Einige Distributionen wie Knoppix [1] oder kmLinux [2] verwenden in der Standardinstallation den gesamten freien Festplattenplatz für eine große Root-Partition und eine Swap-Partition, oder man hat es beim Installieren unbedacht selbst so gewählt. Nicht immer ist dies erwünscht: Wenn Sie /etc/ als unbeschreibbar mounten, pfuscht niemand an Ihren Systemeinstellungen herum, und /home/ ist auf einer eigenen Partition vor Schäden am restlichen Dateisystem sicher. Also alle Einstellungen und privaten Daten sichern, alles löschen und bei einer Neuinstallation versuchen, den Distributions-Installer auszutricksen?
Schneller zum Ziel führt resize_reiserfs aus dem Paket reiserfs (SuSE) oder reiserfsprogs. Ein vorheriges Backup ist aber bei allen Festplattenoperationen – auch mit resize_reiserfs – zu empfehlen.
Das Root-Dateisystem ist im laufenden Betrieb nicht auszuhängen. Falls Sie dieses verändern, booten Sie deshalb ein unabhängiges System wie Knoppix von CD oder die SuSE-Rettungs-CD [3] (Kasten 1).
Kasten 1: Szenario
Im Beispiel verkleinerten wir mit einem von CD laufenden Knoppix [1] (Version 3.2-2003-05-03-DE) eine 70 GB-Partition mit einem installierten kmLinux [2] (Version 3.2). Auch bei einer Festplatteninstallation von Knoppix auf einem ReiserFS war das Verkleinern bei uns kein Problem.
Alternativ zu Knoppix verwenden Sie ein CD-Image einer SuSE-Rettungs-CD von [3] (ca.13 MB), das Sie mit dem Befehl
cdrecord -v dev=0,0,0 speed=4 /pfad/zum/image
brennen. Die Parameter passen Sie an Ihr System an.
Überblick verschaffen
Einen Überblick über die Partitionen von hda verschafft der Befehl
fdisk -l /dev/hda
Arbeitet Ihr Linux nicht auf der ersten Festplatte, ersetzen Sie hda beispielsweise durch hdb.
df -t reiserfs
zeigt den freien Platz auf den eingehängten ReiserFS-Dateisystem in 1-kB-Blöcken (Listing 1). Bevor Sie eine Partition (im Beispiel /dev/hda8) verändern, hängen Sie sie mit
umount /dev/hda8
aus.
Listing 1
Platteninformation vor dem Eingriff
root@linuxspider:/ # fdisk -l /dev/hda
Festplatte /dev/hda: 255 Köpfe, 63 Sektoren, 9964 Zylinder
Einheiten: Zylinder mit 16065 @L: * 512 Bytes
Gerät boot. Anfang Ende Blöcke Id Dateisystemtyp
[…]
/dev/hda8 @L: * 937 9964 72517378+ 83 Linux
root@linuxspider:/ # df -t reiserfs
Dateisystem 1k-Blöcke Benutzt Verfügbar Ben% montiert auf
/dev/hda8 72515156 12750512 59764644 18% /mnt/hda8
Im Beispiel sind auf /dev/hda8 von 70 GB noch 57 GB frei. 7 GB freier Speicher reichen uns, also schrumpfen wir das Dateisystem um 50 GB:
resize_reiserfs /dev/hda8 -s -50G
Neben G für Gigabyte sind auch die Einheiten M für Megabyte und K für Kilobyte möglich. Der Vorgang braucht seine Zeit, in unserem Test blieb der Zähler zwei Minuten lang auf 0% stehen, wodurch der falsche Eindruck entstand, der Prozess hänge fest (Listing 2).
Listing 2
Verkleinern
root@linuxspider:/ # resize_reiserfs /dev/hda8 -s -50G Are you ready (y/n) y Resizing /dev/hda8 shrinking: 0% # Zwei Minuten Kaffeepause syncing … done
Hängen Sie anschließend die veränderte Partition mit
mount -t reiserfs /dev/hda8 /mnt/hda8
in ein beliebiges Verzeichnis ein, hier /mnt/hda8. fdisk -l /dev/hda zeigt nun an, dass sich die Partitionsgröße nicht verändert hat. df -t reiserfs gibt allerdings ein wesentlich kleineres Dateisystem auf dieser Partition an (Listing 3). Diese Differenz von 52,4 Millionen Kilobytes hätte vor 20 Jahren umgerechnet einen Wert von schätzungsweise 25 Millionen Euro gehabt; auch wir wollen auf die rund 50 GB nicht verzichten.
Listing 3
Platteninformation nach dem Verkleinern
root@linuxspider:/ # fdisk -l /dev/hda
Festplatte /dev/hda: 255 Köpfe, 63 Sektoren, 9964 Zylinder
Einheiten: Zylinder mit 16065 @L: * 512 Bytes
Gerät boot. Anfang Ende Blöcke Id Dateisystemtyp
[…]
/dev/hda8 @L: * 937 9964 72517378+ 83 Linux
root@linuxspider:/ # df -t reiserfs
Dateisystem 1k-Blöcke Benutzt Verfügbar Ben% montiert auf
/dev/hda8 20087956 12750512 7337444 64% /mnt/hda8
Kopfrechnen
In Listing 1 zeigte fdisk für /dev/hda8 eine Größe von 72517378 Blöcken von je 1 kB. df gab jedoch nur 72515156 Blöcke im Dateisystem an, eine Differenz von 2222 Blöcken: Das Dateisystem benötigt diesen Platz für Verwaltungsinformationen.
Da im Beispiel das Dateisystem geschrumpft ist, reichen diese 2222 Blöcke auch künftig für die Verwaltungsdaten. 2222 addiert zu den 20087956 Blöcken des neuen Dateisystems ergibt die benötigte Partitionsgröße in 1-kB-Blöcken.
Für die Partitionierung brauchen Sie die Größenangabe jedoch in Zylindern. Auskunft zur Umrechnung gibt in der Ausgabe von fdisk -l /dev/hda die Zeile
Einheiten: Zylinder mit 16065 @L: * 512 Bytes
Ein Zylinder enthält demnach 16065 @L: * 512 Bytes = 8225280 Bytes. Das entspricht genau 8032,5 kB (1 kB = 1024 Bytes). Teilen Sie nun die benötigte Partitionsgröße (20087956 kB + 2222 kB = 20090178 kB) durch diese Zahl, und Sie kommen auf die Anzahl der benötigten Zylinder; im Beispiel 2502: Da Sie nur ganze Zylinder verwenden können, runden Sie das Ergebnis auf (Listing 4).
Wollen Sie den Platzbedarf der Verwaltungsinformationen genauer errechnen, teilen Sie die Größe des Dateisystems durch 32000. Um Platz zu sparen, teilen Sie vorsichtig durch etwas höhere Zahlen als 32000. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass schon ein 32768tel (1 / 2
15) der Dateisystemgröße zu wenig Platz für die Verwaltung bietet. Zuviel Geiz kann zu einem zerstörten Dateisystem führen!
Listing 4
Berechnung der Mindestgröße der wiederanzulegenden Partition
Größe alt (Partition) 72517378 Blöcke
- Größe alt (Dateisystem) 72515156 Blöcke
—————————————–
= Verwaltungsplatz 2222 Blöcke
Größe neu (Dateisystem) 20087956 Blöcke
+ Verwaltungsplatz 2222 Blöcke
—————————————–
= Größe neu (Partition) 20090178 Blöcke
8032,5 Blöcke = 1 Zylinder
20090178 Blöcke
———————- = 2501,11 Zylinder
8032,5 Blöcke/Zylinder



