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Texte für Nicht-Lateiner

The Answer Girl: Kyrillische u. a. Texte mit GUI-Programmen erstellen

01.12.2003 Der Globalisierung sei Dank: So langsam entdeckt die Desktop-Entwickler-Fraktion, dass es außer den lateinischen Buchstaben auch noch andere Alphabete gibt. Mit aktuellen Distributionen und aktuellem KDE ist das Schreiben in fremden Zeichen schon wesentlich unkomplizierter als noch vor einiger Zeit.

The Answer Girl

Dass der Computeralltag auch unter Linux des Öfteren Überraschungen bereit hält, ist eher eine Binsenweisheit: Immer wieder funktionieren Dinge nicht oder nicht so, wie eigentlich angenommen. Das Answer-Girl im LinuxUser zeigt, wie man mit solchen Problemchen elegant fertig wird.

Schon eine nicht perfekt ans Deutsche angepasste Distribution macht es deutlich: Auf der grafischen Oberfläche funktionieren die Umlaute noch, auf der Konsole nicht mehr. Wenn's um Schriften und Zeichensätze geht, gibt es bei Linux und anderen Unix-Betriebssystemen immer zwei vollkommen voneinander unabhängige Hebel: die Konfiguration der Textkonsolen und die der grafischen Oberfläche, des X-Window-Systems.

Kommen fremde Alphabete hinzu, gilt diese Trennung weiterhin, und gerade, wer meist muttersprachliche sowie ab und an fremdsprachliche Texte tippt, nimmt eher die einfachere Umstellung der Textkonsole [1] in Kauf. Doch wie unser Leser Torsten Förtsch in [2] so treffend schrieb: "Viel nötiger ist eine gute Mehrsprachigkeit unter X11." – sein lesenswertes Tutorial zur deutsch-russischen Tastaturkoexistenz unter X ist unter [3] zu finden.

KDE macht's einfach

Zum Glück geht es auch einfacher – zumindest für alle, die KDE benutzen. Denn dort gibt es im Kontrollzentrum den Punkt Regional-Einstellungen und Zugangshilfen / Tastaturlayout (KDE 3.1.4; bei anderen Versionen variieren die Bezeichnungen mitunter). Dort enthält der Reiter Layout den Punkt Tastaturlayouts aktivieren (Enable keyboard layouts).

Was da aus dem deaktivierenden Grau auftaucht (Abbildung 1), ist nichts anderes als die Möglichkeit, viele Tastaturen in einer zu haben: Die angeschlossene und unter Tastaturtyp (Keyboard model:) auszuwählende Tastatur ("normale" deutsche Keyboards mit Windows-Tasten zählen zur Kategorie Generic 105-key (Intl) PC) darf einerseits die gewohnten, aufgedruckten Zeichen ausgeben, lässt sich aber auf andere Tastaturbelegungen umschalten. Dann stimmt die Beschriftung zwar nicht mehr, aber einen Tod muss sterben, wer sich nicht mehrere Rechner leistet.

Abbildung 1

Abbildung 1: Mehrere Tastaturbelegungen wählt man in diesem Kontrollzentrumsdialog aus

Der Punkt Primäre Belegung beschreibt die Standardbelegung; hier bietet sich Deutsch bzw. Deutsch (Schweiz) an; wer öfter programmiert als Akzente über Buchstaben platziert, wählt zudem noch die Primäre Variante hinzu.

Im Feld Zusätzliche Belegungen kreuzt man jetzt die gewünschte Zweit-, Dritt- etc. -Tastaturbelegung an. In Abbildung 1 sind das zwei russische Belegungen: die phonetische und die "echte" (Kasten 1). Da man später zwischen allen Belegungen durchtoggeln wird, empfiehlt es sich hier, nur wirklich benötigte anzuwählen – nachtragen geht schließlich jederzeit.

Kasten 1: Phonetisch oder nicht?

Die phonetische Tastaturbelegung bietet sich für alle an, die nur sehr selten mal einen kyrillischen Buchstaben brauchen: Es handelt sich dabei praktisch um eine amerikanische Tastatur, der man durch gleichzeitiges Drücken der [AltGr]- und einer Buchstabentaste soweit das geht den phonetisch äquivalenten russischen Buchstaben entlockt. So ergibt [AltGr-s] das russische s, also c. Leider hat diese Belegung den Nachteil, dass sie im Test nicht wirklich alle Buchstaben des kyrillischen Alphabets ausspuckte.

Wer längere russische Texte schreiben möchte, nimmt besser die Mühen auf sich, eine vollkommen neue Tastaturbelegung zu lernen, die mit der deutschen rein gar nichts zu tun hat (Abbildung 2). Bei dieser echten russischen Belegung kommen per Default russische Buchstaben heraus (in Abbildung 2 lila markiert); im Zusammenhang mit [AltGr] erhält man die Buchstaben der amerikanischen Tastatur: [AltGr-Umschalt] plus Taste ergibt von den türkis markierten Zeichen jeweils das obere; einfach nur [AltGr] plus Taste das untere.

Obwohl in Abbildung 1 beide Belegungen angekreuzt sind, empfiehlt sich dies nicht: Da beide von einem und demselben Icon symbolisiert werden, bleibt nur die Reihenfolge beim Toggeln als Unterscheidungsmerkmal.

