Von einzelnen Audio- und Video-Dateien über CDs, VCDs bis hin zu DVDs beherrscht der Player Kaffeine so ziemlich alles, was das Herz begehrt – zumindest dann, wenn der Rechner entsprechende Codecs bereithält.
Korner
In dieser Rubrik stellen wir Monat für Monat Tools vor, die sich bei der Arbeit unter KDE als besonders nützlich erweisen, eine Aufgabe erfüllen, die sonst geflissentlich unbeachtet bleibt, oder einfach nur zu den netten Dingen im Leben gehören, die man – einmal entdeckt – nicht mehr missen möchte.
In Zeiten leistungsfähiger Soundkarten, DVD-Laufwerke und schneller Prozessoren ersetzt so mancher Computer DVD-Spieler und CD-Player. Fehlt nur noch die passende Software, um das Multimedia-Feuerwerk stilvoll abzubrennen. Ein sehr leistungsfähiger Kandidat ist Kaffeine von Jürgen Kofler. Dieser auf Xine [1] basierende Player frisst so gut wie alles – seien es CDs, DVDs, VCDs oder AVI-, MOV-, WMV– und MP3-Dateien von der Festplatte. Selbst Multimedia-Streams aus dem Internet stellen den Alleskünstler nicht vor Probleme.
Die aktuelle Version erhalten Sie über die Projektseite unter http://kaffeine.sourceforge.net/. Um klaglos seinen Dienst zu erfüllen, benötigt Kaffeine die xine-libs in der Version 1.0beta4 oder höher. Diese sorgt mit ihren Abhängigkeiten dafür, dass die wichtigsten Codecs an ihren Platz kommen.
Wer in der Download-Sektion kein für seine Distribution passendes Binärpaket findet, muss das Programm aus den Sourcen mit dem allseits bekannten Dreierschritt configure; make; make install selbst kompilieren. Auch bei diesem Programm sollten Sie die Umgebungsvariable KDEDIRS mit den Oberverzeichnissen füttern, die auf Ihrem System KDE-Software enthalten, zum Beispiel
export KDEDIRS=/opt/kde3:/usr/local/kde
Sucht die Build-Automatik partout im Verzeichnis /usr/local/lib nach der Datei libfreetype.la, die in /usr/lib daheim ist (so geschehen beim Test unter Red Hat), umgeht man das Problem mit einem symbolischen Link.
Einmal installiert lässt sich Kaffeine entweder über den KDE-Startmenü-Eintrag Multimedia / Kaffeine (Ein xine-basierender Media Player.) oder per Kommandozeilenbefehl kaffeine & (ggf. mit Pfad) aufrufen. Beim ersten Start fragt Sie das Programm, ob Sie das beiliegende Plugin KDEDIR/lib/kaffeineplugin/kaffeineplugin.so mit Mozilla verwenden wollen. Sagen Sie ja, verknüpft es Kaffeine automatisch mit $HOME/.mozilla/plugins.
Stückwerk
Spätestens, wenn der Begrüßungsbildschirm aus Abbildung 1 auf abzuspielende Dateien wartet, stellen Sie fest, dass sich in der Menüleiste ein kleines CD-Icon eingenistet hat. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf dieses Icon, erhalten Sie ein Menü wie in Abbildung 2, mit dem sich der Player schnell bedienen lässt. Dateien laden Sie über den Punkt Dateien öffnen, ganze Abspiellisten über Stückliste.
So macht Kaffeine via Stückliste / Datei / Importieren von bereits in XMMS oder anderen Programmen erstellten M3U-Listen Gebrauch (Abbildung 3). Auch Noatun-Stücklisten sowie PLS- oder ASX-Dateien verarbeitet Kaffeine klaglos.
Am schnellsten füttern Sie Ihren Player jedoch mit einer Datei, wenn Sie diese via Drag & Drop auf das Disc-Icon ziehen. Dabei müssen Sie sich nicht einmal auf eine beschränken: Kaffeine nimmt auf diesem Wege auch ganze Verzeichnisse oder Playlisten in Empfang.
Letzteres gilt sogar für den Start des Programms: Rufen Sie den Player mit dem Kommandozeilenbefehl
kaffeine /ihr/mp3/verzeichnis
auf, liest er automatisch alle in diesem Verzeichnis vorhandenen Dateien in eine Stückliste ein. Über das Plugin können Sie Multimedia-Dateien zudem schnell aus dem Konqueror heraus aufrufen.
