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Zeichnen in der dritten Dimension

3D-Modelle mit AC3D 4.0

01.01.2004 Das Erschaffen dreidimensionaler Welten mit Povray ist mühsam und fehlerträchtig: Alle Objekte müssen in einer Textdatei definiert werden. AC3D schafft mit seinem grafischen Editor Abhilfe.

Gimp kann viel, aber nicht alles: Wer sich nicht auf Fotobearbeitung beschränken will, sondern eigene, realistisch erscheinende dreidimensionale Szenen erstellen will, kommt an 3D-Modellierung nicht vorbei. Das passende Standard-Tool in der Open-Source-Welt heißt Povray [6], doch trotz mittlerweile immer besserer grafischer Frontends [7] wie KPovModeler schreckt sein Programmieransatz beim Beschreiben der dreidimensionalen Szene viele zunächst ab.

Als Alternative bietet sich der kommerzielle Modellierer AC3D [1] an, eine preiswerte Software zum grafischen Entwerfen dreidimensionaler Welten, zur Modellierung von Zeichnungen und zum Gestalten von Objekten für PC-Spiele, das überdies bei Bedarf mit dem Renderer von Povray zusammenarbeitet. Mit Hilfe von Plugins lassen sich auch andere Objekte wie Flugzeuge für den Gliding Flight Simulator entwerfen.

Da seit der letzten Besprechung in unserer Schwesterzeitschrift Linux-Magazin [2] fast vier Jahre vergangen sind, war es an der Zeit zu schauen, wie sich das Programm, das jetzt in Version 4 vorliegt, entwickelt hat. Bereits ein Blick auf die unterstützten Import- und Exportformate (Tabelle 1) zeigt, dass sich in der Zwischenzeit einiges getan hat.

Tabelle 1: Von AC3D unterstützte Dateiformate

Format

Import

Export

3D-Studio 3DS x x
Lightwave x -
Alias triangle x x
DXF x x
VRML1 x x
VRML2 - x
Povray - x
Renderman RIB x x
Triangles x x
Direct X - x
Milkshape x x
Quake 3 bsp x -
MD2 x x
Wavefront OBJ x -
OFF x -

Woher nehmen?

Obwohl es sich um ein kommerzielles Programm handelt, muss niemand die Katze im Sack kaufen: Auf der Programm-Homepage finden Sie eine Shareware-Version der Software, die bis auf das Speichern und Exportieren von Zeichnungen den vollen Funktionsumfang bietet und nach 14 Tagen Benutzung die Arbeit einstellt.

Um das Programm zu aktivieren, kaufen Sie für 49,95 US-Dollar einen Registrierungsschlüssel, nach dessen Eingabe die Shareware-Version voll funktionsfähig wird; es ist also kein neuer Download nötig. LinuxUser-Leser(inne)n bietet der Hersteller unter [5] bis zum 31. Januar 2004 20 Prozent Rabatt. Für die Vollversion finden Sie auf der Programm-Homepage zusätzlich eine Reihe von Plugins.

Die Einrichtung des Programms gestaltet sich erfreulich einfach: Sie entpacken das Installationsarchiv ac3dlx.tgz mit dem Befehl

tar -xzvf ac3dlx.tgz

in ein Verzeichnis Ihrer Wahl, zum Beispiel /usr/local/, und rufen das Programm ac3d im neu entstandenen Verzeichnis ac3dlx auf (Abbildung 1). Da es statisch gelinkt ist, benötigen Sie keine weiteren Bibliotheken.

Abbildung 1: AC3D verdankt sein Aussehen dem Tk-Toolkit

AC3Ds Programmoberfläche ist in Tcl/Tk [8] geschrieben, die 3D-Darstellung mit OpenGL realisiert. Fast alle Bedienfunktionen versammeln sich in der Werkzeugleiste am linken Rand des Hauptfensters (Abbildung 2), wo man sie mit der Maus anspricht. Dort finden Sie Instrumente zum Auswählen, Erstellen und Manipulieren von Objekten, zur farblichen Gestaltung und zum Ändern der Ansicht. Zusammen mit einigen wenigen Tastaturkürzeln und der Werkzeugleiste am oberen Rand der Zeichenfenster haben Sie so das Programm im Griff.

Abbildung 2: Fast alle Funktionen bedient man über die Werkzeugleiste

Alles so primitiv

Zum Zeichnen bietet AC3D nur einen kleinen Satz von Primitiven an, aus denen Sie das gewünschte Objekt zusammensetzen: Es stehen Polygonlinien, geschlossene Polygonzüge, Kreise, Ellipsen, Rechtecke, Schachbrettmuster, Quader, Zylinder und Kugeln zur Verfügung (Abbildung 3). Diese Auswahl scheint zunächst etwas klein, beim Arbeiten mit dem Programm stellt sich aber schnell heraus, dass sich daraus durch Kombinieren einzelner Elemente alle wichtigen Formen gewinnen lassen. Komplizierte Objekte erzeugen Sie durch Manipulation von Polygonzügen, die Sie auf Knopfdruck in dreidimensionale Objekte umwandeln.

Abbildung 3: Aus diesen Primitiven lassen sich alle benötigten Formen gewinnen

Einen sehr guten Überblick über die Möglichkeiten, die das Programm bietet, und eine Basis für erste Experimente erhalten Sie, wenn Sie die mitgelieferten Beispiele im Verzeichnis models/sampels unterhalb des AC3D-Verzeichnisses öffnen. Wer weitere Inspiration sucht, findet unter [3] eine Reihe von Grafiken, die zeigen, was AC3D alles kann.

Das viergeteilte Fenster aus Abbildung 1 dient als Konstruktionsarbeitsplatz. Neben drei Ansichten des Modells, in denen Sie zeichnen, gibt es eine 3D-Anzeige, in der alle Änderungen an der Zeichnung sofort erscheinen. Dabei beeindruckt vor allem die Geschwindigkeit, mit der auch aufwändige Modelle dargestellt werden. In den Konstruktionsfenstern lassen sich einzelne Objekte ein- und ausblenden, was dabei hilft, auch bei komplizierten Szenen den Überblick zu behalten. Alle Objekte dürfen zudem mit einem Namen versehen und zur gemeinsamen Bearbeitung in Gruppen zusammengefasst werden (Abbildung 4).

Abbildung 4: Objekte benennen

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