SuSE begibt sich unter Novells Fittiche, und Mandrake hat mit einem Hardwareproblem zu kämpfen. Zudem werfen wir einen Blick auf das neue VectorLinux [1] und zwei kompakte Live-Distributionen, die besonders für den schmalbrüstigen Zweitrechner geeignet sind.

VectorLinux mit neuer Major-Version

Zahlreiche neue Details wie die bessere Unterstützung für USB-Geräte waren den Machern der kompakten Distribution VectorLinux ([1], http://www.vectorlinux.com/) einen Sprung in der Hauptversionsnummer wert: Version 4.0 basiert auf Kernel 2.4.22, GCC 3.2.2 und XFree 4.3.0.

Nach dem Booten einer CD mit dem 230 MByte großen ISO-Image von der Projekt-Homepage gibt die Anwenderin lediglich das gewünschte Tastaturlayout ein und entscheidet, auf welche Partition das System – ohne weitere Nachfrage – installiert wird. Die automatische Hardwareerkennung arbeitet sicher, und so steht sofort ein funktionierendes X-Window-System bereit, auf dem nach Wahl die Window-Manager Fluxbox, Xfce oder IceWM (Abbildung 1) Dienst tun.

Abbildung 1: VectorLinux 4.0 mit IceWM

Da VectorLinux bei der Installation weder einen unprivilegierten Benutzer einrichtet noch den root-Account mit einem Passwort schützt, sollten Sie beides nach dem ersten Start sofort nachholen: Einen neuen User erzeugt der Kommandozeilenbefehl adduser.

Die Grundbedürfnisse von Internet-Nutzern befriedigt VectorLinux 4.0 mit dem Browser Mozilla Firebird, dem E-Mail-Programm Sylpheed und dem FTP-Client gFtp. In der Kategorie Büroprogramme ist die Ausstattung etwas mager: Lediglich Abiword in der nicht mehr ganz taufrischen Version 1.0.6 findet die Anwenderin vor; eine Tabellenkalkulation sucht sie vergebens.

Da VectorLinux auf Slackware basiert, lässt sich das System jedoch problemlos um Programme aus dem riesigen Slackware-Fundus ergänzen. Zur Pflege des Programmbestands liefert die Distribution das Tool vecpkg mit, das Software von einer CD, aus einem Verzeichnis oder von einem FTP-Server installiert (Abbildung 2).

Abbildung 2: Paketinstallation mit vecpkg

Seine Stärken spielt VectorLinux besonders auf älteren Rechnern aus; auch auf Pentium-I-Systemen mit unter 64 MByte Arbeitsspeicher ist noch flüssiges Arbeiten möglich. Neben der Download-Version gibt es eine Deluxe-CD, die neben der Grundausstattung unter anderem die aktuellen Versionen von KDE und GNOME, OpenOffice und Gimp enthält. Sie ist für 22,97 US-Dollar auf der Projekt-Homepage erhältlich und bringt ein gedrucktes Benutzerhandbuch mit.

Welpen-Linux

Vollständig in eine 64 MByte große RAM-Disk passt Puppy Linux (http://www.goosee.com/puppy/), eine kleine Distribution, die ohne Installation auf Festplatte auskommt. Das System startet von CD, von einer Festplatte oder einem Flash-Speichermedium.

Anschließend begrüßt ein grafisches Einrichtungsprogramm für das X-Window-System die Benutzerin. Hier sind Auflösung und Wiederholfrequenz des Monitors gefragt. Sind die bekannt, lässt ein gut konfigurierter fvwm-Window-Manager Erinnerungen an Windows 95 aufkommen (Abbildung 3).

Abbildung 3: Puppy Linux

Puppy Linux bringt vor allem kleine und ältere Programme mit, die wenig Speicherplatz und Prozessorleistung benötigen. Nichtsdestotrotz ist alles da, was eine nicht allzu anspruchsvolle Desktop-Nutzerin braucht: Als Schreibprogramm steht Ted [2] zur Verfügung, die Datenbank Gaby [3] speichert Adressdaten, als Browser sind Dillo und Amaya vorhanden, wobei letzterer auch als WYSIWYG-HTML-Editor dient.

Zum Malen dient XPaint; Vektorgrafiken erstellt Figurine [4]. Der ROX-Filer [5] dient sowohl als Datei-Manager als auch als Thumbnail-Betrachter für Grafiken. Zum Anschauen von PostScript- und PDF-Dateien bringt Puppy Linux Ghostscript und Ghostview mit.

Am lokalen Netzwerk nimmt die Distribution dank eines DHCP-Clients schnell teil, und ein Samba-Client weist den Weg zu freigegebenen Verzeichnissen auf dem Server. Unter http://www.goosee.com/puppy/networking/win98/win98-config.htm finden Sie eine Anleitung, wie Sie auf Windows-Ressourcen zugreifen.

Klein, stark, schnell

In Siebenmeilenstiefeln schreitet die Entwicklung von Damn Small Linux (http://www.damnsmalllinux.org/) voran. Entwickler John Andrews hat die nur etwa 45 MByte große Live-Distribution weiter verbessert und um einige Programme erweitert. So findet als grafischer Browser jetzt Dillo in einer gepatchten Version mit Tabbed-Browsing Verwendung, das E-Mail-Programm Sylpheed bereichert die Distribution ebenso wie der Datei-Manager emelfm. Wer einen größeren Browser benutzen mag und über die nötige Bandbreite verfügt, lädt sich Firebird aus dem Netz nach.

