Viele Köche verderben den Brei?
Dokumente gemeinsam bearbeiten
Immer auf dem neuesten Stand
Sollen die Einzelteile weiterhin von den Projektmitgliedern bearbeitet und verändert werden, müssen Sie etwas anders vorgehen: Dann benötigen Sie ein Globaldokument. Wählen Sie im Menü Datei / Neu / Globaldokument aus, und geben Sie das Textgerüst ein, in das Sie die einzelnen Dokumente der Projektmitglieder dynamisch einbinden möchten.
Mit dem Neuanlegen des Globaldokuments erscheint der Navigator auf der Bildfläche, mit dem Sie das Erstellen und Ändern von Teildokumenten steuern. Mit seiner ersten Schaltfläche Umschalten springen Sie zwischen dem Normal- und dem Globalmodus des Navigators hin- und her. Im Globalmodus binden Sie neue Teildokumente durch Anklicken der Schaltfläche Einfügen / Datei und anschließender Auswahl der Datei ein. Alternativ ziehen Sie einfach das entsprechende Teildokument aus dem Konqueror mit der Maus in den Anzeigebereich des Navigators wie in Abbildung 11.
Ein neues Teildokument erstellen Sie mit der Option Einfügen / Neue Datei. Sie werden in diesem Fall aufgefordert, dem neuen Dokument einen Namen zu geben und es abzuspeichern.
Der Navigator zeigt die einzelnen Komponenten des Globaldokuments an; wenn Sie den Mauszeiger wie in Abbildung 12 über einen Teildokumentnamen positionieren, erfahren Sie die komplette Pfadangabe dazu.
Natürlich lassen sich die Einzelteile aus dem Globaldokument heraus öffnen und ändern: Markieren Sie dazu das Teildokument im Navigator, und wählen Sie den Bearbeiten-Knopf.
Die Navigator-Schaltfläche Aktualisieren bringt die Inhalte des Globaldokuments auf den neuesten Stand, wenn ein oder mehrere Teildokumente zwischenzeitlich verändert wurden. Um ein Teildokument zu aktualisieren, reicht es, dieses zuvor zu markieren und Aktualisieren / Selektion zu wählen. Aktualisieren / Alles sorgt alternativ für den großen Rundumschlag.
Wenn Sie eine oder mehrere verknüpfte Dateien im Navigator markiert haben und dann die Schaltfläche Inhalte mitspeichern anklicken, speichert OpenOffice den Inhalt dieser Dateien im Globaldokument als Kopie mit. Dadurch steht der Inhalt des Dokuments auch dann zur Verfügung, wenn Sie einmal nicht direkt auf die eingebundenen Dateien zugreifen können, allerdings nur schreibgeschützt.
Alles der Reihe nach
Auch wenn sich nachträglich die Reihenfolge der Teildokumente ändern sollte, ist das kein Grund zur Panik: Die Navigator-Schaltflächen Nach unten verschieben und Nach oben verschieben bewegen die markierte Datei wie in Abbildung 13 entweder um eine Position nach unten oder nach oben.
Alternativ klicken Sie eine Datei mit der Maus an und ziehen sie an die gewünschte Stelle im Navigator. Ein eingebundenes Teildokument lässt sich jederzeit wieder aus dem Globaldokument entfernen, indem Sie es mit der rechten Maustaste im Navigator anklicken und die Funktion Löschen wählen. Keine Sorge, damit wird nicht die Datei selbst gelöscht, sondern nur die Verknüpfung mit dem Globaldokument gelöst.
Speichern Sie das Globaldokument mit der Menüfolge Datei / Speichern speichern, schlägt OpenOffice als Dateityp OpenOffice 1.0 Globaldokument mit der Dateinamenserweiterung sxg vor (Abbildung 14). Diese Vorgabe sollten Sie übernehmen, damit Ihr Globaldokument in der oben beschriebenen Weise funktioniert.
Ob Sie von nun an in der Gruppenarbeit am Dokument Änderungen verfolgen und zusammenführen, Versionen erstellen, Einzeldokumente zu einer neuen Datei zusammenfassen oder in einem Globaldokument miteinander verknüpfen wollen, liegt an der Aufgabenstellung und an der Stellung der Gruppenmitglieder zueinander. Wie so oft gilt auch hier: Probieren geht über Studieren.
Kasten 1: Gruppenarbeit mit anderen Textverarbeitungen
Sieht man von OpenOffice ab, sieht es bei den übrigen Textverarbeitungen unter Linux schlecht aus mit Funktionen, die die gemeinsame Arbeit an Dokumenten unterstützen. Textmaker [3,4] und KWord bieten überhaupt keine Möglichkeit, unterschiedliche Revisionen oder Autoren durch das Programm kennzeichnen und verwalten zu lassen, und in Abiword [5] ist die Versionsverwaltung wie so vieles noch eine große Baustelle.
