des Apache
übersichtlich und in Realzeit zu betrachten, ist ApacheTop.
Fein, gefällt mir!
[via Syndic8Blog]</description>
</item>
</channel>
</rss>

Auch wenn RSS-Dateien wie in Listing 1 auf den ersten Blick kryptisch aussehen, sieht man doch auf den zweiten Blick durchaus, worum es geht. Den Anfang bilden einige Zeilen über das Blog selbst: der Titel (stacktrace), die URL (http://blog.borho.net/), die Beschreibung (nur ein weblog), die Sprache (de für Deutsch) und natürlich ein Ansprechpartner (martin@borho.net). Ab <item> folgen die einzelnen Beiträge, stets mit dem Link zum Artikel, einem Titel und der Beschreibung (englisch: description), die den Inhalt des gesamten Beitrags enthalten kann oder auch nur einen kleinen Ausschnitt. Solche RSS-Dateien heißen auch RSS-Feeds, weil sich damit andere Web-Seiten "füttern" lassen.

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LinuxUser 06/2012

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