Abbildung 3: Damn Small Linux

Wie der große Bruder Knoppix kann auch Damn Small Linux komplett in den Arbeitsspeicher kopiert werden, damit das CD-Laufwerk, von dem es gestartet wurde, wieder frei wird.

Mandrake zerstört Laufwerke

In die neueste Version der französischen Distribution hat sich ein schwerer Fehler eingeschlichen: Einige CD-ROM- und DVD-Laufwerke der Firma LG werden unbrauchbar, wenn Sie versuchen, von ihnen aus Mandrake 9.2 zu installieren (http://www.mandrakelinux.com/en/errata.php3). Grund für diesen Fehler ist eine neue Firmware in dieser Hardware, bei denen der Befehl zum Leeren des Laufwerkcaches zum Löschen der Firmware führt. http://www.mandrakelinux.com/en/lgerrata.php3 führt aus, welche Geräte mit der fehlerhaften Firmware ausgestattet sind und welche funktionieren. Mandrake bietet mittlerweile einen neuen Kernel an, der das Problem behebt. Er ist beispielsweise unter ftp://ftp.tu-clausthal.de/pub/linux/mandrake/updates/9.2/RPMS/ zu finden und lässt sich mittels MandrakeUpdate oder rpm -Fvh kernel@L: *.rpm einspielen. Bis zum Erscheinen dieses Heftes wird dieser Kernel auch in den ISO-Images und auf den CDs enthalten sein.

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Für 210 Millionen USD (ca. 182 Millionen Euro) übernimmt der US-Software-Konzern Novell die SuSE Linux AG.

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Gnoppix (http://www.gnoppix.org/), die Live-CD mit dem GNOME-Desktop, steigt in der neuen Version 0.6 auf das brandneue GNOME 2.4 um und enthält viele Detailverbesserungen.

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Mit Red Hat Enterprise Linux 3.0 (http://www.redhat.de/software/rhel/) stellt Red Hat eine neue Version ihrer Distributionslinie für Unternehmen vor. Der Advanced Server unterstützt sieben Hardware-Architekturen und ist als Server für große Unternehmen gedacht. Der Entry Server für kleine Datei- oder Datenbank-Server exisiert ausschließlich für x86-Systeme. Dritte im Bunde ist die Workstation, die keine Server-Anwendungen enthält und als Unternehmensdesktop gedacht ist. Die Software gibt es zum freien Download in Quelltextform (z. B. von ftp://ftp.cs.uni-frankfurt.de/pub/linux/Mirror/ftp.redhat.com/linux/enterprise/3/en/os/i386/SRPMS/) und als Binär-Version zu kaufen. Letztere sind nur in Verbindung mit einem Support-Vertrag von Red Hat zu bekommen.

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Jollix (http://www.jollix.de/) bereichert als 506 MByte großes ISO-Image den Reigen der Live-Distributionen um eine Gentoo-basierte Variante, die besonders für Spiele ausgelegt ist. Version 0.2.1 stammt von Gentoo 1.4 ab und unterstützt Nvidia- und ATI-Grafikkarten im 3D-Modus. Als Desktop-Umgebung ist KDE 3.1.4 dabei, daneben finden sich einige Mediaspieler und Wine, um Windows-Anwendungen ausführen zu können. Eine Installation auf der Festplatte ist möglich, momentan empfehlen die Entwickler diesen Schritt allerdings nur erfahrenen Anwenderinnen. Für die Zukunft planen sie ein grafisches Installationsprogramm.

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Die Firma Progeny des Debian-Gründers Ian Murdock (http://www.progeny.com/), bekannt geworden durch den gescheiterten Versuch einer Debian-basierten, kommerziellen Distribution [6], arbeitet an einem Paketverwaltungs- und Installationsprogramm, das auf RPM- genauso wie auf Debian-basierten Distributionen eingesetzt werden kann. Als Grundlage dient Red Hats Programm Anaconda; Ziel ist es, deb- und rpm-Pakete gemischt zu installieren und zu verwalten.

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Eine inoffizielle Debian-DVD, die auf der stabilen Version Woody basiert, aber die aktuellen KDE-3.1.4-Pakete, XFree 4.2.1, OpenOffice und die bisher erschienenen Security-Updates enthält, bietet die Fachbuchhandlung Lehmanns (http://www.lob.de/linux/) für 19,95 EUR an.

Infos

[1] Frank Wieduwilt: "Kraftvolle Minis", LinuxUser 08/2002, S. 34 ff.

[2] Frank Wieduwilt: "Kleine Texter", LinuxUser 07/2002, S. 47 ff., http://www.linux-user.de/ausgabe/2002/07/047-textprogs/textverarbeitungen-6.html

[3] Frank Wieduwilt: "Adressen und mehr", LinuxUser 10/2000, S. 64 ff., http://www.linux-user.de/ausgabe/2000/10/063-db3/gaby-4.html

[4] Frank Wieduwilt: "Punkt, Gerade, Kurve", LinuxUser 09/2001, S. 40 ff., http://www.linux-user.de/ausgabe/2001/09/040-vektorgrafik/vektorzeichenprogramme-3.html

[5] Jo Moskalewski: "RISC rocks", LinuxUser 07/2002, S. 68 f., http://www.linux-user.de/ausgabe/2002/07/068-desktopia/rox-2.html

[6] Patricia Jung: "Sprung ins kalte Wasser", LinuxUser 08/2001, S. 84 f., http://www.linux-user.de/ausgabe/2001/08/084-progeny/progeny-installation.html

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