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Frei von XFree

deskTOPia: twin

01.12.2003 Ob Mails schreiben, News lesen, CDs brennen oder sogar Bilder bearbeiten: All das geht unter Linux auch ohne grafische Oberfläche. Mit Twin hält sogar ein Fenster-Manager Einzug auf der Konsole.

deskTOPia

Wie Ihr Linux-Desktop aussieht, bestimmen allein Sie. Mit deskTOPia nehmen wir Sie regelmäßig mit auf die Reise ins Land der Window-Manager und Desktop-Umgebungen, stellen Nützliches und Farbenfrohes, Hingucker und hübsches Spielzeug vor.

Fernsterln auf der Konsole mutet für manch einen an wie ein Lagerfeuer auf dem Grund des Atlantik. Dennoch ist es möglich, und zwar mit TwinTextmode Windows Environment [1] aus der Feder von Massimiliano Ghilardi. Mit diesem Window-Manager für die Konsole jonglieren Sie mit Anwendungsfenstern wie unter X. Wer keinen X-Server verwendet, muss nicht länger zwischen mehreren Konsolen hin- und herschalten und auch in einer grafischen Oberfläche lässt sich Twin benutzen.

Fenstereinbau für Heimwerker

Da Sie Twin wahrscheinlich nicht auf Ihren Distributions-CDs finden, greifen Sie selbst zum Compiler und übersetzen die Software aus dem Quellcode. Sie finden ihn auf unserer Heft-CD oder unter [1]. Twin benötigt nur Standard-Entwicklungswerkzeuge sowie die Bibliotheken ncurses, zlib und deren Development-Pakete. Möchten Sie unter X eine Twin-Sitzung starten, brauchen Sie zusätzlich die Entwicklungspakete von XFree (unter SuSE XFree86-develxlibs-dev).

Installieren Sie außerdem gpm und gpm-dev, um mit der Maus durch Ihre Fensterschar zu navigieren. Unter SuSE erübrigt sich das, da das gpm-Paket hier standardmäßig installiert ist und die Entwicklerdateien enthält.

Zusammen mit Twin kommt ein CD-Spieler namens twcd im Unterordner contrib des Quellcode-Verzeichnisses. Möchten Sie diese Anwendung nutzen, installieren Sie zusätzlich libcdaudio [2] von der Heft-CD oder von [3]. Bei der breiten Auswahl leistungsfähiger CD-Player für die Konsole (z. B. cdp) sind Sie jedoch nicht auf twcd angewiesen.

Entpacken Sie den Twin-Quellcode, und wechseln Sie in das neu entstandene Verzeichnis twin-0.5.1. Dort erledigt der Dreisatz ./configure; make; make install Übersetzung und Installation der Software. Um twcd ebenfalls zu kompilieren, folgt nach make noch make -C contrib. Dies führte bei unseren Tests nur dann zum Erfolg, wenn libcdaudio und die zugehörigen Header-Dateien in /usr/lib/ und /usr/include lagen.

Per Default installiert sich Twin in die Verzeichnisse unterhalb von /usr/local, so dass Sie make install als root aufrufen müssen. Danach machen Sie – immer noch als root – mit ldconfig Ihr System mit den neu installierten Bibliotheken bekannt. Vergewissern Sie sich zuvor, dass in der Datei /etc/ld.so.conf die Zeile/usr/local/lib steht; bei SuSE ist das Standard, Mandrake- und Red-Hat-Nutzer tragen sie selbst ein.

Erste Schritte

Ob Sie Twin auf der Konsole oder unter X starten, ist egal: Das Programm wählt selbst den richtigen Ausgabemodus. Im grafischen System öffnet Twin seinen Desktop in einem normalen Fenster, nur in einer Textkonsole übernimmt es die Kontrolle über den ganzen Bildschirm und sorgt für's richtige Fenster-Manager-Feeling.

Starten Sie vorher den gpm-Dienst, der Ihnen auch im Textmodus die Maus zur Verfügung stellt. Bei Mandrake und Red Hat Linux läuft gpm per Default, SuSE-Anwender starten ihn als root mit dem Befehl /etc/init.d/gpm start. Haben Sie anschließend Probleme mit der Maus unter X, beenden Sie gpm mit /etc/init.d/gpm stop wieder.

Läuft Ihr neuer Fensterherrscher, liegt es an Ihnen, die Arbeitsfläche mit Programmfenstern zu bevölkern. Ein Druck auf [Pause] oder die rechte Maustaste zeigt das Twin-Menü am oberen Bildschirmrand. Über File / New Term starten Sie twterm, das Twin-Äquvivalent zu xterm; schneller geht es mit der Tastenkombination [Alt-Pfeil hoch].

Twin stattet jedes Fenster mit einer Titelleiste aus, deren Buttons die wichtigsten Optionen bieten. Über den linken Knopf schließen Sie ein Fenster, der zweite Button reduziert es auf die Titelleiste und rollt es wieder aus. Der dritte ganz rechts gibt den Fokus an das nächste geöffnete Fenster oder den Desktop ab. Das ist praktisch, da Twin immer nur das Menü für das gerade aktive Objekt anbietet, Macintosh-Benutzer kennen dieses Verhalten.

Alternativ klicken Sie mit der linken Maustaste auf eine freie Stelle der Arbeitsfläche, damit Twin wieder das Hauptmenü einblendet. Die Tastenkombination [Alt-Tab] wechselt zwischen den Fenstern.

Wie bei anderen Window-Managern verschieben Sie Twin-Fenster mit gedrückt gehaltener linker Maustaste und passen ihre Größe durch Ziehen an dem kleinen Anfasser in der rechten unteren Ecke des Fensters an. Das geht auch mit der Tastatur: Wählen Sie Window / Resize, stutzen Sie das Fenster mit den Pfeiltasten auf die gewünschten Maße zurecht, und schließen Sie die Aktion mit [Enter] ab.

Ein einzelnes twterm-Fenster bietet allerdings noch keinen Fortschritt gegenüber einer normalen Konsole. Starten Sie weitere Terminals, auf die Sie die Programme verteilen, die Sie im Auge behalten wollen.

Der Menüpunkt File / Execute startet ein Programm direkt, ohne den Umweg über die Eingabeaufforderung. Ein Häkchen vor Run in Terminal sorgt bei interaktiven Anwendungen wie dem Mail-Programm mutt für den passenden Container.

So haben Sie mit Twin alle wichtigen Applikationen im Blick (Abbildung 1). Wenn es doch einmal zu unübersichtlich wird, weist Ihnen die Fensterliste, die Sie über einen mittleren Mausklick auf den Desktop einblenden, den Weg aus dem Chaos.

Abbildung 1: Mit Twin haben Sie vom Systemmonitor bis zu Ihren Mails alles im Blick

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LinuxUser 03/2012

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