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Dr. Linux: Instant Messaging

01.01.2004
Instant Messaging ist weit verbreitet in der Windows-Welt, aber was macht ein Linux-Anwender, wenn's um diese Art des Chattens geht? Dr. Linux hilft.

Dr. Linux

Komplizierte Organismen, wie Linux-Systeme es nun einmal sind, haben so ihre ganz eigenen Wehwehchen. Dr. Linux beobachtet die Patienten in den Linux-Newsgruppen, stellt an dieser Stelle Rezepte für aktuelle Probleme aus und alternative Heilmethoden vor.

Kasten 1: Was ist Instant Messaging?

Instant Messaging (IM) erlaubt das Versenden und Empfangen von Nachrichten quasi in Echtzeit. Was auf der einen Seite gerade geschrieben wurde, erscheint schon kurz nach dem Abschicken beim Empfänger auf dem Bildschirm.

Anders als beim älteren und weiterhin sehr beliebten Internet Relay Chat" (IRC) sind User von Instant-Messaging-Systemen nicht für alle anderen Nutzer desselben Systems öffentlich zu sehen, der "Blickkontakt" beschränkt sich auf Personen, die man als Kontakt in seiner Buddy-Liste hat. Dadurch wird auch der aktuelle Abwesenheitsstatus weit wichtiger als bei IRC, wo man nur zwischen "da" und "nicht da" (away) unterscheidet. Die verschiedenen Instant-Messaging-Systeme unterscheiden üblicherweise zwischen "anwesend", "beschäftigt", "abwesend" und "unsichtbar".

Zu den bekanntesten Instant-Messaging-Systeme zählen ICQ [1], AIM [2], MSN [3] und Yahoo! Messenger [4], proprietäre kommerzielle Entwicklungen, die alle nicht miteinander kompatibel sind. Die Open-Source-Variante Jabber [5] stellt zu allen diesen (und einigen anderen) Systemen den nötigen Gateway zur Verfügung, so dass man Plattform-übergreifend miteinander reden kann. Eine Garantie dafür gibt es jedoch nicht: Wenn kommerzielle Betreiber (wie letztens MSN und Yahoo!) eine neue Version ihrer Software aufspielen, funktioniert die System-übergreifende Kommunikation meist nicht mehr. Auch bieten nicht alle Jabber-Server Gateways an.

Instant Messaging ist in der Regel kostenlos für den Endverbraucher und macht als Kommunikationsmittel – was die Verbreitung betrifft – mittlerweile sogar E-Mail Konkurrenz. Anmelden kann man sich entweder auf der Website des Anbieters oder nach dem Download des Clients.

Anders ist der Zugang bei Jabber geregelt: Hier legt man bei der Anmeldung an einem Jabber-Server einfach fest, dass gleichzeitig ein neuer Account erstellt werden soll. Im Gegensatz zu den anderen Instant-Messaging-Systemen ist es bei Jabber egal, auf welchem Server man angemeldet ist. Ein bekannter deutscher Jabber-Server ist amessage.de [6]; er bietet auch Gateways zu den anderen Systemen.

Zu viel Auswahl

Ich habe einen AIM-Account und will diesen unter Linux nutzen. Allerdings sehe ich bei der Fülle von Programmen nicht mehr ganz durch. Welche sind empfehlenswert?

Dr. Linux: Es ist in der Tat sehr schwierig, bei der Vielzahl der verfügbaren Software den Überblick zu behalten. Aus der schier endlosen Liste greifen wir daher zwei Programme heraus, die die meisten Distributoren mitliefern und die über einen sehr großen Funktionsumfang verfügen: Gaim [7] (Abbildung 1) und Kopete [8] (Abbildung 2), derzeit quasi die Standard-Programme für Instant Messaging unter GNOME bzw. KDE.

Abbildung 1: Chatten mit Gaim
Abbildung 2: Kopete hat seinen Namen von einem chilenischen Wort – über dessen Bedeutung die Entwickler sich allerdings ausschweigen

Gaim entstand ursprünglich, um die Funktionalität eines AIM-Clients unter Linux nachzubilden. Mittlerweile bietet das Tool – genau wie Kopete – Zugang zu vielen verschiedenen Instant-Messaging-Systemen an (Abbildung 3). Beide Programme decken nicht nur alle Bedürfnisse eines Instant-Messaging-Users ab; sie erlauben auch die Nutzung des Internet Relay Chat (siehe Kasten 1). In der Handhabung unterscheiden sie sich ein wenig und natürlich auch durch die Integration in die jeweilige Desktop-Umgebung.

Abbildung 3: Gaim unterstützt vielfältige IM-Systeme

Für AIM (Abbildung 4) und auch für Yahoo! Messenger gibt es unter http://www.aim.com/get_aim/linux/latest_linux.adp?aolp= bzw. http://messenger.yahoo.com/messenger/download/unix.html zudem je einen offiziellen Client für Linux, allerdings reicht deren Funktionalität nicht an Gaim und Kopete heran.

Abbildung 4: Der offizielle AIM-Client für Linux

Yahoo!-Nutzer sollten es auf jeden Fall mit dem proprietären Client versuchen, wenn sie mit Gaim und Kopete keinen Zugang zum Netz des Anbieters finden, denn der ist (übrigens wie MSN) sehr restriktiv, was die Nutzung seines Instant-Messaging-Netzes betrifft. AIM und ICQ machen in der Regel keine Probleme. Es empfiehlt sich übrigens in allen Fällen, die allerneueste Version des gewählten Programms zu nutzen, um Probleme beim Zugriff auf fremde IM-Netze zu vermeiden.

Jabber-Nutzer, die auch auf andere Netze zugreifen wollen, kommen übrigens nicht um eine Registrierung bei den jeweiligen Diensten umhin. Erst dann erlaubte zum Beispiel das getestete Jabber-ICQ-Gateway die Anmeldung. Für die ICQ-User ist man mit seinem ICQ-Account sichtbar, die erfahren nichts vom eingesetzten Client oder gar vom Jabber-Server.

Gruppen-Diskussion

Manchmal will ich mit mehr als einer Person gleichzeitig reden. Wie kann ich das machen? Cut & Paste zwischen den verschiedenen Fenstern ist so umständlich …

Dr. Linux: Nicht alle Instant-Messaging-Systeme erlauben den sogenannten Groupchat. Die einfachste Lösung geht über Jabber, dort kann man mit einigen Mausklicks eine Konferenz einberufen. Man benötigt lediglich einen Jabber-Server, der das Erstellen von Konferenzräumen anbietet, beispielsweise amessage.de [6].

Bei Gaim aktiviert man unter dem Menüpunkt Buddies die Option Chat beitreten und erstellt dann den Konferenzraum wie in Abbildung 5. Bei Kopete klickt man mit der rechten Maustaste auf die Glühbirne unten rechts im Hauptfenster und wählt dann die entsprechende Option aus. Steht der Konferenzraum bereit, lädt man alle Beteiligten (meist per Rechtsklick auf den Eintrag in der Buddy-Liste und Auswahl des Punktes Konferenz, Groupchat o. ä.) ein, und schon kann man alles in Ruhe in der Gruppe besprechen.

Abbildung 5: So richtet man mit Gaim einen Konferenzraum ein

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