Distri-Bits

01.02.2004

In dieser Ausgabe stellen wir Ihnen ein federleichtes Linux für die Visitenkarte und eine Distribution vor, die mit Ihnen Skat spielt. Dazu gibt es Neues von UserLinux, Lindows und Mandrake.

Leicht wie eine Feder

Schon wieder hat ein neuer Knoppix-Abkömmling das Licht der Welt erblickt: Feather Linux passt auf eine Visitenkarten-CD und somit in jede Brieftasche. Das 62 MByte große ISO-Image zum Selberbrennen steht auf der Projekt-Homepage http://featherlinux.berlios.de/ zum Download bereit.

Genau wie das Vorbild Damn Small Linux legt die Distribution ihren Schwerpunkt auf Desktop-Anwendungen. Nach dem schnellen Start und der von Knoppix gewohnten sicheren Hardware-Erkennung finden Sie sich in einem Fluxbox-Desktop wieder (Abbildung 1).

Abbildung 1: Feather Linux

Als Textverarbeitung bringt Feather Linux Ted mit, als Browser finden Sie Dillo vor, Sylpheed kümmert sich um E-Mail, und abs ist als schlanke Excel-kompatible Tabellenkalkulation mit an Bord. Xpdf zeigt pdf-Dateien an, und VNCViewer erlaubt es, andere Rechner über eine grafische Oberfläche fernzusteuern. Dateien verwalten Sie mit emelfm, als Messaging-Programm ist aim dabei. Falls Sie einen Browser mit größerem Funktionsumfang als Dillo benötigen, installiert Feather Linux mit Hilfe eines Skripts die aktuelle Opera-Version.

Achtzehn, zwanzig, zwo, null, weg

Skatbrüdern und -schwestern sei ein Blick auf SkatOS (http://home.tiscalinet.ch/bgiannone/skatos/) empfohlen, ein Mini-Linux, dessen "Lebensinhalt" das Kartenspiel ist. Das System startet entweder von einer CD (ein ISO-Image finden Sie auf der Projekt-Site) oder von einer Diskette (deren Image Sie ebenfalls von dort herunter laden).

Moderater Hardware-Anforderungen sei Dank verwandelt SkatOS PCs mit einem Prozessor besser als i386, acht MByte RAM und einer VESA-kompatiblen Grafikkarte in veritable Skatgegner. USB-Geräte wie Tastaturen und Mäuse unterstützt die Distribution nicht.

Um die grafische Oberfläche kümmert sich das kompakte KDrive (http://www.pps.jussieu.fr/~jch/software/kdrive.html), ein schlanker X-Server, und busybox stellt die wichtigsten Kommandozeilen-Befehle bereit. Nach dem wieselflinken Systemstart teilt XSkat die Karten aus.

Neuer Anlauf zur Eroberung des Desktops

Mit Ideen zur Schaffung einer neuen, leicht zu wartenden, Debian-basierten Distribution für den Einsatz in Unternehmen meldete sich Free-Software-Evangelist Bruce Perens Ende 2003 zu Wort. Unter dem voraussichtlichen Namen UserLinux (http://userlinux.com/) soll ein Gegenentwurf zu den Unternehmensdistributionen von Red Hat und SuSE entstehen, denen Perens vorwirft, nur noch an Profit interessiert zu sein. Entwicklung und Vertrieb der Distribution möchte er in die Hände einer gemeinnützigen Organisation legen, das Geld für die Entwicklung soll über Wartungsverträge herein kommen. Geht es nach Perens' Vorstellungen, enthält die Distribution für jede Aufgabe genau ein Programm, um die Anwender nicht zu verwirren und die Entwicklung zu erleichtern.

Besonders seine Wahl von GNOME als einzigem Desktop-Environment löste eine heftige Diskussion aus und führte zu einem von KDE- und Debian-Entwicklern ausgearbeiteten Gegenentwurf (http://desktop.kdenews.org/strategy.html), der Aufgaben für einen Konvergenz-Prozess zwischen KDE und UserLinux festklopft (siehe auch "K-splitter", S. 20 f.). Für Perens und seine Mitstreiter ist das wichtigste Argument für GNOME als Desktop und GTK als Toolkit, dass die LGPL, unter der GTK vertrieben wird, das Entwickeln nicht-freier Anwendungen ohne Lizenzzahlungen erlaubt, während für Qt in diesem Falle eine Lizenz des Herstellers Trolltech notwendig ist. Als Konsequenz möchte Perens weder KDE noch die Bibliothek Qt in die Distribution integrieren, so dass auch Qt-basierende Programme nicht ohne Nachinstallation der Bibliothek laufen würden.

Doch darüber ist sicher noch nicht das letzte Wort gesprochen: UserLinux befindet sich erst in einem sehr frühen Planungsstadium, und es bleibt ohnehin abzuwarten, ob die Distribution genügend Programmierer, Unterstützer und zahlende Kunden findet, um sich neben den etablierten "Platzhirschen" zu behaupten.