Textmaker
Von Haus aus bietet Textmaker, das Textverarbeitungsprogramm der Firma Softmaker, keine Funktionen zur Dokumentenbearbeitung in der Gruppe an. Als Notbehelf vergeben Sie für jeden Autor oder jede Version eine eigene Textfarbe (Abbildung 15), allerdings werden derart behandelte Dokumente schnell unleserlich, und es ist unmöglich, zwischen verschiedenen Versionen eines Textes zu wechseln.
Für die Zukunft plant der Hersteller im Rahmen von Softmaker Office anywhere [1] die Integration von Groupware-Funktionalität in das Programm, ein Erscheinungstermin für dieses Produkt steht jedoch noch nicht fest.
KWord
Auch in der Textverarbeitung des KOffice-Projekts glänzen Funktionen zur gemeinsamen Arbeit durch Abwesenheit. Wie in Textmaker bleibt Ihnen nur die Möglichkeit, für jede Version oder jeden Bearbeiter eine eigene Textfarbe zu vergeben und zu hoffen, dass der Text nicht zu bunt und unübersichtlich wird.
Abiword
Besser sieht es in der aktuellen stabilen Version 2.0.2 von Abiword aus: Hier finden Sie hinter dem Menüpunkt Werkzeuge / Revisionen ein Untermenü, das Befehle zur Versionsverwaltung enthält. In dieser Programmversion ist es allerdings lediglich möglich, über Werkzeuge / Revisionen / Revisionen beim Schreiben kennzeichnen unterschiedliche Versionen des Textes in verschiedenen Farben zu markieren (Abbildung 16). Ergänzungen markiert das Programm doppelt unterstrichen, Streichungen durchgestrichen. Ein Bearbeiten der einzelnen Textversionen oder ein Zurückweisen einer bestimmten Revision ist zur Zeit noch nicht möglich.
Die brandneue Entwicklerversion 2.1.0, die Sie auf der Projekt-Homepage [2] als Quelltext oder fertig übersetzt für SuSE, Red Hat und Fedora finden, bietet in dieser Hinsicht einiges an Neuem: Die Entwickler haben eine Menge Schweiß in die Dokumentenversionsverwaltung gesteckt, und so ist das Arbeiten mit unterschiedlichen Textrevisionen jetzt zumindest ansatzweise machbar. Mit dem Menübefehl Werkzeuge / Revisionen / Revision auswählen erreichen Sie einen Dialog, in dem Sie bestimmen, mit welcher Textversion Sie arbeiten (Abbildung 3). Nach Auswahl von Werkzeuge / Revisionen / Show document after revisions sehen Sie das Dokument so, wie es nach der letzten Überarbeitung aussieht; Werkzeuge / Revisionen / Show doument after previous revision zeigt den Zustand des Dokuments vor der letzten Revision. Allen anderen Menüpunkten in diesem Untermenü fehlt derzeit noch die zugehörige Funktionalität. Dennoch empfiehlt sich der Umstieg nicht: Die genannte Entwicklerversion ist derart unstabil, dass sinnvolles Arbeiten über eine längere Zeit unmöglich ist.
Glossar
Das Navigator-Fenster zeigt alle im Dokument enthaltenen Objekte nach Kategorien unterteilt an, zum Beispiel Überschriften, Tabellen, Grafiken, OLE-Objekte, Hyperlinks, Verzeichnisse und Notizen. Mit seiner Hilfe ist es einfacher, sich in großen Dokumenten zu orientieren und zu bewegen. Sie gelangen schnell zu einer gewünschten Überschrift oder einem Objekt, wenn Sie im Navigator darauf doppelklicken. Das Werkzeug unterstützt Sie außerdem, wenn Sie Kapitel oder andere Objekte neu anordnen oder einfügen möchten.
Pfadangabe
Die Antwort auf die Frage: "In welchem Verzeichnis steckt die Datei, in welchem Verzeichnis wiederum steckt dieses Verzeichnis usw.?"
Infos
[1] Softmaker: http://www.softmaker.de/anywhere/anygroup.htm
[2] biword: http://www.abisource.com/download/development.phtml
[3] Frank Wieduwilt: "Schlanker Texter", LinuxUser 05/2003, S. 28 f., https://www.linux-user.de/ausgabe/2003/05/028-textmaker/
[4] Tim Schürmann: "Mehr Auswahl", LinuxUser 07/2003, S. 49 ff., https://www.linux-user.de/ausgabe/2003/07/049-textmaker/
[5] Frank Wieduwilt: "Erwachsen werden", LinuxUser 11/2003, S. 68, https://www.linux-user.de/ausgabe/2003/11/068-abiword/