Abbildung 2

Abbildung 2: Die Belegung eines echten russischen Keyboards

Obwohl das Feld Umschaltregelung das verlockende Angebot macht, die Tastatur pro Programm oder gar pro Fenster umzuschalten (damit ließe sich das Mail-Programm weiterhin mit deutscher Tastatur, die Textverarbeitung hingegen mit russischer bedienen – oder im Fall von Fenster sogar ein deutsches neben einem russischen Dokument in OpenOffice bearbeiten), funktioniert derzeit nur der Punkt Global.

Bestätigt man die Auswahl nämlich mit Anwenden, erscheint in der Werkzeugleiste links neben der Uhr ein kleines Fähnchen-Icon (Abbildung 3). Mit Mausklicks darauf toggelt man sich in einer "Endlosschleife" durch die gewählten Tastaturbelegungen.

Da man sich zum Klicken immer über der Werkzeugleiste befinden muss, bezieht sich das Umschalten bei nicht-globalen Umschaltregelungen immer nur auf dieses Programm bzw. Fenster, nicht aber auf dasjenige, auf das man eigentlich abzielt. Für Fenster- und Programm-basiertes Umstellen bräuchte es Tastenkürzel.

Abbildung 3

Abbildung 3: Der "System-Tray"-Teil der Werkzeugleiste mit dem Tastaturumschalter

Der Anwendungsfall

Wer jetzt in einem Web-Browser Google aufruft und mit dem Fähnchen-Icon die richtige Tastatur einstellt, der oder dem eröffnet sich ein Teil des WWW, der Leuten, die nur das lateinische Alphabet benutzen, auf immer verborgen bleibt (Abbildung 4). Damit das auch mit dem Konqueror reibungslos klappt, sollte das System allerdings möglichst aktuell sein: Bei einer SuSE 8.1 mit KDE 3.1.3 mussten wir unter Ansicht / Kodierung festlegen explizit Kyrillisch (koi8-r) einstellen, ehe wir den Google-Suchauftrag auf Russisch abschickten. Da KOI8 die deutschen Umlaute nicht enthält, sieht Googles deutsche Benutzerschnittstelle dabei jedoch leicht falsch geschrieben aus.

Achtung: Zum Bedienen von Shortcuts (und natürlich auch beim Wechsel auf die Kommandozeile) braucht man wieder lateinische Buchstaben. Wenn's öfter mal piepst und man am Rechner schier verzweifelt, heißt es, ruhigen Kopf zu behalten und in die Werkzeugleiste zu schauen: Vermutlich ist da gerade eine andere Tastaturbelegung eingestellt, als die, mit der man gerade zu tippen versucht…

Abbildung 4

Abbildung 4: Google findet auch dann Seiten, wenn man nach Linux auf Russisch sucht

Auch wer einen der beiden KDE-Editoren kwrite oder kate aufruft und mit dem Fähnchen-Icon die richtige Tastatur einstellt, kann sofort in fremden Zungen lostippen. Natürlich ist es erlaubt, innerhalb eines Textes die Tastaturbelegung umzuschalten, etwa um an Umlaute zu kommen. Der entscheidende Punkt ist das Speichern.

Wer dabei im Dialog aus Abbildung 5 vergisst, im Pop-Down-Menü rechts außen die richtige Kodierung einzustellen, bekommt ein Problem: Die Standardkodierung iso 8859-15 kennt außer dem lateinischen Alphabet zwar auch deutsche Umlaute und den Euro, aber keine anderen Alphabete. Passt man hier nicht auf, speichert man schnell Zeichensalat und beraubt sich so unter Umständen der Früchte mehrstündiger Arbeit.

Abbildung 5

Abbildung 5: Die richtige Kodierung vermerkt man am besten auch im Dateinamen

Für russische Texte bietet sich die Kodierung koi8-r an; wer darin aus irgendwelchen Gründen auch deutsche Umlaute unterbringen will, entscheidet sich besser gleich für eine Unicode-Kodierung wie utf8. Unicode definiert praktisch alle auf der Welt verwendeten Schriftzeichen, auch wenn sich das, was man tatsächlich schreiben kann, darauf beschränkt, was die installierten Schriften hergeben.

So muss, wer etwa Hindi oder Arabisch schreiben möchte, dem Editor im Konfigurationsdialog beim Punkt Schriftarten gezielt sagen, dass als Schrift Clearlyu Devanagari Extra (für Hindi) bzw. Clearlyu Arabic Extra zur Anwendung kommen soll. Diese Schriften gehören mittlerweile zur Standardausstattung des X-Window-Systems (bei Debian sind die entsprechenden Font-Dateien cu-devnag12.pcf.gz und cu-arabic12.pcf.gz im Paket xfonts-base enthalten, bei SuSE 8.1 in xf86-4.2.0). Zeigt jedoch die Vorschau des Schriftdialogs – wie bei SuSE 8.1 mit KDE 3.1.3 der Fall – bei Auswahl dieser Schriften trotz allem nur den lateinischen Testsatz Falsches Üben von Xylophonmusik quält jeden größeren Zwerg, hilft auch das nichts.

Für Russisch erkennen die KDE-Editoren noch selbst, woran sie sind; entsprechende Schriften für X installiert man bei Bedarf nach (bei Debian stecken sie im Paket xfonts-cyrillic, bei SuSE in xfntcyr).

Leider haben all diese Bitmap-Schriften einen Nachteil: Sie sind für den Bildschirm und nicht zum Ausdrucken gedacht. Solange der in [5] beschriebene Bug nicht aus den Distributionen verschwunden ist, drucken KDE-Anwendungen Texte mit nicht-lateinischen Buchstaben nur aus, wenn man passende PostScript-Schriften auswählt.

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LinuxUser 05/2014

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