L ist gleich W

Niederländische und schwedische Händler der amerikanischen Distribution Lindows sahen sich kurz vor dem Release von LindowsOS 4.5 Anfang Dezember Anrufen von Microsoft ausgesetzt, in denen der Software-Gigant drohte, die Distributeure wegen Markenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit der Verwendung des Namens "Lindows" zu verklagen. Hintergrund ist ein Prozess, den die Firma Lindows gegen Microsoft führt. Lindows möchte feststellen lassen, dass die Eintragung des Markennamens "Windows" zu Unrecht erfolgte und die Eintragung deshalb zu löschen sei.

Nachdem die niederländische Presse Wind davon bekam, zog Microsoft die Klagedrohungen zurück. Weniger Glück hatte Lindows in Schweden, wo das Stockholmer Stadtgericht der Firma verbot, die Markennamen "Lindows", "Lindows.com" und "LindowsOS" zu verwenden, bis der Fall entschieden ist.

Ein Mandrake für unterwegs

Mit MandrakeMove (http://www.mandrakesoft.com/products/mandrakemove/), einer Live-CD des aktuellen Mandrake Linux 9.2, möchte der französische Distributor auf der Knoppix-Welle mitreiten: Wie es sich für eine Live-CDs gehört, startet MandrakeMove direkt von der CD und muss nicht auf Festplatte installiert werden.

Die CD lässt sich bei laufendem System entnehmen, um Daten von einem anderen Datenträger einzulesen. Die Benutzerdaten speichert MandrakeMove auf einem USB-Speicherstäbchen. Mit OpenOffice als Büropaket, Mozilla als Browser, aber auch Programmen zur Grafikbearbeitung und Spielen ist alles dabei, was man für den Desktop-Einsatz erwartet.

Mitgliedern des Mandrake-Clubs steht das ISO-Image kostenlos zum Download zur Verfügung, Nicht-Mitglieder erwerben die Distribution im Mandrake-Store unter http://www.mandrakestore.com/ zusammen mit Treibern für NVidia-Grafikkarten, dem Acrobat Reader, dem Real Player und dem Flash Player sowie einem Handbuch. Wer die Ausgabe sparen möchte, lädt sich von der Mandrake-Homepage die Betaversion der Distribution herunter, die als einzige, aber gewichtige Einschränkung das Speichern der Einstellungen auf dem Speicherstäbchen nicht unterstützt.

news ++++ ticker ++++ news ++++ ticker ++++ news

+ + + Debian + + + Debian + + + Debian + + + Debian + + +

Den Verwaltern der Debian-Server, die im November Opfer eines Angriffes wurden, ist es mittlerweile gelungen, den Weg des Angreifers nachzuvollziehen und die Sicherheitslücken zu schließen (http://lists.debian.org/debian-announce/debian-announce-2003/msg00003.html). Die ersten Server sind mittlerweile wieder am Netz.

+ + + Mandrake + + + Mandrake + + + Mandrake + + +

Der allererste Snapshot von Mandrake Linux 10 in Form von zwei je 650 MByte großen ISO-Images steht seit kurzem auf den FTP-Servern von Mandrakesoft und zahlreichen Spiegel-Servern (http://www.linux-mandrake.com/en/ftp.php3) zum Download bereit.

+ + + Damn Small Linux + + + Damn Small Linux + + +

Die aktuelle Version 0.5.2 des Visitenkartenlinux' (http://www.damnsmalllinux.org/) bietet als wichtigste Neuheit die Programme cdrecord und mkisofs, die zusammen mit dem Kommandozeilenprogramm bashburn (http://bashburn.sourceforge.net/) das Herstellen von CDs ermöglichen. Das Programm smbclient lässt die Benutzerin auf Samba-Freigaben im Netz zugreifen, der leicht abgespeckte Midnight Commander erleichtert die Arbeit im Dateisystem, und schlussendlich verbesserten die Entwickler das Installationsprogramm, das die Distribution auf die Festplatte befördert.

+ + + Centos + + + Centos + + + Centos + + +

CentOS (http://www.caosity.org/index.php?option=displaypage&Itemid=62&op=page) ist neben Whitebox Enterprise Linux (siehe Ausgabe 01/2004, S. 20) das zweite Projekt, das aus den frei verfügbaren Quellen von Red Hat Enterprise Linux eine funktionierende Distribution zusammen setzt. Eine erste Testversion ist mittlerweile auf der Homepage des Projekts erhältlich.

+ + + Linux LiveCD Router + + + Linux LiveCD Router + + +

Der kostenlose LiveCD Router der Firma Wifi (http://www.wifi.com.ar/english/cdrouter.html) verwandelt einen abgelegten Rechner mit zwei Netzwerkkarten, mindestens 16 MByte RAM und einem CD-Laufwerk in einen Router für's heimische Netz. Unterstützt werden Internet-Zugänge über ISDN, DSL, ADSL und Standleitungen. Die Firewall Shorewall schützt das interne Netz vor Eindringlingen, der Server wird via ssh aus dem internen Netz gewartet.

