Die verflixte Sieben

StarOffice 7 und OpenOffice 1.1

01.12.2003

Mit OpenOffice 1.1 und StarOffice 7 sind zwei Office-Pakete für Linux in aktualisierten Fassungen erschienen. Unser Vergleich zeigt die Unterschiede zwischen freier und kommerzieller Variante.

Star- und OpenOffice zählen zu den beliebtesten Office-Paketen unter Linux. In ihrem Segment sind sie die unbestrittenen Marktführer. Aufgrund der Portierungen für die drei Betriebssysteme Linux, Windows und Solaris eignen sie sich zudem für den Einsatz in heterogenen Umgebungen. Beide Pakete stehen derzeit in einer neuen Version zur Verfügung.

Dass beide Programme mit großen Versionssprüngen fast immer zeitgleich erscheinen, liegt an der Geschichte der beiden Pakete: Nach der Veröffentlichung von StarOffice 5.2 speckte der Hersteller die Büro-Software gehörig ab. Übrig blieben nur Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, ein Zeichen-, und ein Präsentationsprogramm. Anschließend gab der Hersteller das Paket unter dem Dach des OpenOffice-Projektes frei [4]. Aufbauend auf dessen Entwicklung schnürt Sun in regelmäßigen Abständen ein neues Gesamtpaket. Letzteres gelangt schließlich unter dem alten Namen StarOffice in den Handel.

Mitte September kündigte Sun die neue Version 7 an. Dies überraschte etwas, da die fertige Version von OpenOffice 1.1 offiziell erst am 1. Oktober freigegeben wurde. Laut Pressestelle soll das im Handel erhältliche Paket aber auf OpenOffice 1.1 basieren.

Abbildung 1: Bei OpenOffice findet man auf den ersten Blick nur wenige Neuerungen
Abbildung 2: StarOffice 7 gleicht OpenOffice fast wie ein Ei dem anderen

Appetitanreger

Als kleinen Appetitanreger bietet Sun eine kostenlose deutsche Testversion zum Download an [1] – sie ist in der Laufzeit beschränkt. Nach der Registrierung lässt sich die rund 120 MB große Datei auch ohne den Download-Manager herunterladen. An gleicher Stelle finden Anwender das Handbuch und eine Installationsanleitung im PDF-Format.

Als Systemvoraussetzung gelten ein Pentium-Prozessor mit 128 MB RAM und mindestens Linux-Kernel 2.2.18. Bei unserer Testinstallation unter SuSE Linux 8.2 fand das Setup-Programm die standardmäßig installierte Java-Umgebung (Java Runtime Environment) nicht.

Erst nachdem wir den Pfad per Hand angaben, konnte StarOffice das JRE nutzen. Dieses Problem trat ebenfalls bei OpenOffice 1.1 auf.

Neue Komponenten

Die neue StarOffice-Version 7 erweitert OpenOffice im wesentlichen um einige kommerzielle Komponenten. Hierzu zählen insbesondere die andere Rechtschreibprüfung und der Thesaurus – letzterer ist immer noch ein Schwachpunkt des kostenlosen Pendants. Weiterhin darf sich der Käufer über zusätzliche Schriftarten und eine reich gefüllte Clipart-Sammlung freuen.

Abbildung 3: OpenOffice enthält erstmals ein experimentelles Vorlagenpaket

Betrachtet man den Funktionsumfang beider Pakete, sind die Änderungen gegenüber der jeweiligen Vorversion eher im Kleinen zu suchen. OpenOffice enthält erstmals ein experimentelles Vorlagenpaket, das an die bei StarOffice 7 mitgelieferten Vorlagen in Umfang und Qualität aber nicht heranreicht (siehe Abbildung 3).

Ein Highlight ist sicherlich der direkte Export der Dokumente ins PDF-Format. Der umständliche Behelf über einen Druckertreiber ist somit nicht mehr nötig. Vor allem Präsentationen können nun endlich in ein PDF-Format exportiert werden, das später vom Acrobat Reader im Vollbild angezeigt wird; mit älteren OpenOffice/StarOffice-Versionen ging das nicht, auch nicht über den Umweg des Drucks in eine PostScript-Datei.

Im Gegensatz zum PDF-Filter von Ghostscript wirkt das Schriftbild besser, dafür sind die produzierten Dateien etwas größer. In unseren Tests zeigte sich: Die Dokumente benötigen etwa ein Drittel mehr Speicherplatz.

Ein Grund hierfür könnte die standardmäßige Einbettung der Schriftarten sein. Auf weitergehende Einstellmöglichkeiten muss der Benutzer verzichten: StarOffice erzeugt stur das PDF-Format 1.4; aktuell ist 1.5. Einen Acrobat Distiller kann der PDF-Export somit noch nicht ersetzen (siehe Abbildung 4).

Abbildung 4: Star- und OpenOffice erlauben nur wenige Einstellungen beim PDF-Export

Präsentationen und Zeichnungen lassen sich ab sofort als Macromedia-Flash-Dateien sichern. Dieses Format ist auf Internet-Seiten immer häufiger anzutreffen. Leider schöpfen Star- und OpenOffice die Möglichkeiten dieses Formates nur marginal aus: Bei exportierten Präsentationen fehlen beispielsweise sämtliche animierten Übergänge, und interaktive Elemente funktionieren nicht mehr.

Weitere Neuerungen sind die verbesserten Microsoft-Office-Filter, die Möglichkeit, Palm- (AportisDoc) oder PocketPC-Dokumente (Pocket Word, Pocket Excel) zu bearbeiten, sowie die Unterstützung des gerade unter Linux bekannten DocBook-Formats.

Ebenfalls neu ist der längst überfällige Makrorekorder, der wiederkehrende Arbeitsabläufe schnell und einfach in einem Makro zusammenfasst.

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