Film ab als Briefmarke oder Vollbild
Was Form, Farbe oder Größe des Bildes anbelangt, lässt Kaffeine kaum Wünsche unerfüllt. Im Menüpunkt Ansicht entscheiden Sie sich zwischen Vollbild und Fenstermodus. Wer gerne zwischen beiden Modi hin- und herspringt, merkt sich die Abkürzung über das Tastenkürzel [F]. Im Minimalmodus versteckt das Programm Menü und Kontrollfeld – alle nötigen Punkte erreichen Sie in diesem Fall über das Kontext-Menü der rechten Maustaste.
Manche Dateien (vor allem AVIs) benötigen zur fehlerfreien Wiedergabe Deinterlace, das Sie unter dem gleichnamigen Punkt bei Bedarf einstellen. Dank Seitenverhältnis haben Sie die Möglichkeit, die Datei mit auto in Originalgröße zu betrachten oder zwischen den Seitenverhältnissen 4:3, 16:9 und 1:1 zu wählen. Vergrössern (Tastenkürzel [Z]) zoomt das Videobild bis zu 400 Prozent auf, mit Verkleinern kehren Sie diesen Prozess um, und Originalgrösse schaltet jeglichen Zoom aus.
Möchten Sie – etwa bei Musikstücken – einen Titel mehrfach wiederholen, wählen Sie im Menü Abspielen / Endlos Modus aus. Lassen Sie sich gerne überraschen, ist bei Stücklisten Zufällige Reihenfolge die richtige Wahl.
Neben dem Abspielen von Filmen erlaubt Kaffeine auch das Festhalten besonders schöner Szenen in Form von Schnappschüssen. Sie finden diese Funktionalität unter dem Punkt Datei / Schnappschuss speichern; abspeichern lassen sich die Bilder in den Formaten PNG, BMP oder XMB.
Reine Einstellungssache
Ist das Bild des Films nicht ganz nach Ihrem Geschmack, gönnen Sie dem Punkt Einstellungen / Videoeinstellungen (Abbildung 4) einen zweiten Blick. Hier drehen Sie per Schieberegler an den Stellschrauben bei Farbe, Sättigung, Helligkeit oder Kontrast. Hinkt der Ton dem Bild hinterher, ändern Sie den Audio-Video-Offset.
Wer schon einmal mit xine hantiert hat, weiß um die Vielzahl an Konfigurationsmöglichkeiten, die dieses Programm mit sich bringt. Kaffeine stellt unter Einstellungen / Xine konfigurieren eine grafische Oberfläche (Abbildung 5) bereit, mit der sich solche Player-Parameter komfortabel per Mausklick ändern lassen. Nehmen Sie hier Änderungen an Audio- oder Videotreiber vor, werden diese allerdings erst nach einem Neustart des Programms wirksam.
Kaffeine überzeugt jedoch nicht nur auf grafischer Seite, sondern wartet auch mit einer Menge nützlicher Kommandozeilen-Switches auf. So können Sie mit Hilfe der --device-Option den Pfad zur Audio- oder Video-CD setzen und sogar das benötigte Input-Plugin übergeben. So spielt
kaffeine --device /dev/cdrom VCD
die Video-CD im CD-ROM-Laufwerk ab.
Möchten Sie Ihrer aktuellen Stückliste Titel hinzufügen, geben Sie Kaffeine einfach die Option --enqueue ihrtitel mit, und schon reiht sich das Stück brav ein. Selbst AVI-Dateien mit separater Untertitel-Datei lassen sich mit Hilfe der Kommandozeile nutzen: Starten Sie den Player in diesem Fall mit kaffeine film.avi untertiteldatei.xxx.
Glossar
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MOV
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Abkürzung für “Movie”, bezeichnet Videodateien in Apples Quicktime-Format.
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WMV
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Das Videoformat “Windows Media Video” gehört zur Windows-Media-Architektur und konkurriert mit Quicktime.
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symbolischen Link
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Der Befehl “ln -s pfad/zur/datei /neuer/pfad/neuer/name” legt einen Verweis auf die erstgenannte Datei unter einem anderen Namen meist an einer anderen Stelle im Dateibaum an, ohne dass der Dateiinhalt kopiert wird. Löscht man die Originaldatei, zeigt der Verweis ins Leere, man erhält einen “broken symlink”.
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$
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In der Shell gesetzte Variablen wie HOME, KDEDIR oder KDEDIRS geben ihren Inhalt preis, wenn man ein Dollarzeichen vor ihren Namen schreibt.
Infos
[1] Günter Bartsch, Stefan Holst: “Xinemania”, LinuxUser 08/2003, S. 36 ff.