+ + + Slax + + + Slax + + + Slax + + + Slax + + +

Slax (http://www.slax.org/) ist der neue Name für SlackwareLive, eine auf Slackware basierende Live-CD. Die aktuelle Version 3.0.24 enthält Kernel 2.4.23, KDE 3.2 Beta2, KOffice 1.3 Beta2 und erfuhr etliche Detailverbesserungen und Bugfixes. Das 177 MByte große ISO-Image finden Sie auf der Homepage des Projekts.

+ + + LormaLinux + + + LormaLinux + + + LormaLinux + + +

Vom Lorma College in San Fernando auf den Phillipinen stammt LormaLinux (http://linux.lorma.edu/), eine für die i686 Architektur optimierte Distribution auf der Basis von Fedora Linux. Sie kommt dort für Unterrichtszwecke zum Einsatz und enthält neben der üblichen Büro-Software einige Lernrprogramme. Das von Fedora bekannte Installationswerkzeug Anaconda führt die Anwenderin durch die Einrichtung des Systems. Nach einer Registrierung auf der Projekt-Homepage ist der Download des ISO-Images kostenlos.

+ + + CollegeLinux + + + CollegeLinux + + +

Auch CollegeLinux (http://linux.college.ch/) richtet sich an Studenten, die ein freies Betriebssystem nutzen möchten. Die Distribution basiert auf Slackware und bringt neben OpenOffice 1.1, Mr. Project und einigen Editoren eine komplette Web- und C++-Entwicklungsumgebung mit. Ein Installationsprogramm hilft bei der Einrichtung des Systems. CollegeLinux wird vom Robert Kennedy College in Delémont in der Schweiz gepflegt und ist kostenlos zu haben.

+ + + MoviX + + + MoviX + + + MoviX + + +

Die neueste Version der Multimedia-Distribution MoviX (http://movix.sourceforge.net/) bietet neben einer ganzen Reihe von Fehlerbereinigungen verbesserte Unterstützung für das Booten über NFS und für kabellose Netzwerkkarten. Über ein neues Menü haben Sie direkten Zugriff auf viele Internet-Radios. Auch die Zahl der unterstützten Fernbedienungen haben die Entwickler weiter erhöht.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

  • Distri-Bits
    Mit Aprilscherzen nichts gemein haben die neuen Ausgaben von VectorLinux und kmLinux, der Release Candidate von Mandrake, eine frische Beta von Red Hat und eine kompakte Multimedia-Distribution.
  • Die neue Version 4.0 von LindowsOS im Test
    Gut ein dreiviertel Jahr Zeit haben sich die Lindows-Entwickler genommen, um an der vor kurzem erschienenen Version 4.0 von LindowsOS zu arbeiten. Was dabei herausgekommen ist und ob sich das Warten gelohnt hat, zeigt dieser Artikel.
  • LindowsOS 3.0
    Vor etwa einem Jahr trat die Firma Lindows an, ein Linux zu entwickeln, das in der Lage ist, Windows-Programme zu installieren und auszuführen. Mittlerweile wird Version 3.0 von LindowsOS ausgeliefert. Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen um zu prüfen, was von den Versprechen eingehalten wurde.
  • DistribitsKurz notiert
  • Editorial
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 01/2015: E-Books im Griff

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Ubuntu 14.10 und VirtualBox
Ubuntu 14.10 und VirtualBox
Tim Schürmann, 08.11.2014 18:45, 0 Kommentare

Wer Ubuntu 14.10 in einer virtuellen Maschine unter VirtualBox startet, der landet unter Umständen in einem Fenster mit Grafikmüll. Zu einem korrekt ...

Aktuelle Fragen

PCLinuxOS Version 2014.08 "FullMonty" Umstellung auf deutsch
Karl-Heinz Welz, 19.12.2014 09:55, 3 Antworten
Hallo, liebe Community, ich bin 63 Jahre alt und möchte jetzt nach Jahrzehnten Windows zu Linux...
ICEauthority
Thomas Mann, 17.12.2014 14:49, 2 Antworten
Fehlermeldung beim Start von Linux Mint: Could not update ICEauthority file / home/user/.ICEauth...
Linux einrichten
Sigrid Bölke, 10.12.2014 10:46, 5 Antworten
Hallo, liebe Community, bin hier ganz neu,also entschuldigt,wenn ich hier falsch bin. Mein Prob...
Externe USB-Festplatte mit Ext4 formatiert, USB-Stick wird nicht mehr eingebunden
Wimpy *, 02.12.2014 16:31, 0 Antworten
Hallo, ich habe die externe USB-FP, die nur für Daten-Backup benutzt wird, mit dem YaST-Partition...
Steuern mit Linux
Siegfried Markner, 01.12.2014 11:56, 2 Antworten
Welches Linux eignet sich am besten für Steuerungen.